Humus und Bodenleben für Klein- und Hobbygärtner

Hoch-, Hügelbeete und Terrassen für Klein- und Hobbygärtner

Das Hügelbeet

Hoch- und Hügelbeete sowie Terrassen haben verständlicherweise Vor- und Nachteile, je nachdem, an welchem Standort sie sich befinden. Es ist schon erstaunlich, wie verschiedene Autoren die jeweilige Methode beschreiben und sich dafür stark machen. Diesmal wollen wir uns auf das bekannt Hügelbeet konzentrieren.

Die Humusbiologie

Für alle drei, Hoch-, Hügelbeete und Miniterrassen, gilt das Prinzip der Humusbiologie. Sehr anschaulich wird der Humuskreislauf von Gerald Dunst (Humusaufbau) beschrieben. Organische Substanzen wie Mist, Stroh, Laub, tote Wurzeln, Gründüngung etc. werden von einer Vielzahl von Tieren und Mikroorganismen in die einzelnen Bausteine zerlegt. Jedes Lebewesen hinterlässt Abfälle, welche von der nächsten Gruppe wieder als Nahrung benötigt wird. So entstehen die erwähnten „Bausteine“.

Der Abbau der organischen Masse passiert z.T. aerob, aber auch anaerob. Auf unseren fruchtbaren Mischwaldböden findet dieser Vorgang praktisch nur im aeroben Bereich statt. Die dort befindliche Regenwurmfauna schaltet sich dazwischen, um den Humusaufbau unter anaeroben Verhältnissen weiter zu fördern. Der biologisch denkende Gärtner sollte bemüht sein, diesen Prozess zu etablieren.

Anschließend folgt die zweite Gruppe der Mikroorganismen, welche aus den vorhandenen Bausteinen den Nährhumus aufbaut. Es handelt sich dabei um einfache organische Verbindungen, die wieder leicht abgebaut werden können (Mineralisierung). Diese empfindlichere Gruppe von Mikroorganismen verlangt optimale Bedingungen wie Feuchtigkeit und Sauerstoff im Boden, um Humus entstehen zu lassen. Unter schlechten Bedingungen gehen die wertvollen „Bausteine“ dagegen verloren, in Form von Nitrat ins Grundwasser bzw. als Lachgas, Methan und CO2 in die Atmosphäre. Dies ist auch der Grund, warum z.B. durch das Einackern großer Mengen Maisstroh die Humuswerte abnehmen. In diesem Fall gibt es genügend Bausteine, jedoch fehlen die optimalen Lebensbedingungen, um daraus Humus entstehen zu lassen.

Die dritte Gruppe Mikroorganismen, so Dunst, stellt aus dem Nährhumus den Pflanzen exakt die Elemente zur Verfügung, die sie brauchen. Sie lebt im Haarwurzelbereich und wartet auf den „Befehl der Pflanze“. Somit steuert die Pflanze ihren Bedarf an Nährstoffen. Hier gibt es einen Unterschied zwischen Schwach-, Mittel- und Starkzehrern. Ist das Bodenleben optimal, sind optimale Erträge zu erwarten. Rudolf Steiner, aber auch Teruo Higa sprechen ebenfalls von „Düngen durch das Beleben des Bodens“. Dunst schreibt auch, dass ohne lebende Pflanzenwurzeln keine Nährstoffe freigesetzt werden können, d. h., es fehlt die notwendige Energie (Kohlenhydrate), welche die Mikroorganismen von der Pflanze erhalten, um Nährstoffe freisetzen zu können. Eine Nitratauswaschung ins Grundwasser wäre damit ausgeschlossen. Ein gutes Beispiel dazu bekommen wir von unseren Mischwaldböden. Sie haben die höchsten Humuswerte und keine Nitratauswaschung ins Grundwasser!! Alle weiteren Abbauprodukte werden an den Nährhumus gebunden und können somit nicht mehr verloren gehen. Wenn an diesem Nährhumus mehr angelagert als verbraucht wird, dann entsteht aus diesem komplizierten Bauwerk der erwünschte Dauerhumus.

Was verstehen wir unter optimaler organischer Substanz?

Hier gehen wieder einmal die Meinungen aufgrund des Fehlens von fundiertem Wissen stark auseinander. „Humuspapst“ Dunst empfiehlt daher, um einen Boden in Schwung zu bringen, in der Startphase größere Mengen Kompost zu verabreichen. Das wären pro Hektar 100 – 150 m³; für Gartenflächen pro Ar (100 m²) 1 – 1,5 m³ bzw. für ein Hoch- oder Hügelbeet von ca. 10 – 20 m², 0,15 – 0,30 m³ Kompost für den Start. Je höher der Humusgehalt ist, meinen die Gegner größerer Aufwandmengen, desto größer die Gefahr der Nitratauswaschung. Für Dunst ist diese Meinung völlig absurd. Wie schon erwähnt, wird Nitrat in natürlichen Systemen nur im Rhizophärenbereich gebildet, nämlich dort, wo das Nitrat von den Pflanzenwurzeln aufgenommen wird. Nach Dunst bestimmt die jeweilige Pflanze die Menge, die freigesetzt werden soll. Der Autor verweist auf einen biologisch arbeitenden Betrieb mit 12-14 % Humus, wo in der Bodenlösung immer nur max. 30 mg Nitrat pro Liter gemessen wurden. Des Weiteren bewiesen die Ergebnisse, dass im gleichen Boden zur selben Zeit im Haarwurzelbereich von Kohl bis zu 700 mg Nitrat (Starkzehrer) und bei Karotten nur 7 mg (Mittelstarkzehrer) gemessen wurden. Die Meinung, dass bei feucht-warmer Witterung große Mengen Nitrat freigesetzt werden, ist unrichtig. Dies trifft nur bei instabilen, humusarmen Böden zu. Diese Böden haben auch in der Regel ein zu enges C:N-Verhältnis. Somit ist das Nitratproblem im Grundwasser eher ein Problem der Intensivlandwirtschaft bei der Verwendung von Gülle, Jauche und Kunstdünger. Wir EM-Anwender wissen auch, wie mit erhöhten Humuswerten die organischen Schadstoffe abgebaut werden, nämlich durch die Effektiven Mikroorganismen.

Wie erkennen wir einen optimalen Mineralstoffgehalt?

Wir möchten in diesem Kontext noch einmal auf die Bedeutung der verschiedenen Urgesteinsmehle hinweisen. Viele Zivilisationskrankheiten sind u. a. auf Mineralienmangel zurückzuführen. Hier geben uns Dr. Joel Wallach und Dr. Ma Lan (Dead Doctors Don`t Lie) wertvolle Informationen. Die Autoren beschreiben, wie sie bei Autopsien von Tierkadavern stets auf Mineralstoffmangel gestoßen sind. Dieses Phänomen tritt natürlich auch beim Menschen auf. Man kann also daraus schließen, dass die Versorgung unserer ausgelaugten Böden mit Mineralien besonders bedeutsam ist. Oft genug haben wir auf die notwendige Verwendung von Urgesteinsmehlen und EM hingewiesen. Die durch die moderne Agrartechnik heruntergewirtschafteten Böden können nur durch die Verwendung von Urgesteinsmehlen, EM in allen Varianten, Kompost und Bokashi behoben werden. Dazu gehört eine reduzierte Bodenbearbeitung ohne Pflug bzw. ohne Spaten im Garten. Darüber hinaus sollte ein Boden nie ohne Bodenschutz bleiben, sondern durch die altbewährte Methode des Mulchens bearbeitet werden. Nur unter diesen Voraussetzungen ist Humusaufbau gesichert.

Lassen Sie uns noch auf die Bedeutung eines guten Salzes hinweisen. In der Regel beinhalten die meisten „Tafelsalze“ außer Chlor, Natrium und Aluminiumoxyd keinerlei für unseren Organismus nötigen Mineralien. Ihnen werden alle essentiellen Mineralien entzogen. Wallach und Lan schreiben, dass der Organismus 90 Nährstoffe, davon 60 Mineralien benötigt. Wenn LeserInnen schon kein deutsches EM-Salz, das alle essentiellen Mineralien und Spurenelemente enthält, verwenden, so sollten sie mindestens ein nicht-raffiniertes Natursalz nehmen. Nach Peter Steffen (Mit Permakultur zurück ins Leben), ist besonders die Vielfalt von Mineralien wichtig. Er erläutert, dass es eigentlich keine Alterskrankheiten gibt; sie entstehen nur durch vieljährige falsche Ernährung und bestimmte Lebensumstände.

Die sich daraus ergebenden Gesundheitseinbußen können nur durch die Verwendung von reichlich frischen Kräutern, auch Wildkräutern sowie Gemüse, Obst und Getreide von Böden mit reichlich Humus, EM und Urgesteinsmehlen wettgemacht werden. Sein Fazit: die meisten Menschen haben im Alter keine Mineralstoffdepots mehr – bedingt durch Jahrzehnte lang konsumierte Zivilisationskost, die auf industriell hergestellter Nahrung basiert, beispielsweise auf Auszugsmehlen sowie isoliertem (weißem) Zucker, bekannt als unsere größten Mineralstoff- und Vitaminräuber. Zusätzlich spielt das heutige stressige Leben eine Rolle bei den so genannten Alterskrankheiten.

Gründe für ein Hochbeet

Wie die meisten unserer LeserInnen wissen, wird heutzutage das meiste Gemüse in Supermärkten gekauft. Diese meist konventionell produzierten Produkte werden z. T. mit gentechnisch verändertem Saatgut angebaut bzw. die Waren werden aus Ländern beschafft, wo die Kontrollen weniger streng gehandhabt werden als bei uns. Dies ist ein wichtiger Grund, unser Gemüse auf Kleinstflächen so natürlich wie möglich zu produzieren. Denken wir auch an unterschiedliche Altersgruppen:

Berufstätige haben oft nur wenig Zeit zur Verfügung, und die älter werdende Generation ist für körpergerechte Lösungen dankbar; beiden Gruppen ist die Möglichkeiten zum Gärtnern auf „hohem Niveau“ eine willkommene Alternative. Harte körperliche Arbeiten wie Umstechen/ Umgraben sind nicht mehr nötig.

Wie baut man ein Hochbeet?

Der Bau von Hochbeeten ist vielfältig. Wir möchten unseren EM-Freunden hier eine ökonomische, aber auch eine aufwendigere Variante vermitteln. Grundsätzlich werden beide Varianten gleich aufgebaut, der Unterschied liegt in den Materialien (Hülle) des zu erstellenden Hochbeetes. Um zu verhindern, dass verschiedene Hölzer, bevorzugt Harthölzer wie Kastanie, Robinie, ev. Lärche durch den Bodenkontakt verrotten, sollten sie auf einem verrottungsfesten Sockel aus Steinreihen bzw. Betonplatten aufgesetzt werden. Die Holzwände selbst sollten innen mit einem Feuchtigkeitsschutz aus Teichfolie oder Noppenfolie geschützt werden.

Grundsätzlich werden Hoch- wie Hügelbeete und Miniterrassen mit derselben Füllung bestückt. Man verwendet vorzugsweise die Materialien, die vor Ort zu finden sind. Wichtig ist, den Boden durch ein Mausgitter bzw. durch Lochsteine gegen unerwünschte Eindringlinge wie Wühlmäuse und Maulwurf zu schützen, Nützlinge wie Würmer und Asseln aber hineinzulassen. Heinz Erven (Meine Hochbeete) weist in diesem Zusammenhang besonders auf die Bedeutung der Regenwürmer hin. Schließlich vermehren sich diese wertvollen Helfer aufgrund des optimalen Substrates in solchen Anlagen ganz besonders. Der naturverbundene Gärtner schätzt diese Helfer sehr, die uns mit dem „Schwarzen Gold“ versorgen. Nachdem die oberste Schicht Gartenerde abgehoben wurde – sie dient schließlich oben wieder als Abschluss – beginnt die Füllung, mit ca. 30cm groben Astmaterialien bzw. mit einer Rindendüngerschicht. Anschließend folgt bis zu 40 cm Aushuberde. Erven empfiehlt danach eine Schicht verschiedener Heilpflanzen wie Comfrey, Rainfarn, Baldrian, Ackerschachtelhalm und Brennnesseln. Vor der obersten Schicht kommt eine Lage gut vererdeter Kompost, dem auch Urgesteinsmehl, Holzkohle, ev. andere Materialien von Eruptivgesteinen beigegeben werden. Unser wertvolles Küchen- oder Rasenbokashi wird mit der obersten, fruchtbaren Gartenerde vermischt. Am Ende soll mit einer Mulchschicht aus Grasschnitt oder Laub abgeschlossen werden.

In der nächsten Ausgabe werden wir die verschiedenen Formen der Hügelbeete erläutern. Wir wünschen den LeserInnen Freude beim Lesen und Erfolg in der Arbeit.

Dr. Manfred Kriegl und Mag. Heidi Rudolph

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