EM-Wein aus Spanien

Spanien hat eine über 3.000 Jahre alte Tradition des Weinbaus. Dennoch galt der spanische Wein lange als weniger qualitätvoll als der aus anderen europäischen Ländern, etwa Frankreich oder Deutschland. Das hat sich in den letzten Dekaden aber gründlich geändert, auch wenn die spanischen Anbaugebiete weniger bekannt sind, vom Rioja einmal abgesehen. Über die gesamte iberische Halbinsel hinweg gibt es Anbaugebiete, die markante, eigenständige Weine hervorbringen. Dazu gehört das relativ kleine Anbaugebiet Terra Alta in Katalonien.

Das Weingut Celler Coma d’en Bonet

Wie der Name schon sagt, liegt diese Region auf einer hügligen Ebene hoch über dem Ebro, der nicht weit entfernt in einem großen, fruchtbaren Delta ins Mittelmeer fließt. Dort lebt seit fast einem Vierteljahrhundert der Japaner Shinsuke Chujo, der als Berater für den Reisanbau nach Spanien gekommen war und Mitte der 1990er Jahre Mitarbeiter von Prof. Higas neu gegründeter EMRO Europa wurde, die dort ihren ersten Sitz nahm. (Heute hat er seine eigene Firma, die das original EM·1 in Spanien und Portugal vertreibt). Hauptstadt der Terra Alta ist das Städtchen Gandesa. Dort wuchs Pepe Fuster als Sohn eines Rechtsanwalts auf, der nebenberuflich ein kleines Weingut betrieb, das der Großvater begonnen hatte. Pepe entschloss sich, Weinbau zu studieren und übernahm schließlich 1996 das kleine Weingut von seinem Vater. Natürlich hatte er große Pläne und wollte alles besser machen. Er begann das Gut zu erweitern und zu modernisieren, um konkurrenzfähige Weine für den europäischen Markt zu erzeugen. Um das Jahr 2000 lernte der junge Önologe über einen gemeinsamen Bekannten Shinsuke Chujo kennen, der ihn über die Möglichkeiten der EM-Technologie informierte. Pepe Fuster suchte zu dieser Zeit nach der besten Methode, die Reste der Weinherstellung, den Trester, zu kompostieren. Nun erfuhr er erstmalig von der Möglichkeit, statt Kompost lebendiges Bokashi daraus zu machen.

Böden, Klima, Rebsorten

Die Grundlage der Weine dieser Region ist die regionale, robuste Rebsorte Garnacha, die an die klimatischen Bedingungen ausgezeichnet angepasst ist. Die Weinstöcke müssen hier lange Trockenperioden und große Hitze genauso ertragen können wie die gelegentlichen heftigen Stürme, die die Hochebene heimsuchen. Diese Rebsorten sind aber im Geschmack weniger aussagekräftig, so dass sie in der Regel mit anderen Sorten gemischt werden, um einen interessanten und doch typischen Wein dieses Anbaugebiets zu erzeugen. Das Weingut Celler Coma d’en Bonet umfasst heute gut 26 ha. Pepe Fuster baut auf vier verschiedenen Weinbergen außer der Garnacha-Traube, Syrah und Cabernet für seine Rotweine an, für die Weißweine, die ebenfalls auf der Basis der Garnacha-Traube ausgebaut werden, Viognier und Roussane. Insgesamt machen die Weißweine etwa 40%, die roten entsprechend ca. 60 % aus.

Der EM-Einsatz

Die Terra Alta ist eine trockene Region mit wenig Niederschlag. Von Mai bis Juli fällt normalerweise kein Tropfen Regen. Die besondere Lage und die Nähe zum Meer bringen aber abends kühle und feuchte Luft, was den Trauben sehr gut bekommt. Dennoch müssen manche Sorten in besonders trockenen Perioden bewässert werden. Etwa 80% der Flächen können automatisch bewässert werden, was die Zudosierung von EMa natürlich erleichtert. Allerdings fördert laut Pepe Fuster wenig Wasser den intensiven, konzentrierten Geschmack der Weine. Die Böden dieses Weinguts sind recht ungleichmäßig in Konsistenz und Qualität; teilweise sind sie stark tonhaltig, an anderen Stellen kalkhaltig, aber allen fehlt organisches Material. Daher spielt die Düngung eine wichtige Rolle. Nach dem Pressen der Trauben wird der gesamte Trester zusammen mit Ziegen- oder Schafsmist mit EM vermischt und auf Mieten gelegt, wo das Material mehrere Monate fermentieren kann, bevor es auf die Felder ausgebracht wird. Natürlich gibt es auch hier in bestimmten Zeiten Krankheitsdruck. Gegen Pilze wird auch hier gelegentlich Schwefel verwendet, Kupfer gegen den selten auftretenden Mehltau. Wenn eine Behandlung flüssig durchgeführt wird, nimmt Pepe Fuster immer EM dazu, um die Pflanzen zusätzlich zu stärken.

Seit 2010 alles Bio

Pepe Fuster hat immer schon biologisch gedacht; aber erst mit dem Einsatz von EM konnte er sich zunehmend konsequenter in diese Richtung entwickeln. Seit Anfang 2010 sind nun alle  Anbauflächen bio-zertifiziert. Ausdruck seines erfolgreichen Weges ist die neue, am 1.1.2011 eingeweihte Bodega, die er auf einem Hügel inmitten seiner Weinberge angelegt hat und die den Abschluss der Modernisierung dieses Betriebes markiert. Das flache, helle Gebäude beherbergt auf der oberen Ebene Büros, das Labor und den Degustier und Besprechungsraum, der einen herrlichen Blick über seine Weinberge bietet. In der Etage darunter, die in den Berg gebaut ist, befinden sich die Kellerei und die Lager. Während das meiste seiner Weine im Edelstahlfass reift, liegen die Spitzenrotweine zehn Monate im Barrique. Die Weinberge haben zwei deutlich unterschiedliche Lagen, so dass es auch zwei verschiedene Lagenbezeichnungen gibt: Dardell und Pro Hom; von beiden gibt es sowohl Weiß- als auch Rotwein. Sie alle entsprechen der Philosophie dieses Weinguts: Ihr Wein soll gut und leicht zu trinken sein, nicht kompliziert, typisch für die Region, aber interessant und qualitätvoll. Anfang Oktober schrieb uns Pepe Fuster: „Die Ernte ist geschafft. Ich glaube, es wird wieder ein sehr guter Jahrgang.“ Auch wenn der diesjährige Wein nur so gut wird wie die Vorgänger, können sich die Freunde von EM-Weinen freuen, denn alle, die Pepe Fusters Weine kennen gelernt haben, sind von der Qualität und dem Geschmack überzeugt.

Spanische Geschichte

Das Weingut befindet sich auf geschichtsträchtigem Boden. Die autonome Gemeinschaft Katalonien war eine der letzten Bastionen der republikanischen Einheiten, die im spanischen Bürgerkrieg (1936-39) gegen Frankos Nationalisten kämpften. Die Erinnerung an diese Zeit ist in Katalonien nicht vergessen. Gleich neben der neugebauten Bodega befinden sich noch Schützengräben der Republikaner, die von der Familie Fuster erhalten werden. Sie planen, hier zukünftig Führungen zur Geschichte Spaniens und dieser Region zu veranstalten.

Autor Pit Mau

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