Humus und Bodenleben für Klein- und Hobbygärtner

Herstellung eines Hügelbeets – Mitte April erst aufgesetzt, konnte schon Mitte Juni erstmals geerntet werden.

Hügelbeete: Fruchtfolgen und Mischkulturen

Um bei Hügel-bzw. Hochbeeten Erfolg zu haben, möchten wir noch auf einige grundlegende Praktiken hinweisen. Fruchtfolgen, besser Mischkulturen lassen sich gut etablieren, um vor allem unsere Kleinstflächen vor Bodenmüdigkeit zu bewahren. Aus diesem Grund wurden „in der guten alten Zeit“ erst die Dreifelderwirtschaft, danach der Fruchtwechsel, d.h, die Norfolker Fruchtfolge, praktiziert. Letztere dürfte wohl in den vergangenen 250 Jahren der größte ackerbauliche Fortschritt gewesen sein, wenn man von der harmonischen Düngung mit EM und Urgesteinsmehlen sowie dem Mulchen absieht. Der Autor Karl M. Müller-Sämann (Bodenfruchtbarkeit und standortgemäße Landwirtschaft, Maßnahmen und Methoden im tropischen Pflanzenbau, 1986, GTZ) definiert die Mischkulturen wie folgt: „Feldbestände, in denen verschiedene Nutzpflanzen während eines Teiles oder während der ganzen Vegetationszeit in der Weise zusammen heranwachsen, dass sie sich gegenseitig positiv beeinflussen, nennt man Mischkulturen.

Deshalb sind in allen Ländern, außer im Bewässerungsfeldbau, Mischkulturen bekannt. Grundsätzlich kann gesagt werden, dass eine Mischkultur umso erfolgreicher ist, je mehr komplementäre und stimulierende Faktoren (oder Beziehungen) sich zwischen den Arten ergeben. Auf alle Fälle ist sie dem viel empfohlenen Reihenanbau und den in Reihen vorgegebenen Pflanzenabständen im konventionellen Gartenbau vorzuziehen. Prinzipiell gilt beim Mischanbau folgendes zu berücksichtigen. Gut zueinander passen die Paare Tiefwurzler – Flachwurzler, Lichtbedürftigkeit – Lichttoleranz, Hochwüchsigkeit – Niederwüchsigkeit, Lange Vegetationszeit – kurzer Wachstumszyklus, Leguminosen – Nichtleguminosen, Schädlingsanfälligkeit – Schädlingsresistenz.

 Gute und schlechte Nachbarn

Wie erfolgreich eine Mischkultur ausfällt, hängt auch von den „guten und schlechten Nachbarn“ und den kosmischen Rhythmen ab. Nämlich der Mond-Lichtphasen (Vollmond – abnehmender Mond – Neumond – zunehmender Mond – Vollmond) und den Mondphasen nach dem astronomischen Tierkreis (nach Maria Thun). Am Beispiel von Mischkulturen nach Marie-Luise Kreuter (Der Biogarten, 1981/2012) gibt folgende Liste wertvolle Hinweise zu den„ guten und schlechten Nachbarn“:

Buschbohnen

Gute Nachbarn: Kohlarten, auch Kohlrabi, Kopfsalat, Pflücksalat, Gurken, Sellerie, Kartoffeln, Tomaten, Rote Bete, Bohnenkraut;

Schlechte Nachbarn: Fenchel, Erbsen, Knoblauch, Lauch, Zwiebeln

Endivien

Gute: Stangenbohnen, Fenchel, Lauch, Kohlarten

Erbsen

Gute: Möhren, Radieschen, Gurken, Zucchini, Mais, Kopfsalat, Kohlarten, Kohlrabi, Fenchel, Dill;

Schlechte: Bohnen, Kartoffeln, Knoblauch, Lauch, Tomaten, Zwiebeln

Erdbeeren

Gute: Knoblauch, Kopfsalat, Lauch, Radieschen, Buschbohnen, Spinat, Boretsch;

Schlechte: Kohlarten

Fenchel

Gute: Gurken, Feldsalat, Zichoriensalat, (Zuckerhut, Chicorée, Radicchio), Pflücksalat, Kopfsalat, Endivien, Erbsen, Salbei;

Schlechte: Tomaten, Bohnen

Gurken

Gute: Mais, Bohnen, Erbsen, Sellerie, Zwiebeln, Lauch, Rote Bete, Kopfsalat, Kohl, Fenchel, Dill, Kümmel, Koriander;

Schlechte: Tomaten, Kartoffeln, Radieschen

Kartoffeln

Gute Nachbarn: Kohlarten, Kohlrabi, Spinat, Mais, Dicke Bohnen, Meerrettich, Tagetes, Kapuzinerkresse, Pfefferminze, Kümmel, Knoblauch;

Schlechte: Sonnenblumen, Tomaten, Kürbis, Gurken, Sellerie

Knoblauch

Gute: Rosen, Lilien, Tulpen, Erdbeeren, Obstbäume, Himbeeren, Tomaten, Rote Bete, Möhren, Gurken;

Schlechte: Stangenbohnen, Kohlgewächse, Erbsen

Kohlarten

Gute: Kartoffeln, Sellerie, Rote Bete, Tomaten, Spinat, Pflücksalat, Kopfsalat, Endivien, Lauch, Erbsen, Kamille, Dill, Pfefferminze, Beifuß, Kümmel, Koriander;

Schlechte: Senf, (Sinapis alba), Zwiebeln, Knoblauch, Erdbeeren

Kartoffeln

Gute: Kohlarten, Kohlrabi, Spinat, Mais, Dicke Bohnen, Meerrettich, Tagetes, Kapuzinerkresse, Pfefferminze, Kümmel, Knoblauch;

Schlechte: Sonnenblumen, Tomaten, Kürbis, Gurken, Sellerie

Kohlrabi

Gute: Bohnen, Spinat, Spargel, Sellerie, Schwarzwurzel, Rote Bete, Radieschen, Lauch, Kopfsalat, Kartoffeln, Erbsen

Kopfsalat

Gute: Radieschen, Kresse, Kerbel, Möhren, Gurken, Erdbeeren, Zwiebeln, Zichorien Salat, Tomaten, Bohnen, Spargel, Schwarzwurzeln, Rote Bete, Mais, Lauch, Kohlrabi, Kohlarten, Fenchel, Erbsen, Dill, Pfefferminze;

Schlechte: Sellerie, Petersilie

Lauch

Gute: Zwiebeln, Sellerie, Möhren, Tomaten, Schwarzwurzel, Kopfsalat, Kohlrabi, Kohlarten, Erdbeeren, Endivien, Kamille;

Schlechte: Bohnen,Rote Bete, Erbsen

Mais

Gute: Tomaten, Kopfsalat, Bohnen, Gurken, Zucchini, Kürbis, Melonen, Kartoffeln;

Schlechte: Sellerie, Rote Bete

Mangold

Gute: Radieschen, Rettich, Kohlarten, Möhren

Meerrettich

Gute: Kartoffeln, Obstbäume

Möhren (Karotten)

Gute: Zwiebeln, Tomaten, Zichorien Salat, Radieschen, Rettich, Mangold, Lauch, Knoblauch, Erbsen, Dill, Schnittsalat, Schnittlauch, Schwarzwurzeln, Rosmarin, Salbei

Pflücksalat/Schnittsalat

Gute: Tomaten, Spargel, Schwarzwurzeln, Rote Bete, Radieschen, Rettich, Kohlarten, Fenchel, Dill

Radieschen/Rettich

Gute: Kopfsalat, Tomaten, Bohnen, Spinat, Mangold, Kohlrabi, Kohlarten, Möhren, Erbsen, Kapuzinerkresse, Kresse;

Schlechte: Gurken

Rote Bete

Gute: Zwiebeln, Kohlarten, Kohlrabi, Pflücksalat, Knoblauch, Gurken, Dill, Kümmel, Koriander;

Schlechte: Stangenbohnen, Spinat, Kartoffeln, Mais, Lauch

Schwarzwurzel

Gute: Lauch, Kopfsalat, Pflücksalat, Kohlrabi

Sellerie

Gute: Tomaten, Buschbohnen, Lauch, Kohlrabi, Kohlarten, vor dem Blumenkohl, Gurken, Kamille;

Schlechte: Mais, Kopfsalat, Kartoffeln

Sonnenblumen

Gute: Gurken; Schlechte: Kartoffeln

Spargel

Gute: Tomaten, Petersilie, Gurken, Pflücksalat, Kopfsalat; Schlechte: Knoblauch, Zwiebeln

Spinat

Gute: Erdbeeren, Rote Bete, Tomaten, Stangenbohnen, Radieschen, Rettiche, Kohlrabi, Kohlarten, Kartoffeln (nach der Methode von Gertrud Franck als Vor-und Zwischenfrucht und als Mulchmaterial für alle Mischkulturenbeete)

Tomaten

Gute: Möhren, Spinat, Sellerie, Rote Bete, Radieschen, Rettich, Zichoriensalat, Pflücksalat, Petersilie, Kopfsalat, Mais, Lauch, Kohlrabi, Kohlarten, Knoblauch, Kapuzinerkresse;

Schlechte: Kartoffeln, Gurken, Fenchel, Erbsen

Zichoriensalat

Gute: Tomaten, Stangenbohnen, Kopfsalat, Möhren

Zucchini

Gute: Zwiebeln, Stangenbohnen, Mais, Kapuzinerkresse

Zwiebeln

Gute: Möhren, Rote Bete, Zichoriensalat, Kopfsalat, Gurken, Erdbeeren, Dill, Kamille, Bohnenkraut;

Schlechte: Kohlarten, Bohnen, Erbsen

Das Beet zeigt links in der Mitte zwei Reihen Frühkartoffeln, zwischen ihnen Spinat, neben ihnen Radieschen und schließlich außen die nicht rankende Kapuzinerkresse. Bis die Kartoffeln sich ausbreiten, sind Spinat und Radieschen geerntet.

Eine besondere Form des Hügelbeets

Das (etwas kostspieligere) Hügelbeet: Diese Version von Hügelbeeten ist für diejenigen gedacht, die eine Steigerung ihrer bisherigen Boden- oder Hochbeet-Erfahrungen erreichen wollen oder ausreichend Platz zur Erstellung ihres ersten Hügelbeetes haben. Die Herstellung basiert auf Sepp Holzers Permakultur-Ideen. Das hier dargestellte Projekt wurde von dem Buchautor und Fotografen Peter Steffen realisiert. (Peter Steffen, Mit Permakultur zurück ins Leben)

Die Idee wurde nicht nur bei uns, sondern auch in anderen Ländern wie Portugal, Spanien, Norwegen, Russland bis nach Südamerika verwirklicht. Die dargestellten Arbeiten wurden 2012 bei der Familie Eva Maria und Johannes Pirker in Köflach, Steiermark, erstellt. Ziel für die fünfköpfige Familie war, ausreichend Gemüse und Kartoffeln zu produzieren, was in der Tat auch gelang. Und so wird’s gemacht: Baubeginn war Mitte April 2012; Aussaat und Bepflanzung konnten noch am selben Tag stattfinden. Der Bagger gräbt einen Kanal von ca. 70 cm Tiefe, damit die Baumstämme mit dem restlichen Boden annähernd bündig sind. Mit dem vergrabenen Holz soll, nach Sepp Holzer, die nötige Wärme für das Hügelbeet entstehen. Auf das eingelegte Holz kommen je eine Auflage Holzabfälle, dann Heu oder Silage. Durch die Verwendung verletzter und damit in Umsetzung begriffener Siloballen (eventuell auch mit der Zugabe von Biokohle) lässt sich automatisch einen Ansatz zur Bokashi Verwendung entstehen. Abgeschlossen wird der Hügel mit der Erde, in die gepflanzt und gesät wird. Um das Hügelbeet wird noch einen Schutzrand aus Holzplatten errichtet. Dies dient zur Stabilisierung des Hügelbeetes. Bei der Bepflanzung lohnt es sich, auf eine ausgewogene Mischkultur zu achten.

Bereits Mitte Juni 2012 konnte Fam. Pirker aus der gut geplanten und ausgewogenen Mischkulturpflanzung ernten. Für ein solches Hügelbeet mit einer Länge von 10-12 m benötigt man ungefähr 2,5 bis 3 Baggerstunden, Holz minderer Qualität ca. 500 bis 900 Euro, 1-2 m3 Hackgut, schadstofffreie, torffreie, fruchtbare Erde zum Bepflanzen, 3-4 Heu- oder Silageballen, LKW-Transport. Für welche Art Anbau auf „höherem Niveau“ Sie sich auch immer entscheiden, wir wünschen gutes Gelingen.

Alle Fotos dieser Seite: Peter Steffen

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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