Auf den Spuren von EM in Kamerun – Teil 2

Im Februar dieses Jahres führte eine Reise des EM e.V. zum ersten Mal nach Afrika, an die Westküste, fast an den Äquator – in die Republik Kamerun. Möglich wurde sie durch den Kontakt zu der Bremer Kaffeerösterei UTAMTSI, gegründet von dem gebürtigen Kameruner Morin Kamga Fobissie.

Im ersten Teil des Reiseberichts berichteten wir über die Ereignisse während unseres Aufenthalts in dem kleinen Bergdorf Fondjomekwet in der Gemeinde Bandja, wo wir eine Woche lebten und das dörfliche Leben hautnah kennen lernten. Wir erfuhren viel über den örtlichen Kaffeeanbau und dessen Verarbeitung und lernten die Bürgermeisterin der Gemeinde kennen, die von der Idee begeistert ist, dass ihre die erste EM-Gemeinde Kameruns werden könne.

Eine afrikanische Vollversammlung

Nach dem herzlichen Abschied aus „unserem“ Dorf wechselten wir in unsere nächste Unterkunft am Rand der Stadt Bafousam, in der die Genossenschaft Gic Sondason ihre Zentrale hat. Gleich am nächsten Tag besuchten wir ihre jährliche Vollversammlung. Wie fast überall waren diejenigen im Vorteil, die Französisch verstanden, doch auch für uns andere war es ein beeindruckendes Ereignis. Die vollbesetzte Halle wurde mit Musik und einer Gruppe Tänzerinnen auf die Vorträge eingestimmt, in denen es mehrfach auch um die Anwendung von EM ging. Insbesondere Monsieur Christophe, der EM-Fachmann in der Genossenschaft, stellte die verschiedenen EM-Produkte für die Landwirtschaft und ihre Anwendung sowie Vorteile eindrücklich vor. Die Anwesenheit der Delegation aus Deutschland wurde gebührend beklatscht und die Urkunden bei der abschießenden Preisverleihung von je einem von uns feierlich übergeben.

Afrikanische Wirklichkeit: Hinter dem sorgfältig gepflegten Garten lodern die Feuer, die von den Rinderhirten gelegt werden.

An der Universität und Berufsschule

Zusammen mit der Genossenschaft und EM Cameroon hatte die landwirtschaftliche Fakultät der Universität Dschang eine Tagung zum Thema nachhaltige Entwicklung organisiert. EM war in mehreren Vorträgen vertreten. So berichtete David Sama vom EM·1 Produzenten EM Cameroon über die bisherigen Erfahrungen im Land und Pit Mau hielt einen Vortrag über die Vorteile von EM in der Viehhaltung. In der abschließenden Diskussion wurde einerseits das große Interesse an dieser neuen Technologie offensichtlich, andererseits war auch klar, dass Kamerun erst am Anfang dieser Entwicklung steht. Auch wenn die Zeit wieder mal wieder knapp war, konnten wir doch der Einladung zum Tag der offenen Tür einer landwirtschaftlichen Berufsschule in der Provinz folgen. Wie überall wurden wir warmherzig empfangen und wie überall waren die Menschen neugierig und offen für die Möglichkeiten der EM-Technolgie für die Landwirtschaft.

Besuch bei EM Cameroon

Während seines Studiums in der Schweiz hatte David Sama, Inhaber von EM Cameroon, die EM-Technologie kennen gelernt und beschlossen, sie in seiner Heimat einzuführen. Seitdem stellt er in Lizenz EM her und macht es vor allem in der Landwirtschaft bekannt. Von einigen Erfolgen konnten wir uns bei dem Besuch überzeugen. Zunächst zeigte er uns aber die Produktionsstätten. Dort waren wir von der Bokashiproduktion beeindruckt. In einer Grube, ursprünglich für die Arbeit unter Fahrzeugen gedacht, wird das Gemisch der Ausgangsprodukte fermentiert; anschließend wird es in der geräumigen Halle ausgebreitet, häufig gewendet, getrocknet und luftdicht verpackt. Eine kurze Fahrt ins Umland führte uns zu einer auf schwierigem, weil ziemlich steinigem Boden angelegten Kochbananen-Plantage – eins der örtlichen Grundnahrungsmittel. Jedes der Pflanzlöcher war mit Bokashi versorgt worden, dem wenige, gelegentliche EM-Gießungen folgten. Im Vergleich zu den umliegenden konventionellen Anlagen sahen diese Pflanzen ausgesprochen vital und gesund aus. Der Eigentümer hat deshalb bereits die nächste Plantage mit derselben Anbaumethode geplant. Das Erscheinungsbild der nächsten Farm überraschte alle: ein fetter grüner Rasen mit Blumenrabatten umgab das versteckte Anwesen. Wie aus dem Bilderbuch ragten die Dächer zweier traditioneller Wohnhäuser heraus. Romantisches Afrika – wären da nicht die in der Umgebung lodernden Flammen gewesen. Eine Unsitte vor allem der nomadisierenden Kuhhirten, die auf diese Weise für frisches neues Grün sorgen wollen. Wir wiederum sehen in dem vielen verbrannten Pflanzen Ausgangsmaterial für Bokashi.

Ziel dieses Abstechers war die kleine Schweinezucht, die mit guten Ergebnissen auf EM-Futter umgestellt hatte. Gerade die Vitalität, Ausgeglichenheit und Gesundheit der Tiere wurden von dem Betreuer herausgestellt.

Bei den Benediktinerinnen

Gern hätte David Sama uns mehr gezeigt, aber wir hatten ein Versprechen zu erfüllen und mussten uns deshalb am Nachmittag wieder verabschieden. Nach der Konferenz in Dschang hatte uns eine liebenswürdige Benediktinerin angesprochen, ob wir nicht auch bei ihnen im Kloster vorbeischauen könnten. Sie hätten kürzlich mit EM in ihrer Milchviehwirtschaft begonnnen und wären sich nicht sicher, ob sie alles richtig machten. Wie sich herausstellte, hatte sie nicht nur die ganze Konferenz beobachtet, sondern war auch bei der Vollversammlung der Genossenschaft dabei – um so viel wie möglich über EM zu erfahren. Dem schlechten Zustand der Straßen und der vielen Kontrollen geschuldet, kamen wir erst mit der Abenddämmerung dort an. Während der Besichtigung wurde es dunkel, aber die Nonnen besorgten fröhlich Licht, so dass unser Agrar-Experte Reinhard Mau eine detaillierte Einführung in die EM-Methode für die Milchviehhaltung geben konnte, von der nicht nur die Benediktinerinnen lernen konnten. Überglücklich luden sie uns anschließend ein, ihren selbst gemachten Jogurt und Frischkäse zu probieren – eine willkommene, gesunde und leckere Ausnahme im heißen Kamerun. Mit einem großen Stück Butter für unser nächstes Frühstück im Gepäck verließen wir die fröhlichen Nonnen, auch in dem Bewusstsein, ihnen wirklich geholfen zu haben.

Abschied am Traumstrand

So ereignis- und lehrreich die beiden Wochen waren, so anstrengend waren sie auch. Daher sehnten wir uns alle nach den kurzen eineinhalb Tagen Erholung an der Atlantikküste. Ziel war der Sandstrand von Kribi. Für den Abschluss hatten unsere Freunde ein besonderes Fest arrangiert. Zunächst speisten wir herrliche Meeresfrüchte unter großen Bäumen am Strand, danach musizierte und tanzte eine Gruppe von eingeborenen Pygmäen für und mit uns an einem lodernden Feuer am Strand. Der zauberhafte Abschluss einer wunderbaren Reise.

Pit Mau

Kontakt: https://www.utamtsi-kaffee.com/

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