Humus und Bodenleben Teil 10

Die Arbeisweise nach kosmischen Rhythmen

Seit November 2005 (Heft 14) erscheint in jeder Ausgabe des EMJournal ein Beitrag von Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph aus Еsterreich zu dem Thema Humus und Bodenleben.

Warum beschäftigen wir uns mit kosmischen Rhythmen/Mondphasen?

Unser Planetensystem beeinflusst Ertrag, Qualität und Wachstum in der Natur. Seitdem der Mensch vom Jäger und Sammler zum seßhaften Bauern wurde, war er angwiesen auf verläßliches Lesen der Zeichen in der Natur. Dazu gehörte selbstverständlich die Beachtung der Mondzyklen, die bekanntlich einen großen Einfluß auf das Element Wasser haben. Es ist kein Mythos, wenn zum richtigen Zeitpunkt geschlagenes Holz härter ist, länger hält und weniger arbeitet als das zu anderen Zeitpunkten geschlagene. Auch heute richten sich viele Menschen mehr oder weniger nach den Mondrythmen, sei es bei der Gartenarbeit, beim Ernten oder auch nur beim Haare- oder Nägelschneiden. Dieser Beitrag soll nicht nur zum Nachdenken über diese für viele Anwender „komplizierten Maßnahmen“ dienen, vielmehr sollen die bodenaufbauenden Aspekte ebenso beleuchtet werden wie die ertragssteigernden und qualitätsverbessernden Möglichkeiten. In diesem Artikel werden die beiden gebräuchlichen Systeme „zu- und abnehmender Mond“ (Lichtphasen des Mondes) und „auf- und absteigender Mond“ (Tierkreis der Astronomie, nicht der der Astrologie!) besprochen. Häufig werden diese Systeme synonym verwendet, „zunehmend“ wird als „aufsteigend“ gesehen und „abnehmend“ als „absteigend“. Welch großer Irrtum!

Der Unterschied zwischen Mondlichtphasen und Mondtierkreisphasen

In der Regel kennen die meisten Menschen die Mondlichtphasen, nämlich den Lauf des Mondes vom Neumond über den zunehmenden Mond zum Vollmond und schließlich über den abnehmenden Mond wieder zum Neumond. Dieser Rhythmus wiederholt sich jährlich 13mal, wie wir ja aus jedem Taschenkalender ersehen können. Diesen Mondzyklus nennt man den synodischen Mond. Hier zeigt sich die Stellung des Mondes zur Sonne, d. h., bei Neumond steht der Mond zwischen Erde und Sonne. Dagegen steht er bei Vollmond auf der Erdseite, die der Sonne abgewandt ist, also in Opposition zur Sonne. Der Mond hat eine starke Beziehung zum Wasser, wie jeder von seinem Einfluß auf Ebbe und Flut weiß. Gärtner kennen auch den Zusammmenhang zwischen übermäiger Feuchtigkeit und Pilzbefall. Daher kann es beim Zusammenwirken von Perigäum (wenn der Mond der Erde am nächsten ist) und Vollmond zu erhöhtem Pilzbefall kommen. Es ist auch bekannt, dass bei Vollmond ausgesäte und gepflanzte Kulturen gut wachsen, wohl aber eine mindere Qualität ergeben.

Der auf- bzw. absteigende Mond

Der siderische Mond zieht in 27 Tagen, 7 Stunden und 43 Minuten an den 12 Sternbildern des Tierkreises vorbei. Dieses Vorbeiziehen an den 12 Regionen des Tierkreises vermittelt Kräfte auf die Erde, die sich über die klassischen Elemente aussprechen (Maria Thun, Aussaattage 2007). Den ab- bzw. aufsteigenden Mond kann man auch mit dem freien Auge verfolgen. Dabei streckt man die Hand an einem xbeliebigen Tag vor die Augen, indem der Mond an der unteren Handkante steht, um dies mit dem nächsten Tag zum gleichen Zeitpunkt zu vergleichen. Je nachdem, ob der Mond dabei höher oder tiefer steht, hat man es mit einer aufsteigenden bzw. absteigenden Mondphase zu tun.

In der nachfolgenden Abbildung ist der Unterschied zwischen dem astrologischen und dem astronomischen Tierkreis gut ersichtlich. Der innere Kreis zeigt den astrologischen Tierkreis, in dem alle zwölf Tierkreise 30° betragen (30° x 12 ergibt 360°). Der äußere Kreis entspricht der Realität, denn die Sternbilder sind unterschiedlich groß. So sind z. B. Krebs und Waage Sternbilder von kürzerer Dauer, während Löwe bzw. Jungfrau Sternbilder von längerer Zeitdauer sind. Von seiner höchsten Stellung im Tierkreis, im Zwilling, beginnend, zum Krebs, über Löwe, Jungfrau und Waage bis zum Skorpion handelt es sich um den absteigenden Mond. Danach beginnt der Mond von seiner tiefsten Stellung im Schützen, über den Steinbock, Wassermann, Fisch, Widder und Stier bis zum Zwilling wieder aufzusteigen. Der Mond zieht in einem Monat durch alle Tierkreise (das Wort Monat kommt ja von Mond), während die Sonne diesen Weg über ein ganzes Jahr zurücklegt. Beim astronomischen Tierkreis (zum Unterschied des astrologischen) beginnt die aufsteigende Sonne um den 20.Dezember, d. h. genau zu dem Zeitpunkt, an dem der Tag länger wird. Somit stimmt der astronomische mit der Realität überein – im Gegensatz zum astrologischen Tierkreis, in dem der Schütze bereits einen Monat früher (21.November) beginnt.

Die Reaktion der Pflanzen während der aufsteigenden Mondphase

Während dieser Zeit pflegt auch der Saft in die oberirdischen Pflanzenteile aufzusteigen (Norbert Kaschel, Gärtnern nach Mondphasen und Kosmischen Rhythmen, Stuttgart 1999). Dies kann gut beim (späten) Winterschnitt von Obstgehölzen und Weinreben beobachtet werden, wenn der Saft aus den Schnittstellen austritt. Demzufolge ist der optimale Schnittzeitpunkt beim absteigenden Mond an Fruchttagen, nämlich beim Löwen. Erfolgt der Grasschnitt in dieser Zeit, wächst der Bestand schnell wieder an und die oberirdischen Pflanzenteile sind nährstoffreicher. Dadurch halten auch die oberirdisch wachsenden Pflanzenteile wie Salate, Kohl, Bohnen, Blumen nach der Ernte länger, weil sie „voll im Saft stehen“. Bei einzulagernden Früchten hat dieser Zeitpunkt eine besondere Bedeutung. In dieser Periode sollten auch Pflegearbeiten wie Hacken und Jäten durchgeführt werden. Ein Neuaustrieb unerwünschter Beikräuter dauert dann nämlich länger, sodass unter Umständen anstatt dreimal nur zweimal gehackt werden muß. Dies hat eine enorme Zeitersparnis und Bodenschonung zur Folge.

Umgekehrte Reaktion bei absteigendem Mond

In diesem Fall geht der Mond vom Höchststand Zwilling bis zum Tiefststand Schütze. Kaschel (1999) berichtet, dass man dies schon beim Berühren der Pflanzen spürt, indem beim tiefsten Stand die Blätter z. B. von Roter Bete, Spinat und Kohl leicht welk erscheinen, denn der Saft der Pflanze befindet sich im Wurzelbereich. Nach Maria Thun sind dies die optimalen Pflanztage. Schneidet man hingegen in dieser Zeit die Bäume oder Weinreben, dann tritt aus den Schnittflächen kein Saft aus; Bäume und Rebstöcke bluten nicht. Dies ist auch der optimale Erntezeitpunkt für Wurzelfrüchte wie Kartoffeln, Zwiebeln und Karotten (Maniok und Süßkartoffeln, Yams in den Tropen). Als geeigneter Tierkreis fällt in diese Zeit (zur Ernte von Wurzelfrüchten) einzig und allein die Jungfrau!! Umgekehrt verhält es sich mit dem Futterschnitt, welcher bei der aufsteigenden Mondphase höhere Qualitäten hervorbringt. Das gleiche gilt für Obst, Wein etc. Von Bedeutung für Garten und Landwirtschaft sind auch die Erdnähe (Perigäum) und Erdferne (Apogäum) des Mondes. Der Mond umkreist die Erde in einer elliptischen Bahn, wobei es zu einem extremen Punkt der Erdnähe sowie Erdferne kommt. Immerhin liegen 50.000 km Differenz zwischen diesen beiden Punkten. Maria Thun z.B. weist in ihrem jährlich erscheinenden Aussaattagekalender mit „Pg —-“ auf ungünstige Aussaat- und Pflanztermine hin. Die Erdferne (Ap) wirkt sich nicht so stark auf das Pflanzenwachstum aus wie die Erdnähe (Pg). Offenbar reagiert die Kartoffel jedoch auf die Erdferne; vor allem bei Saatkartoffeln wird die Reproduktionskraft auf das nächste Jahr weitergegeben.

Die Zuordnung der Pflanzen für Aussaat, Pflege und Ernte

„Die Kulturpflanze lebt sich dar, indem sie einzelne Organe zur Frucht entwickelt“ (Thun, 2007). Prinzipiell können Pflanzen in vier „Fruchttypen“ eingeteilt werden.

Wurzelfrüchte zu Wurzeltagen (Erdtage)

Zu den Wurzelfrüchten gehören Radieschen, Rettich, Kohlrübe, Zuckerrübe, Rote Bete, Sellerie, Möhre, Schwarzwurzel, Zwiebel, Knoblauch und Kartoffel, in heißen Gegenden kommen Maniok (Cassava), Yams und Süßkartoffel hinzu. Optimal für Aussaat und Pflanzung sowie Ernte gelten die Jungfrautage!! Erdtage sind auch geeignete Zeitpunkte zur Bodenbearbeitung, Düngung und für die Verwendung von EM-Präparaten zur Bodenbehandlung.

Blattpflanzen zu Blatttagen (Wassertage)

Betonung liegt hier im Blattbereich, namentlich für fast alle Kohlarten, Salate, Spinat, Rapunzel, Endivien, Blattsellerie, Blattheilkräuter sowie die meisten Futterpflanzen und Gründüngung. Hier werden die Blatttage Krebs und Skorpion zur Aussaat und Pflanzung empfohlen, die Ernte sollte jedoch im Sternbild Fisch erfolgen, das Einsäuern von Kraut (Kohl) an Blütenbzw. Fruchttagen.

Blütenpflanzen zu Blütetagen (Lichttage)

Zu den Blütenpflanzen zählen auch viele Heil- und Gewürzkräuter und einige Ölfrüchte; der Brokkoli hat sich für Blütetage entschieden, worauf Maria Thun in ihrem Aussaattagekalender hinweist. Zur Aussaat eignen sich demzufolge gut die Waagetage und zur Ernte Wassermann und Zwilling.

Fruchtpflanzen zu Fruchttagen (Feuertage)

Hier hinein fallen alle Obstpflanzen und Weine sowie alle Pflanzen, die im Bereich des Samens fruchten wie Bohne, Erbse, Getreide, Linse, Soja, Mais, Tomate, Gurke, Kürbis, Zucchini. Ebenso wird die Aussaat von Ölfrüchten zu dieser Zeit empfohlen. Ihre Ernte erfolgt jedoch besser an Blütetagen (Thun, 2007). Wie bereits erwähnt, fallen die Aussaat- und Auspflanztage in die Zeit des absteigenden Mondes, d. h. zum Löwen, eventuell zum Schützen (gut für Stangenbohnen!). Dagegen sind optimale Erntetage zum aufsteigenden Mond zum Schützen oder Wid- der. Vielen Lesern wird mittlerweile die Herstellung von EMa zu diesem Zeitpunkt bekannt sein, was ähnlich auch für Blütetage gilt.

Ungünstige Tage

Es gibt eine Reihe von Ereignissen und Konstellationen, die negativ wirken, so dass Arbeiten wie Brotbacken, Einsäuern, Käsen, EM-Vermehren usw. nicht empfohlen werden. Auch sollte an solchen Tagen weder gesät, gepflanzt oder geerntet werden. Genauer erklärt werden die Bedingungen für ungünstige Tage in der Literatur, z. B. in Aussaattagekalendern.

Aufgrund der relativ zahlreichen Abweichungen scheint die Verwendung des Aussaattagekalenders kompliziert zu sein, in der Praxis ist es aber nicht so. Man muss nur damit beginnen, langsam die Ausnahmen beachten – und alles funktioniert! Denn wir haben auch erst begonnen, damit zu arbeiten und nach den ersten positiven Ergebnissen die Methode detailliert zu verstehen versucht. In den meisten Mondkalendern werden zusätzlich Wetterprognosen gegeben sowie Empfehlungen zur Kontrolle von Schadinsekten, Pilzkrankheiten, Wildkräutern, bis hin zur Eindämmung von warmblütigen Tieren (z. B. Mäusen und Vögeln), ebenso Hinweis für Imkerei und Bienenhaltung. Mittlerweile ist vielen EM-Anwendern die Nutzung des Aussaattagekalenders zur Herstellung von EMa bekannt, nach dem die Vermehrung stets an Frucht- oder Blütetagen erfolgt. Ungeeignet sind Tage wie der Vollmond, Neumond sowie Tage mit etwaigen Finsternissen. Bei der Herstellung des eigenen EMa, das bekannterweise sieben Tage dauert, verlängern wir diese Zeit der Fermentation um die Anzahl der ungünstigen Tage sowie der Wassertage.

Wir wünschen unseren Lesern wieder viel Freude und Erfolg bei der Arbeit.

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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