Besuch bei Sepp Holzer auf dem Permakultur-Hof

Mir war nicht bewusst, dass Österreich so alpin ist. Nach Feldkirch gibt es kaum mehr eine ebene Fläche, Inntal, Arlbergtunnel, Salzburg Süd, nur V-förmige Täler und Berge. Die Stimmung im Bus war ausgezeichnet, wie auf jeder EM-Reise. Schon beim Busparkplatz in Zürich machten wir uns bekannt und kaum zugestiegen sorgte Alfred Höfler mit seinen Kommentaren für gute Laune.

Zwischenhalt in Kitzbühel

Beim Zwischenhalt in Kitzbühel erklärte uns Georg Abermann vom Bio-Lit-Werk interessante Zusammenhänge. Silikatisch gebundenes Steinmehl mit mehr als 30 verschiedenen Spurenelementen aus hartem, abriebfestem Vulkangestein wird nach dem Malen im Zyklon mit EM beschichtet. Es hilft, die Fruchtbarkeit der Böden zu fördern. Sogar bei Mensch und Tier hilft das ultrafein gemahlene Gestein die Darmbakterien zu stabilisieren. Zusammen mit Milchpulver oder Blutmehl ergibt sich eine Spritzbrühe zur Stärkung der Blätter und Eindämmung der Schädlinge im Beeren- und Obstanbau. Weiter südwärts ging’s durch den Tauerntunnel bis St. Michael, wo wir im Hotel zum Weissen Stein gut untergebracht waren und mit österreichischem Charme verköstigt wurden. Manfred Kriegl hat uns dort mit seinem Vortrag an den Zweck unserer Reise erinnert, die Permakultur.

Auf Sepp Holzers Hof

Sepp Holzer, der Kulturrebell, hat mittlerweile die 2. Generation eingesetzt. Sein Sohn Josef, studierter Forstwirt und Biologe, übernahm den Hof, den sein Vater unkonventionell vorbereitet hat. Unter einem Hof erwartet man stattliche Gebäude mit Wohnhaus, Stall und Scheune, im Krameterhof sieht man das weit verteilt auf dem ganzen Berghang. Ein Hof von 45 ha Bodenfläche von 1000 m bis 1480 müM. Ein zum grössten Teil bewaldeter Südhang, sehr steil, von Natur aus wenig horizontale Flächen. Klima: 5°C Durchschnittstemperatur, 2 Tage im Jahr mit mehr als 30°C, 25 Tage mehr als 25°C, 170 Frosttage, alles Durchschnittswerte. 700 mm Regen pro Jahr, ist sehr knapp.

An den umliegenden Berghängen wachsen nur Nadelhölzer, niemand kam auf die Idee, dort bis zur Bergspitze Kulturen anzubauen. Sepp Holzer aber wollte von seinem Grundstück leben. Alles ist auf Selbstversorgung ausgerichtet. In 40 Jahren hat er so viele Kenntnisse gesammelt, dass er heute mehr in Sibirien und Afrika Kurse gibt, als zu Hause. Warum auch? Sein Sohn hat den Hof übernommen und führt ihn in seinem Sinn weiter, da kann Papa getrost einige Wochen in Russland Kurse geben; denn es fliesst auch etwas zurück. Und sei es nur ein neues Werkzeug, der Flachschneider, mit dem man jäten kann, ohne sich zu bücken. Das Positive ausnützen, von jeder Pflanze, jeder Anlage das Positive nützen, jede Sache wird auf Mehrfachnutzung geprüft, sonst lässt man es lieber bleiben. Man muss immer eine Nasenlänge weiter sein als der allgemeine Trend. Wenn etwas veröffentlicht wird in der Zeitung, ist es schon vorbei, dann sollte man schon am Nächsten arbeiten. Das waren die ersten Gedanken, die uns Sepp Holzer Junior vermittelt hat, und so ging es weiter. An jeder Station viele interessante Tipps, wie die Nutzung des kargen Berghanges ermöglicht wird. Was wir heute in einem Tag anschauen, ist in 40 Jahren entstanden, das muss ich mir immer wieder in Erinnerung rufen.

Fischzucht und Krebszucht, Baumschule, Pilzzucht, Tierzucht, Wisente, eine Büffelart war früher ein Versuch, heute Rinder, Schweine, Schafe, Hühner und ein Pferd, Getreide, Kartoffel, Heilkräuter, Beeren und Obst. Das alles gibt es auf dem Hof. Die Tiere haben offene Unterstände, Sommer und Winter. Auf dem Areal hat Sepp Holzer 70 Teiche angelegt zur Speicherung des Regenwassers. Es gibt auch einige kleinere Quellen. Von den oberen Teichen fliesst das Wasser teils durch Bächlein, teils durch verlegte Rohre in die tieferen Teiche. In allen Teichen hat es Edelkrebse und Fische. In den höher gelegenen sind die kleinen Futterfische, meist Elritzen, in den unteren hat es die grösseren bis zu den Raubfischen Zander und Hecht. Pflanzen sorgen für die Reinigung des Wassers, auch Enten fühlen sich in den Teichen wohl. Die Anlage eines Teiches erfolgt in Schichten. Zuerst Aushub, damit den Damm schichtweise aufbauen, jede Schicht verdichten, Abdichtung durch feines lehmiges Material, das die Poren im Boden verschließt. Alles besteht aus Naturstoffen, außer den Abflussrohren.

Auf den vielen Terrassen wird im Sommer Roggen und Hafer für den Eigenbedarf gepflanzt und 15 Tonnen Kartoffeln geerntet. Pflanzenschutz bei Kartoffeln und bei Kirschen ist in dieser Höhenlage nicht erforderlich, wegen dem Klima gibt es keine Kartoffelkäfer und keine Kirschenfliegen. Das Roggenstroh wird gerne für Flechtarbeiten genutzt, der Roggen wird 1,5 m hoch. Im Winter sind diese Terrassen Zufahrtswege zur Waldnutzung. Hühner haben es am Abend gern warm; nicht nur einen warmen Stall, sondern auch etwas Warmes zu Fressen, meist Kartoffeln. Sie geben dann länger Eier. Hühner sind Waldvögel, der Waldboden hält dem Scharren stand, Wiesland nicht. Ein Hängebauchschwein im Gehege schützt die Hühner vor dem Fuchs. Eine weitere Schutzmöglichkeit ist ein Weiderost vor dem Eingang ins Hühnerhaus oder ein Bodengitter, das überschreitet der Fuchs nicht. Ein Garten kann mit einem Schneckenkorridor, in welchem Enten zirkulieren, von Schnecken frei gehalten werden (siehe Skizze oben links).

Ein wunderbares Mittagessen hat uns alle gestärkt. So geht der Sohn die Sache an, er sucht partnerschaftliche Zusammenarbeit. Der Koch war ein befreundeter Bauer mit seiner charmanten Schwester. Sie haben das Essen gebracht, geschöpft, einkassiert und abgeräumt. Sogar für einen kleinen Schwatz bei bester Stimmung hatten sie Zeit. Immer wieder werden Versuche gemacht, anpassen, ändern, Mehrfachnutzungen suchen. Beispiel Teich: Fisch, Krebs, Enten, Holz wässern für Pilze und Wasserspeicher, eine 5-fache Nutzung. Auf einem abgeernteten Kartoffelfeld suchen Schweine die letzten Knollen, pflügen und düngen gleichzeitig. Die Hühner sind die Generalreiniger in den Getreidefeldern, sie fressen die letzten Körner und laben sich an den Schneckeneiern. Die Hängebauchschweine sind stressresistent und gut pigmentiert, sie ertragen Sonne und Kälte. Schweine machen immer eine Suhle; sie roden alles im Wald, Brombeeren, Wurmfarn und ähnliches, wenn die Koppel nicht zu gross ist. Sie machen buchstäblich alles zur Sau.

Eine Kräuterspirale nahe des Bauernhauses

Warum macht man eine Kräuterspirale? Weil es einem gefällt! Steine sind Wärmespeicher, Verholzen der Kräuter ist wichtig für die Überwinterung, die Kräuter nicht im Sommer zurückschneiden, das regt die Saftproduktion an, dann erfrieren sie. Radieschen, Ölrettich, rote Gemüsemelde wachsen hier auf Hügelbeeten, sorgfältig gemulcht. Japanischer Knöterich hat im Stiel keine Oxalsäure, man kann ihn verwenden, wie Rhabarber, eignet sich auch als Schaffutter. Die Hortensie braucht sauren Boden, dann bleibt sie blau. Hauszwetsche und Kriechel machen Wurzelausläufer, sie eignen sich gut als Unterlage für die Aprikose. Selbst veredeln, Kurse gibt es bei Sepp Holzer. Die Zirbelkiefer (Arve) ist der Obstbaum unter den Nadelbäumen. Aus den Kernen gibt es Öl, aus den grünen Zapfen gibt es Marmelade, in Scheiben schneiden und trocknen gibt Tee, man kann sie auch kandieren. In Stammabschnitten von weichem Laubholz, z.B. in Birke, kann man Pilze züchten. Das Holz 2 Wochen in Wasser einlegen, grob einschneiden, Pilzbrut, Shii Take oder Austernseitling einbringen, abkleben, am Boden zugedeckt feucht lagern, bis weisse Spuren an der Stirnseite der Stämme sichtbar werden, dann auf einem Rost lagern (Schneckenschutz), die Ernte kann beginnen.

Ob der Junior Holzer mit den Behörden auch so viele Probleme hat, wie der Vater sie hatte, war eine Frage. Nein sagt er, wenn man weiss, was man darf und versteht, die Anträge zu formulieren, geht es meist ganz glatt durch. Nur in 40 Jahren haben die Behörden sicher auch dazugelernt. Bei unserem Besuch blühten die Lupinen und der Fingerhut, eine wunderbare Farbenpracht. Die Lupine macht grosse tiefe Wurzeln, die den Boden für die anderen Pflanzen aufbrechen. Lupinenwurzeln sind ein willkommener Eiweissspender, sie sind getrocknet und pulverisiert im Handel erhältlich. Gelber Enzian macht mit den Jahren auch grosse Wurzeln, die zu Enzianschnaps verarbeitet werden können, wenn sie als Kulturen gepflanzt werden, sonst sind sie geschützt.

Werner Frey

Kontakt: Krameterhof, Ramingstein, Bezirk Tamsweg/Salzburg im Lungau, Österreich
Info über Permakultur in der Schweiz: www.permakultur.ch
Organisation Tag der offenen Türe über Lorenz Kunz in Esslingen: www.permakulturhof.ch

 

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