Humus und Bodenleben Teil 11- Die reduzierte Bodenbearbeitung

Weg vom Pflug im Acker und Spaten im Garten

So sieht eine von Schweinen »umgepflügte« Wiese aus.

In unserer Serie „Humus und Bodenleben“ wurden alle organischen Düngungsformen mit und ohne EM sowie die Verwendung von Gesteinsmehlen diskutiert. Dabei fällt weiterhin in der Landwirtschaft dem Betriebsorganismus eine wichtige Rolle zu. So wurde bei einseitiger Wirtschaftsweise der Gülleanfall und die -verwertung besprochen, bei anderen Massentierhaltungen auf die Gefahren, jedoch auch auf die Behandlung mit EM und silikatreichen Urgesteinsmehlen hingewiesen. Im Vordergrund stand stets die Nutzung der im Betrieb anfallenden Ernterückstände, um mit EM eine optimale Nutzung als lokale Ressource zu erreichen. Ebenso wurden für den Gemüsebauern bzw. Schrebergärtner Möglichkeiten zur Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, Erhöhung der Ernteerträge und Qualitätsverbesserungen, der Wildkrautkontrolle zur Sprache gebracht. Heutzutage wird in vielen Ländern der reduzierten Bodenbearbeitung große Aufmerksamkeit geschenkt, vor allem um Humus und Bodenleben zu fördern, mit einer geringeren Umweltbelastung durch niedrigere CO2-Ausgasung, enorm verminderte Erosion durch Wind und Wasser und um last but not least mit weniger Zeit und Energieaufwand optimale Erträge zu erreichen.

Die Bodenbearbeitung

Bekanntlich ist neben einer geordneten Fruchtfolge und Düngung die Bodenbearbeitung ein wesentlicher Faktor für den praktizierenden Landwirt und Gärtner. Die Bodenbearbeitung hat zum Ziel, eine biologische Intensivierung (Sattler-Wistinghausen, Der landwirtschaftliche Betrieb, 1989) zu erreichen. Es soll ein Gleichgewicht von Auf- und Abbauprozessen erreicht werden und die Humusbildung und Mineralisation auf ein höheres Niveau gehoben werden. Die physische Struktur des Bodens soll verbessert und alle biologischen und chemischen Abläufe angeregt werden, um schließlich eine gute Bodengare zu schaffen. Bei unserer herkömmlichen Wirtschaftsweise passiert aber genau das Gegenteil. Es ist inzwischen hinreichend bekannt, dass jede tiefe Bodenbearbeitung Humusabbau zur Folge hat; gleichzeitig führen größere Regenmengen bei so bearbeiteten Böden zur Nährstoffauswaschung (auch bei Humus in kolloidaler Form!) und neben dem oberflächigen Verschlämmen zu Erosion! Somit steht die konventionelle Bodenbearbeitung in einem totalen Widerspruch zur Realiät. Dazu bemerkt Derpsch: „Der Pflug kann heute ohne Zweifel als das wichtigste Instrument angesehen werden, das zur Zerstörung von Millionen Hektaren fruchtbaren tropischen und subtropischen Bodens beigetragen hat“ (Entwicklung und ländlicher Raum, Heft 4, 2000). Er fordert, den Pflug vom hohen Sockel herunterzuholen, auf dem er sich in unserem Kulturverständnis befindet. Derpsch konstatiert, dass die verstärkte Anwendung der Direktsaat eine wahre Alternative zur derzeit praktizierten Landwirtschaft bietet. Denn aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen mit der reduzierten Bodenbearbeitung kann mit ruhigem Gewissen behauptet werden, dass die Methode der reduzierten Bodenbearbeitung langfristig von größerer Bedeutung sein wird als alle vorher eingeführten Maßnahmen. Wenn Storl dazu bemerkt (1988), dass in den vergangenen 60 Jahren die Humuswerte weltweit um mindestens 1% abgenommen haben, ist wohl der Löwenanteil in der unangepassten Bodenbearbeitung begründet. Sucht man in der Natur nach ähnlichen Mustern, so pflegen nur Wild- und Hausschweine Gelände aufzuwühlen, danach kommt der Mensch – nur in einer ganz anderen Größenordnung!

Beobachtet man den traditionellen Anbau in außereuropäischen Gebieten, findet man, dass viele Völker ein total angepasstes Anbausystem, in der Regel in Form einer reduzierten Bodenbearbeitung, pflegten. So werden im Tiefland von Bolivien nach der Brandrodung nur noch Pflanzlöcher mit einem Pflanzstock gemacht, um Samen in den Boden zu bringen. Ähnlich in Westafrika, wo allerdings der Oberboden mit einer Hacke (Daba) durch Abheben der oberen Grasnarbe zu Furchen geformt wird, um auch dort das Saatgut zu etablieren. Weitere Bodenbearbeitungen zur Wildkrautkontrolle sind auf ein Minimum reduziert. Ähnliches geschieht beim Yamsanbau durch Erstellen von Erdhügeln (Buttes), welche ebenfalls kaum Erdbewegungen zum Unterhalt benötigen. In Anbetracht der Bodendegradation durch die intensive Bodenbearbeitung steht der Sahel als marginale Klimazone mit weniger fruchtbaren Böden an vorderster Stelle. In dieser durch Bodenzerstörung bekannten Zone sind nicht nur ein Zuviel an Tieren und die unangepassten vom Staat (durch die Kolonialmächte) etablierten Bodenrechte, sondern ist auch die Einführung des eisernen bodenwendenden Pfluges Schuld an der in den letzten Jahrzehnten entstandenen Bodenzerstörung (Kriegl, Wie optimal wirtschaften im Niger, Berlin 2001). Dies „Wundergerät“ Pflug machte den Boden total offen – frei für die Erosion durch Wind, und falls es regnet, auch durch Wasser. Mittlerweile sind weltweit, allen voran in den USA, Kanada, Brasilien uvm. erfolgsversprechende Alternativen zum Pflug bekannt geworden. Die Ergebnisse sind ermutigend, wenn man die Erfolge in Bezug auf Bodenschonung, Humusbildung und Bodenleben, Ertragssicherheit, Arbeitskrafteinsparung und vor allem aber auch auf die dabei eingesparte Energie betrachtet. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Direktsaatflächen in den Jahren 2004/05. Derpsch war längere Zeit in Brasilien über die Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) als Regierungsberater, z.Zt. in Argentinien, tätig.

In den 70er Jahren sagte der seinerzeit amtierende Entwicklungsminister: „Die gesamte Welt ist ein Entwicklungsland.“ Legt man obenstehende Zahlen zugrunde, dann muss allerdings festgestellt werden, dass das Gros sich auf dem „alten Kontinent“ befindet.

Was versteht man unter Minimalbodenbearbeitung?

Wie der Begriff schon sagt, versteht man darunter den Anbau ohne Pflug auf Ackerland bzw. ohne Spaten im Gartenbau. Bei der Minimal- bzw. reduzierten Bodenbearbeitung können die Erträge mit der konventionellen Anbauweise Schritt halten. Gleichzeitig sind dabei Kosteneinsparungen basierend auf weniger Treibstoffverbrauch und Arbeitszeit, vor allem aber bodenschonende bzw. bodenaufbauende Ergebnisse zu erreichen.

Die Verfahren der Bodenbearbeitung

Folgende Aufstellung soll die Unterschiede darstellen:

*Unter Direktsaat versteht man das direkte Aussäen ohne vorherige Bodenbearbeitung auf Ackerland, im Gartenbau die Aussaat auf eine vorbereitete Parzelle ohne die Pflanzen umzusetzen. In der Forstwirtschaft bedeutet die Direktsaat ebenfalls die Aussaat verschiedener Arten auf verschiedene Waldflächen. Im Sahel haben Direktsaat-Pflanzen bessere Chancen durchzukommen als die in Baumschulen herangezogenen. Unter marginalen Verhältnissen entwickeln direkt gesäte Pflanzen erst ein ausgeprägtes Wurzelsystem, bevor sie in die Höhe gehen.

Die konventionelle Anbauweise ist im Allgemeinen hinreichend bekannt und bedarf in diesem Rahmen keine näheren Erläuterungen. Ähnlich verhält sich

Das Lockerungsverfahren, wo bereits keine Pflugarbeit als Grundbodenbearbeitung vorausgeht. Hier übernimmt der Grubber die Funktion einer leichten Grundbodenbearbeitung. Die darauffolgende Aussaat wie bei Mulch- bzw. Direktsaat.

Das Mulchsaatverfahren ist eine Saatmethode mit nur minimaler Bodenvorbereitung, d.h. einer Stoppelbearbeitung mit der Spatenrollegge, dem Grubber oder “Ecodyn“. Der Ecodyn ist ein von Friedrich und Manfred Wenz konzipiertes und in Frankreich hergestelltes Gerät

Der Ecodyn bearbeitet das Gelände flach, nämlich nur 3-5 cm tief und ist in der Lage, gleichzeitig die Saat auszubringen. Gegenüber dem konventionellen Anbauverfahren (mit Pflug) werden dadurch bis zu 50% an Maschinenstunden gespart. Die makroorganische Substanz aus Ernterückständen und Gründüngung an der Bodenoberfläche fördert das Bodenleben. Die Regenwurmfauna entwickelt sich, verglichen mit der Pflugkultur, um ein Mehrfaches und schafft durch diese „Grabtätigkeit“ günstigere Bedingungen zur Infiltration von Niederschlagswasser. Demzufolge wird auch die unproduktive Wasserverdunstung durch die Mulchauflage reduziert, was für trockenere Gebiete bzw. in niederschlagsärmeren Jahren von entscheidender Bedeutung ist.

Die Hauptvorteile der Mulchsaat sind dabei: enorme Zeitersparnis, langfristig höhere Erträge, Reduzierung der Energiekosten, Reduzierung von Maschinenkosten und ein eindeutig besseres Bodenleben; in der Regel kommt man mit dem vorhandenen Maschinenpark aus bzw. sind Neuanschaffungen billiger.

Direktsaat bei Zuckerrüben, LOP (Landwirtschaft ohne Pflug) März 2006, Berlin

Die Direktsaat: Bei dieser Saatmethode wird ohne vorherige Bodenbearbeitung gesät. Dabei öffnen Scheibensämaschinen ihre Säschlitze, in die das Saatgut abgelegt und gleichzeitig mit etwas Erdreich abgedeckt wird. Die konventionelle Art dieser Anbauweise verwendet im allgemeinen Herbizide zur Unkrautkontrolle. Bei sachgemäßer Anwendung hat die Direktsaat unter Einhaltung verschiedener Grundregeln enorme ökologische und wirtschaftliche Vorteile. Sie ist eine ausgesprochen komplexe Systemlösung, die „Ausdauer und Konsequenz“ erfordert. Oberstes Ziel ist, den Boden in 5-10 Jahren in einen Zustand zu bringen, wie er auf Wiesen anzutreffen ist. Dies ist über eine geordnete Fruchtfolge, der oben beschriebenen Arbeitsweise sowie unter Einbeziehung der entsprechenden Zwischenfrüchte erreichbar. Mit der damit erlangten Artenvielfalt auf bebauten Flächen entstehen ebenso hohe Diversitäten im Unterboden. Die Regenwurmhäufigkeit kann im Vergleich zur Pflugkultur auf über zwei t/ha anwachsen. Dadurch wird die auf Ackerflächen übliche Bodenerosion auf ein Minimum reduziert. Die Umstellungsphase dauert drei bis sechs Jahre. Als wesentlicher Indikator gelten vor allem steigende Regenwurmpopulationen.

Die Tabellen veranschaulichen, wie sich bei Minimalbodenbearbeitung und Direktsaat bei niedrigem Energiebedarf die Erträge verhalten. (LOP Nov. 2007)

Diese Angaben sprechen für sich, wenn man überlegt, dass die Erträge bei der Minimalbodenbearbeitung (Grubber zur Lockerung, Mulch bzw. Direktsaat) mit einem hohen Grad an Nachhaltigkeit durch stetiges Ansteigen der Bodenfruchtbarkeit verbunden sind. Dies müsste von den Menschen akzeptiert werden, anstatt aufgrund von Tradition und Trägheit alte Methoden weiter zu praktizieren. In der Tat wird bei Mulch- oder Direktsaat, wo Ernterückstände den Boden schützen, um ihn wieder auf ein höheres Niveau biologischen Gleichgewichtes zu bringen, das Bodenleben auf ein optimales Maß gesteigert. Die produzierte Biomasse mit dem Bodenleben wird in der Hauptsache durch Mikroorganismen und Regenwürmer zu Humus aufgebaut.

Hinzu kommt – worauf wir schon lange warten – endlich eine positive Bilanz für den Klimaschutz, da eine grundlegende und nachhaltige Entlastung der Umwelt (Atmosphäre) stattfindet. Im Klartext bedeutet dies mehr Biomasse durch Assimilation – bei einer geringeren CO2-Abgasung aufgrund geringerer Mineralisation. Das verstärkt auftretende CO2 kommt wieder in den Boden, um dort in Form von organischer Substanz/Humus seinen Aufgaben gerecht zu werden. Dr. Andrea Beste (Büro für Bodenschutz und ökologische Agrarkultur) bestätigt, dass sich aufgrund von Humusmangel und geringer biologischer Aktivität unsere landwirtschaftlich genutzten Böden nicht mehr erholen können. Dies führt zu einer verminderten Wasseraufnahme, zur Erosion sowie sinkender Trinkwasserneubildung und -qualität. Heutzutage sei diese neue Technik als Mittel gegen Bodenerosion und –verdichtung bewiesen. Sie weist ferner darauf hin, dass im konventionellen Anbau eine starke Erhöhung des Unkraut-, Krankheits- und Schädlingsdruckes besteht. Die im nächsten Teil unserer Serie beschriebenen Biolandwirte bestätigen mit ihren gut durchdachten Methoden diese Aussagen. Dr. Beste bemerkt im selben Artikel, dass die staatliche Beratung für den praktischen Bodenschutz, nämlich Bodenverdichtung und Erosion zu mindern, die wahre Problematik nicht löst. Sie bleibt den Beweis einer positiv geförderten Bodenstruktur schuldig, da in den meisten Bewertungen keine qualitativen Gefügebeurteilungen vorgenommen werden. (Dr. A. Beste, »Bodenschutz durch Minimalbodenbearbeitung und Regenwurmbesatz?«, www.abl-bayern.info, 2005) Aufgrund der aktuellen konventionellen Anbaupraktiken sind z. B. in Österreich 450.000 ha, (Rosner und Zwatz, »Minimalbodenbearbeitung in Österreich«, 10. Gumpensteiner Lysimetertagung 2003) potentiell erosionsgefährdet. Für Deutschland, die Schweiz und andere Länder verhält sich dieser Tatbestand gleich! Die gefürchteten Ertragseinbußen sind aufgrund mehrjähriger Erfahrungen, wenn überhaupt, nur während der ersten Jahre der Umstellung zu beobachten.

Im nächsten EMJournal erscheint der zweite Teil des Kapitels »Die reduzierte Bodenbearbeitung«.  

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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