Auf den Spuren von EM in Kamerun – Teil 1

Reisen des EM e.V. gingen in der Vergangenheit nach Asien oder blieben in Europa. In diesem Jahr führte eine Reise zum ersten Mal nach Afrika, an die Westküste, fast an den Äquator – in die Republik Kamerun.

Ausgangspunkt war der Besuch des Bremer EM-Stammtischs zu der Kaffeerösterei UTAMTSI, außerhalb Bremens. Der engagierte Vortrag von Morin Kamga Fobissie, einem der beiden Gründer und gebürtiger Kameruner, begeisterte die Gruppe dermaßen, dass spontan der Wunsch geäußert wurde: Warum fahren wir nicht einmal dorthin, um mit eigenen Augen zu sehen, was dort schon mit EM gemacht wird? Morin hatte nämlich berichtet, dass in seiner Heimat schon intensiv mit EM gearbeitet wird, außerdem, dass sie schon seit mehreren Jahren Reisen für interessierte (hauptsächlich Bremer) Kunden nach Kamerun organisierten. Der erste Aufruf 2012 im EMJournal stieß auf so starke Resonanz, dass die Pläne konkretisiert wurden und am 28. Januar 2013 eine 17-köpfige Gruppe die 14-tägige Reise antrat.

EM ist auf zwei Wegen nach Kamerun gekommen. Bei einer Ausstellung 2008, wo UTAMTSI ihren fair gehandelten Kaffee anbot, sprach Herbert Rohde, Mitarbeiter in der EM e.V.- Geschäftsstelle in Bremen, Morin an und klärte ihn über die Möglichkeiten der EM-Technologie im Kaffee-Anbau auf. Bald darauf begann Morin, EM selbst auszuprobieren und sich darüber zu informieren. Daraufhin beschlossen er und sein Partner, die Bauern in Kamerun vom
Nutzen der EM-Technologie zu überzeugen. Wir konnten sie in Kontakt zu der Niederlassung EM Cameroon bringen, die schon seit Beginn des Jahrhunderts unter der Kontrolle der EMRO EM·1 herstellt und vertreibt. Inhaber David Sama ist mit einer Schweizerin verheiratet ist, und kannte EM von daher. Kaum hatte er von unserer Reise nach Kamerun gehört, lud er die Gruppe zu einem Besuch ein.

Die Reise in das Dorf Fondjomekwet

Trotz Streikankündigungen auf deutschen Flughäfen kamen wir gemeinsam (exklusive eines Koffers) in Douala, der größten Hafenstadt Kameruns an und erhielten bei der Fahrt mit unserem Kleinbus, der uns die nächsten 14 Tage sicher von Ort zu Ort bringen sollte, einen ersten Eindruck einer afrikanischen Stadt. Im Schatten einer großen Kirche wurden wir mit dem ersten afrikanischen Abendessen empfangen, um dann in einem ruhigen Schlaf die ersten Eindrücke zu verarbeiten. Auf der Fahrt in „unser“ Dorf mit dem klingenden Namen Fondjomekwet, wo wir die nächsten fünf Tage verbringen sollten, wurden wir nicht nur mit den gewöhnungsbedürftigen Straßenverhältnissen vertraut gemacht, wir erlebten auch den einzigen der häufigen Polizei-Straßenstopps, der einen aggressiven Polizisten in Aktion zeigte. Erstarrt in unseren Sitzen lernten wir die Kompetenz unseres Reiseführers Morin kennen, der sich mit Worten und Gesten für uns zu wehren wusste. Der Abzweig von der Hauptstraße zu unserem Dorf führte sogleich auf eine rote Lehmpiste, wie sie in der gesamten Gemeinde Banja, zu der unser Dorf gehört, üblich sind. Spätestens hier lernten wir, die Fähigkeiten unseres gelassenen, kompetenten Fahrers schätzen. Bevor wir das Dorf erreichten, hielten wir bei einer alten Bäuerin, die allein in ihrer Hütte lebt und u.a. Kaffeepflanzen mit Hilfe von EM anbaut. Im Wesentlichen lebt sie von den Feldfrüchten, die sie anbaut. Gleich zeigte sie uns, wie sie ihr Feld beim Haus mit der kurzstieligen Hacke – die hier überall üblich ist – bearbeitet.

Der Kaffee ist für die Menschen hier ein so genanntes „Cash-Crop“, also eine Frucht, die man nur zum Verkauf anbaut, nicht für den eigenen Konsum. Strom, Medikamente, Schulgeld, Sprit fürs Moped usw. müssen aus solchen Verkäufen bestritten werden. Im Dorf angekommen, machten wir uns mit der Umgebung vertraut, bezogen die (Doppel)Zimmer und lernten eine Gruppe von Jugendlichen kennen, die offenbar auf unsere Ankunft gewartet hatten.

Gasteltern und Paten

Bei den UTAMTSI Reisen ist der Kern des Besuchsprogramm immer die Begegnung mit den Menschen im Dorf. Da es in der örtlichen Schule auch einen Zweig mit Deutschunterricht gibt, haben sich einige dieser Schüler mit ihren Familien als Gastgeber für uns angeboten. Am zweiten Abend kamen Eltern und Schüler zu uns ins „Hotel“, um sich vorzustellen und uns kennen zu lernen. Nur gut, dass wir ein paar in der Gruppe hatten, die Französisch sprechen – neben unseren Betreuern Morin und Matthias. Trotz der Sprachbarriere waren alle angetan von der Warmherzigkeit und Freundschaftlichkeit der Menschen ebenso wie von der Offenheit und dem Wissensdurst der Schüler. Am nächsten Nachmittag trafen wir uns mit den jeweiligen Schülerinnen und Schülern und marschierten mit ihnen zu ihren Elternhäusern. Am eigenen Leib konnten einige feststellen, dass die Schüler z.T. lange, beschwerliche Fußmärsche auf sich nehmen müssen, um zur Schule zu kommen. Bei den Familie, die wir bei einem Fest und bei weiteren Besuchen näher kennen lernten, erfuhren wir viel über die soziale Struktur, den Familienzusammenhalt und natürlich die Art und Weise, wie Landwirtschaft in der hügligen Landschaft betriebenen wird. In Sichtweite unserer Unterkunft lag die Halle der Genossenschaft, die dort den Kaffee sammelt und verarbeitet bis er zur Verschiffung fertig ist. Dort wird momentan auch noch EMa hergestellt bis in Kürze ein separates Gebäude dafür bezogen werden kann.

Die Genossenschaft Gic Sondason

Als Morin mit seinem Partner 2003 zum ersten Mal nach Kamerun fuhr, um mit den Bauern über den fairen Ankauf zu diskutieren, gelang es ihnen gleich, eine Genossenschaft zu gründen, die den Bauern einerseits eine bessere Verhandlungsposition schafft, und andererseits ist sie für die Käufer eine verlässliche Größe mit Qualitäts- und Mengengarantien. Basis ihrer Arbeit ist eine nachhaltige, ökologische und soziale Wirtschaftsweise. Zum Zeitpunkt unseres Besuchs waren von den 1300 Mitgliedern schon über 300 Bauern Naturland bio-zertifiziert. Diese setzen nicht nur EMa für ihren Anbau ein, sondern auch das von der Genossenschaft hergestellte Bokashi – mit einem Anteil Holzkohle. Überzeugt von der Terra Preta-Idee möchte man die Böden so verbessern, dass sie viel besser gegen die Erosion durch die Niederschläge in der Regenzeit geschützt sind. Die „Gic“ führt EM-Seminare und Beratungen durch und organisiert den fairen Verkauf – wie wir in einem der Dörfer miterleben durften. Obendrein gehört es zu ihren Zielen, soziale Projekte zu fördern. In „unserem“ Dorf Fondjomekwet baute sie mit der Unterstützung von UTAMTSI eine Krankenstation, hilft Bauern, die Vorschüsse benötigen uvm.

Bandja – die erste EM-Gemeinde in Kamerun

Bandja heißt die Commune, also die Gemeinde, in der Fonjomekwet liegt. Fünf Dörfer gehören dazu, die eine Fläche von gut 28 km2 und eine geschätzte Bevölkerung von 47.000 Einwohnern haben. In der Gemeinde gibt es weder Industrie noch Städte, fast 100 Prozent der Einwohner leben von der Landwirtschaft. Als wir nach einem langen Tag beim Abendessen saßen, erschien eine beeindruckende Persönlichkeit. Es stellte sich heraus, dass sie die Bürgermeisterin der Gemeinde Bandja war und uns kennen lernen wollte. In unserem Gespräch stellten wir gemeinsam fest, dass Bandja die erste EM-Gemeinde in Kamerun ist. Spontan lud sie uns zu einem Besuch in ihrem Rathaus ein, was wir schon ein paar Tage später realisieren konnten. Erst bei diesem Besuch wurde uns deutlich, wie ernst die Bürgermeisterin es mit einer Kooperation mit uns, dem EM-Verein, meinte. Aufmerksam verfolgte sie unsere Beiträge, ihr Sekretär protokollierte mit. Ihre Offenheit gegenüber EM lag sicher auch an den massiven Problemen in der Gemeinde: über die Hälfte der Menschen in Bandja haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und meist auch nicht zu Elektrizität. Acht von zehn Menschen, die in die lokale Krankenstation eingeliefert werden, leiden unter Krankheiten, die von verdorbenem Wasser herrühren. Typhus ist eine häufige Krankheit. Sie klagte aber nicht, schon gar nicht darüber, dass praktisch 100 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft tätig sind und in erster Linie lediglich Nahrung für sich und ihre Familien erzeugen – weshalb die Steuereinnahmen der Gemeinde natürlich nahe Null liegen. Sie fragte auch nicht nach dem nahe liegenden: Geld. Sie möchte den Menschen in ihrer Gemeinde mit der EM-Technologie helfen. Für uns heißt es nun zu überlegen, wie EM dort am besten helfen kann.

Pit Mau

Der zweite Teil des Reiseberichts führt uns zu Bildungseinrichtungen, die sich für EM interessieren, zu EM Cameroon, zu Milch erzeugenden Benediktinerinnen und an den Strand von Kribi.

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