Humus und Bodenleben für Klein- und Hobbygärtner, Teil 3

Hoch- und Hügelbeete

Wir wünschen, dass die LeserInnen mit unseren Vorschlägen so autark wie möglich werden. Das Gärtnern auf höherem Niveau soll diese Idee nur noch attraktiver machen, nämlich zumindest, einen Teil unserer Nahrung selbst herzustellen. Dazu möchte ich noch einmal die Prinzipien für diese Maßnahmen vorstellen:

Wie können Fruchtbarkeit und Produktivität des Hochbeetes erhalten bzw. erhöht werden?

Die Basis für üppige Fruchtbarkeit ist die Herstellung von Küchenbokashi bzw. Bokashi aus Rasenschnitt. Letzteres wurde zwar des Öfteren in dieser Artikelserie erwähnt, wir wollen es aber für die Newcomer noch einmal kurz erklären.

Die meisten GärtnerInnen besitzen zumindest eine kleine Rasenfläche, die mehrere Male jährlich gemäht wird. Bestens bewährt hat sich bei der Herstellung von Rasenbokashi die Hinzunahme von Weizen- bzw. Roggenkleie im Verhältnis 50:50 oder 40:60 mit EMa und 5-10 % Holzkohlengrus. Dass das Material die optimale Feuchtigkeit von etwa 30 % aufzuweisen hat, ist unseren Bokashiherstellern bereits eine Selbstverständlichkeit. Der nötige Luftabschluss durch luftdicht verschließbare Eimer oder Plastiksäcke ist auch bekannt. Das Bokashi arbeitet man am besten im Herbst oberflächlich ein. Hinzu kommt die altbewährte Methode des Mulchens, um es abzudecken. Hier ist Grasschnitt dem Rasenschnitt vorzuziehen, denn letzterer wird durch das enge C:N-Verhältnis zu schnell umgesetzt. Falls vorhanden, ist Laub ein gutes Mulchmaterial. Auch hier haben wir die verschiedenen Mulchmethoden in unserem Buch „Humus- und Bodenleben“ (2011) ausführlich behandelt.

Im Übrigen sollen ja unsere Hochbeete (später auch Hügelbeete und Miniterrassen) nach den Prinzipien einer vor Ort möglichen Permakultur ablaufen, d.h. Energie sammeln und speichern. Beim Befüllen eines Hochbeetes wird in den meisten Fällen ein Zubringen von Aushuberde, Kompost von kommerziellen Kompostierern, eventuell Pferdemist, Urgesteinsmehl und Holzkohlengrus von außen besorgt. In der Folge reichen, der Ökonomie folgend, vor Ort verfügbare Materialien, wie oben erwähnt und die jährliche Produktion von Bokashi und Mulch.

Ist das Hochbeet einmal etabliert, soll der Nutznießer so wenig wie nur möglich Energie verbrauchen, namentlich durch die oben beschriebenen Maßnahmen sowie der vorteilhaften reduzierten/bzw. Nullbodenbearbeitung. Das Praktizieren von Mischkultur soll auch den HochbeetliebhaberInnen eine Selbstverständlichkeit sein.

Die verschiedenen Formen der Hochbeete

Jeder Hausbesitzer weiß, dass man dreimal bauen muss, um allen Wünschen gerecht zu werden. Ähnlich ist es bei den Hoch- und Hügelbeeten. Der Autor selbst baute drei dieser Anlagen und jede unterscheidet sich völlig von der vorhergehenden. Das ist nicht schlimm, denn es bedeutet Entwicklung und Anpassung an die jeweiligen Umstände. Der Gartenliebhaber und Hochbeetbauer Heinz Erven (Meine Hochbeete, 2012) stellt sieben verschiedene Hochbeetformen vor. Im Folgenden beschränken wir uns nur auf einige bedeutende Hochbeetformen.

Das selbsterstellte Hochbeet nach Hans Messner

Die Grundidee für Messners Hochbeet stammt von dem Gärtner Walter Mauerhofer. Auf dieser Basis entwickelte er diese Mixtur zwischen Hochbeet und Gewächshaus, das ein Gärtnern auf hohem Niveau ermöglicht. Der Kasten wird vorzugsweise aus Lärche, Akazie (Robinie) bzw. Kastanie erstellt. Sollten andere Hölzer verwendet werden, müsste man sie imprägnieren. Heinz Erven empfiehlt, das Holz mit einer ungiftigen Lösung, nämlich einer 3-4%igen Kupfervitriollösung zu behandeln. Der Autor kennt einen Fall aus den Niederlanden, wo ein solcher Kasten nach 20 Jahren noch keinerlei Verrottungsschäden aufweist. Die Befüllung erfolgt nach der im letzten EMJournal vorgeschlagenen Methode.

Das fertige Hochbeet

Die Maße: Höhe: 70 cm, Breite: 160-180 cm,
Hagel- und Vogelnetz – das ganze Jahr, auch im
Winter, Plastikhülle: im Winter offen – Winterfeuchte,
im Sommer offen – Niederschlag, im
Frühjahr und Herbst – je nach Bedarf geregelt

Weitere Formen von Hochbeeten

Die Autorin Brigitte Kleinod stellt in ihrem Büchlein Neue Ideen für Hochbeete (2011) eine Reihe von Hochbeet-Varianten vor. Mit den folgenden Beispielen möchten wir dieses Thema vervollständigen.

Hochbeet an einer Außenwand

Nachdem hier nur von einer Seite bearbeitet werden kann, soll es auch nur halb so breit sein, also zwischen 70 und 90 cm. Günstig ist, dass die Pflanzen von der Abstrahlungswärme profitieren, wenn das Hochbeet nach Süden bzw. Südwesten ausgerichtet ist. Selbstverständlich muss die Hauswand in diesem Fall vor Feuchtigkeit geschützt werden.

Tischbeete

Tischbeete können rund oder rechteckig gebaut werden und eignen sich besonders für körperlich behinderte Menschen, die Freude am Gärtnern haben. Frau Kleinod empfiehlt, die Konstruktion durch eine Verschmälerung von der Mitte ab nach unten zu bauen. Dies erleichtert dem Sitzenden noch einmal den Zugang. Es ist verständlich, den nötigen Zugang breit genug und befahrbar zu errichten.

Das ertragreiche Kompost-Hochbeet

Besonders ertragreich ist ein zweistufiges Hochbeet. Hier soll der EM-Kompost, kombiniert mit Urgesteinsmehl und Biokohle diesem „Versprechen“ gerecht werden. In der Tat geht es dabei darum, progressiv Kompost entstehen zu lassen. Danach sollen im Teil I vor allem die stark zehrenden Gemüsesorten etabliert werden. Im Folgejahr werden im Teil I die mittelstarken Zehrer wie Kohlrabi, Salate, Karotten, Petersilie etc. kultiviert, um schließlich im 3. Jahr den Schwachzehrern wie Kräutern und Heilpflanzen den Platz zu überlassen. Die Tabelle links gibt einen genauen Überblick über den Nahrungsbedarf von gängigem Gemüse. Schließlich stellt Brigitte Kleinod noch das mobile Hochbeet vor. (Abb. 6) Es erinnert an die Methode, die die Künstlerin Ayumi im vorigen EMJournal vorgestellt hat. Sie zeigt, wie auf kleinem Raum (Balkon, Terrasse, Hofgarten etc.) in Stapelkisten Pflanzen gezogen werden können. Den praktische Nutzung dieser fahrbaren Klein-Hochbeete sehen wir für nicht winterharte Pflanzen, die man im Spätherbst zum Schutz vor Frost in ein Winterquartier rollt. Der Gartenliebhaber freut sich, wenn er z.B. seine Zitrusbäumchen auf diese Art bequemer in geschützte Räumlichkeiten verfrachten kann.

Nährstoffbedarf der Gemüsepflanzen nach Brigitte Kleinod (Nach unseren Erfahrungen würden wir die Kartoffeln zu den Starkzehrern zählen)

Wie bringe ich Bokashi in ein älteres Hochbeet ein?

Legt man ein Hochbeet neu an, kommt natürlich jede Menge Bokashi (und gegebenenfalls zusätzlich Holzkohle) unter die Erde. Wie bei jedem anderen Beet sollte man die gewachsene Struktur danach aber nicht durch Graben zerstören. Wie bringe ich dann aber in der Saison – vor allem für Starkzehrer – Bokashi in den Boden? Eine Möglichkeit ist, Fertigbokashi auf den Boden zu streuen – der wird durch Regen oder Gießwasser in die Erde verbracht, wenn nicht von Regenwürmern hineingezogen. Das kann man aber mit dem doch recht nassen Küchenbokashi nicht machen. Das würde sehr schnell faulen und Schnecken und anderes Getier anziehen. Deshalb hier ein Vorschlag, wie es doch geht: Man befüllt einfache, tönerne Blumentöpfe, die mit dem Küchen- oder Grasbokashi voll gestopft sind, und stellt sie kopfüber in das Beet. Nun hat man ein Nährstoffdepot, das über längere Zeit den Pflanzen zur Verfügung steht.

Dr. Manfred Kriegl und Mag. Heidi Rudolph

Der Abdruck der Illustrationen erfolgte mit freundlicher Genehmigung des Pala Verlags

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