Humus und Bodenleben Teil 11-2

Die reduzierte Bodenbearbeitung (2)

Der erste Teil der reduzierten Bodenbearbeitung stellte verschiedene Verfahren vor und deren Vor- und Nachteile. Abschließend wird nun ihre Bedeutung für das Bodenleben und für die CO2 Bilanz dargestellt, sowie praktische Hinweise für Landwirte und Kleingärtner gegeben.

Die Minimalbodenbearbeitung und das Bodenleben

Die reduzierte Bodenbearbeitung hat schon durch die auf der Oberfläche liegenden organischen Materialien enorme ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Die Internetschule, der Landwirtschaftliche Lehrbrief 3.7.3., bestätigt den Humusabbau durch häufige Bodenbearbeitung, besonders bei Hackfrüchten wie Kartoffeln und Mais; sie zählen zu den Humus zehrenden Fruchtfolgen. Hier ist es aber nicht die Pflanze, die den Humus „frisst“, sondern die unangepasste Bodenbearbeitung. Bebaut man bei  Körnermaisanbau die anfallende Wurzel-, Stängel- und Blattmasse in Form von Mulchsaat, so bedeutet dies, von einer vorhin  “Humus zehrenden Kultur“ zu einer  „Humus mehrenden“ übergegangen zu sein. Somit erreichen Böden nach fünf bis zehnjähriger Bewirtschaftung einen Zustand, wie man ihn nur noch auf  Naturwiesen vorfinden kann. Durch abwechslungsreiche Fruchtfolgen mit Hinzunahme von Zwischenfrüchten (Gründüngung) wird eine Dauerbedeckung bzw. Dauerbegrünung erreicht, in welcher die folgenden Anbaukulturen ohne bzw. mit minimaler Bodenbearbeitung gesät werden.

Durch die reduzierte Bodenbearbeitung und die verwendeten Mulchmaterialien entsteht reichlich Futter für das Bodenleben. Demzufolge wachsen Regenwurmpopulationen explosionsartig an. Es kommen bis zu 2 t Regenwürmer pro Hektar vor. Vergleicht man damit die Rinder-GVE-kg (GVE = Großvieheinheit = 500 kg Lebendgewicht), wird die Dimension deutlich: es wird schwer sein, auf einem Hektar Weide ein Viertel oder gar die Hälfte des oben erwähnten Gewichtes zu erreichen. Die Regenwürmer leisten eine Unterbodendurchbohrung bis zu 80 cm, so der »Lehrbrief für Landwirtschaft«. Durch diese Tiefenlockerung wird erst eine Basis für die Wurzelentwicklung geschaffen. Es ist auch bekannt, dass die Haupttätigkeit der Regenwürmer nach der Ernte, vom Herbst zum Frühwinter, in den Monaten November / Dezember erfolgt. Bei der konventionellen Anbauweise durch das Pflügen fehlt den Regenwürmern dieses Futter (auch durch eingepflügten Gründüngungsschnitt!). Ergänzend schreibt Ernst Hammes (EM und der Kreislauf des Lebens, 2006) über die Nützlichkeit des Regenwurms, dass dieser auch als pH-Regler von Bedeutung ist. Pro Quadratmeter seien es 100 bis 200, auf gut mit organischer Substanz versorgten Böden bis zu 600 Regenwürmern. Offenbar haben diese wertvollen Helfer die Fähigkeit, durch organische Materialien nicht nur nährstoffreiche Elemente zur Verfügung zu stellen, sondern auch den pH-Wert zu regeln. Hammes empfiehlt, die Böden besser mit organischen Abfällen zu füttern anstatt Kalkwerke teuer zu bezahlen. Der interessierte Leser wird sich fragen, wer wohl die Arbeit der Regenwürmer in trockeneren Zonen verrichtet? – Dort sind es die Termiten, welche die Arbeit ähnlich der Regenwürmer oberflächlich machen bzw. das Material oberflächlich in den Boden einbringen (Kriegl, 2001).

11.1.4. Die CO2 -Problematik

Wie bereits früher erwähnt, weist Storl auf den Verlust von 60% der Humusreserven in den vergangenen 100 Jahren hin (EMJournal 21, S. 6). Der verantwortungsbewusste Bauer schließt daraus, dass die Ursache in der unangepassten Bearbeitungsmethode unserer Böden liegt. In dieser Folge von „Humus & Bodenleben“ wird nun deutlich, dass der Humusgehalt bei reduzierter Bodenbearbeitung signifikant erhöht und der CO2-Ausstoß entsprechend reduziert wird. Bei einer nur 400 m2 großen Nutzgartenfläche, schlagen mehrere Tonnen unschädlich gemachtes CO2 zu Buche (vgl. Behm in EMJournal 22, S. 20). Wikipedia erwähnt eine Studie, aus der hervorgeht, dass bei 17 cm Bearbeitungstiefe 200 g CO2 pro m2 in 24 Stunden entweicht (Beispiel in Minnesota, USA). Bei einer Anbaufläche von 300.000 ha (Schweiz) würde dies 600.000 t Verlust bei einem einzigen Durchgang ergeben. Zusätzlich kommt es im konventionellen Anbauverfahren und bei Verwendung von 1 t Stickstoffdünger zu einem zusätzlichen Kohlenstoffausstoß von 1,2 t bei der Erzeugung dieses Düngemittels. Der bei uns lebende Durchschnittsverbraucher gibt sich keine Rechenschaft, dass die gewaltige CO2-Zunahme auch aus der Landwirtschaft und dem Gartenbau kommt, die ohne weiteres durch angepasste Bodenbearbeitungsverfahren enorm reduziert werden bzw. sogar umgekehrt aus der Atmosphäre wieder nutzbringend in unsere Böden zurückwandern könnte.  Angesichts dieser enormen CO2 – Zunahmen möchten wir die CO2 – Konzentrationen in der Atmosphäre zwischen April 1958 und Juni 1991 aus Al Gores Wege zum Gleichgewicht  von 1995 vorstellen. Die Zick-Zack-Skala illustriert, dass während der Sommermonate aufgrund der Assimilation in der nördlichen Hemisphäre die CO2  – Werte zurückgehen.

11.1.5 Vorbehalte bei konventioneller Minimalbodenbearbeitung

In der Regel unterstellen wir immer noch, dass sich etwas, das wir heute tun, wenn überhaupt, dann nur geringfügig auf die Zukunft auswirkt. Dazu zählen auch der Gebrauch des von vielen Poeten gelobten eisernen Pflugs sowie die Fruchtfolgen mit einem hohen Getreideanteil und einer damit verbundenen, empfohlenen Kunstdüngeraufwandmenge bis hin zur Verwendung von Pestiziden/ Herbiziden. Hier hätte der „Staat als oberste kontrollierende Behörde“ die verantwortungsvolle Aufgabe, darauf zu achten, „das von unseren Kindern gepachtete Land“ so zu übergeben wie wir es übernommen haben – oder noch besser. Die Zeitschrift Landwirtschaft ohne Pflug  (LOP), die ab 2008 siebenmal im Jahr erscheint, ist schlechthin die fachliche Unterstützung auf dem Gebiet der reduzierten Bodenbearbeitung bzw. Direktsaat (DS). Neben der Präsentation neuester Maschinen und Geräte für diesen Arbeitsbereich werden vor allem Ratschläge zur Bearbeitungsweise in Regionen verschiedener klimatischer Zonen und in Betrieben unterschiedlicher Größenordnung gegeben. Weiters stellen Vorzeigebetriebe in ermutigender Weise ihre Erfolge vor, und wissenschaftliche Informationen auf dem Gebiet der Bodenfruchtbarkeit, des Bodenlebens und des Zwischenfruchtbaus untermauern die Bedeutung der pfluglosen Landwirtschaft. Dazu werden viele Hinweise zur Unkraut- und Schädlingskontrolle von Versuchsanstalten und Fachleuten angeboten.

Die Zeitschrift warnt z.B. vor steigenden Herbizidresistenzen und weist auf die Gefahr hin, dass diese Resistenzen vererbt werden! Allein in Deutschland beträgt diese Fläche ein Ausmaß von über 150.000 ha (LOP, Sept. 2006). Man spricht dabei von einer sogenannten „relativen“ oder „metabolischen“ Resistenz, das heißt, dass die verwendeten Wirkstoffe vor allem bei „Ungräsern“ immer schneller abgebaut werden. Dieser Umstand fordert stets höhere Aufwandsmengen. Relativ selten kommt es (noch) zur „absoluten Resistenz“, die sich in Europa bislang auf Ackerfuchsschwanz und Windhalm beschränkte. Offenbar haben Betriebe mit einseitiger Fruchtfolge mit einem überbetonten Getreide- und Zuckerrübenanbau mit der Verungrasung stärker zu kämpfen als konventionell arbeitende Landwirte. Von Seiten der Hersteller wird auch darauf hingewiesen, dass es in den nächsten Jahren keine neuen Produkte geben wird. Aus diesem Grund sind ganzheitlich denkende Landwirte, die weder Herbizide noch andere Pestizide benötigen, ein Segen für die Menschheit.

11.1.6. Die Minimalbodenbearbeitung für den Gärtner

Man muss sich mit Recht fragen, warum diese Technik nicht im „Kleinen“, namentlich im Gartenbau Verwendung finden sollte. Für uns ist es amüsant, aber auch traurig zu beobachten, mit welchem Aufwand Hobbygärtner oftmals ihr Gemüse produzieren, wenn man bedenkt, dass es auch viel einfacher geht. Außer, dass mit dem Älterwerden die Kraft abnimmt, ist man bei der Minimalbodenbearbeitung kaum gefordert, Änderungen vorzunehmen. Schlimm verhalten sich manche Schrebergarten-Vereine mit ihren Regeln und Normen wie regelmäßiges Rasenmähen, Schneckenbekämpfung (mit Schneckenkorn), dem Herstellen von „ordentlichem“ Kompost, vor allem aber jeweils im Herbst und Frühling vor dem Pflanzen den Garten tief umzustechen. Damit ist aber nur gesichert, dass die fleißigen, Boden aufbauenden Mikroorganismen zweimal im Jahr zum Absterben verurteilt sind! Diese tief verwurzelte Tradition ist eine schlichte Trägheit und stellt ein grosses Hindernis für eine Erneuerung dar. Für jene, die sich für eine Änderung interessieren, befinden sich in der 8. Folge unserer Serie (EMJournal  21 ff), unter den Stichworten »Mulch«, »minimale Bodenbearbeitung« und „»Mulch total« einige Hinweise, wie man vom Spaten loskommt.

11.1.7. Minimalbodenbearbeitung und EM

Direktsaat-Zuckerrüben

Wie immer empfehlen wir den Einsatz von EM auch bei der reduzierten Bodenbearbeitung, bei Direktsaat, Mulchsaat, zur Bodenlockerung, zur Herbstbodenbehandlung, sei es auf einer bereits etablierten Gründüngung, auf einer Brache, einem Mulchacker oder im Garten. Es muss auf alle Fälle auf den Ausbringungszeitpunkt von EM und der Aussaat geachtet werden, um eventuelles Misslingen aufgrund der kurzfristigen Bodenübersäuerung zu vermeiden (Aussaat erst 1-2 Wochen nach EM-Anwendung). Im nächsten Abschnitt unserer Serie wird diesem Gesichtspunkt mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

Dem/der interessierten Leser/ in wünschen wir viel Erfolg bei dieser innovativen Tätigkeit.

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

Seit November 2005 (Heft 14) erscheint in jeder Ausgabe des  EMJournal ein Beitrag von Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph aus Еsterreich zu dem Thema  Humus und Bodenleben. Bisher erschienen „Definitionen von Humus“ (I), „Kompostwirtschaft“ (II), „die Weiterentwicklung des organischen Bodenhilfstoffes Bokashi“ (III), „Möglichkeiten der Bodenbehandlung mit EM“(IV), „Gesteinsmehle in Verbindung mit Effektiven Mikroorganismen“ (V), „Jauche – Gülle – Schwemmist“ (VI), „Mist – Mistkompost – EM-Mist“ (VII), „Mulch und Flächenkompost“(VIIIa & b), „Gründüngung“(IX), „Die Arbeisweise nach kosmischen Rhythmen“(X) sowie die „reduzierte Bodenbearbeitung“ (XIa).

 

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