Humus und Bodenleben Teil 12-2

Die reduzierte Bodenbearbeitung

Im EMJournal 25 und 26 erschien der erste Teil der „reduzierten Bodenbearbeitung”. Darin wurden verschiedene Verfahren der reduzierten Bodenbearbeitung sowie deren Vor- und Nachteile für das Bodenleben vorgestellt. Anschließend wurde auf ihre Bedeutung für die CO2-Bilanz eingegangen und Landwirten und Kleingärtnern Hilfe an die Hand gegeben. Nun wenden wir uns abschließend der Bedeutung der Regenwürmer und der Effektiven Mikroorganismen zu.

Minimalbodenbearbeitung unter strikten biologischen Ansätzen

Während bei der konventionellen reduzierten Bodenbearbeitung wasserlösliche Mineraldünger und Pestizide im größeren Stil Anwendung finden, versucht man bei der biologischen Bewirtschaftung ganz ohne künstliche Düngung und Pestizide, vor allem ohne Herbizide auszukommen. Nachdem bei der konventionellen Bewirtschaftungsform bereits Probleme auftreten – hier steht die Resistenz gegen eine Reihe von Unkräutern bei der Herbizidanwendung und anderen „phytosanitären Pestiziden“ an erster Stelle – ist es zu begrüßen, wenn Landwirte den Mut aufbringen, völlig ohne Chemikalien auszukommen. Wenn auch die Anzahl der biologisch Wirtschaftenden niedrig erscheint, so können wir doch von Erfolg sprechen, und die Ergebnisse als ermutigend und nachahmenswert bezeichnen. Ähnliche Ergebnisse gibt es bei der Düngung, vorausgesetzt es erfolgt eine Art Kreislauflandwirtschaft. Eine zusätzliche Bodenbelebung durch biologisch-dynamische Präparate bzw. durch EM-Anwendung optimiert den Erfolg. Den Regenwürmern und den effektiven Mikroorganismen (EM) wird in diesem Abschnitt besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Die Minimalbodenbearbeitung und die Bedeutung einer effizienten Regenwurmfauna

Der Boden ist ein Lebensraum für eine Vielzahl von Organismen wie Bakterien, Pilzen, Algen, Insekten und vielen anderen, die gemeinsam aus mineralischen Schichten einen fruchtbaren Boden herstellen. Darunter sind die Regenwürmer die bekanntesten und auffälligsten Bodentiere (neben der Wühlmaus und dem Maulwurf). Unter anderem leisten sie eine enorme Arbeit für den Stoffumsatz sowie zur Strukturverbesserung unserer Böden. Folgende Aufstellung vermittelt einen guten Überblick über die Bodenorganismen:

Die Masse der Lebewesen auf 1 m² durchschnittlichem Wiesenboden, bis 80 cm Tiefe, beträgt ungefähr 1 kg, das heißt pro Hektar 10.000 kg, was 20 GVE (Groß- Vieheinheiten) gleichkommt!

Franz Brunner, Biobauer in Groß Burgstall bei Horn, Niederösterreich, praktiziert seit 10 Jahren die reduzierte Bodenbearbeitung. Ihm verdanken wir viele der folgenden Angaben. Ausserdem zitieren wir Ausführungen des „Regenwurmpapsts“, Dr. Bauchhenß, aus dem Seminar der Schlägler Biogespräche in der landwirtschaftlichen Schule Schlägel im Herbst 2008.

In unseren Breiten waren ursprünglich die meisten, heute ackerbaulich genutzten Flächen Waldland. In (natürlichen!) Mischwäldern haben sich ohne Mitarbeit von Menschen in Millionen von Jahren fruchtbare Böden entwickelt. Leider haben sich durch den Einfluss der Menschen diese Böden verschlechtert, besonders in den vergangenen 60 Jahren, durch den Verlust eines Drittels der Humuswerte – in den Tropen sind es zwei Drittel (Storl, 2004). Gründe dafür sind die weltweit unangepassten Bodenbearbeitungsmethoden (siehe EMJournal 26 Teil 11). Nach Bauchhenß sind Böden fruchtbar, die genügend organische Substanz und dadurch die entsprechende Anzahl Regenwürmer aufweisen können. (In trockenen und heißen Zonen sind es die Termiten). Daher müsste die organische Substanz in unseren Breiten sechs Volumenprozent betragen. Hier muss der verantwortungsbewusste und naturverbundene Landwirt und Gärtner seine Aufgabe sehen, nämlich genügend Futter auf den Böden zu belassen, sei es durch Mulch, gemulchte Gründecken und das Zurücklassen aller Nebenprodukte wie Stroh und anderen Ernterückständen, ebenfalls als Mulch. So meint Franz Brunner, dass bei einem erhöhten Distelaufkommen falsche Bodenbearbeitung, besonders zum falschen Zeitpunkt, vorausgingen. Auf einem Hektar gutem Wiesenboden befinden sich 2,3 Millionen Regenwürmer, was 5 Großvieheinheiten (= 5 x 500 kg Lebendvieh) entspricht. Nimmt man das übrige Bodenleben hinzu, so kommt man pro m² auf 1 kg, das heißt pro Hektar 10.000 kg, nämlich 20 GVE. Daraus lässt sich schließen, dass bei oben beschriebenen Bewirtschaftungsmaßnahmen und entsprechender „Fütterung“ der Bodenfauna eine nachhaltige Wirtschaftsweise durch Erhöhung der organischen Substanz möglich ist.

Regenwürmer ernähren sich auch von Algen. Dadurch wird umgewandelte Sonnenenergie zu Bodenenergie. Beim Abbau von toten Pflanzen können sich die Bodentiere vermehren, welche weitere „Wohnungen“ bauen, um Schleimstoffe und Kot abzugeben, was schließlich „Nahrungsergänzung“ für Pflanzen bedeutet. Die Pflanze ernährt sich autotroph, das heißt, sie erzeugt ihre Nahrung selbst durch die Photosynthese. Mineralstoffe, Spurenelemente etc. sehen wir als Nahrungsergänzung. Andererseits können Regenwürmer eingepflügte oder mit dem Spaten eingearbeitete Biomasse nicht als Nahrung erkennen. Dies lässt darauf schließen, dass eingearbeitete Biomasse zu Fäulnis führt, welche für Regenwürmer und andere Kleinlebewesen, vor allem auch für Pflanzen giftig ist. Ist die Bodenfauna in Ordnung, dann gibt es auch optimale Bedingungen für die mit der Pflanze in Symbiose lebenden Mikorrhiza-Pilze. Letztere haben die Fähigkeit, festgelegte Phosphorsäure durch ihre Lebendbrücke den Pflanzen verfügbar zu machen. In der Tat kann es nie ein Zuviel an organischem Material geben, denn schließlich entscheidet die Menge, wieviel Nährstoffe für die Kulturpflanze gebildet werden (Bauchhenß, 2008). Humus kann so auf einfache Weise wieder aufgebaut werden. In diesem Zusammenhang beweist Franz Brunner, dass bei einer nur drei bis fünf cm tiefen Bearbeitung die Disteln verschwinden. In diesem Zusammenhang möchten wir noch einmal auf die angepasste reduzierte Bodenbearbeitung hinweisen. Denn in der Natur (z. B. im Waldboden) kommt kein Stickstoff (N) in den Unterboden! Wenn das organische Material an der Oberfläche fehlt, kann der durch die Bodenbearbeitung freigewordene Stickstoff nicht in den obersten Schichten eingelagert (konserviert) werden, er wandert in den Unterboden ab und damit freuen sich die Disteln und der große Ampfer (Rumex). Letztere bleiben dann solange, bis der Boden von dem N-überschuss befreit, das heißt geheilt, ist.

Es ist auch von unserem „Minimalbodenbearbeiter“ bekannt, dass durch jede Art intensiver Bodenbearbeitung, auch wenn sie nur flach erfolgt (oder bei Hackfrüchten das zu häufige Hacken), das oben erwähnte Phänomen zutage tritt. Was dem Regenwurm schließlich gut tut, ist das von Mikroorganismen vorbereitete organische Material. Hier gibt die EM-Anwendung doppelt Sinn. Hinzu kommt, er will Ruhe, denn Bodenbearbeitung zerstört seine oberirdischen Futterhaufen sowie die von ihm gemachten Röhren, die an die Oberfläche führen. Es stellt sich aber die Frage, wie sich der Regenwurm seitwärts bewegt, wenn, wie wir beobachten, er nur vertikale Röhren gräbt. Er scheint die Gelegenheit, wenn es regnet, zu nutzen. „Dann“, meint Brunner, „hat er an der Oberfläche gute Bedingungen, der Boden ist weich.“ Zu diesem Zeitpunkt scheint auch keine Sonne, die er nicht verträgt. So wandert er oder lässt sich horizontal zur Seite schwemmen, um sich schließlich wieder senkrecht in die Erde zu graben. In diesem Zeitraum soll allerdings der naturverbundene Bauer oder Gärtner kontrollieren, ob Bodenbearbeitungsmaßnahmen durchführbar sind. Hierbei wird empfohlen, mit viel Gefühl das Bodengefüge zu prüfen, ob die geplanten Arbeiten sinnvoll sind. Letztere Überlegung zu einer noch sanfteren Bodenbearbeitung lohnt sich. Und hier ist wieder ein Moment, das heißt, wenn nicht unbedingt darauf gesät wird, die optimale Aufwandmenge von EMa und Steinmehl zu verabreichen.

Zahlen aus Literaturangaben und Untersuchungen der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Die Lebewesen in einem Quadratmeter eines durchschnittliche Wiesenbodens bis in ca. 80 cm Tiefe wiegen ca. 1 kg. Das entspricht rund 10 000 kg = 20 Großvieheinheiten pro Hektar.

Mineralbodenbearbeitung mit Zuhilfenahme von biologisch-dynamischen Präparate

Hier steht der Hornmist (P 500) an vorderster Stelle. Seit der Gründung der biologischen-dynamischen Landwirtschaft im Jahre 1924 durch Rudolf Steiner steht den biologisch-dynamisch wirtschaftenden Betrieben der Hornmist als Bodenpräparat zur Verfügung. Dabei werden geringe Mengen dieses Präparates, ungefähr 160 Gramm/ha, in 50 l Wasser eine Stunde nach einem gewissen Rhythmus gerührt und ausgebracht. In der Tat geht es dabei auch um Bakterien und, wie die Biodynamiker behaupten, auch um Geistiges. Nach mehr als 80 Jahren Erfahrung auf diesem Gebiet kann behauptet werden, dass damit das Bodenleben gefördert und Humus stabilisiert wird. Leider wird diese Methode nur von einer Minderheit (ungefähr 1%) praktiziert. Darüber hinaus haben die biologisch-dynamischen Präparate auch in den Tropen – vor allem bei der Humusstabilisation, positive Ergebnisse gezeigt.

Die Mineralbodenbearbeitung mit Zuhilfenahme von EM

Diese Methode ist wohl zu einem Zeitpunkt entstanden, als die Not am größten war. Durch die jahrzehntelange Bewirtschaftung mit chemischen Industrieprodukten, übertriebener Bodenbearbeitung sowie durch die in der Atmosphäre befindlichen Umweltgifte sind unsere Böden schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Hierbei hat die von Prof. Higa entwickelte Mikroorganismenzusammensetzung EM·1 zufriedenstellende Erfolge gezeigt. In EM·1 finden sich – für viele nicht leicht zu verstehen – aerobe und anaerobe Bakterien. Was für die einen Abfall ist, bedeutet für die anderen Nahrung. So hat sich gezeigt, dass die anaeroben Photosynthesebakterien und die aeroben Azotobakter (frei im Boden N sammelnden Bakterien) in Symbiose zusammenarbeiten. So können selbst stark in Mitleidenschaft gezogene Böden durch den Einsatz von EM wieder regenerieren. Die dabei entstehenden Antioxidantien regen den Regenerationsprozess an, um schließlich Wasser und Luft zu reinigen und den Boden zu entgiften. Auch das Pflanzenwachstum wird gefördert. Durch die Ausscheidungen der Mikroorganismen entstehen Aminosäuren, organische Säuren, Vitamine, Hormone und Polysaccharide, die Mensch, Tier und Pflanze gut bekommen. Die Milchsäure- und Photosynthesebakterien sind wichtige Komponenten in der EM-Zusammensetzung. Ferner ist hervorzuheben, dass EM die schlechten, das heißt die pathogenen Keime nicht tötet, sondern die positiven durch Milieuveränderung fördert. Das gleiche geschieht schließlich im Verdauungstrakt von Mensch und Tier.

Auch Prof. Higa weist verschiedentlich auf die Vorteile der reduzierten Bodenbearbeitung hin, vor allem sieht er enorme Möglichkeiten beim unter Bewässerung praktizierten Reisanbau. Unter anderem zitiert Prof. Higa Mokichi Okada (1882-1955), welcher die Kyusei Nature Farming begründete (Tatsuo Kuroda, EM im Garten , 2007): „Eine Anbaumethode, die die Kraft des Bodens, der Feldfrüchte und der Natur vernachlässigt, schädigt den Boden und das Agrarmilieu.“ Solche Verfahren üben schließlich – so der Autor – schädliche Einflüsse auf die mentale und physische Gesundheit der Menschen aus, was zu einer neuen Krise der Menschheit führt. Ähnliche Vorstellungen auf diesem Gebiet hatte Rudolf Steiner.

An dieser Stelle möchten wir drei Forderungen zitieren, welche Okada für das Nature Farming festlegte:

  • den Boden zu einem Nährstoffspeicher machen. Dies korrespondiert mit dem vorhin beschriebenen hohen Angebot an Biomasse.
  • den Boden zu einem „Facharbeiter“ werden lassen, damit höhere Erträge zustande kommen, wenn öfter gepflanzt wird. Auch diese Ansicht deckt sich nach unseren Erfahrungen mit ausgeklügelten Fruchtfolgen mit entsprechendem Zwischenfruchtanbau.
  • und die dritte Forderung ist, den Boden nicht zu verschmutzen und es der Kraft des Erdreichs zu ermöglichen, sich voll zu entfalten, damit auch Krankheiten und Schädlinge unterdrückt werden. Diese Forderung wird mit der EM-Anwendung und einer reduzierten Bodenbearbeitung erfüllt.

Eine Reinigung unserer Böden ist praktisch nur mit EM möglich. Das heißt, um Pflanzen von Krankheiten durch Pilze und Insektenbefall zu schützen, müssen unsere Böden gereinigt bzw. mit EM und Urgesteinsmehl behandelt werden. Diesbezüglich geben wir keine Angaben hinsichtlich Aufwandmengen; wir empfehlen vielmehr, dies radiästhetisch abzufragen. Mit diesen Massnahmen wird auch Fäulnis auf unseren Garten- und Ackerflächen vermieden. Hier stellt Higa eine neue Agrartechnologie vor, in der das natürliche Energiegleichgewicht wieder hergestellt wird. Er spricht von der Syntropie  (Regeneration), das bedeutet, dass beim Zerfall schädlicher Substanzen nützliche entstehen. Beim Einarbeiten von organischem Material in den Boden durch Pflügen entsteht Fäulnis. Umgekehrt kann bei einer EM-Anwendung dieser Sachverhalt korrigiert werden. Um Ertragsdepressionen zu vermeiden, soll auch auf die Einarbeitung von Material mit einem weiten C:N Verhältnis (Stroh, Laub etc.) verzichtet werden. Dagegen läuft der Prozess harmonisch ab, wenn diese Materialien als Mulch Verwendung finden!

Weiters bemerkt Higa, dass in zymogenen Böden die organischen Substanzen in Form von wasserlöslicher Energie gespeichert und als organische Energie von den Pflanzen genutzt werden, ohne dabei Gase und Wärmeverluste entstehen zu lassen. Higa schließt mit der Bemerkung:
„Wenn der größte Teil der vormals an organische Substanzen gebundenen Energie wiederverwendet wird, kann es theoretisch auf der Welt keinen Nahrungsmittelmangel mehr geben, auch wenn die Weltbevölkerung im derzeitigen Tempo weiterwächst.“
Durch die Verwendung von EMa zum richtigen Zeitpunkt werden nicht nur im Boden befindliche Schwermetalle durch Deionisation unschädlich gemacht, was einer „Teilreinigung“ gleichkommt, sondern die Resistenz des Bodens in größerem Maß gestärkt, so dass Schädlinge und Krankheiten sich schwerer durchsetzen können. Dass damit verbunden auch die Beikräuter reduziert werden, ist eine Tatsache, über die sich Gärtner und Landwirte freuen. Bei einer vorausgegangenen Bodenbehandlung entsteht vorübergehend ein niederer pH-Wert, wodurch frisch keimende Samen absterben. Dies ist der Grund, warum man ein bis zwei Wochen mit der Aussaat bzw. den Pflanzen mit nackten Wurzeln warten muss, um eventuelle Verluste zu vermeiden. Bei den „Unkräutern“ ist dies eine willkommene Erscheinung. Sollten trotz all dem gewisse „Unkräuter“ dieser Prozedur standhalten, dann kann noch vor der Saat oder Pflanzung der Kulturpflanzen eine minimale Bodenbearbeitung vorausgehen, um sie zu eliminieren. Abschließend schreibt Higa, dass die Humusbildung sich bei dieser Vorgangsweise verdoppelt bis verdreifacht, was die Bearbeitbarkeit, Luft- und Wasserdurchlässigkeit, vor allem aber die Wasserspeicherung des Bodens fördert.

Wir freuen uns, Erfahrungsberichte positiver wie auch negativer Art von unseren LeserInnen zu bekommen und wünschen AnwenderInnen weiterhin viel Erfolg!

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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