EM-Kurs auf dem Birnbaumhof

Ein Bauerngehöft wie aus dem Bilderbuch schaut in 850 m Höhe verträumt auf das Emmental herunter. Am Horizont leuchten die Schneeberge der Berner Alpen. Eine Idylle wie wir sie aus den Verfilmungen der Gotthelfgeschichten kennen. So ist der erste Eindruck, wenn man auf der schmalen Strasse über viele Kehren hinauf zum Biohof Birnbaum kommt.

Bereits im 14. Jahrhundert urkundlich erwähnt, ist dieser Berner Bauernhof alles andere als verschlafen, sondern voller Leben, denn seit fünf Jahren erfahren rund 800 Besucher pro Jahr schon bei der Ankunft, wie EM im Haus und Garten und in der Landwirtschaft wirksam ist: neben dem Parkplatz ein grosser Misthaufen und der Kuhstall – aber kaum Fliegen; 4000 Hühner im Stall – aber kein Mief; im Garten prächtige Tomaten – trotz rauem Klima. Fröhlicher Blumenschmuck an den vielen kleinen Fenstern des stattlichen Haupthauses und ein traditioneller Bauerngarten mit Buchs umsäumten Beeten davor laden freundlich ein, näher zu kommen. Ein alter Brunnentrog plätschert ruhig und unentwegt vor sich hin. Im Speicher mit der eingeschnitzten Jahreszahl 1746 werden wir von Susanne Schütz und ihrem Mann Martin herzlich willkommen geheissen.

Erste Begegnungen mit EM

Auf dem Büchertisch für Kursteilnehmer liegen regelmässig Neuerscheinungen aus dem Biogartenbereich. So landete auch Eine Revolution zur Rettung der Erde von Professor Higa eines Tages bei ihr. Dieses Buch hat Susanne sehr beschäftigt. Darin war genau das beschrieben, was ihr seit Jahren vorschwebt, nämlich für Garten und Umfeld Gutes zu tun statt „Schädliches zu bekämpfen“. Es bedeutete auch, aus dem bisherigen Biogartenleben in eine neue Ära aufzubrechen, obwohl sich nach allgemeiner Meinung im Biogartenbau nicht mehr viel verbessern lässt. Susanne arbeitete elf Jahre beim Begründer des organisch-biologischen Landbaus, Dr. Hans Müller, im Garten und in der Kursorganisation. Zurück auf den Birnbaumhof, den der Sohn mit seiner Familie bewirtschaftet, pflegen Susanne und Martin die Gartenanlage mit viel Liebe. Durch die unzähligen Biogartenkurse ist Susanne im ganzen Land bekannt. Im Magazin „Schweizer Garten“ macht sie seit über 20 Jahren Leserberatung für biologischen Anbau. Dadurch erwarb sie sich ein enormes Wissen. Vollgepackt mit eigenen Erfahrungen probierte sie seit 1999 aus, was Higa empfahl. Zuerst wurden Stall und Misthaufen eingesprüht, damit die Fliegenplage aufhört, denn was nützen die schönsten Kursräume, wenn sie voller lästiger Brummer sind? Dann das erste Bokashi, in Säcken mit Grasschnitt und Tiefstreu aus dem Hühnerstall siliert, die Säcke zugebunden auf den Kopf gestellt, damit die „Suppe“ ablaufen kann. Für die Gemüsejungpflanzen wurde zuunterst in die Multiplatten Bokashi deponiert, im Frühjahr präparierte sie die Beete mit Bokashi. Der erste Versuch klappte sofort und machte Mut. Doch fehlte es ihr an weiteren konkreten Hinweisen. Die Reise nach Thailand im Jahre 2002 war sehr aufschlussreich und setzte neue Massstäbe für Haus und Hof.

Begeistert und rundum überzeugt

Ein grosses „Aha“ bemerkte sie in der ersten Saison noch nicht. Sie begann erst im 2. Jahr, auch EM-Lösung zu giessen. Nach zwei Jahren fühlte sich die Erde trotz der vorgängigen biologischen Kulturführung über 30 Jahre hinweg spürbar weicher und lockerer als vorher an. Sollten das die neuen Mikrobenstämme bewirkt haben? In den weiteren Vegetationsperioden blieben die üblichen Pilzerkrankungen an Gemüse und Blumen aus, die Schneckenpopulation verringerte sich wesentlich, Hagelschäden heilten nach sofortiger EM-Behandlung rasch ab, ohne in Fäulnis überzugehen. Susanne wird immer wagemutiger z. B. mit späten Folgesaaten bei Karotten und rote Bete. Sie lässt die Wurzeln und Knollen einfach im Boden und erntet jeweils nach Bedarf über den ganzen Winter immer „frische Rüebli und Randen“ vom Beet. Salate werden abgeschnitten, die Wunden am Wurzelhals mit EM-Lösung eingesprüht. Der Salat schlägt wieder aus. Riesenkohlrabi und alle Kopfkohlarten werden in der kalten Jahreszeit unter dem grossen Vordach eingeschlagen und sind selbst im Juni noch tiptop. Selbst wenn das Gemüse nach Frostperioden auftaut, fault es nicht. Die Mangoldherzen häufelt sie im Herbst an und erntet im zeitigen Frühling den Neutrieb. Inzwischen fragt sich Susanne nicht mehr, ob „das Wunder“ anhält, ob es so weitergeht. Ihre von Wissen vollgestopften Vorträge sind immer spannend. Ihre Begeisterung für EM ist mitreissend. Die Kursteilnehmer lieben die praktischen Anwendungen als Beispiele im Garten, im Haus und in Fragen zur Gesundheit. Stolz auf ihre kraftvolle, aromatische Ernte verwöhnt die Biobäuerin und gelernte Gärtnerin mit langjähriger Praxis zum Kursabschluss die Teilnehmer mit leckerem Salat und selbstgebackenem Dinkel-Brot aus dem eigenen Anbau.

Betriebsspiegel

Familienbetrieb, ein Lehrling oder Praktikant 18 ha Land, 11 ha Wald Mutterkuhhaltung mit 16 Tieren 4000 Junghühner bis zur Legereife, Dinkelanbau, Kräuteranbau (2 t getrocknete Kräuter gehen jährlich zur Firma Ricola) grosser Gemüsegarten Kursraum, EM-Laden

Erfolg in der Hühneraufzucht

Sohn Christian überzeugte ein besonderes Erlebnis: Ein Satz Jungtiere hatte nach 12 Wochen 100 g weniger Gewicht als gewohnt und sie fingen auch mit dem Federpicken an. Keiner konnte sich das erklären, auch die Fachberater und der Futterlieferant nicht, bis an Hand der Futterrechnung festgestellt wurde, dass aus Versehen normales Futter ohne Bokashi-Beigabe verfüttert wurde. Um das gravierend geringere Gewicht aufzuholen, waren die verbliebenen 6 Wochen sehr knapp. Es wurde von Hand Bokashi zugeführt und die Tiere legten kräftig zu. Kaum zu glauben, aber zum Liefertermin war das erwartete Gewicht erreicht.

Anne Lorch

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