Humus und Bodenleben, Teil 17 (4): Résumé und Ergänzungen (7)

Schwermetallausleitung mit EM

Es ist schon eigenartig, in einer Art zivilisierten Welt zu leben, in der über 90% der Menschen an Herzinfarkt, Schlaganfall oder Krebs sterben, eine Welt, die Böden entstehen ließ, die mit Giften und Schwermetallen belastet und nicht in der Lage sind, normale Ernten bzw. eine für unseren Organismus gesunde Nahrung zu liefern. Die Frage ist nun, ob wir uns wegen unserer traditionellen Vergangenheit schämen müssen oder stolz sein dürfen. Sollte die Ursache dort sein, wo unsere Ur-Ur-Urgroßmütter auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden – nur weil sie damals der vorherrschenden Denkweise voraus waren? Diese Frauen liebten die Natur und verstanden die Gesetze. Wir dürfen heute den so genannten modernen Menschen beobachten und seine „Größen“ und Errungenschaften und deren Ergebnisse beurteilen! Nun versuchen wir, aus der momentanen Situation das Beste zu machen: Lasst uns an die drei Gesichtspunkte der EM-Technologie nach Prof. Higa denken: Es sind die Antioxidation, die De-Ionisation und die Regeneration.

1. Zur Ionisation – De-Ionisation

Ein ionisierter Zustand bedeutet, dass die Stoffe von Mensch, Tier und Pflanze aufgenommen werden können. Verbleibt jedoch dieser Zustand, so entstehen freie Radikale. In der EM-Technologie erfreuen wir uns der De-Ionisation, d.h., die Stoffe sollen nur kurz in ionisiertem Zustand sein, bevor sie absorbiert werden. EM versetzt ionisierte Substanzen in einen de-ionisierten Zustand, um sie kurz vor der Absorbtion wieder in einen ionisierten Zustand zu bringen. Nach Higa spielt die De-Ionisation bei der Schwermetallbelastung bzw. bei der Reduktion von Pestizidrückständen eine wesentliche Rolle. Higa schreibt (Eine Revolution zur Rettung der Erde, 1994/neu 2009), dass bei der Beseitigung von chemischen Rückständen in der Landwirtschaft EM die Fähigkeit hat, synthetische Chemikalien aufzubrechen. Wir können diese Eigenschaft nutzbar machen, um die Umwelt von Chemiekalien aus der Landwirtschaft zu befreien. Er erwähnt das Problem von Golfplätzen, welche die Umgebung durch den massiven Einsatz von Chemikalien belasten. Nach EM-Behandlung fielen die Rückstände dieser Substanzen bereits nach einem Monat auf Null. Higa erklärt, wie EM tatsächlich den Zerfallsprozess beeinflusst, und dass die Wirkung auf den von den Mikroorganismen produzierten antioxidant wirkenden Enzymen beruht. Higa betont, dass Metalle, welche in EM·1 / EMa gelegt werden, nicht rosten, während Metalle im ionisierten Zustand dem Rost anheim fallen, „nicht jedoch unter einem molekularen Zustand“. Metalle in einem ionisierten Zustand besitzen keine vollständige molekulare Struktur. Das ergibt, dass chemische Reaktionen leichter und häufiger stattfinden, wenn sie mit anderen Substanzen, z.B. mit Sauerstoff in Kontakt kommen. Im Fall von Metallen ergibt dies Rost. Da Agrar-Chemikalien stark oxidierend wirken, verändern sie die Metalle im Boden negativ. Die Antioxidantien in EM können sie wieder in ihren molekularen Zustand versetzen, d.h. unschädlich machen.

Daraus folgt, wie „leicht ihr Aufbrechen und Zerfallen bewerkstelligt werden kann“, wenn große Mengen Antioxidantien produziert werden. Dazu empfiehlt Higa, die EM-Konzentration zu erhöhen, je mehr chemische Rückstände im Boden vorhanden sind. Damit könnten innerhalb relativ kurzer Zeit – Higa spricht von weniger als einem Jahr – alle chemischen Rückstände aus verseuchten Böden eliminiert werden.

Auch bei Geruchsbelästigungen aus Kläranlagen und Müllplätzen bzw. in der Landwirtschaft auf Mistaufbereitungsanlagen, vor allem aber bei der Gülle und Jauche kann durch die EM-Behandlungen Gestank vermieden werden. Hinzu kommt, dass die giftigen Fäulnisprozesse außer Kraft gesetzt werden. In seinem Buch „Die wiedergewonnene Zukunft“ (2002/neu 2012) setzt sich Higa ausführlich mit der Dioxin-Problematik auseinander. Normalerweise geht der natürliche Abbau von Dioxin, das eine Halbwertzeit von 10-12 Jahren hat, nur sehr langsam vor sich. Mit der Verwendung von aktiviertem EM (EMa) verkürzt sich der Prozess enorm. Dioxin ist ein Sammelbegriff für 50 verschiedene chlororganische Substanzen, von denen 17 besonders gefährlich sind und bei der Herstellung von Herbiziden entstehen. Es handelt sich dabei um hochgiftige Verbindungen, die auch bei der Müllverbrennung entstehen können. Mit einer entsprechenden Behandlung von EM und EM-Keramik lösen sich die Gifte auf.

2. Die Bedeutung der Biokohle bei der Entgiftung

Obschon im EMJournal ausgiebig über die Verwendung von Biokohle bzw. der Herstellung von Terra Preta berichtet wurde, wollen wir noch einmal im Zusammenhang mit der Entgiftung des Bodens auf die Humusbildung hinweisen. Den Ureinwohnern Amazoniens ist es gelungen, in Gebieten Humus aufzubauen, wo aufgrund des Fehlens von Temperatur-Polarität (Temperaturen stets über 25°C und die dort übliche hohe Feuchtigkeit) kaum Humus gebildet werden kann. Dank der damaligen Bewirtschaftung sind dort fruchtbare Böden entstanden, die bis in die heutige Zeit überdurchschnittliche Erträge abwerfen. Gleichzeitig sind diese Erden gegen äußere Einflüsse gut gepuffert. Würden unsere Gärtner und Bauern organische Dünger mit Holzkohlengrus präparieren, so könnte unser CO2- Ausstoß (Überschuss) nutzbringend in Böden gespeichert werden, in Form von Humus und Holzkohle. In der Regel werden pro Quadratmeter Fläche 1-15 kg Holzkohlengrus, in Kombination mit Bokashi, (präpariertem) Mist bzw. Kompost, eingearbeitet. Dies entspricht 3,6 bis 44 kg gebundenen CO2 pro Quadratmeter! In diesem Zusammenhang weist Anne Lorch auf die Holzkohle als Filtermedium hin, da sie unerwünschte Stoffe bindet (Entgiftung). Gleichzeitig stellt sie eine „Wohnung“ für nützliche Mikroorganismen dar.

Abgedeckte Mieten (Walmen) aus EM-fermentiertem Mist.

3. Die Herstellung der Holzkohle

Die meisten LeserInnen werden die Holzkohle nicht selbst herstellen, sondern kaufen, sei es der Kleingärtner, Großgärtner oder Landwirt. Holzkohle ist aber nicht gleich Holzkohle. Gerald Dunst (Humusaufbau, Chance für Landwirtschaft und Klima, 2011) liefert uns wertvolle Hinweise für diese Schlüsseltechnologie. Die Holzkohle besitzt als wichtigste Eigenschaft die große Oberfläche und die poröse Struktur. In diesen Kohleteilchen finden sich Mikro- und Mesoporen, welche von Bakterien und Pilzen besiedelt werden. Grundsätzlich ist die Biokohle schadstofffrei. Viele Menschen fragen nach dem Unterschied zwischen Asche bzw. Holzkohle. Ersteres entsteht durch Verbrennen mit Sauerstoff, während sich die Biokohle unter Luftabschluss bildet. Bei der traditionellen Kohleherstellung durch Kohlemeiler wird die Luft gedrosselt zugeführt. Somit verbrennt ein Teil des Ausgangsmaterials (Holz), indem der andere Teil verkohlt. Diese Art ist mit Verlusten verbunden. D.h., bei jeder Verkohlung entweichen leicht flüchtige Verbindungen wie Kohlenmonoxid (CO), Methan (CH4) und Wasserstoffe (H2). Die energiereichen Gase werden bei der modernen Verkohlung anderweitig genutzt. Gerald Dunst beschreibt in diesem Kontext zwei weitere Verkohlungsprozesse:

Die Hydrothermale Carbonisierung wurde am Max-Plank-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung entwickelt. Hier wird Kohle in einem sauren, flüssigen Medium bei 200° C und einem Druck von 20 bar innerhalb weniger Stunden hergestellt. Nach Dunst (2011) ist diese Kohle nicht so stabil wie Kohlen, die nach dem Pyrolyseverfahren gefertigt werden. Seiner Meinung nach ist auch die Pflanzenverträglichkeit nicht 100%ig, ja sogar wachstumshemmend bzw. keimverzögernd.

Das Pyreg-Verfahren hat den Vorteil, verschiedene organische Rohstoffe bis zu einem Wassergehalt von 50% zu verkohlen. Dunst bezeichnet dies als das z.Z. ausgereifteste Verfahren. Bei der Herstellung wird dabei nicht nur Energie verbraucht, sondern Energien für andere Zwecke gewonnen, z.B. zum Trocknen anderer Materialien. Die Firma Sonnenerde in Oberwart im Burgenland, betreibt seit 2008 laufend Exaktversuche zu verschiedenen Fragestellungen bezüglich der Terra Preta-Herstellung. Die Versuchsmieten werden jeweils zu je 15 t Ausgangsmaterial aufgesetzt. Der jeweils produzierte Fertigkompost wird danach für verschiedene Praxisversuche zur Verfügung gestellt.

Versuchsreihe A mit Aktivkohle: Hierbei werden 0, 3, 5 und 10 kg Aktivkohle pro Tonne Ausgangsmaterial beigemengt. Die Kompostierung, so Dunst 2010, funktioniert sehr gut. Lediglich bei den anschließenden Parzellenversuchen sind die Regenwürmer verschwunden. Dunst vermutet, dass die große Oberfläche der Aktivkohle den Regenwürmern zu aggressiv war.

Versuchsreihe B: Bei diesem Steigerungsversuch verwendet man traditionell hergestellte Holzkohle, welche grob mit einer Straßenwalze zerkleinert wurde. Die zugesetzten Mengen betrugen 0, 25, 50, 100, 250 bis 500 kg pro Tonne Kompostiermaterial. Dabei wurde auch eine exakte Kohlenstoffbilanz erstellt, in welcher stets nach 0, 14, 30 und 57 Tagen die organische Masse erforscht wurde.

Daraus ist ersichtlich, dass sich die organische Masse erhöhte, je mehr Kohle zugesetzt wurde. So blieb bei 0 Kohlezusatz nur 50% der abbaubaren organischen Substanz erhalten, während bei 500 kg zugesetzter Holzkohle 80% organisches Material erhalten blieb.

Je mehr Biokohle zugesetzt wurde, desto mehr abbaubare organische Masse blieb erhalten.

4. Zukunftsperspektiven für Terra Preta

Auf der IBI-Konferenz (IBI – The International Biochar Initiative = Zweijährige Internationale Zusammenkunft zum Thema Pflanzenkohle und Terra Preta) in Rio de Janeiro 2010 bekamen die Erkenntnisse zum Thema Biokohle und Terra Preta volle Anerkennung. Innerhalb dieses Themenbereichs ging es in der Hauptsache um die Optimierung der Prozessbedingungen der Biokohleherstellung, um die Eigenschaften der Kohle im Boden sowie um die Stabilität. Dabei dachte man auch an die Masse der „kleinen Haushalte“, d.h., es wurden angepasste Pyrolyse-Reaktoren präsentiert, die in bäuerlichen Küchen eingesetzt werden. Diese Innovation soll nicht nur eine Verbesserung für das tägliche Kochen sein, sondern gleichzeitig Biokohle produzieren, bei gleichzeitiger Rauchfreiheit dieser Öfen. Gerhard Dunst gilt die Terra Preta-Technologie als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts zur Rettung unseres Klimas und der Bodenfruchtbarkeit. Die EM-Technologie in Verbindung mit der Terra Preta-Anwendung hat inzwischen Ausmaße erreicht, dass es unmöglich ist, sie wieder aus unserem Gedankengut zu bringen. Bei unseren LeserInnen bedanken wir uns für das Vertrauen, die Mitarbeit und die moralische Unterstützung. In diesem Sinne danken wir allen EntwicklerInnen, MitarbeiterInnen und AnwenderInnen und hoffen auf weitere Initiativen auf diesem Gebiet.

Autoren Dr. Manfred Kriegl und Heidi Rudolph

 

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