Humus und Bodenleben, Teil 14

Möglichkeiten für mein gutes Küchenbokashi

Nachdem in der Artikelserie XI über die reduzierte Bodenbearbeitung berichtet wurde, kommen natürlich berechtigte Fragen, wie nun das gute Küchenbokashi nützlich angewendet werden kann. Darüber freuen wir uns und hoffen, passende Antworten geben zu können und mögliche Fehler von vornherein zu vermeiden.

1. Was ist bei der Bokashiherstellung wichtig?

1.1 Das richtige Kohlenstoff:Stickstoff-Verhältnis (C:N)

Rückmeldungen zufolge stellen wir immer wieder fest, dass die Bedeutung des C:N-Verhältnisses nicht verstanden bzw. ignoriert wird. So hat es z. B. wenig Sinn, Bokashi nur aus Rasenschnitt herzustellen. Auch, wenn dieser leicht übertrocknet wird, um einen optimalen Feuchtigkeitsgehalt von ungefähr 35% zu bekommen, ist Rasenschnitt relativ reich an Eiweiß (N!), was schließlich, wie bei jeder N-Überdüngung, geiles Pflanzenwachstum zur Folge hat. Ähnlich ist die Sache bei der Bokashierung von Tannen- oder Fichtenreisig. Auch, wenn dies ein gut riechendes fermentiertes Bokashi abgeben sollte, ist noch lange nicht bewiesen, dass es auch im Boden – nämlich für Boden und Pflanze – optimal wirkt bzw. zufriedenstellende Erträge abgibt. Denn: ein weites C:N-Verhältnis bedeutet zwar langsamere Umsetzung im Boden (umgekehrt ist dies beim Rasenschnittbokashi), jedoch heranwachsenden Pflanzen steht dann nicht genügend Stickstoff (N) zur Verfügung. Auf diese Weise können Mindererträge entstehen. Zum Glück haben die Küchenabfälle im Durchschnitt ein ausgeglichenes C:N-Verhältnis, ein Grund, warum man im Allgemeinen von einem „guten Küchenbokashi“ sprechen kann. Im Artikel III unserer Serie, S. 10, (EMJournal 16/Mai 2006) findet der interessierte Leser eine Tabelle verschiedenster Materialien mit dem jeweiligen C:N-Verhältnis.

1.2 Die optimale Feuchtigkeit der Ausgangsmaterialien

Neben dem Ignorieren des C:N-Verhältnisses können beim Feuchtigkeitsgehalt der verwendeten Ausgangsmaterialien Fehler gemacht werden, welche die Qualität des entstehenden Bokashi beeinträchtigen. Die Faustregel liegt weiterhin bei 35 % Feuchtigkeit. Dies kann man prüfen, indem man die verwendeten Materialien fest zusammendrückt (zu einem größeren Knödel). Klebt er nicht zusammen, ist er zu trocken, tritt dabei Flüssigkeit aus, ist er zu nass. In diesem Fall ist die Beigabe von trockenem Material, z.B. Getreidekleie gut geeignet, den optimalen Feuchtigkeitszustand herzustellen. Hinzu kommt, dass Getreidekleien ein ausgeglichenes C:N-Verhältnis aufweisen.

1.3 Für einen guten Luftabschluss sorgen

Deckt man das zu fermentierende Material nur mit einer Folie ab, ist natürlich nicht ausreichend für einen optimalen Luftabschluss gesorgt. In diesem Fall muss man Verluste von einigen Zentimetern hinnehmen, d. h., die obere Schicht kann nicht als gutes Bokashi bezeichnet werden, es riecht unangenehm und schimmelt. Daher sind neben dem (japanischen) Küchenbokashi-Eimer gut verschließbare Plastikbehälter bzw. Plastiksäcke geeignete Anwendungshilfen.

1.4 Verdichten

Um eine möglichst vollständige anaerobe, d.h. sauerstofffreie Situation zu erhalten, drückt man das Material von Anfang an (und gegebenenfalls bei jedem Nachfüllen) fest zusammen. Genau so wie es der Landwirt bei der Futtersilage dadurch erreicht, dass er das Gras oder den Mais mit einem schweren Schlepper festfährt.

1.5 Bokashi plus Holzkohle

Im EMJournal 29 (Mai 2009) beschreibt Dr. Haiko Pieplow die Herstellung von Terra preta (portugiesisch), nämlich einer Schwarzerde, welche von den Ureinwohnern vor der Entdeckung Amerikas im Amazonasgebiet mit Hilfe von Holzkohle geschaffen wurde. Diese Technologie können wir auch bei der Bokashiherstellung nutzen, indem den Ausgangsmaterialien Holzkohlengruß beigemengt wird. Diese Innovation wollen wir nun bei der Bokashiherstellung besonders empfehlen. Mittlerweile wird auch schon ein Fertigbokashi mit Holzkohlezusatz angeboten.

2. Wie bringt man das Küchenbokashi in den Boden?

Nachdem Bokashi sowieso nicht mit viel Bodenbearbeitung (Umstechen bzw. Einpflügen) in den Boden kommen muss, soll auch hier die Anwendung kein Problem darstellen.

2.1 Bokashi ausbringen

In der Tat wird der Mulch (Abb. 1) kurzfristig zur Seite geschafft. Daraufhin wird das Bokashi ausgebracht (Abb. 2) und schließlich leicht eingehackt (Abb. 3). Die Parzelle wird dann wieder mit Mulch abgedeckt, um sie nach ungefähr 14 Tagen wieder zu bepflanzen oder –säen. (Abb. 4, 5). Hier schließt sich der Kreis, nämlich ein gutes Küchenbokashi mit reduzierter Bodenbearbeitung erfolgreich anzuwenden.

2.2 Beim Kartoffelanbau

Die gemulchte Fläche wird bereits mit EM und Steinmehl behandelt. Im Frühjahr bewegt man ebenfalls den Mulch zur Seite, breitet das Bokashi aus und harkt es leicht ein. Danach kommt der Mulch wieder darüber. Nach einem Zeitraum von 14 Tagen legt man die Kartoffeln aus und zieht Erdreich beidseitig von je 25 bis 35 cm herbei, um die Saatkartoffeln abzudecken. Und wieder kommt Mulch zwischen die Reihen bzw. man macht dies wie auf Abb. 5. zu sehen.

2.3 Verwendung von „Bokashisuppe

Ähnlich einer Kräuterjauche wird Bokashisuppe“ hergestellt. In 6 bis 10 l Wasser werden 2 Doppelhand voll fertiges Küchenbokashi gemischt und gut verrührt. (Abb. 6) Diese Suppe läßt sich in Verbindung mit Mulch gut bei Starkzehrern (Kohlgemüse, Tomate, Gurke, Kürbis etc.) verwenden. Eine Doppelhand voll reicht für 10 l Gießwasser.

„Bokashisuppe“

2.4 Bokashi im Obstanbau

Wie schon mehrfach im EMJournal erwähnt, werden Obstbäume mit Bokashi versorgt, indem am Rand der Baumscheibe in gewissen Maßabständen Löcher mit dem Spaten bzw. Erdbohrer gegraben werden und das Bokashi mit der Aushuberde vermischt, hineingefüllt wird. Es ist auch bekannt, dass Wurzeln auf dieses Substrat zuwachsen, um sich damit zu ernähren. Ähnlich geht man bei Beerensträuchern und Blumengewächsen vor. Hier orientiert man sich an der inzwischen vielfältigen Literatur und/oder lässt der Fantasie freien Lauf.

2.5 Bokashi vererden

Sind für den Anwender diese beschriebenen Methoden zu aufwändig, lässt man das Bokashi vererden, um es schließlich so unter dem Mulch auszubringen. Dazu mischt man selbst hergestelltes Küchenbokashi unter gewöhnliche Erde und läßt diese Mischung entweder unter Luftabschluß (Plane) reifen oder offen liegen bis das organische Material verarbeitet ist.

Dieser Beitrag kann als Ergänzung zum Artikel III verstanden werden. Möge er den Anwendern noch mehr Mut und Freude bei der Arbeit bringen. Vor allem möchten wir auf die Ergänzung mit der von Haiko Pieplow beschriebenen Methode zur Terra preta (Schwarzerde) mit der Zuhilfenahme bei der Bokashiherstellung von Steinmehlen und Holzkohlengruß hinweisen. Selbst wenn unsere Gartenflächen eher bescheidene Ausmaße haben, soll es für den Praktiker dennoch Freude und Genugtuung bedeuten, hier eine neue Terra preta zu schaffen.

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.