Humus und Bodenleben, Teil 17 (2): Résumé und Ergänzungen (5)

Was im biologischen Anbau zu beachten ist

Prinzipiell gibt es eine Reihe von Möglichkeiten, biologisch zu wirtschaften, wenn keine Chemie in Form von Kunstdüngern und Pestiziden auf die Anbauflächen kommen soll. Verschiedene Bioorganisationen erlauben allerdings eingeschränkt chemische Mittel, besonders bei Pflanzenkrankheiten und bei der Schädlingskontrolle. (Oft erfährt man nach Jahren, dass das entsprechende Mittel – da es doch giftiger ist, als man anfangs dachte – verboten wird, – nur um es durch ein neues zu ersetzen.) Ausnahmen dabei sind (fast) alle Demetergärtner und -bauern. Hier werden nämlich zu den organischen Düngern die verschiedenen Kompostpräparate sowie Hornmist (b.d.500) und Hornkiesel (b.d.501) verwendet. Leider wird bei fast allen Biodenkern zu wenig von der Immunstärkung der Pflanzen gesprochen. Die naturverbundenen EMler erreichen dies automatisch durch die EM-Anwendungen mit EM-Lösungen, EM-Bokashi und Urgesteinsmehl.

Im Kontext der biologischen Wirtschaftsweise erwähnt Heinrich Brauner (Die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaus, 2010) die aperio dische, räumliche Stellung der Atome und Moleküle zueinander. Sie ist dadurch gekennzeichnet, „dass die Stellung eine höchst individuelle, einmalige, und mit bestimmten physiologischen Eigenschaften verbunden ist“. Dies wird nur von der Natur verliehen! Dazu zitiert Brauner Hans-Peter Rusch, der ebenfalls die Meinung vertrat, nur Leben könne wieder Leben erzeugen. Als treffende Beispiele erwähnt er die Zusammensetzung des grünen Farbstoffes in den Blättern, das Chlorophyll, das der Mensch inzwischen künstlich herstellen kann, nur vermag es nicht zu assimilieren! Auch der rote Farbstoff des Blutes, das Hämoglobin besitzt ähnlich dem Chlorophyll anstatt des Magnesiums ein Eisenatom. Auch Hämoglobin kann künstlich hergestellt werden, nur fehlt ihm die lebendige eigene aperiodische Stellung der Atome zueinander. Mit anderen Worten, wir können nur wiederholbare Stellungen, nicht individuelle Verbindungen schaffen. So fragt auch Brauner, ob die Wissenschaft z.B. aus den zwei Ionenarten der Stickstoffdünger, dem Ammoniak-Ion NH4 und dem Salpeter-Ion NO3 die tausendfache Fülle der arteigenen Eiweiße herstellen kann? Auch Rudolf Steiner sprach vor 90 Jahren schon von einem lebendigen und toten Stickstoff.

Wie der Stickstoffbedarf gelöst werden kann

Grundsätzlich wird das N-Problem durch eine geordnete Fruchtfolge bzw. durch behandelten Mist und Gülle sowie durch reduzierte Bodenbearbeitung mit EM-Anwendung gelöst. Ähnlich geschieht dies bei der Arbeit des Kleingärtners.

1. Die N-Lösung auf landwirtschaftlichen Flächen

Auf Dauergrünland befinden sich mindestens 25% Leguminosen (verschiedene Klee- und Wickenarten). Die Knöllchenbakterien der Leguminosen scheiden eine Vielfalt von Aminosäuren aus, welche von den übrigen Pflanzen aufgenommen werden. Somit reichert auch Dauergrünland den Boden mit Humus und Stickstoff an. Nicht umsonst sagte man „in der guten alten Zeit,“ die Wiese sei die Mutter des Ackerlandes.

Auf dem Ackerland ist eine geordnete Wirtschaftsweise vor allem mit der richtigen Fruchtfolge, nämlich mit der Hinzunahme von Leguminosengemischen als Zwischenfrüchte unumgänglich. Hingewiesen sei noch einmal auf die Bedeutung der Sojabohne und auch auf Leguminosen wie Pferdebohne, Erbse und Kleeschläge als N-Bringer in der Fruchtfolge. Hinzu kommen bei einer geordneten Kreislauflandwirtschaft die betriebseigenen Dünger wie aufbereiteter Mist, Kompost und Bokashi als wertvolle N-Quelle. Somit wird jeder Betrieb N-Produzent auf dem eigenen Gelände – ohne die Umwelt zu belasten. Denn es ist ja bekannt, dass bei der Herstellung von synthetischem Stickstoff gewaltige Mengen Energie verbraucht werden. Dieses Produkt kann in der Tat eingespart werden. Außerdem kann künstlich hergestellter Stickstoff nicht mit lokalem Stickstoff verglichen werden. Selbst im intensiv bewirtschafteten Ackerbau mit einem hohen Zuckerrübenanteil wies Brauner nach, dass das N-Problem einerseits sowie das übliche Blattlausvorkommen andererseits durch einen angepassten Zwischenfruchtbau mit Alexandrinerklee zu lösen ist. Die von der Zuckerindustrie verordneten Zwangsspritzungen waren bei ihm hinfällig. Und, obwohl er in 6 Jahren viermal Klee hatte, war keine Kleemüdigkeit feststellbar. Seine Erfolge sind ein Beispiel für eine Vielzahl von Betrieben.

2. Das N-Problem beim Kleingärtner lösen

Auch der Kleingärtner braucht sich um einen eventuellen N-Mangel in seinem Garten keine Sorgen machen, wenn man wie oben beschrieben, eine geordnete Fruchtfolge betreibt, die Abfälle zu wertvollem Kompost und Bokashi bereitet, die Kulturen mit Mulch behandelt und bei Starkzehrern mit Brennnessel- und Pflanzenjauche nachhilft sowie den Boden mit Urgesteinsmehl und EM belebt. Unter solchen Bedingungen produziertes Gemüse bedeutet eine wahre Lebensverbesserung für unseren Speiseplan.

3. Bodenflora und menschliche Darmflora

Unzählige nützliche Bakterien leben in unseren Böden in einer Art Arbeitsgemeinschaft zusammen. Diese Symbiose lässt pathogene Keime nicht hochkommen. Selbst wenn man einem gesunden Boden Krankheitskeime verabreicht, werden sie darin unschädlich gemacht. Solche Beispiele sind uns aus biologisch arbeitenden Betrieben bekannt. Umgekehrt können auf konventionell arbeitenden Betrieben leicht Krankheiten auftreten, von denen angrenzende Biolandwirtschaften verschont bleiben.

Andererseits stellte sich heraus, dass zwischen der guten Bodenflora und der Darmflora des Menschen eine sehr nahe Verwandtschaft besteht. Nach Brauner besitzt der menschliche Darmtrakt eine Oberfläche von 140-160 m², die Anzahl der darauf lebenden Bakterien ist größer als die Anzahl der Zellen im menschlichen Körper. Die in Symbiose lebende Darmflora hat ebenso die Funktion, pathogene Fremdkeime unschädlich zu machen. Beide – Boden wie Darmflora – sind die Basis des jeweiligen Immunsystems. Sie zu stärken ist eine unserer wichtigsten Aufgaben. Brauner schließt, dass der organisch-biologische Landbau Grundstein für eine vorbeugende Volksgesundheit darstellt. In einem solchen ökologischen System schafft die Bodengesundheit über die Früchte eine gesunde menschliche Darmflora.

Die Behandlung von Wirtschaftsdüngern

In dieser Serie haben wir verschiedentlich über die Verbesserung von Wirtschaftsdüngern gesprochen. Diesmal hat uns das Büchlein von Brauner weitere Anstöße gegeben.

1. Die Stallmistbehandlung

Dass Mist Mist ist, solange er nicht richtig behandelt wird, werden die meisten LeserInnen verstehen. Und auch, warum die Verwendung von frischem Mist Schädlinge und vor allem Pilzkrankheiten fördern kann. Weniger bekannt, weil inzwischen höchst selten geworden, ist die Verwendung von gut verrottetem Stapelmist. Früher galt: Je höher gestapelt wird, desto schlechter die Mistqualität. Der Begriff des „Hochstapelns“ könnte von der falschen Misthochstapelei herrühren. Förderlich für gute Mistqualität ist die Zugabe von Urgesteinsmehl, lehmiger Erde, wenn möglich, Biokohle und vor allem EM. Denn wie wir wissen, arbeiten die EMs besonders effektiv in anaeroben Bereich, d.h. im Miststapel. Das gilt natürlich auch für Walm- oder Reihenhaufen. Auf diese Art hergestellter Mist kann selbst auf Wiese und Weideland Anwendung finden, da er dort schnell „einwächst“. Nach Brauner können solche Weiden schon nach 2-3 Wochen von den Herden bestoßen werden.

2. Die Behandlung von Gülle und Jauche

Man kann wohl mit Recht behaupten, dass Gülle und Jauche zu den bedenklichsten Wirtschaftsdüngern zählen. Denn schließlich hinterlässt Gülle ähnliche Nebenwirkungen wie die Kunstdüngung, nämlich Zerstörung der Krümelstruktur, Abtötung des Bodenlebens sowie die Auswaschung von Nitraten, welche unser Grundwasser belasten. Dazu kommt es noch zu einer N-Überdüngung der Pflanzen, was wiederum eine Eiweißüberfütterung zur Folge hat. Beim Menschen führt diese zu Schlacken (durch Übersäuerung), die sich u.a. in den Wänden der Blutgefäße ablagern. Das Problem der Güllewirtschaft vergrößert sich durch die von der EU geförderten Ställe zur alleinigen Gülleherstellung. Daher ist oberstes Gebot, die Gülle und Jauche richtig zu behandeln: Brauner (2010) empfiehlt, die Gülle zu belüften und 1:1 mit Wasser zu verdünnen, um Verätzungen der Mikrofauna und Regenwürmer zu vermindern. Beim konsequenten EM-Einsatz ist das nicht nötig: Fressen die Tiere mit EM fermentiertes Futter (Silage) und wird der Stall mit EM gereinigt, sind nur noch geringe Zusatzmengen im Güllekanal nötig, um einen lebendigen, geruchsarmen und für Weiden und Felder nützlichen Dünger zu erzeugen. Das selbe gilt auch für den Kleingärtner: die Pflanzenjauche mit EM, Urgesteinsmehl und Biokohle vermischen sowie des Öfteren vor der Anwendung zu rühren.

Heinrich Brauner empfiehlt auch die „Unkrautkur“. Sie besteht darin, im zeitigen Frühjahr, vor dem Getreideanbau, eine kräftige Güllegabe zu verabreichen. Dies hat ein rasches Auflaufen der Unkrautsamen zur Folge, welche, ehe die kleinen Keimblätter erscheinen, durch einen Eggenstrich vernichtet werden. Dasselbe Vorgehen empfiehlt Prof. Higa mit EM, wo Brauner Gülle vorsieht. Ideal wäre wohl eine mit EM fermentierte Gülle. Bei Wurzelunkräutern (Quecke) hilft nur eine Beschattung durch raschwüchsige Zwischenfrüchte (Klee, Alexandriner Klee, Landsberger Gemenge).

3. Die Behandlung von Kompost und die Vorkompostierung

Auch über eine geordnete Kompostwirtschaft haben wir schon mehrfach geschrieben. Dass Kompost in Mieten aufgesetzt, mit Zusätzen von EM, Urgesteinsmehl, Lehm und Biokohle zubereitet wird, dürfte den meisten LeserInnen inzwischen bekannt sein. Uns scheint jedoch noch erwähnenswert, Brauners Konzept der Vorkompostierung zu erwähnen. Nach dem normalen Aufsetzen der Kompostmiete arbeiten sich zunächst Kleinsttiere wie Würmer, Käfer, Asseln, vor allem Regenwürmer durch den Haufen – bis zur bereits bekannten Zellgare. Anschließend überlassen die Kleinsttiere das Milieu den Mikroben, Bakterien, Algen und Pilzen zur weitern Umwandlung, der Plasmagare. Die besondere Wirkung des Kompostes beruht darauf, dass er aus sofort und unmittelbar aufnehmbaren Nährstoffen besteht. Brauner erkennt aber: „So sehr die vorzügliche Wirkung des Kompostes außer Zweifel steht, so ist er erkauft mit dem Verlust einer großen Menge organischer Substanz.“ Denn weder wir noch unsere Böden haben etwas davon, wenn sich die Fülle des konzentrierten Bodenlebens im Komposthaufen verläuft, statt in der Mutter Erde. Brauner kannte EM natürlich noch nicht, aber diese Empfehlung könnte als Aufforderung zur Bokashi-Herstellung verstanden werden: Organische Abfälle werden mit EM vermischt, unter Luftabschluss fermentiert und dann in den Boden eingebracht, wo die Vererdung stattfindet.

4. Die Bedeutung des Zwischenfruchtbaus

Bei ungeordneten bzw. einseitigen Fruchtfolgen kann ein Zwischenfruchtbau vieles korrigieren. Zwischenfrüchte sind Kulturen zwischen zwei Hauptkulturen mit dem Ziel, die organische Substanz und die N-Bilanz zu sichern. Als beliebte Zwischenfrüchte gelten der Klee(gras)anbau bzw. Leguminosenmischungen. Sie verschaffen der nachfolgenden Hauptfrucht neben der organischen Substanz 50-200 kg Reinstickstoff – genügend, um sie während der Wachstumsperiode mit genügend N zu versorgen. Sollte aus zeitlichen Gründen eine Leguminosenzwischenfrucht nicht mehr eingebracht werden können, muss man auf Nichtleguminosen zurückgreifen. Der Autor empfiehlt Ackersenf, dem man als „N-Fresser“ eine Jauche- bzw. Güllegabe verabreicht. Der Wert dieser Gründüngung liegt in der Biomasse und dem N-Vorrat für die folgende Anbaukultur. Eine Gründüngung, die im Herbst nicht oberflächig eingearbeitet werden kann, lässt man abfrosten, was gleichzeitig eine Art Mulch und Bodenschutz darstellt. Hier lässt sich auch eine entsprechende EM- und Biokohlebehandlung kombinieren.

5. Bodenpflege mit Mulch

Im Prinzip existiert das Prinzip des Mulchens auf allen Böden mit natürlichem Aufwuchs, z.B. in Mischwäldern, nicht überlastetem Weideland etc. Lediglich der Mensch hat während langer Perioden diese bodenaufbauende Maßnahme missachtet. Es ist wieder an der Zeit, diese Technik, kombiniert mit der reduzierten Bodenbearbeitung, im Acker- und Gartenbau anzuwenden. Auch dort, wo im Obst- und Weinbau der Grasaufwuchs nach der Mahd liegen bleibt. Die Effekte einer Mulchdecke zeichnen sich aus durch Aktivierung des Bodenlebens, Reduzierung des Wasserverbrauches, geringeren Unkrautaufwuchs, Schutz des Bodens bei Platzregen und intensiver Sonneneinstrahlung, eine generelle Arbeitserleichterung sowie gesunde und wohlschmeckende Ernteprodukte. Dieses natürliche Gärtnern mit Mulch bindet nicht nur große Mengen CO2 , sondern verbessert Jahr für Jahr die Bodenstruktur bzw. Bodenfruchtbarkeit. In Ergänzung hat sich die Verwendung von EM (1 l/100 m²), vor allem im Herbst, in Verbindung mit Urgesteinsmehl (10 kg/100 m²) sowie neuerdings mit Biokohle (20 kg/100 m²) gut bewährt.

6. Die Bodenbearbeitung

Eine bedrohliche Begleiterscheinung von Erosion und Humusschwund ist heutzutage die abnehmende Bodenfruchtbarkeit. Auch gilt hier die Regel: Der Elefant, der Körper und unsere Mutter-Erde merken sich alles! Bisher hatte unser Boden eine „unsagbare Geduld“. Die zur Tradition gewordenen falschen Anbaumethoden lassen erst nach Jahrzehnten die gemachten Fehler erkennen. Trotzdem ist der Mensch nicht (immer) bereit, die Fehler einzugestehen. Da wir unser Land ja nur kurzfristig bewirtschaften, sind wir verpflichtet dazuzulernen, vor allem aber, lernen zu wollen. Zurzeit sieht es aber eher so aus, dass Hochmut gegenüber der Natur verhindert, Fehler zu korrigieren.

Was muss also getan werden? – In Bezug auf die Bodenbearbeitung heißt es, weg vom Pflug im Acker und Spaten im Garten. Ein seichtes Einarbeiten wertvoller Dünger wie gut vererdetem Kompost, Bokashi, von Gründüngung oder aufbereitetem Mist ist die Devise; denn durch tiefes Einarbeiten organischer Materialien würde es anstatt einer Verrottung im aeroben Bereich zu einem Fäulnisprozess im anaeroben Milieu kommen. Letzteres wäre eine Basis für Schädlinge und Krankheiten. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Gefahren von schweren Maschinen bei nassem Wetter hingewiesen. Durch fehlerhafte Bodenbearbeitung wird das Pflanzenleben geschwächt, es folgt das Auftreten von Schädlingen und Krankheiten. Selbst Justus von Liebig sprach stets davon, dass Pflanzenkrankheiten von „Bodenkrankheiten“ herrühren.

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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