Humus und Bodenleben, Teil 17 (3): Résumé und Ergänzungen (6)

Die Entgiftung unserer Böden (1)

Im EMJournal 35 behandelten wir die Versorgung der Pflanze durch Düngung und Bodenbelebung. Dies reicht aber bei Böden nicht aus, die aufgrund falscher Anbaumethoden übersäuert bzw. mit Schwermetallen und Rückständen aus Pestiziden belastet sind. Hier ist eine Entlastung dringend erforderlich. Einerseits muss natürlich vermieden werden, weiterhin Gifte auf die Felder zu verbringen, anderseits müssen vorhandene Gifte ausgeleitet werden. Schließlich wird jedermann(frau) zur Erkenntnis gelangen, dass in Zukunft nur die Vermehrung von Humus und Bodenleben dieses Problem beheben kann. Leider wird im modernen Gartenbau und in der modernen Landwirtschaft viel zu wenig auf diese Bedeutung hingewiesen.

1. Die Vermeidung von Giften

Oberstes Gebot ist die Vermeidung von Giften. Heinrich Brauner (Die Grundlagen des organisch-biologischen Landbaues, 2010) benennt drei Gifte, welche wir im konventionellen, ja zum Teil auch im biologischen Gartenbau und in der Landwirtschaft dem Boden zuführen. Dies sind: die Fäulnisgifte, die Pflanzengifte sowie die „modernen“ industriellen Gifte.

Die Fäulnisgifte

Lange hat man übersehen, dass selbst bei Stapelmist Fäulnis entsteht; bei der heute vorwiegenden Gülle kann man schon am extremen Gestank erkennen, dass es sich um ein durch und durch fauliges Produkt handelt. Erst mit der EM-Technologie kann der Fäulnisprozess in Mist und Gülle in Fermentation umgewandelt werden, so dass statt Fäulnisgiften probiotische Stoffe eingebracht werden. Brauner – der EM noch nicht kennen konnte – empfiehlt als erste Maßnahme, die „betriebseigenen Giftfabriken“ zu beseitigen. Der Mist soll demzufolge nicht mehr gestapelt, sondern auf Mieten (Walmen) aufgesetzt werden. Wir haben schon früher auf die Mist-, Jauche- und Güllebehandlungen mit EM und Urgesteinsmehlen hingewiesen. Bei Verwendung der unbehandelten Hofdünger Mist und Jauche/Gülle auf Äckern und Wiesen kommt es zur Schädigung aller Vorgänge in der Pflanzenzelle und im Boden zur „Dezimierung und Entmachtung der Mikroflora“ (Brauner). Die Folge sind dickhäutige „Unkräuter“, welche ebenfalls in ihren Körpern voll von Giftstoffen sind. Dazu zählen vor allem der Hahnenfuß, die meisten Doldenblütler und die immer dominanter auftretenden Ampferarten (Rumex).

Die Pflanzengifte in den Unkräutern

Brauner erwähnt treffend Paracelsus, der unter Giften einen Stoff versteht, der in kleinsten Mengen anregend, in kleinen Mengen schädlich und in größeren Mengen tödlich ist! Wir wissen heutzutage, dass auch in Biovereinen Mittel (wir nennen sie absichtlich nicht Pestizide) empfohlen werden, welche nach Jahren wieder „abempfohlen“ werden, nachdem sich herausgestellt hat, dass sie „doch“ giftiger sind, als vor Jahren angenommen. An deren Stelle folgen andere, nur weiß im Vornherein niemand, wie lange. Bedauerlicherweise wird nur selten (auch bei Biovereinen!) über Immunstärkung durch Düngung mit präpariertem Mist oder Kompost, Bokashi, EM, EM-Keramik und Urgesteinsmehl informiert. Wenn Brauner behauptet, dass chemische Gifte die Eigenschaft besitzen, von Bakterien nicht abgebaut werden zu können, so sind uns glücklicherweise mittlerweile durch die EM-Technologie ermutigende Aussagen bekannt, dass nämlich entsprechende Mikroorganismen durchaus in der Lage sind, unter den richtigen Bedingungen chemische Substanzen abzubauen.

2. Beispielhafte Entgiftungen in der Natur

Annie Francé Harrer (Die letzte Chance für eine Zukunft ohne Not, Nachdruck 2008) beschreibt u.a. Bäume der tropischen Sumpfwälder wie Pandanusgewächse, Mangroven und Sumpfzedern (Taxonien), welche nur mit Hilfe eines ganzen Drahtverhaues aufsteigender Atemwurzeln ihren Sauerstoffbedarf decken. Damit garantieren sie eine dauerhafte Belüftung der dort vorkommenden Faulschlammböden. Durch ihren Einfluss geht somit eine Entgiftung schneller vor sich.

Ähnlich – so Harrer – passiert dies in unseren Wäldern, wo ständig der Grundwasserstrom angezapft wird. Somit wird „totes Wasser“ wieder direkt in den Lebenskreis einbezogen. Der fortwährende Entzug von Bodenwasser ist gewaltig, wenn man bedenkt, dass an einem heißen Sommertag einem ha Buchenwald zwischen 25.000 und 36.000 l Wasser entzogen werden. Dieses oft unbelebtere Wasser wird aus tieferen Schichten mit den Baumwurzeln durchfiltriert. Die Erde von Mischwäldern enthält ein Vielfaches an Detritus (kleinste tote Humusteilchen) gegenüber Ackererde. Detritus ist der eigentliche Träger der kolloidalen Eigenschaften von Humus. Verglichen mit den mineralischen Bodenmikrokristallen ist ein humoses Erdpartikelchen bis um das Tausendfache kleiner (Harrer). Da leuchtet uns ein, dass Böden mit solchen Humuspartikelchen ein enormes Wasserspeichervermögen besitzen. Somit haben unsere Mischwälder die eigentlichen fruchtbaren Böden. Auf den übrigen Kulturlandschaften muss der Mensch bestrebt sein, so natürlich wie möglich zu arbeiten.

3. Die Bedeutung der Mikroorganismen für die Entgiftung falsch behandelter Böden

Rudolf Steiners ganzheitlicher Ansatz hat einen wesentlichen Beitrag zur Fruchtbarkeit unserer landwirtschaftlich genutzten Böden gebracht. Bei den durch ihn entwickelten Präparaten geht es unter anderem auch um Mikroorganismen, welche in der Lage sind, eine Ordnung in Gang zu setzen. Seine Philosophie, dass Betriebe, welche die biologisch-dynamischen Präparate anwenden, grüne Inseln darstellen, bewahrheitete sich für einige Anwender nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl 1986. Es konnte nachgewiesen werden, dass Pflanzen auf Böden von biologisch-dynamisch wirtschaftenden Betrieben keine, bzw. stark reduzierte radioaktive Belastung aufwiesen. Dies war möglich durch das von Maria Thun in den 50er und 60er Jahren entwickelte Fladenpräparat, das offenbar helfen kann, zu verhindern, dass Pflanzen radioaktive Stoffe aufnehmen.

Schon in den 90er Jahren hat Prof. Higa in der Ukraine und in Weißrussland mit EM und EM-Keramik ähnliche Ergebnisse erzielt, wie er in seinen Büchern (besonders in „Die wiedergewonnene Zukunft“) berichtet.

Ein Schüler Rudolf Steiners, Ehrenfried Pfeiffer, hat innerhalb der Humusforschung bodenbürtige Bakterien als Kompoststarter verwendet, um die Umsetzung zu fördern sowie Fäulnis zu verhüten. Anne Lorch (2010) erwähnt Ron Johnson, der in den USA, wo Böden durch hemmungslosen Raubbau und Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden bzw. durch Versalzung unbrauchbar wurden, 47 Bakterienstämme zu einem Präparat zusammengefügt hat. Er konnte damit Mineralien, die durch falsche Bodenbehandlung in giftige Salze gebunden waren, wieder unschädlich machen. Ist dies nicht die von Higa genannte De-Ionisation durch EM?

Ähnlich hat Manfred Kriegl in Ruanda und Ost-Zaire Böden mit einer erhöhten Aluminiumtoxizität nur mit organischen Düngern guter Qualität – in diesem Fall Kompost bzw. verkompostierter Mist – ohne Kalkungen wieder zur optimalen Produktion gebracht. Selbst Mulchdecken aus Grasschnitt, welche offenbar die nützlichen Mikroorganismen schützen und fördern, ließen gute Resultate erkennen.

Albert Howard entwickelte in den 20er Jahren des vorigen Jhds. in Indien eine angepasste Kompostierung (Indore Methode), welche ebenfalls degradierte Böden wieder rekuperierte. Darüber hinaus verdienen Hans Peter Rusch, Erhard Henning und Herwig Pommeresche auf dem Gebiet der Bodenfruchtbarkeit erwähnt zu werden.

Mittlerweile sind die Arbeiten von Prof. Teruo Higa so bekannt, dass er nicht noch einmal detailliert erwähnt werden muss. Fest steht, dass Mikroorganismen in Verbindung mit organischen Düngern bei der Entgiftung und optimaler organischer Düngeraufbereitung eine wesentliche Rolle spielen. In einigen asiatischen Ländern wie z.B. auf den Philippinen und in Korea existiert eine traditionelle Verwendung von örtlich vorhandenen Mikroorganismen, sogenannte IMO (integrated micro organisms). Wir vertreten die Ansicht, dass kein Experte in der Lage ist, die Menschen von althergebrachten Methoden abzuhalten, vor allem, wenn die Menschen selbst anfangen, über die aktuelle Problematik nachzudenken. Viktor Schaubergers kleines Buch „Unsere sinnlose Arbeit“ (Original 1933) gibt dazu wertvolle Hinweise. Der Titel meint nicht, man solle den Tag einen guten Tag sein lassen, sondern die Arbeit in Zweifel setzen, um sie schließlich im Einklang mit der Natur, mit Liebe und den göttlichen Gesetzen zu tun!

Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

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