Kohle in die Erde! Bericht über das Humussymposium am Oberrhein

Manch einer mag bedauert haben, dass das Humussymposium um ein Jahr verschoben wurde; vermutlich wäre es damals aber nicht so vielfältig, substantiell, detailliert und selbstbewusst gewesen, wie es sich nun in den vier Tagen präsentierte. Die geballte Information von drei Vortrags-Tagen und einem zwischengeschobenen Tag Projektbegehungen in der Region war fast mehr als aufgenommen werden konnte. Nicht wenige Teilnehmer hatten sich für alle vier Tage angemeldet, aber schon ein einzelner Tag bot unendlich viele neue Informationen.

Der erste Tag in dem schönen Vortragssaal der „World of Living“, dem zentralen Ausstellungsgebäude der dem Nachhaltigkeitsgedanken verbundenen Firma Weberbau, begann mit einer kurzen Einführung von Rolf Zimmermann, EM-Berater für Baden-Württemberg, der das Symposium konzipiert und die Referenten eingeladen hatte.

Dabei zeigte sich, dass man heute das Thema Humus und Erhalt sowie Aufbau unserer Wirtschaftsböden nicht behandeln kann, ohne den Einsatz von Pflanzenkohle in Betracht zu ziehen. Damit war der rote Faden für die gesamte Veranstaltung gespannt: Wie können wir eine heimische Terra Preta schaffen?

Dr. Haiko Pieplow, den meisten Lesern des EMJournals durch seine Beiträge zu Terra Preta schon bekannt, war derjenige, der an jedem Tag das erste Referat übernahm. Kenntnisreich und anschaulich stellte er die Zusammenhänge des globalen wie lokalen Kohlenstoffkreislaufs dar, nicht ohne auf die notwendigen praktischen Veränderungen hinzuweisen, die sich daraus ergeben.

Neben der Thematik der Pflanzenkohle-Herstellung ginge es an diesem ersten Tag um die Anwendung in der Landwirtschaft. Ein besonderer Aspekt war der Einsatz von Pflanzenkohle in der Tierhaltung. Der Veterinär Achim Gerlach aus Schleswig-Holstein, der auch mit der Universität Leipzig (Prof. Monika Krüger) zusammenarbeitet, zeigte wie die Glyphosathaltigen Spritzmittel (Monsantos Round- Up Ready) zu großen gesundheitlichen Problemen in der Rinderhaltung in Norddeutschland führen, und dass das Gift mittlerweile bei vielen Menschen nachgewiesen werden kann, aber auch, dass die Zugabe von Pflanzenkohle im Tierfutter Glyphosat binden kann. Der Weinbauberater Siegfried Hundinger stellte erste Erfahrungen vom Einsatz der Pflanzenkohle in Verbindung mit EM und Bokashi vor und gab damit das Signal für den nächsten Tag, der sich mit diesem Aspekt im Wein- und Obst und Ackerbau beschäftigte.

Pflanzenkohle im Pflanzenbau

Friedrich Wenz beim Vortrag

Einführend legte Haiko Pieplow am 2. Tag die Bedeutung der radikalen Hinwendung zur Nutzung regionaler Stoffkreisläufe dar. In dem anschließenden Vortrag erläuterte Hans-Peter Schmidt, Leiter des Schweizer Ithaka-Instituts und einer der Pioniere der Terra Preta-Praxis in Europa, die Entwicklungen der Pflanzenkohle-Forschung und der eigenen Erfahrungen im Bezug auf den Humusaufbau mit Pflanzenkohle. Der Bio-Landwirt Friedrich Wenz, der das Eco-Dyn System aus der Praxis des pfluglosen Bodenbearbeitung heraus entwickelt hat, schilderte nicht nur seinen Werdegang, sondern zeigte anschaulich, wie erfolgreich Landwirtschaft mit einer Minimal-Bodenbearbeitung sein kann. Auf hohem wissenschaftlichem Niveau legte Dr. Claudia Kammann von der Uni Gießen die Zusammenhänge zwischen Wirtschaftsweise und Klimagasausstoß dar. Auch sie wies eindringlich auf die Unabdingbarkeit des Humusaufbaus – möglichst mit Hilfe von Pflanzenkohle – hin.

Gerald Dunst, vielen bekannt als anerkannter Humus-Fachmann, hielt zunächst einen ausführlichen, detailreichen Vortrag über sein Humus- und Erdenwerk in der Steiermark. Zum Abschluss des Tages stellte er dann das großartige Bürgerprojekt „Ökoregion Kaindorf“ vor. In seinem Abschlussplädoyer lud Rolf Zimmermann dazu ein, eine Initiative in der Region Oberrhein nach dem Kaindorf’schen Vorbild zu gründen.

Pflanzenkohle in der Praxis

Ein voll besetzter Reisebus und einige Privatwagen machten sich am Samstag auf den Weg, um Praktikern bei dem Einsatz von Pflanzenkohle und dem damit verbundenen Humusaufbau über die Schulter zu schauen. Die erste Station war das Kompostwerk auf der linken Rheinseite, im elsässischen Bischwiller, wo Rolf Zimmermann seit einigen Jahren mit dem Betreiber zusammenarbeitet.

Es wurde deutlich, welch gewaltiger Aufwand nötig ist, um aus Grünabfällen fertige Substrate zu erzeugen; eins der Substrate ist tatsächlich mit Pflanzenkohle angereichert. Es blieb aber für alle, die mit EM vertraut sind, die Frage, warum wird organisches Material mit solch großem Aufwand oxidiert, wenn es doch die Möglichkeit der Bokashierung gibt. Organisches
Material wird bis zu 40-mal angefasst bis es ausgebracht werden kann, Bokashi nur zweimal! Erfolgreiche Versuche in dieser Richtung hat Rolf Zimmermann dort schon gemacht, aber es wird noch lange dauern, die in jeder Hinsicht eingefahrenen Bahnen zu durchbrechen.

Am westlichen Rand des Schwarzwaldes erwarteten die Gruppe danach zwei Betriebe, die schon lange mit EM und auch Pflanzenkohle arbeiten. Der Winzer Josef Vierthaler stellte sich allen Fragen und demonstrierte seine Methoden der EM- und Bokashi-Ausbringung in seinem Weinberg. Zum Abschluss besuchten wir den Wein- und Obstanbau Hermann Basler. Dort konnten wir eine Miete mit Abfällen aus der Weinerzeugung besichtigen, die schon zwei
Jahre dort fermentiert – ein hervorragender Dünger nicht nur für den Weinberg. Bei den Blaubeeren konnten wir uns davon überzeugen, wie konsequentes Mulchen mit EM den unmittelbaren Wurzelbereich der Pflanzen schützt und nährt. (Einen Bericht über diesen Betrieb gab es im EMJournal 13/2005)

Der Besuch dauerte viel länger als geplant; nicht nur wegen des herrlichen Blick ins Rheintal, der großen Vielfalt an Kulturen und der unerschöpflichen Auskunftsfreudigkeit Hermann Baslers, sondern besonders auch wegen der außerordentliche Gastfreundschaft der Familie, die die große Gruppe perfekt mit Brezeln, Kaffee, Kuchen, Obst und Getränken bewirtete!

Konferenztag für Hobbygärtner

Der Sonntag war der bestbesuchte Tag. Haiko Pieplow eröffnete die Vorträge mit einer anschaulichen Darstellung der Entstehung von Terra Preta im Amazonasgebiet vor mehr als 1000 Jahren. Daraus entwickelte er praxisnahe Vorschläge für den Hausgarten oder Balkon. Rolf Zimmermann erklärte anschließend, wie im Garten Humus aufgebaut werden kann und welche Fehler vermieden werden sollten. Er stellte die Bedeutung von Grassilage heraus und empfahl die Düngung mit einer EM- Vinasse Kombination (inzwischen als Mikrodünger im Handel erhältlich). Mit dem Zusatz von Pflanzenkohle könne ein langfristig fruchtbarer Boden mit 15% organischer Substanz erzeugt werden.

Marko Heckel schlug den Bogen vom Quadratgärtnern zur Nutzung von Trockentoiletten zur Nährstoffversorgung des eigenen Gartens, das mit Pflanzenkohle und EM leicht zu bewerkstelligen ist.

In dieser kurzen Übersicht der vier Symposiumstage konnte nicht annährend auf alle Referenten eingegangen werden, noch alle wichtigen Aspekte gestreift werden. Einige Aspekte dieses hochinformativen Symposiums werden wir aber im EMJournal weiterverfolgen und versuchen, auf diesem Weg Richtungen aufzuzeigen, die den absolut notwendigen Humusaufbau in Mitteleuropa vorantreiben.

Regenwürmer und Kohle

Dr. Andreas Thomsen, der während des Symposiums mit den Teilnehmern Proben unterm Mikroskop untersuchte, hielt am letzten Tag einen kurzen Vortrag über eine Reihe von Versuchen, die er zu Hause durchgeführt hatte. Einen fanden wir besonders beeindruckend. Die Fragestellung war: „Mögen Regenwürmer überhaupt die Pflanzenkohle?“ Er hat eine Schale mit Erde von einem Maulwurfshügel gefüllt und mehrere Regenwürmer hineingesetzt. Dann dünstete er ein klein geschnittenes Zwiebel-Apfel-Gemisch als Futter. Auf die Erde legte er drei gleich große Reihen, von denen er eine mit Erde vermischte, die andere mit feinem Pflanzenkohlestaub, die dritte ließ er unbehandelt. Interessant war, dass die mit Kohle nicht schimmelte und als erstes von den Würmern gefressen wurde. Er konnte auch zeigen, dass die Kohle-Partikel in den wertvollen Regenwurmkot eingebaut wird.

Pit Mau

Kontakt:
www.amino-comp.de
www.em-bw.de
www.ithaka-institut.org
www.pyreg.de
www.eco-dyn.de
www.oekoregion-kaindorf.at

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.