Humus und Bodenleben für Klein- und Hobbygärtner

Allgemeines zur neuen Artikelserie

Welcher Klein- bzw. Hobbygärtner wünscht sich nicht einen fruchtbaren Boden mit einem hohen Humusgehalt, einer regen Regenwurmfauna und einem hohen Wasserspeichervermögen? Aus einem solchen wachsen Pflanzen mit einer hohen Immunstärke gegen „Schädlinge“ und Krankheiten und schließlich hochwertige Lebensmittel mit erhöhtem Vitalstoffgehalt und optimalen Durchschnittserträgen. Gleichzeitig möchten wir auf eine wesentliche Arbeitserleichterung hinweisen, die im Rahmen von Hoch- und Hügelbeeten auf ebenem Gelände bzw. auf Hanglagen durch Miniterrassen (welche auch eine Art von Hochbeeten darstellen) zu erreichen ist. Unsere LeserInnen sollen in ihrer gärtnerischen Arbeit in der Lage sein, mit lokal verfügbaren Materialien, der Hinzunahme von EM, Urgesteinsmehlen und Biokohle die jeweils optimal angepasste Gartenfläche mit hoher Ertragsfähigkeit, aber geringem Energieaufwand, zu realisieren. Schließlich denken wir an den „Hausorganismus“, d.h. an die Verwendung aller Ressourcen eines Haushalts, beginnend mit der Nutzung der Küchenabfälle zur Gewinnung von Küchenbokashi. Auch aus Rasenschnitt und zugekaufter preiswerter Futterkleie aus dem Lagerhaus (nicht vom Reformhaus) kann mit EM und Holzkohle hochwertiges Bokashi hergestellt werden. Diese „Zutaten“ sollen ökonomisch günstig sein und die verwendeten Materialien sollen möglichst aus der nächsten Umgebung stammen. Geschieht dies mit Liebe und Freude, dann haben wir unser Ziel erreicht.

Nicht nur praktisch und bequem, sondern auch hochproduktiv auf kleinem Raum: Das Hügelbeet

Der Mensch und seine Ernährung

Mit dem Beginn der Industrialisierung begann der Mensch sich immer minderwertiger zu ernähren. Natürliche Lebensmittel wurden zunehmend verändert bzw. denaturiert und so zum bloßen Nahrungsmittel degradiert. Dabei denken wir vor allem an Industriezucker und -salz, an die Auszugsmehle sowie an die Industriefette (Margarine, raffinierte Öle, etc.) bis hin zu extrem langen Kochzeiten bzw. an Konservierung mit der Verwendung von Haltbarmachern, Geschmacksverstärkern und ähnlichem. Hinzu kommt heutzutage die weitgehend wertlose Nahrung aus der konventionellen Landwirtschaft, oftmals hergestellt unter Verwendung von genmanipuliertem Saatgut. Nach Dr. M. O. Bruker entstehen durch die langjährige Verwendung dieser degenerierten Nahrungsmittel eine Reihe von Zivilisationskrankheiten:

nach 4-20 Jahren Karies und Parodontose / nach 15-20 Jahren Krankheiten des Bewegungsapparates wie Gicht und Rheuma, Arthritis, Arthrose, Wirbelsäulen- und Bandscheibenschäden / Stoffwechselerkrankungen wie Fettsucht, Diabetes, Leberschäden, Nieren und Gallensteine, Stuhlverstopfung / mangelnde Infektabwehr / Gefäßerkrankungen (Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall) / Krebs / die meisten Erkrankungen der Verdauungsorgane / (sogenannte) Allergien / manche organischen Erkrankungen des Nervensystems.

Ähnlich unserem Organismus reagieren unsere Böden, wenn sie wie in den letzten Jahrzehnten behandelt werden. Wie unser Körper nicht sofort nach Einnahme der genannten „Küchengifte“ negative Folgen zeigt, zeigen die Böden auch erst nach vielen Jahren, wie schlecht es ihnen geht. Klimaunterschiede spielen eine enorme Rolle bei der Degeneration der Böden. Die Fruchtbarkeit der Böden in ariden Gebieten (z.B. Sahel) verfällt viel schneller als in unseren Breiten mit normalen Niederschlägen. Wenn sich jedoch bei uns Flurschäden bemerkbar machen, dann sind diese meist auf jahrzehntelange falsche Bewirtschaftung zurückzuführen.

Schäden entstehen hauptsächlich aufgrund einseitiger Düngung mit wasserlöslichen Kunstdüngern, der Verwendung unbehandelter Gülle und Jauche, durch mehrjährige Anwendung von Herbiziden und Pestiziden und schließlich durch konventionelle Bodenbearbeitung mit modernen (meist schweren) Anbaugeräten – vor allem durch die Pflugkultur (siehe Humus und Bodenleben, EMJournal 25/August 2008). So gehen die Humuswerte von Äckern zurück, obwohl bei mehrjährigem Maisanbau große Biomassemengen zum Einpflügen zurückbleiben.

Zusammensetzung vom Vulkanlavamehl BIOLIT, Durchschnittswerte von 60 Diabas-Gesteinsproben:

Chemische Zusammensetzung einiger Gesteinsmehle (Quelle: Kriegl/Rudolph, 2011)

Die negativen Erscheinungen in der konventionellen Landwirtschaft und Gartenbau sind mannigfaltig. An oberster Stelle steht der Humusschwund. Es ist bekannt, dass auf allen konventionell bewirtschafteten Böden in den vergangenen 50 Jahren die Humuswerte in unseren Breiten um 1/3, in den Tropen um 2/3 und in der Sahelzone um 90% abgenommen haben. In unserem Buch Humus und Bodenleben wird ausführlich auf die Problematik und die Möglichkeiten zur Sanierung eingegangen.

  • Humusschwund entsteht nur durch unsachgemäße Bodenbearbeitung, einseitige Fruchtfolgen sowie durch mangelhafte Mist- und Kompostaufbereitung. Ein gutes Beispiel für das Gegenteil ist der Mischwald, wo ohne jede Bodenbearbeitung Dauerhumus entsteht. Dies ist ein wesentlicher Grund, um uns für die reduzierte Bodenbearbeitung zu engagieren.
  • Mit dem Humusschwund gehen Gareverschlechterungen einher, welche unwillkürlich zu Erosionsschäden führen. Abhilfe schaffen artenreichere Fruchtfolgen, Bodenschutz mit Mulch und Gründüngung: D.h., die Humuswerte steigen, die Bodengare regeneriert, die Erosion wird wieder unter Kontrolle gebracht.
  • Die meisten Acker- und Gartenflächen leiden unter Magnesiummangel. Bedingt durch einseitige Düngung mit wasserlöslichen Kunstdüngern sind die Magnesiumwerte stark abgesunken. Bestätigt wird dies durch die Aussage des Ernährungsspezialisten Dr. M.O. Bruker: „Inzwischen haben sich unsere Böden, auf denen unsere Lebensmittel wachsen, so verändert, als sie durch einseitige Düngung mit Mineralien über Jahrzehnte ebenfalls krank geworden sind.“ Und weiter schreibt er, dass der Humusschwund der Böden durch diese Art der Düngung zu ernsten Problemen in der Landwirtschaft geführt hat, was schließlich zu einer Nahrung für den Menschen führt, die nicht so vollwertig ist, wie die früheren Landbauprodukte es waren. Dementsprechend ist Magnesium in unseren Produkten nur noch reduziert vorhanden. Es ist nachgewiesen, dass Magnesiummangel in den Lebensmitteln mit der Zunahme von Arthrose, Herzinfarkt und Krebskrankheiten (u.a.) zusammenhängt. Außerdem ist Magnesium an allen biologischen Synthesen beteiligt. Unseren LeserInnen ist wohl bekannt, dass Nahrungsergänzungsmittel keinen Ersatz für eine ausbalancierte Bionahrung darstellen!
  • Heutzutage kann in praktisch keiner Bodenanalyse Selen festgestellt werden. Auch hier kann das wertvolle Urgesteinsmehl Soforthilfe bringen. Die folgenden Tabellen beweisen, dass vor allem Magnesium und Spurenelemente, besonders Selen, in Verbindung mit organischen Düngern, EM, Gesteinsmehlen und Biokohle verfügbar bleiben bzw. werden. Diese Aufzählung zeigt, wie wichtig unsere Arbeiten mit EM, Urgesteinsmehlen und Biokohle in Verbindung mit vermehrter organischer Düngung sind, um die Bodengare zu regenerieren und den Humus-, Magnesium- und Selengehalt in unseren Böden wieder steigen zu lassen. (siehe auch Humus und Bodenleben, S. 39). Schließlich kommen gesunde Lebensmittel nur von dauerhaft fruchtbaren Böden mit der Verwendung von selbst hergestellten Düngern wie Bokashi und Kompost bzw. aufbereitetem Mist und Gülle mit EM, Urgesteinsmehl und der Verwendung von Biokohle. Das Konzept der Permakultur in Verbindung mit EM, Urgesteinsmehlen und Biokohle bietet sich dafür optimal an.

Dieses Bild zeigt, wie auf Steilhängen (Rwanda, Zentralafrika) erosionsgeschützte optimale und ertragreiche „Gärten“ angelegt werden. Die entstandene Böschung ergibt eine neue Ressource: das heranwachsende Gras dient der darunter liegenden Terrasse als Mulch!

Was ist Permakultur bzw. die neue Permakultur?

Die Ackerflächen und Gärten Mitteleuropas wurden lange Zeit nachhaltig bewirtschaftet. Denken wir z.B. an unsere Bauerngärten, bekannt für hohe Produktivität aufgrund der großzügig verwendeten, abgelagerten Mistmengen. Ähnlich war die Bewirtschaftung der Ackerflächen, welche in regelmäßigen Abständen durch organische Düngung bereichert wurden. Die Bodenbearbeitung war sanfter, die Pflugarbeit mit Arbeitstieren flacher. Diese Bodenfruchtbarkeit fördernden Maßnahmen ergaben eine Art Permakultur. Die Permakultur ist auch aus anderen Teilen unseres Planeten, z.B. aus Südost-Asien, bekannt. Die Bewohner der Provinz Kerala im südlichen Indien oder der Chagga-Stamm in Tansania sind bekannt dafür, ihre Gärten in mehreren Etagen zu kultivieren. In diesem Zusammenhang sei noch einmal an die Ureinwohner Amazoniens erinnert, die unter dem Schirm der Urwaldriesen mit der Erfindung der „Terra Preta“ einen dauerhaft produktiven Gartenbau betreiben konnten – der über Jahrhunderte fruchtbar blieb! Dank der Forschungen der letzten 15-20 Jahre wird auch bei uns in Verbindung mit EM, Urgesteinsmehlen und Biokohle diese Methode erfolgreich angewendet.

Im nächsten EMJournal werden wir das Anlegen und die Bedeutung von Hoch- und Hügelbeeten sowie Miniterrassen für Hanglagen vorstellen. Wir möchten zeigen, wie die „neue Permakultur“ unter Verwendung von lokalen bzw. regionalen Ressourcen mit EM, Urgesteinsmehlen und Biokohle praktiziert werden kann. Dabei werden eine teurere und eine preisgünstigere Variante vorgestellt.

*Der Begriff „Permakultur“ wurde von den Australiern Bill Mollison und David Holmgren im Buch „Permaculture“ 1978 (Neuhold, 1978) geprägt. Nach Wikipedia ist die Permakultur ein Konzept, das auf die Schaffung von dauerhaft funktionierenden (nachhaltigen) naturnahen Kreisläufen zielt. Ursprünglich war die Permakultur für die Landwirtschaft entwickelt. Inzwischen stellt sie ein Denkprinzip dar, welches auch die Energieversorgung, die Landschaftsplanung und die Gestaltung sozialer Infrastruktur umfasst. (Vgl. auch den Bericht über Sepp Holzers Permakulturhof im EMJournal 42)

Dr. Manfred Kriegl und Mag. Heidi Rudolph

Lesetipp:
Manfred Kriegl/Heidi Rudolph: Humus und Bodenleben – Die Bedeutung von EM (Effektiven Mikroorganismen) und anderen Hilfsmitteln für die Förderung von Humus und Bodenleben,
210 Seiten, 74 Farbseiten und s/w Fotos, 24,90 E

Max Otto Bruker, Unsere Nahrung, unser Schicksal (1999/2011)

Manfred Neuhold, Permakultur, Der Leitfaden für Einsteiger (Graz, 2006)

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