Die IG-EM beim DELINAT Institut für Ökologie und Klimafarming

Die Sommer-Reise des Schweizer EM-Vereins im August 2011 begann auf dem Biohof von Susanne und Martin Schütz in Zollbrück. Ein munteres Grüppchen traf sich auf dem Birnbaum-Hof, der seit vielen Jahren intensiv und vorbildlich mit EM arbeitet, um viele erstaunliche und nützliche Infos zu erhalten.

Mich beeindruckt immer wieder, wie diese Winzlinge von Mikroben reagieren und arbeiten. Familie Schütz arbeitet unter anderem auch für Ricola, also indirekt wird das große Pfefferminzfeld auch durch EM beeinflusst. Was mich aber schmunzeln lies: Friedlich hörten die Teilnehmer zwischen aufmerksamen, wunderschönen Kühen mit Kälbern und dem riesen Miststock den Erklärungen zu, wie man Bokashi ansetzen kann. Weder hatten die Kühe lästige Fliegen um die Augen und auf dem Körper, noch war der Miststock davon befallen. Und auch keine typischen Gerüche störten den Frieden. Am darauffolgenden Tag waren wir beim DELINAT Institut für Ökologie und Klimafarming in St. Leonard im Wallis zu Gast, dem bekannten, mutigen Unternehmen für Bioweinanbau und -vertrieb. Für die Besichtigungstour trafen wir uns auf der Kompostierversuchsanlage. Unser Ex-Präsident Ueli Rothenbühler erläutert die Arbeitsvorgänge dort:

Das Delinat-Institut unter der Leitung von Hans-Peter Schmidt arbeitet schon länger erfolgreich mit Biokohle nach dem Terra Preta-Prinzip zur Anreicherung von Humus in Böden. Dabei wurde festgestellt, dass die Wirkung der Biokohle deutlich verbessert werden kann, wenn die Kohle vor dem Einsatz im Boden von Mikroorganismen besiedelt wird. Dazu gibt es zwei einfache, aber effiziente Verfahren. Die Kohle wird mit organischen Komponenten (Grünschnitt, gehäckseltes Schnittgut usw.) gemischt und entweder zu Kompost oder zu Bokashi verarbeitet. Bei der Kompostherstellung wird dem Häckselgut die Kohle beim Ansetzen der Miete direkt beigemischt. Anschließend wird die Miete in der ersten Woche täglich gewendet. Dies garantiert eine gute bakterielle Umsetzung. Die natürlich vorhandenen Mikroorganismen besiedeln während der Kompostherstellung die Kohle und nisten sich darin ein. Bei diesem Verfahren erhält man ein bodenverträgliches Produkt mit den bekannten Vor- und Nachteilen der Kompostbereitung.

Als EM-Anwender bevorzugen wir natürlich die Bokashierung. Bei diesem Verfahren wird wie bei der Kompostierung das Häckselgut zuerst mit Kohle gemischt. Der Unterschied besteht nun darin, dass EMa beigegeben wird (1-2 l pro m³). Danach wird die Miete mit dem Traktor festgefahren und luftdicht abgedeckt. Dadurch wird das Häckselgut milchsauer vergoren und es entsteht ein Bokashi mit Holzkohle, also ein Terra-Preta-Bokashi mit seinen bekannten Vorteilen. Dieses Terra-Preta-Bokashi kann dann wie ein normales Bokashi ausgebracht werden.

Mythopia, der Weinberg von Delinat

Anschließend ging es bergauf… Die Reben von Delinat liegen hoch über Sion im Kanton Wallis angrenzend an ein großes konventionell betriebenes Weinbaugebiet, das nur chemisch behandelt wird. Aber siehe da, die Natur ist ein starker Kumpel, denn die angrenzenden Reben werden oft und regelmäßig per Helikopter besprüht, aber diese Chemie macht vor den Rebflächen von Delinat halt, da ein Sicherheitsabstand von 60 m eingehalten werden muss. Zwischen den Rebreihen werden Kürbisse, Tomaten, Blumen, Aprikosenbäume, Wildblumen usw. gepflanzt und gesät. Für Wildbienen und -Insekten stehen da und dort Insektenhotels zur Verfügung. Es ist wie ein Naturparadies, in das man so wenig wie möglich eingreift. Die verschiedenen Bokashi und Komposte, unter anderem auch mit EM-behandelter Pflanzenkohle, sind eine wichtige Grundlage zum Humusaufbau. Es ist beruhigend zu wissen, dass immer mehr Unternehmen einen ganzheitlichen Weg einschlagen.

Zum Schluss noch einige Fragen an Hans-Peter Schmidt, den Leiter des Delinat-Instituts:

Regula Pedretti: Wie bringen Sie Terra Preta ein?

Hans-Peter Schmidt: Unsere Terra Preta ist bereits nachgereift und kann somit direkt ins Feld ausgebracht werden. Im Allgemeinen wird sie oberflächlich eingearbeitet. Zum Pflanzen von Bäumen und Büschen geben wir die Terra Preta direkt ins Pflanzloch. Im Garten oder Topfbereich kann die Terra Preta auch einfach oberflächlich ausgestreut werden. Zur Anzucht kann man sie auch pur verwenden.

Regula Pedretti: Benutzen Sie EMa?

Hans-Peter Schmidt: Wir benutzen EMa insbesondere im Stallbereich und zur Herstellung von organischen Pflanzenkohle-Düngern. Wir entscheiden je nach Biomassen (Zuckergehalt, Feuchtigkeit, Ligningehalt), ob wir eine Biomasse eher bokashieren oder kompostieren. Entscheidend ist, Fäulnis zu verhindern und die Nährstoffe in geeigneter Form wieder zu den Pflanzen zu bekommen.

Regula Pedretti: Die Reben haben einen großen Abstand, wieviel?

Hans-Peter Schmidt: Der Zeilenabstand beträgt 1,80 – 2 m, um einerseits die Reben besser zu durchlüften und um andererseits mehr Platz für die artenvielfältige Begrünung und die Zwischenkulturen zu gewinnen.

Regula Pedretti: Welche Pflanzen haben Sie angebaut?

Hans-Peter Schmidt: Wir haben in den letzten Jahren verschiedenste Sekundärkulturen getestet, von Zwiebeln, Lauch, Bohne, Kartoffeln, Kürbis, Rüben, Roggen bis zu Tomaten, Rosen und Aromakräutern. Zudem haben wir zahlreiche perene Strauch- und Baumpflanzen (Weinbergpfirsich, Apfel, Birne, Quitte, Pflaume, Sanddorn, Aronia, Hagebutte, Schlehdorn). Für die Begrünung haben wir Samenmischungen erstellt, mit 80% Leguminosen (12 Arten) und 20% Nektarblütenpflanzen (50 Arten).

Regula Pedretti: Welche Nistkästen haben Sie zwischen den Reben?

Hans-Peter Schmidt: Wir haben eine Reihe verschiedener Insekten-/Wildbienenhotels aufgestellt, zudem Vogelstangen. Eigene Vogelnistkästen haben wir nicht aufgestellt, da die vielfältige Struktur genügend Nistplatzmöglichkeiten aufweisen sollten. So nisten z.B. immer wieder Vögel direkt auf den Rebstöcken.

Regula Pedretti: Wie sind Ihre Bewertungen mit diesen mutigen Schritten mitten in den chemisch behandelten Reben?

Hans-Peter Schmidt: Der Kontakt mit den Nachbarn ist korrekt. Anfeindungen hatten wir nur, als wir uns gegen die Spritzung von Pestiziden mit Helikoptern gewehrt haben.

Wir haben die Weine gekostet und geschätzt, die Delinat Equippe war von einer herzlichen Freundlichkeit und Kompetenz. Somit nochmals und nachträglich ganz herzlichen Dank, dass uns so viel Zeit geschenkt wurde. Mit reichlichen Eindrücken und nachdenklich reisten wir am Ende des Tages wieder nach Hause.

Regula Pedretti, Ueli Rothenbühler

 

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