Humus und Bodenleben, Teil 17 (1): Résumé und Ergänzungen (4)

Die drei E‘s beim Bodenleben und der Bodenfruchtbarkeit

Die drei E’s stammen aus dem 2002 erschienenen Buch von Lothar Hirneise „Chemotherapie heilt Krebs und die Erde ist eine Scheibe: Enzyklopädie der unkonventionellen Krebstherapien.“ Sie bedeuten: Ernährung, Entgiftung und Energie. Hirneise zeigt, dass die Ursachen der so genannten Zivilisationskrankheiten wie Krebs, Herz- und Kreislaufkrankheiten usw. durch artgerechte Ernährung, Entgiftung und Energie verhindert werden können. Wir sehen hier eine Parallele zur Mutter Erde, die ebenfalls verschiedenen Zivilisationskrankheiten zum Opfer gefallen ist.

1. Die Ernährung von Pflanze und Boden

Folgt man den Anweisungen der konventionellen Agrarwissenschaft, dann müssen die Nährstoffe (Elemente), welche dem Boden durch Ernten entzogen wurden, durch Düngung ersetzt werden. Hier findet die Kunstdüngerwirtschaft ihre Berechtigung. Dagegen vertrat vor über 90 Jahren Rudolf Steiner die Ansicht, den Boden mit natürlichen Stoffen und biologisch-dynamischen Präparaten zu beleben, denn wie er sagte, heißt düngen, den Boden „beleben“, das Bodenleben zu fördern. Auch Teruo Higa empfahl 70 Jahre nach Steiner, den Boden zu verlebendigen, in seinem Fall durch Effektive Mikroorganismen.

1.1. Die lebensgesetzliche Revolution in der Bodenkunde

Heinrich Brauner erwähnt in seinem Büchlein „Die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaues“ (2010), dass die an Universitäten gelehrte Bodenkunde bis in die 1920er Jahre ihren Schwerpunkt auf die chemisch-physikalischen Zusammensetzungen, auf das Verhalten der Verwitterungsprodukte von Sand und Ton legte. Dabei wurde dem Ton eine besondere Bedeutung zuerkannt. Somit war der Maßstab der Bodenqualität auf den in der chemischen Analyse festgestellten Gehalt an mineralischen Hauptnährstoffen fixiert. Mit diesen Laborwerten arbeitet die praktische Landwirtschaft bis heute. Auf den biologisch-dynamischen Betrieben bzw. bei der Anwendung von EM (siehe EMJournal 18), waren die Analysewerte von NPK und Ca+Mg sowie die PH-Werte jedoch trotz Nichtanwendung irgendwelcher Mineraldünger angestiegen. Glücklicherweise haben uns die chemischen Analysen gezeigt, dass die Mineraldüngung in herkömmlicher Weise nicht notwendig ist. Erst durch die Erkenntnisse über die im Boden lebenden Kleinst- und Kleinlebewesen trat ein Wandel in der Beurteilung ein. Hier etablierte sich der Begriff der Lebendverbauung. Durch das Zusammenwirken dieser Milliarden Kleinst- und Kleinlebewesen mit dem mineralischen Gerüst von Sand und Ton entsteht die begehrte Krümelstruktur (Brauer 2010) – ein neuer Begriff der Verlebendigung und Fruchtbarkeit des Bodens. Bei der Verwendung von Chemie in der Landwirtschaft hingegen wird das Bodenleben dezimiert, d.h. die Verlebendigung des Bodens wird stark eingeschränkt.

1.2. Was ist eine gute Krümelstruktur?

„Unter einem Bodenkrümel versteht man die innige Verklebung der zerklüfteten, oberflächenreichen, winzigen Tonteilchen mit den ebenso zerklüfteten, verfaserten Resten der organischen Substanz zu einer Art Schwamm mit einer Fülle winziger Hohlräume“, schreibt Brauner. Demzufolge sind die Krümel das tragende Gerüst der Lebendverbauung, denn in diesen Hohlräumen befinden sich Luft und Wasser, das die Kleinst- und Kleinlebewesen unbedingt benötigen. Umgekehrt, konstatiert Brauner, sei die Kunstdüngerwirtschaft für die Pflanze eine Vertreibung aus dem Paradies; sie ist der moderne, sich ewig wiederholende Sündenfall der Landwirtschaft. Um einen fruchtbaren Boden zu erhalten, brauchen wir eine tiefgründige Krümelstruktur, welche zur Erhaltung und zum weiteren Aufbau das nötige Futter in Form von stets mäßigen Mengen aufbereitetem Stallmist, verrottetem Kompost, Flächenkompost bzw. Mulch benötigt. Dazu gehört die reduzierte Bodenbearbeitung und vor allem die EM-Herbstbehandlung.

Ein Boden muss – wie in der Natur – ständig bedeckt sein, damit das Bodenleben nicht durch Sonne, Trockenheit, Platzregen und Wind ge- oder gar zerstört wird. Schließlich sind unsere guten Ackerböden aus natürlichen Mischwäldern, die ständig bedeckt waren, hervorgegangen. Die wieder entdeckte Mulch-Kultur mit der reduzierten Bodenbearbeitung ist eine positive Entwicklung der letzten 30 Jahre. Deswegen muss auch die Idee, den Boden im Herbst zu pflügen, um „den Kosmos wirken zu lassen“, abgelehnt werden. Ob Heinrich Brauner bereits an EM dachte, wenn er von einer Zufuhr der besten, hochqualifizierten und notwendigen Bakterien in Form des Humus fermentes schrieb? Der Autor empfiehlt, dieses Humusferment zumindest zu Beginn der biologischen Bewirtschaftung zu verwenden. Danach, d.h. wenn diese optimale Krümelstruktur erreicht ist, kann sie durch entsprechende Fruchtfolgen und leguminose Zwischenfrüchte auch die Stickstofffrage lösen. Für den interessierten Leser ist aufschlussreich zu erfahren, welch ungeheure Oberfläche diese Krümelstruktur im Boden durch ihren schwammartigen Aufbau bietet. Bei einem gesunden Boden sind dies bis zu 20 km² auf einem m² Boden. Bekanntlich leben in einer Handvoll Mutterboden Milliarden von Kleinstlebewesen.

1.3. Die Bodenschichten der Mutter-Erde

Brauner schreibt, dass die Erde ungefähr 12.000 km dick ist, jedoch nur die oberste Rindenschicht (10-30 cm) landwirtschaftlich genutzt wird. Diese Schicht trägt mit Recht den Namen Mutter-Erde.

In dieser obersten Erdschicht spielt sich das gesamte biologische Leben ab. Beobachten wir einmal einen natürlichen Waldboden, wo jährlich große Mengen Laub, Nadeln sowie abgestorbene Astmaterialien auf den Boden fallen. Die gesamte Biomasse wird aerob „verarbeitet“, um zu fruchtbarer Erde zu werden. Es findet ein Umwandlungsprozess ohne Fäulnis statt, d. h. es gibt keine Giftentwicklung. Bleibt jedoch die organische Substanz wie beim Stapelmist unter Luftabschluss, so entsteht eine Fäulnisperiode. Man kann in diesem Fall von einer Giftfabrik sprechen. Die Folgen solcher Mistanwendungen sind Pilzkrankheiten im Acker und Garten; auf Wiesen haben solche Mistanwendungen die „schönen“ Hahnenfuß- und Kerbelaufwüchse zur Folge.

In der obersten Schicht, der Rotteschicht, wo der Abbau der organischen Substanzen durch Kleintiere wie Würmer, Asseln, Käfer, Tausendfüßler etc. geschieht, vollstreckt sich ein Durchgangsstadium zur Humusbildung, zur Zellgare. In dieser Schicht finden die Pflanzen noch keine Nahrung zum Gedeihen. Erst durch den Aufschluss durch das Heer der Bakterien und mit den in Haarwurzeln lebenden Wurzelbakterien in der Humusschicht, der Aufbauflora, werden die organischen Substanzen bis auf den letzten Rest, zur Plasmagare abgebaut. Das übrig gebliebene, schwammige Plasma wird mit Tonkristallen zu Dauerkrümeln. In der Plasmagare, dem Dauerhumus dieser „bakteriellen Aufarbeitungszone liegt gleichsam der Brennpunkt des Kreislaufes des Lebens“ (Brauner), der „Nahtstelle zwischen Tod und Leben“ (Hans Peter Rusch, Bodenfruchtbarkeit, 1968/2004).

Diese beiden Schichten, die Zellgare und die Plasmagare, sind die Träger des Bodenlebens, welche mit Recht als Mutter Erde bezeichnet werden. In der Schicht darunter, der Mineralschicht, befindet sich mineralischer Untergrund. Hier finden noch Lebensprozesse statt, d.h., Pflanzenwurzeln und auch Regenwürmer dringen bis hierher vor. Aus dieser Beschreibung heraus wird jedermann/frau verständlich, wie unsinnig ein von uns ausgeübtes Eingreifen mit Pflug im Acker und Spaten im Garten ist.

1.4. Der richtige Bodentest

Nachdem den meisten Menschen nur die konventionelle chemische Bodenanalyse bekannt ist, möchten wir den bakteriologischen Bodentest nach Rusch vorstellen: Eine ähnliche Aussage dazu macht Franz Brunner, der einen Ackerbaubetrieb im Waldviertel (Niederösterreich) bewirtschaftet (siehe EMJournal 29, August 2009). Er verwendet die Spatenprobe, sieht dabei die Struktur des Bodens, sieht die Farbe und stellt den Geruch fest. Brunner spricht von Polarität und evaluiert die heranwachsende Kultur nach Wachstum und Ertrag. Begonnen mit der Spatenprobe, beobachtet er nach der Struktur die Anzahl der Regenwürmer, die sich in einem fruchtbaren Boden zwischen sechs und zehn pro Spatenstich bewegen soll. Dann sagt er, der Boden soll natürlich fest, aber nicht verdichtet sein.

Für Franz Brunner ist auch der jeweilige Geruch von Bedeutung. Böden minderer Qualität weisen einen leicht muffigen Geruch auf, während ein Boden höherer Güte und Beschaffenheit einen walderdeähnlichen Geruch bis zu einem Fruchtgeruch nach Karotten oder Äpfeln haben. Das ist ein Hinweis auf das Vorhandensein von Mykorrhizen.

Auch der von Rusch vorgeschlagene Bodentest sagt nichts über die vorhandenen chemischen Elemente aus, wohl aber über die Menge und Vielfalt des Bodenlebens, welche vom Nachschub der organischen Substanz abhängt. Rusch spricht von den erstrebenswerten, besten Bakterien, die in Symbiose mit den Wurzeln leben (Symbionten-Mykorrhizen). Er vertritt die Ansicht, öfter kleinere Gaben organischen Düngers zu verabreichen. Er bestätigt auch, dass nach einigen Jahren biologischer Bewirtschaftung die chemischen Werte (NPK etc.) steigen. Brunner liefert die Erklärung: „Diese höchst erfreuliche Tatsache liegt in der stärkeren aufschließenden und nährstoffmobilisierenden Wirkung der Mikroflora, die bei Kunstdüngerbetrieben ausfällt.“ Hinzu kommt, dass bei Verwendung von Kunstdüngern die Regenwurm- und Mikroorganismenpopulation stark dezimiert wird.

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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