Humus und Bodenleben Teil 13

In diesem Abschnitt unserer Serie möchten wir Betriebe vorstellen, denen es gelungen ist, einen Beitrag zur Erhöhung von Humus und Bodenleben zu erreichen. Ähnlich wie es Kretschmann und Behm geglückt ist, unter „Mulch total“ (2003) die Humuswerte, den pH-Wert sowie die übrigen Kernnährstoffe (N, P, K, Ca, Mg) auf der „Mutter“ Wiese und im Garten zu halten bzw. zu verbessern, betreiben diese Betriebe in unterschiedlichen Klimazonen Europas eine reduzierte Bodenbearbeitung. Sie kümmern sich alle insbesondere um die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit. Es sind der Betrieb von „Mulch total“ (Kretschmann u. Behm), der biologischdynamisch wirtschaftende Betrieb von Manfred und Friedrich Wenz in Baden (südl. von Offenburg, D), die Familie Wittner in einem extremen Trockengebiet Ostösterreichs, der alternative Obstbaubetrieb der Familie Hirt in der Weststeiermark und last but not least der viehlose Biobetrieb Brunner im Waldviertel, NÖ. Uns lacht das Herz vor Freude, diese Menschen und deren Ergebnisse vorstellen zu dürfen.

Der Hof von Gabi und Franz Brunner

Der Hof befindet sich im Waldviertel, NÖ, in Groß-Burgstall 11, A-3580 Horn. Der Betriebsleiter führt den Betrieb von 76 ha im Vollerwerb. Davon werden ein Hektar als Grünland und fünf als Wald bewirtschaftet. Die Seehöhe der zerstreut liegenden Anbauflächen ist zwischen 330 und 400 m. Die armen Böden liegen auf Gneisunterlage mit Bodenpunktzahlen von 22 bis 63. Der Jahresniederschlag liegt bei 550 mm, wobei ausgeprägte Trockenzeiten zu jeder Jahreszeit möglich sind. Den ersten Dauerversuch mit der reduzierten Bodenbearbeitung mit Mulchsaat starteten sie 1989. Den biologischen Anbau pflegt Familie Brunner seit 1995 (AT-N-01-Bio-2276-3L). Grundsätzlich gibt es keine festgesetzte Fruchtfolge, obwohl ein ausgeklügeltes Verhältnis zwischen Halm- und Blattfrüchten besteht. Gemessen an den niedrigen Bodenzahlen spricht Brunner von zufriedenstellenden Erträgen bei steigender Tendenz. Die Vermarktung geht über den Handel, lediglich Speisekartoffel werden auch ab Hof verkauft.

Ein biologisch geführter Ackerbaubetrieb ohne Vieh

„Biologisch und kein Vieh – was würde da wohl Rudolf Steiner sagen“, mag so mancher biologisch-dynamisch denkende Bauer fragen. In der Tat hat Brunner keine domestizierten Viecher, allerdings leben dort pro Hektar mehr als 10.000 kg Bodentiere (siehe Artikel 16, 3 EMJournal 28, Mai 2009), die für die Fruchtbarkeit seiner Böden sorgen. Stroh und andere Ernterückstände werden nicht mehr vom Feld entfernt, auch Kompost und Mist werden nicht mehr aufs Feld gebracht. Stattdessen bleiben die Ernterückstände auf dem Acker, welche in der Hauptsache von den Regenwürmern gratis zu hochwertigem Regenwurmkot verarbeitet und dem Boden zur Verfügung gestellt werden. Es ist immer wieder verwunderlich, wie der Regenwurm es schafft, aus einem kohlenstoffreichen (C) Material einen hochwertigen N-reichen Dünger herzustellen. Und dazu noch einen Dauerhumus, namentlich einen Ton-Humuskomplex zu hinterlassen? Nur mit dieser angepassten reduzierten Bodenbearbeitung wird diese Regenwurmfauna gefördert, um schließlich diese Resultate zu erreichen. Damit verbunden spart der Landwirt auch (importierte) Energie; d. h., anstatt der üblichen 80 l Diesel pro Hektar schafft Brunner es mit weniger als 20 l. Nachdem auch keine Dünger von außen, vor allem keine künstlichen Dünger zur Anwendung kommen, macht der Betrieb noch einmal Einsparungen hinsichtlich importierter Energie, dafür aber aufgrund der Humuszunahme einen Eintrag an CO2. Wie bereits erwähnt, bleiben die Ernterückstände, d. h., das Gros der Biomasse einfach liegen, um gleichzeitig mit dem Ecodyn (siehe Artikel 16, EMJournal 28) die darauffolgende Anbaukultur mit Zwischenfrüchten bzw. Getreide zu etablieren.

Fragen an Franz Brunner

Der Grund, warum Franz Brunner dieses System gewählt hat, war zunächst, um Zeit bei den Anbauarbeiten und beim Steinesammeln zu sparen. Im Laufe der folgenden Jahre versuchte er, die Natur besser zu verstehen und fand, dass der Boden nie umgedreht werden sollte. So arbeitete er von Jahr zu Jahr seichter und seichter. Ab 2004 wurde er durch die Erfahrungen der Familie Wenz in seinen Arbeiten bestärkt. Tendenziell sinkt sein Zeitaufwand. Da die Ausgangslage auf den Feldern nicht optimal war, konnte Brunner seinen Aufwand etwa um ein Drittel reduzieren. Ebenso war es bei der Produktivität: auch hier ist eine Steigerung feststellbar. Brunner besitzt zwar keine Bodenuntersuchungen (Analysen), d. h., er hat auch keine Nullparzelle angelegt, auch keine Analysewerte, die den Unterschied vom Zeitpunkt des Überganges und heute genau aufzeigen. Allerdings zeigt sein Bodenbewertungssystem die Qualitäten an (siehe unten). Seine Grundphilosophie zur reduzierten Bodenbearbeitung ist, dass die Bodenschichtung etwas Heiliges ist. Zur Frage, warum seiner Meinung nach so wenig Nachahmer diesem Beispiel folgen, meinte er, dass es sich dabei um eine junge Methode handelt. Andererseits werde den Menschen bei der konventionellen Ausbildung die Mineraltheorie, d. h. die Subsistierung der Bodennährstoffe gelehrt, die verständlich, aber falsch sei. Außerdem komme es durch schwere Maschinen und vermehrte Überfahrten zur Bodenverdichtung, welche den konventionell denkenden Landwirt zu (noch) mehr Düngung und (noch) mehr Bearbeitung zwinge. Abschließend meint Franz Brunner: „Vielleicht auch, weil sich die Menschen unter Energie und Polarität  nichts vorstellen können!“

Bodenevaluierung einmal anders?

Es ist manchmal schwer, eine gute Arbeit und nach den Gesetzen zu tun, ohne von der Bevölkerung als Dickschädel angesehen zu werden. Brunner mit seiner Arbeitsweise und Resultaten zählt bestimmt nicht zu dieser Kategorie. Des Rätsels Lösung nach Brunner ist einfach: Er verwendet die Spatenprobe, sieht dabei die Struktur des Bodens, sieht die Farbe und stellt den Geruch fest. Zusätzlich spricht er von der Polarität und evaluiert die heranwachsende Kultur nach Wachstum und Ertrag. All diese Parameter kommen von ihm selbst, so dass er von außen unabhängig ist. Beginnend mit der Spatenprobe sucht der naturverbundene Landwirt oder Gärtner, nachdem alle Konstanten passen, nach der Anzahl der Regenwürmer, welche sich bei einem fruchtbaren Boden zwischen 6 und 10 / Spatenstich bewegen soll. Gleichzeitig sieht der Beobachter die Struktur, d. h. ein garer Boden besitzt eine stabile Krümelstruktur, die dauerhaft ist und dementsprechend eine höhere wasserhaltende Kraft sowie ein gesteigertes Bodenleben aufweist. Der Boden soll natürlich fest, aber nicht verdichtet sein. Samen auf solchen Böden gehen gleichmäßig auf und wurzeln in dem festen Boden. Gleichzeitig wird dabei die Kapillarität unterbrochen, was zu einer gewünschten Wassereinsparung führt. Ein weiterer Parameter zur Bodenbeurteilung ist der Geruch: Hier weisen Böden minderer Qualität einen leicht muffigen Geruch auf, während Böden höherer Güte und Beschaffenheit ein Walderdeähnlicher bis Fruchtgeruch kennzeichnet, d. h. der Geruch geht ins Süßliche einer Frucht (z. B. Apfel bis hin zur Karotte), was bereits auf eine besondere Bodengüte hinweist. Franz Brunner ist sich sicher, dass der Geruch von den vorhandenen Mikorrhizen herrührt. Schließlich korrespondiert die gesunde dunklere Färbung mit dem positiven süßlichen Geruch einer Karotte.

Wir bitten um Mitteilung weiterer Möglichkeiten, Böden selbst evaluieren zu können. Unserer Artikel hat auch das Ziel, möglichst viele naturverbundene Menschen mit dieser Methode vertraut zu machen.

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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