Humus und Bodenleben für Klein- und Hobbygärtner

Hügelbeete

Alle drei Varianten, die Hoch-, Hügelbeete und die Miniterrassen haben Vor- und Nachteile, am jeweiligen Standort jedoch ihre Berechtigung. Ein bekanntes Argument für die Errichtung von Hügelbeeten ist die „vergrößerte Anbaufläche“, da ja auch die Seiten bepflanzt werden können. Unseres Erachtens ist diese Ansicht aber ziemlich praxisfern. Vergleichen wir einmal einen Steilhang mit einer ebenen Fläche: Hier wird doch jedem bewusst, dass auf dem Steilhang pro Flächeneinheit weniger Bäume optimal gedeihen können als auf einem ebenen Grundstück. Oder haben sich alle Kulturvölker der vorkolumbianischen Epoche bzw. die Bewohner Südostasiens oder auch vieler mediterraner Länder durch ihre beispielhaften Terrassenbauten geirrt?

Werden Hügelbeete sehr steil gebaut, droht die Gefahr der Austrocknung bzw. der Erosionen bei heftigen Regenfällen, wenn nicht durch eine gute und dauerhafte Mulchdecke vorgesorgt wird. Hundehalter sollten auch bedenken, dass sie ihr Hügelbeet eventuell teilen müssen. Peter Himmelhuber (Hügelbeete, Hochbeete, Hangbeete – bauen und bepflanzen) bezeichnet die Hügelbeete als eine Mischform zwischen Komposthaufen und Flachbeet. Hügelbeete, aber auch Hochbeete und die von uns noch zu beschreibenden Miniterrassen basieren auf der Tatsache, dass beim Abbau organischer Substanz Wärme entsteht, welche eine frühere Anbausaison erlaubt. Hügel- und Hochbeete haben auch den Vorteil (neben der Arbeitserleichterung auf höherem Niveau), die Gartenfläche bei hohem Grundwasserstand vor Nässe zu schützen.

Die Terra Preta-Methode hinzufügen

In unserer Artikelserie „Humus- und Bodenleben“ wurde für die Verwendung der Biokohle bezüglich ihrer Wertigkeit unseres Erachtens zu wenig hingewiesen. Wir wollen dies nun nachholen, da wir seit Jahren damit beste Erfahrungen machen. Heutzutage ist ein nachhaltiger Landbau ohne Verwendung von Pflanzenkohle in Betracht zu ziehen, kaum denkbar. Das kürzlich erschienene Buch Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald gibt uns wertvolle Hinweise über die Nützlichkeit und Verwendung von Pflanzenkohle, sei es in der Kompostwirtschaft, der Bokashiherstellung oder in Zukunft bei Trockentoiletten. Es ist schon erstaunlich, dass den beiden berühmten Bodenwissenschaftler Raoul H. Francé und Annie Francé-Harrer, die praktisch alle Details bezüglich Bodenfruchtbarkeit auf unserem Planeten kannten und viele Lände bereisten, Terra Preta verborgen blieb. Auch der Anthroposoph Rudolf Steiner, der im landwirtschaftlichen Kurs 1924 über die geisteswissenschaftlichen Grundlagen zum Gedeihen der Landwirtschaft referierte, sprach ausführlich und oft über die Elemente wie z.B. über den Kohlenstoff, kannte aber Terra Preta nicht. Dank seiner Ideen erhielten wir wertvolle Hinweise zur Erhaltung und Förderung der Bodenfruchtbarkeit. So erwähnte er den Kohlenstoff als Träger der Gestaltungsprozesse in der Natur, er sprach von einem „Kerl“, dem „schwarzen Kerl“, und schließlich vom „Stein der Weisen“. Steiner sprach auch über die Schädlichkeit der Verwendung von Fäkalien als Dünger in der Landwirtschaft und im Gartenbau. Die Verbindung des Kohlenstoffs mit Fäkalien war dem Meister Steiner allerdings unbekannt.

Umso mehr sind die Forschungen und Neuentdeckungen zu Terra Preta in diesem Jahrtausend zu begrüßen. Dem brasilianischen Archäologen Eduardo Neves und den Wissenschaftlern James Peterson, Johannes Lehmann und Bruno Glaser ist es zu verdanken, dass diese uralte anthropogene Technologie wiederentdeckt wurde. Ein wahrer Segen! Und dieses Gottesgeschenk soll uns ermutigen, die Methode immer mehr in die Praxis umzusetzen. Auch unsere Hügel- und Hochbeete sowie die Miniterrassen erfahren dadurch deutliche Vorteile. Diese Methode komplettiert die bekannten Praktiken wie die Verwendung von EM-Kompost, anderen organischen Düngern, vor allem aber die Anwendung von Bokashi, der reduzierten Bodenbearbeitung und von Mulch. (In diesem Zusammenhang erinnern wir noch einmal an die Verwendung von Kupfergeräten sowie an das Arbeiten nach kosmischen Rhythmen.)

Was ist eigentlich Terra Preta?

Die Pflanzenkohle in Bokashi, im Kompost bzw. in der Trockentoilette ist noch keine Terra Preta. Erst nach der kompletten Vererdung dieser Substrate in der kultivierten Erde entsteht in Symbiose mit den Pflanzenwurzeln und Bodentieren langsam schwarze Erde – Terra Preta. Hinsichtlich der Aufwandmengen an Pflanzenkohle zur organischen Masse (Kompost, Bokashi etc.) werden in der Regel 10 % empfohlen. Unseres Erachtens mag dies bei einmaliger Anwendung richtig sein. Demgegenüber wird beim Kleingärtner, ebenso beim Ackerbauern laufend mit Holzkohle verarbeitetes Material ausgebracht. Tatsächlich wird ein Großteil der organischen Masse mineralisiert, während die Holzkohle weder mineralisiert noch verwittert. Wir selbst setzen seit Jahren 1-3 % zu – mit zufriedenstellenden Ergebnissen. Die LeserInnen sollen selbst ausprobieren und ihre Erfahrungen machen.

In der Natur gibt es keinen Abfall. Die Nutzung unserer Küchenabfälle und des Rasenschnitts für Bokashi mit EMa und Biokohle sollte zur Tradition werden. Aus Erfahrung wissen wir, dass es schwierig ist, von der üblichen wasserspülenden Toilette abzurücken, aber wie wäre es, wenn man in der Gartenhütte das famose Trockenklo mit EM und Holzkohle starten würde? Überzeugend wird in dem neuen Terra Preta Buch berichtet, wie die Pflanzenkohle aufgrund ihrer Porosität die enorme Oberfläche von 300 m² pro Gramm aufweist. Darin sammeln sich große Mengen Wasser und Nährstoffe, die bei Bedarf wieder an die Pflanzen abgegeben werden. Zusätzlich besitzt die Holzkohle eine hohe Kationenaustauschkapazität (KAK), die ein Auswaschen von mineralischen und organischen Elementen verhindert. Ebenso finden effektive Mikroorganismen dort ideale Lebensräume, um das Bodenleben zu aktivieren. Auch die viel gepriesenen Mykorrhizen finden unter solchen Substanzen ideale Lebensbedingungen, die schließlich die Pflanzen von festgelegtem Phosphor mit Phosphorsäure versorgen. Somit ist die Pflanzenkohle kein Dünger, sondern wie EM und Urgesteinsmehl ein wahrer Bodenbeleber. Die Nährstoffe werden „aufgeladen“, um sie wieder langsam bei Bedarf abzugeben. Offenbar werden außerdem Pilzkrankheiten auf den Kulturpflanzen stark reduziert.

Rosen auf einem Terra-Preta-Boden in Kärnten

Wie baut man ein Hügelbeet?

Die einfachste Form, ein Hügelbeet zu bauen, gelingt nach Himmelhuber mit der Verwendung von sehr preisgünstiger Aushuberde, die beim Ausschachten von Baugruben entsteht. Diese Art von Hügelbeet sackt zum Unterschied von den mit organischen Materialien aufgebauten Varianten nicht zusammen; allerdings kommt es dabei auch kaum zu dem gewünschten Wärmeeffekt. Auf alle Fälle muss die kultivierte Oberfläche mit einer ca. 30 cm starken fruchtbaren Erde versehen werden.

In der Regel baut man ein Hügelbeet wie folgt: Erst wird die fruchtbare Erde von 20 cm abgehoben und zur Seite geschafft. Anschließend wird das notwendige Mausgitter ausgelegt. Nach unseren Erfahrungen ist das normale Hasenstallgitter dazu weniger geeignet, denn es verrostet schnell, so dass Wühlmäuse schon bald wieder freien Zugang haben. In diesem Fall würden sie sich an die reichlich vorhandene Regenwurmfauna heranmachen und unsere Nützlinge, die uns ja das „schwarze Gold“ gratis herstellen, ausschalten. Aus diesem Grund sollten bessere Gitterqualitäten oder sogar Lochklinkerziegel verwendet werden. Darauf wird einfache Aushuberde geschichtet. Sie wird im Laufe der Zeit durch Auswaschung der oberen Bodenschichten mit organischen und anorganischen Elementen bereichert. Die zweite Lage wird vorzugsweise mit Pferdemist und einer Gabe Holzkohlengries sowie Urgesteinsmehl verabreicht. Normalerweise hat ein Hügelbeet keine Einfassung. In dem von uns selbst gebauten Hügelbeet befindet sich aber überraschenderweise eine Umrahmung mit Rundhölzern. Wir sind nämlich der Meinung, dass etwas Niveau auch bei einem Hügelbeet nicht schadet und den Hügel in Form hält. Abschließend wir der Hügel mit etwa 30 cm humusreiche Erde abgedeckt, dann ist er bereit für die Bepflanzung.

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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