Von der Miniermottenabwehr zum Terra Preta Bokashi

Im EMJournal 28 (Mai 2009) haben wir zum ersten Mal über das Projekt zur Hilfe von Kastanien im öffentlichen Raum in der Gemeinde Ihringen am Kaiserstuhl berichtet. Initiator, treibende Kraft und unermüdlicher Werber für EM in der Region ist unser Mitglied Hans Gugel, der nicht nur hunderte von Stunden, sondern auch eine große Summe eigenen Geldes in das Projekt investiert hat. Er schickte uns diese ausführliche Rückschau des ambitionierten Projektes.  

Die Idee

Die Frage, wie ich als aktiver EM-Berater eine große Bevölkerungsschicht für die genialen Möglichkeiten eines effektiven Umweltschutzes mit Hilfe der EM-Technologie sensibilisieren kann, war mein Ausgangspunkt dieses Projekts. Die Erfahrungen mit EM-Produkten in meinem großen Garten boten eine gute Basis. Zudem wussten wir spätestens seit dem Artikel über die Kastanienallee in Österreich im EMJournal 22 (Nov. 2007), dass EM den schönen Bäumen eine große Hilfe ist. Mir war klar: „Wenn (nur) einer etwas weiß, weiß es keiner.“ Also suchte ich ein öffentliches Projekt, das positiv aufgenommen werden würde. Ich entschied mich für die Kastanienallee auf dem jüdischen Friedhof in Ihringen, was sich im nach hinein als goldrichtig erwiesen hat. Die jüdische Ruhestätte, auf dessen Boden in den zurückliegenden 80 Jahren keine Veränderungen mehr vorgenommen wurden, war in den letzten 10 Jahren mehrmals von Rechtsradikalen geschändet worden. Damit kam die knapp 6000 Einwohner zählende Weinbaugemeinde Ihringen ungewollt in negative Schlagzeilen. Jetzt bot sich für mein geplantes Projekt die einmalige Gelegenheit, für die jüdische Gemeinde etwas Gutes und Nützliches zu tun. Dies sollte wiederum die Presse zu einer positiven Berichterstattung anregen.

Der Ihringer Arbeitskreis

Im November 2008 konnte ich dem Bürgermeister, dem Leiter des Bauamtes und dem Leiter vom Bauhof der Gemeinde meine Idee vorstellen. Alle drei waren von der Idee begeistert. Trotz anfänglicher Vorbehalte erhielt ich im April 2009 auch die Zustimmung des Landesrabbiners. Ohne die Öffentlichkeit groß einzubeziehen, begannen wir die erste Gießaktion bei fünf der alten Kastanien, um dann im Herbst die Erfolge präsentieren zu können.  Mit dem Ziel, ehrenamtliche MitarbeiterInnen gewinnen zu können, folgte am 5. April 2009 die Gründung des „Ihringer Arbeitskreises zur Rettung der Kastanienbäume“. Bürgermeister Martin Obert übernahm die Schirmherrschaft und gewährte spontan einen Zuschuss von 1.000 Euro. Weitere wertvolle Unterstützungen erfolgten durch die Gemeinde: eine kostenlose Plattform im Gemeindeblatt, die Bereitstellung eines Raumes für die Herstellung der notwendigen EM-Lösungen, die Übernahme der Energiekosten für Strom und Wasser sowie die Bereitstellung eines 2000 Liter fassenden Tankfahrzeuges zum Ausbringen der Lösungen.

Die gute Öffentlichkeitsarbeit über verschiedene Presseorgane, besonders das Gemeindeblatt, erbrachte eine sehr gute Resonanz. Diese führte zu einer Sensibilisierung der Bevölkerung, die unser klar definiertes Vorgehen bald als einen wichtigen Beitrag für einen aktiven Umweltschutz erkannte. Plötzlich kamen von außen Anregungen für die Ergänzung unserer Projektarbeit. Innerhalb weniger Wochen wuchs die Zahl der von uns betreuten Bäume auf 40 an – alle auf öffentlichen Flächen der Gemeinde Ihringen und dem Ortsteil Wasenweiler, darunter auch eine kranke Linde, fünf junge Bergahornbäume und zwei Nussbäume.

Kastanien im jüdischen Friedhof Ihringen

Von ersten Problemen zum Erfolg

Der zu bewältigende Aufwand an finanziellen Mitteln und an Arbeit steigerte sich entsprechend des Volumens enorm. Die erhofften Spenden von Seiten der Bevölkerung blieben weit hinter unseren Erwartungen zurück und trotz der großzügigen Unterstützung durch den EM e.V., die Firma EMIKO und Rolf Zimmermann, taten sich recht bald Finanzlöcher auf – die ich letztendlich selbst getragen habe. Dass sich der große Aufwand aber gelohnt hat, zeigten die Ergebnisse im ersten Herbst: Allzu deutlich waren die Unterschiede der behandelten zu den unbehandelten Bäumen, was auch von vielen Menschen gewürdigt wurde. Um das Projekt auf eine solidere Basis zu stellen, gründeten wir Rahmen der ersten öffentlichen Präsentation am 26.11.2009 den gemeinnützigen Verein „Ihringer Schutzgemeinschaft zur Rettung bedrohter Kulturen (ISG) e.V.“ In kurzer Zeit hatten wir über 50 Mitglieder. Innerhalb eines Jahres wusste in unserer Region eine breite Bevölkerungsschicht gut über die Effektiven Mikroorganismen (EM) und die gesamte EM-Technologie Bescheid. Eine wichtige Entscheidung des Vorstands war die Reduzierung der zu behandelnden Bäumen von 40 auf 20. Desweiteren konnten wir die Verantwortlichen in der Gemeinde Ihringen dazu bewegen, einen eigenen 1.000-Liter Fermenter zu beschaffen und die Kosten für die notwendigen Materialien zu übernehmen. Bis heute trägt die Kommune die Kosten für die Herstellung, während die Vorstandsmitglieder die saubere Herstellung von EMa und dem präzisen Einhalten der Gießpläne garantieren. Neben der guten, konstruktiven Kooperation zwischen der ISG und der Gemeinde Ihringen kam es zu einigen wertvollen Baumpatenschaften; die Zahl der freiwilligen Mitarbeiter stieg. Damit stand neben der gut laufenden Projektarbeit, die von vornherein auf drei Vegetationsperioden ausgelegt war, einer von vielen Seiten erwünschte Erweiterung der Vereinsarbeit nichts mehr im Wege. Auch Bettelbriefe an Institutionen und Firmen blieben nicht folgenlos: So spendete uns im Jahr 2010 der Ihringer Gewerbeverein 500 Euro.

Erweiterung der Aufgaben

Alles durch den Schredder. Die Mitglieder der ISG unter der Leitung von Hans Gugel schreddern den Grünschnitt der Gemeinde, um daraus Bokashi zu machen.

Unsere gezielte Öffentlichkeitsarbeit erstreckte sich über eine eigene Homepage, einen speziellen Flyer, Rundbriefe an die politischen Parteien und Unternehmen, Informationen an die Presse sowie das Aufstellen von Hinweisschildern an den mit EM behandelten Bäumen. Führungen zu den Bäumen und Rebkulturen, Vorträge zur EM-Technologie und regelmäßige Aktionstage zur Herstellung von Bokashi, bzw. Terra-Preta-Bokashi und EMa ergänzten diese Palette. Mit Erfolg: Viele wollen nun mehr über unsere Arbeit wissen. Die Zahl der EM-Anwender wurde von Jahr zu Jahr größer und unsere monatlichen EM-Anwendertreffen in meinem von EM verwöhnten Garten finden nach wie vor großen Zuspruch. Hier in Ihringen hat sich eine wunderschöne Plattform für EM entwickelt.

Ausblick auf den 2. Teil des Artikels: Regionale Stoffkreisläufe schließen – den lokalen Weinbau beteiligen – in die gesamte Region wirken  

Hans Gugel

Kontakt: www.em-kaiserstuhl.de

Lesetipp: Ein guter Bericht über das Ihringer Projekt findet sich bei: www.futurzwei.org/#89-ihringer-schutzgemeinschaft

2 Kommentare

  1. Guten Tag Herr Gugel
    mit großem Interesse habe ich Ihren Bericht gelesen
    (Bokashi aus Kastanienblättern,2009 )
    Meine Frage…
    ich habe einen Eichenwald und möchte gern die Blätter im Bokashi Verfahren fermentieren..
    Ich kenne das Verfahren im K-Eimer,doch für eine große Menge wünsche mir Ihre Erfahung und Abeitsweise zu erfahren…

    Vielen Dank im voraus und freundlichen Grüssen
    Holger Rehder

    • Guten Tag Herr Rehder,
      wir haben im EMJournal 59 den Beitrag über die großen Mengen Laubbokashi, welche im öffentlichen Stadtgrün in Hengeloh hergestellt werden.
      Ebenso finden Sie unter EM-Anwendungen/Bokashi auf unserer Homepage eine konkrete Laubbokashi-Anleitung.

      Ihr EM e.V. Team

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