Terra Preta Workshop in Peking

Wie kommt eine japanische Künstlerin, die in Berlin lebt, dazu, einen Terra Preta-Workshop in einem Museum in der chinesischen Hauptstadt anzubieten? Wer interessiert sich in der Millionenstadt für so etwas? Und welche Erfahrungen wurden dort gemacht?

Die Japanische Künstlerin Ayumi Matsuzaka aus Berlin

Zur Nachahmung empfohlen! Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit heißt eine Ausstellung, die 2010 in Berlin begann und inzwischen an mehreren Orten in der Welt gastiert hat, im Sommer 2013 in Peking. (Die 10. Station ist momentan São Paolo in Brasilien). Für die Kuratorin Adrienne Goehler – die ehemalige Berliner Kultursenatorin – blieb die Ausstellung immer offen für neue Positionen. So lernte sie die Arbeiten der in Berlin lebenden japanischen Künstlerin Ayumi Matsuzaka 2011 kennen und erkannte, dass sie eine Position vertritt, die bisher in der Ausstellung zu kurz kam: Die begreifbare und sinnlich erfahrbare Darstellung des Kreislaufes „gesunder Boden – gesunde Pflanzen – gesunder Mensch“. Sie lud Ayumi ein, an dieser Ausstellung in Peking im Sommer 2012 erstmalig mit ihren Workshops teilzunehmen.

Die Künstlerin

Ayumi hatte 2010 von Terra Preta erfahren und begonnen, neuartige, weil ganz praxisbezogene Projekte mit dieser neuen Methode zu entwickeln. Mitten in Berlin in dem Prinzessinengarten hatte sie z.B. einen Workshop veranstaltet, in dem sie die Verwandlung von Abfällen aus dem Museumsrestaurant des Haus der Kulturen der Welt über die Fermentation mit EM und der Zugabe von Pflanzenkohle zu Humus demonstrierte. Ihre radikalste Arbeit in diesem Zusammenhang ist „All My Cycle“ („Mein eigener Kreislauf“). Unter der Prämisse, möglichst alle Ressourcen zu nutzen, zeigt sie den Kreislauf der Natur auf einer persönlichen Ebene. Am Anfang steht das eigene Essen, das zu den körpereigenen Abfällen führt, diese werden getrennt und in einem Kompostbeet mit Mikroorganismen und Holzkohle fermentiert. Nach einer Reifezeit nahm sie diese Erde, um sie in dem Prinzessinnengarten, mit Erde gemischt, in Stapelkisten zu füllen und Gemüse darin zu ziehen, das sie dann später wieder als Gericht zu sich nahm – das Beispiel eines perfekten Kreislaufs, der auch als Video auf ihrer Homepage existiert.

Die Workshops in Peking

EM e.V. Mitglied Dr. Haiko Pieplow machte uns während der MV in Bonn 2012 auf Ayumi aufmerksam und fragte, ob wir sie unterstützen können. Durch unsere guten Beziehungen zu Prof. Higas EMRO, die auf allen Kontinenten vernetzt ist, können wir tatsächlich helfen, so dass immer gutes EM für die Künstlerin zur Verfügung gestellt wird, ganz gleich wo sie auf der Welt eine ihrer Arbeiten durchführt.

Peking September 2012. Gleich nach ihrer Ankunft besuchte Ayumi das Museum, um ihre Workshops vorzubereiten. Es war aber kein EM da! Sie meldete SOS zu uns. Zum Glück konnten wir mit Hilfe der EMRO in Deutschland schnell helfen, so dass das bestellte EM gerade noch rechtzeitig in Peking ankam. Der Kurs konnte wie geplant beginnen. Der Bedarf an Pflanzen im häuslichen Umfeld ist in Großstädten groß. Was kann man aber machen, wenn man keinen Garten hat? Antworten darauf sollte der Workshop geben und gleichzeitig die Thematik der Ressourcenausnutzung behandeln. Nach einer kurzen Einführung wurden die Stapelkisten präpariert und damit begonnen, Pflanzenabfälle – Obst, Gemüse, Gras – zu zerkleinern, mischen und häufeln. Die mit Wasser und EM gemischte Holzkohle wurde dazu gegeben und alles sorgfältig gemischt. Zuunterst wurde Erde in die Kisten gefüllt, dann das Bokashi + Kohle und durch vergnügliches Feststampfen gut verdichtet; bis zum Rand wurde abschließend Erde aufgefüllt. Krönender Abschluss der Aktion war die Bepflanzung der Kisten. Warum stehen mehrere Kisten übereinander? Zum einen können Wurzeln von einer Kiste in die andere wachsen, da der Boden Öffnungen hat, zum anderen können die Mikroorganismen das Bokashi im Laufe der Zeit in reiche Erde verwandeln, so dass nach einer Saison die untere Kiste guter Erde nach oben gewechselt werden kann. Jeder Teilnehmer erhielt am Schluss einen kleinen blauen Eimer mit Holzkohlegrus, vermischt mit EM, um zu Hause einen eigenen Pflanzversuch zu machen. Dazu gab es eine handgezeichnete Anweisung von Ayumi mit dem Kontakt zur EMRO China.

Diskussion und Austausch

Die Spannung vor dem ersten Tag war groß: Würde überhaupt jemand kommen? Mit welchen Erwartungen und welchem Hintergrund? – Vielleicht nur für uns überraschend kamen vorwiegend junge Leute. Alle konnten sich auf Englisch verständigen, alle waren Städter, keiner kam vom Land. Nur zwei hatten einen kleinen Garten.

In den Gesprächen wurde deutlich, dass alle den Wunsch nach gesunden Bio-Nahrungsmitteln hatten. Eine Künstlerin im Workshop organisiert einmal pro Woche den Einkauf von Bio-Waren, denn offenbar haben viele Menschen wenig Vertrauen in einheimische Produkte. Einige junge Leute berichteten von ihrer Idee, Dächer zu bepflanzen. Sie gehörten zu einer Gruppe, die gerade die „Bejing urban farming union“ gegründet hat. Die EM-Bokashi/Terra Preta Methode kann hier gute Dienste leisten. Ein wichtiges Thema für alle chinesischen Großstädte ist der Umgang mit Abfall, Abwasser und Abluft. Mülltrennung und Umweltschutz sind wenig entwickelt, aber bei den Bewohnern schon viel länger ein Thema als bei den Politikern. Auch dazu konnte Ayumis Workshop Anregungen geben.

Reinigen im Museum mit EM

Mit dem Kurator und der zuständigen Reinigungskraft vereinbarte Ayumi, dass während der Ausstellung die Räume und Toiletten nur mit EM geputzt werden sollten. Dies war Teil des künstlerischen Gesamtprojekts und wurde von den Beteiligten interessiert aufgenommen.

Die Künstlerin im Juni in Husum

Kennen lernen kann man die sympathische Künstlerin bei der Mitgliederversammlung des EM e.V. in Husum. Ayumi wird dort am Nachmittag des 23. Juni ihren Workshop durchführen.

Pit Mau

Fotos: Zhang Zhiluo, Goethe Institut Peking

Kontakt:
Ayumi Matsuzaka, Berlin: www.ayumi-matsuzaka.com
Expeditionen in Ästhetik und Nachhaltigkeit: www.z-n-e.info

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.