Humus und Bodenleben, Teil 15: Die Bedeutung der Sojabohne für Boden, Mensch und Tiere

Heimat und Verbreitung

Die Sojabohne (Glicine hispida) zählt zu den ältesten Kulturpflanzen: sie wurde bereits vor 4.000 Jahren in China und Japan kultiviert. Ihre Heimat liegt im südöstlichen Asien zwischen dem 20. und 45. Breitengrad. Nach Europa kam diese Kulturpflanze erst im 18. Jahrhundert, nachdem Engelbert Kaempfer in seinen Reisebeschreibungen aus China und Japan diese Pflanze beschrieben hatte. Im Jahr 1873 wurde die Sojabohne anlässlich einer Weltausstellung in Wien von einer japanischen Delegation präsentiert, wo sie anschließend in Mais- und Weinanbaugebieten kultiviert wurde. Bald schon organisierten sich österreichische Landwirte zu einem „Sojaring“ und eine sojaverarbeitende Industrie konnte entstehen. Eine vieljährige Aufbauarbeit wurde im 2. Weltkrieg durch Bomben zerstört (Maria Karl, Soja, 2003). Nachdem in den Vereinigten Staaten und in Brasilien die Anbauflächen enorm zunahmen, wurde die Kulturpflanze auch in Europa ab den 50er Jahren angebaut, jedoch mehr zu Futtermittelzwecken. Trotzdem sind die Anbauflächen in Europa, gemessen an der biologischen Wertigkeit und dem Vorfruchtwert für darauffolgende Kulturen, eher gering.

Die Bedeutung der Sojabohne

Ohne Übertreibung kann bei der Sojabohne, verglichen mit anderen Anbaukulturen, mit der höchsten Kombination von Eiweiß und Fett von einer hohen biologischen Wertigkeit ausgegangen werden. Wegen ihres hochwertigen Eiweißes, (19 verschiedene, jedoch essenzielle Aminosäuren) und anderen wertvollen Inhaltsstoffen sowie der vielseitigen Verwendbarkeit kann sie als Viehfutter, zur Gründüngung, vor allem aber für die menschliche Ernährung verwendet werden. Aus diesem Grund werden die Anbauflächen für Soja in naher Zukunft zunehmen.

Folgende Analyse zeigt die Wertigkeit der Sojabohne:

  • 8,0 % Wasser
  • 4,5 % Asche (Mineralstoffe!)
  • 18,0 % Fett
  • 3,5 % Rohfaser
  • 40,0 % Protein
  • 4,4 % Pentosäure
  • 7,0 % Zucker
  • 5,5 % stärkehaltige Substanzen

Tabelle 1 aus Franke, Nutzpflanzen der Tropen, 1967

In ihrem lesenswerten Buch schreibt Maria Karl u.a., dass die Sojabohne

  • biologisch hochwertiges Eiweiß enthält, das tierisches Eiweiß voll ersetzen kann!
  • mit ihrem Gehalt an Lecithin, in dem organisch gebundener Phosphor enthalten ist, Fleisch und Milch übertrifft und mit Eiern und Hirn an erster Stelle der lecithinhaltigen Nahrungsmittel steht.
  • ein leicht verbrennbares Fett und einen hohen Anteil an essenziellen Fettsäuren wie Linolsäure enthält.
  • ebenso nützliche Kohlenhydrate enthält, die frei von Stärke und besonders vorteilhaft für Diabetiker sind.
  • zudem besonders reich an Vitaminen, speziell an Vitamin A, E, B1, B2, Niacin und Vitamin B6 ist. Hinzu kommt der hohe Anteil an Mineralstoffen wie Calcium, Phosphor, Magnesium und Eisen. Hervorzuheben sei ferner, dass Soja frei von Cholesterin und Harnsäurebildnern ist.

Vergleicht man die Preise verschiedener Lebensmittel, so können mit 1 kg Sojabohnen 6,5 Liter Vollmilch hergestellt werden. 1 kg Sojabohnen entsprechen etwa 3,5 kg magerem Rindfleisch bzw. 58 Hühnereiern. Die Herstellung von Sojamilch, Tofu und Sojamehl ist einfach, ebenso sind die in ihrem Buch beschriebenen über 90 Gerichte leicht zuzubereiten. Bekanntermaßen wird dieses Produkt in der Lebensmittelindustrie zur Herstellung von zahlreichen Konsumgütern verwendet. Mitteleuropa ist in der Tat ein optimales Anbaugebiet für diese Kulturpflanze, deshalb könnte diese Pflanze zunehmend in der Landwirtschaft und im Kleingarten angebaut werden. Schließlich kann die Sojabohne im Fall von Versorgungsengpässen während verschiedener Tierseuchen wie BSE, Maul- und Klauenseuche, Vogel-, Schweinegrippe etc. als ausgezeichnete Alternative zu Fleisch dienen.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell man nach dem Verbot von Fleischmehlen aus Tierkadavern die Sojabohne, vor allem als Eiweißersatz, aufkommen ließ. Das Fleischmehl aus Tierkadavern musste in der Kosmetikindustrie, für die Herstellung von „Bio-Diesel“ und deren Rückstände in der Industrie als Heizmaterial Verwendung finden. Es sei noch einmal auf das Buch von Maria Karl hingewiesen. Hier wird einem die Reduzierung des eigenen Fleischkonsums oder sogar die Umstellung zum Vegetarier leicht gemacht!

Die Bedeutung der Soja für unsere Mutter Erde

Neben dem enormen ernährungsphysiologischen Bonus für Mensch und Tier präsentiert die Soja ihren Nutzen für die Fruchtbarkeit der Erde und das Bodenleben. Hervorzuheben ist bei dieser Kulturpflanze die kräftige Pfahlwurzel, welche bis zu zwei Meter tief in den Boden eindringt. Die Nebenwurzeln werden durch die für die Soja spezifischen Rhizobien (Knöllchenbakterien = Stickstoffsammler) besiedelt. Somit hinterlässt die Pflanze eine enorme Wurzelmasse, die sich in der Tat als Boden aufbauend und Humus mehrend erweist. Nachdem die Pflanze für die meisten Anbaukulturen einen positiven Vorfruchtswert zeigt, stellt sie eine Bereicherung unserer etablierten Fruchtfolgen dar und hinterlässt darüberhinaus noch 40-50 kg Reinstickstoff (Karl 2003).

In der Regel steht die Soja nach Weizen bzw. Mais, vorausgesetzt, letzterer wurde nicht mit langsam wirkenden Herbiziden angebaut. Dies hätte eine Verbesserung der Fruchtfolge zur Konsequenz. Schließlich verursacht die Massentierhaltung ökologische Schäden, vor allem hinsichtlich der Verseuchung von Grundwasser, neben der unzertrennlichen ethischen Problematik dieser Haltungsform.

Unserer Meinung nach wäre es besser, anstatt Flächenstillegungen zu finanzieren, die Maismonoanbaufläche zu reduzieren und vermehrt Soja anzubauen. Die Einführung der Soja hätte einen ökologischen und ökonomischen Nutzen für unsere Volkswirtschaft.

Anbau und Pflege der Sojabohne

In der Regel reicht eine normale Bodenvorbereitung für den konventionell arbeitenden Landwirt bzw. eine Minimalbodenbearbeitung für die Aussaat. Eine EM-Bodenbehandlung mit Urgesteinsmehl im Herbst bzw. im zeitigen Frühjahr bringt die bereits bekannten Strukturverbesserungen und erlaubt der Sojabohne tiefer belebte Bodenschichten zu durchwurzeln. In den 60er-Jahren behaupteten Sojabauern, selbst Versuchsanstalten, dass die Erträge steigen, je länger man Soja auf Soja kultiviert. In der Tat waren es die Knöllchenbakterien, welche erst nach Jahren und wiederholtem Anbau ihr Optimum erreichten. Nachdem es sich bei der Soja um eine neu eingeführte Anbaukultur handelt, muss das arteigene Knöllchenbakterium – zumindest dort, wo die Pflanze noch nie kultiviert wurde – künstlich mit dem Saatgut vermengt in den Boden kommen. Dazu verwendet man die aus Samenhandlungen bzw. Lagerhäusern üblichen Impfpräparate. Sollte dies aus irgendeinem Grund nicht zur Verfügung stehen, dann kann auch Erde verwendet werden, in der im Vorjahr geimpfte Soja stand. Diese Methode ist effizient und auch für jedermann imitierbar.

Die optimale Saatzeit ist ähnlich wie bei der Busch- oder Stangenbohne, nämlich ab Anfang Mai. In kühleren Gebieten soll die Bodentemperatur 8-10° C aufweisen. Optimal für den Erfolg sind Zonen, in denen die Ernte in eine trockenere Periode fällt. Obwohl die Sojabohne von Natur aus eine Kurztagspflanze (KT) ist, d.h., eine Pflanze, die zum Blühen und Fruchten mit einer Tageslänge unter 13 Stunden auskommt, können wir davon ausgehen, dass die Soja umgezüchtet wurde oder es sich zumindest um eine tagneutrale Kultur handelt, ansonsten könnte sie nicht während dieser Periode (Langtag über 14 Stunden) optimale Erträge von 3 t/ha ergeben. Denn im Entwicklungszeitraum ab Mitte Mai haben wir es bereits mit einem extremen Langtag von über 14 Stunden zu tun. Die Aussaat der Soja erfolgt in Reihen von 40-65 cm und einer Tiefe von 2-3 cm. Als Faustregel gilt auch hier „3 mal die Breite des Samenkorns“. Die Saatmenge beläuft sich auf 50-75 kg/ha bzw. 500-750 gr/100 m2 (1 ar). Grundsätzlich folgt die Soja einer gedüngten Vorfrucht. Mehrere praktische Beispiele beweisen, dass eine EM-Bodenbehandlung im Herbst oder zeitigem Frühjahr sowie 1 Tonne Urgesteinsmehl/ha gute Ergebnisse bringen.

Sojaanbau auf dem Acker

Hier möchten wir auf den biologischen Anbau hinweisen, der ohne die Verwendung von Herbiziden auskommt und trotzdem optimale Ernten erzielt. Um den positiven Vorfruchtwert zu nutzen, pflegt man die Kultur nach Weizen, Mais (biologischen Anbau) bzw. nach einer abgefrosteten Gründecke zu stellen. Die Bodenvorbereitung effektiviert man wie üblich durch eine Herbst- oder Frühjahrsackerung bzw. einer Minimalbodenbearbeitung. Vor der Saat wird der Acker abgeschleppt und nach dem Anbau im Mai nach einer Woche blindgestriegelt. Nach dem 3.-5. Blattstadium folgt eine Hacke. Die letzte Pflegemaßnahme geschieht schließlich durch Hacken und leichtes Anhäufeln. Neben der EM-Herbstbodenbehandlung ist eine ein- bis zweimalige Pflanzenbehandlung mit EM sehr zu empfehlen.

Die Ernte geschieht im Großanbau wie üblich mit dem Mähdrescher, wobei der Dreschkorb weiter gestellt und die Drehzahl pro Minute auf 600-900 Umdrehungen reduziert wird.

Der Sojaanbau im Garten

Natürlich möchten auch die Schrebergärtner ihren Garten mit dieser Kulturpflanze bereichern, um gleichzeitig ein Produkt von hoher biologischer Wertigkeit selbst zu produzieren. Grundsätzlich gelten hier alle vorhin besprochenen Arbeitsschritte (mit Ausnahme des Mähdreschereinsatzes). Vor allem möchten wir noch einmal auf die Bedeutung des Impfens hinweisen. Es ist irgendwie bedauernswert, dass dieses eher negativ klingende Wort (besser geeignet wäre die Bezeichnung „inokulieren“) hier eingesetzt wird. Impfen ist jedoch eine Voraussetzung, damit zufriedenstellende Ernten eingefahren werden können. Die links unten gezeigten Bilder illustrieren, wie die Minimalbodenbearbeitung in Verbindung mit Mulch und EM funktioniert.

Vorzugsweise macht man im Herbst die EM- und Steinmehlbodenbehandlung und mulcht noch einmal ordentlich mit Grasschnitt bzw. Laub die entsprechende Parzelle. Im Frühjahr komplettiert man dies vor der Aussaat, denn ab Mitte April gibt es bereits genügend Graswuchs, um die Fläche vor der Saat noch einmal mit genügend Mulchmaterial zu versehen. Als Kompensation erfreut sich der Hobbygärtner, eine total krümelige Erde anzutreffen. Das Saatgut dankt es durch gleichmäßiges Auflaufen der Saat und vor allem wird geschätzt, nicht mehr hacken und jäten zu müssen. Kommt dann der richtige Saatzeitpunkt, so schiebt man lediglich das Mulchmaterial etwas zur Seite (siehe Bild linke Seite unten), um in die freigemachten Linien zu säen. Die Saatdichte wählt man am besten 40-60 x 3 cm.

Die Sojabohne für die menschliche Ernährung

Mittlerweile ist vielen Menschen die Sojabohne zur Herstellung von Sojamehl im eigenen Haushalt und daraus die Produktion von Joghurt, Topfen und Tofu wohl bekannt. In der Tat können diese Produkte leicht selbst hergestellt werden. Neben der Bedeutung der Soja für Mensch, Tier und Boden gibt Maria Karl Empfehlungen für über 90 Gerichte, welche den Einstieg in die Sojaernährung schmackhaft machen. Da Soja auch zur Herstellung von Sojasauce, Knabberkernen, Säften, Tees und Grünkorngewürzen Verwendung findet, macht sie den Interessierten noch mehr zum Feinschmecker dieser Richtung.

Quelle: Maria Karl

Die Verwertung der Soja in der Tierhaltung

Prinzipiell ist man gewohnt, fertige Produkte aus der Industrie in Lagerhäusern zu kaufen. Demgegenüber bieten sich bei der eigenen Herstellung eine Reihe von Möglichkeiten an, auf die wir kurz hinweisen möchten. Auch hier gibt Maria Karl einige praktische Hinweise, wie Soja genutzt wird, nämlich durch:

  • Rösten und Schroten
  • Einweichen
  • Trocknen und Schroten
  • Musen und Kochen.

Wichtig ist, dass die Soja unbedingt entbittert und gekocht/geröstet wird, will man sie an Tiere verfüttern. Schließlich empfiehlt sie, Sojabohne statt Magermilchpulver zu nutzen, denn dieses wird mit einem hohen Energieaufwand (und Subventionen!) hergestellt. Die Aufstellung illustriert, dass Soja das teure und z.T. subventionierte Magermilchpulver voll ersetzten kann. Als Quintessenz zum Abschluss möchten wir noch auf die Möglichkeit hinweisen, Soja und Maisschrot mit EM zu Tierfutter-Bokashi zu fermentieren: Die Tiere würden es uns lohnen!

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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