Staudenknöteriche breiten sich in Europa zunehmend aus. Anfangs unbemerkt ist inzwischen kaum zu übersehen, wie rasant sich dieser invasive Neophyt vermehrt und dabei die einheimische Flora verdrängt.

Die Alpiq Hydro Aare AG besitzt ein Grundstück in der Gemeinde Obergösgen direkt am Aarekanal in der Schweiz. Ein Teil des Grundstücks wurde früher als Mülldeponie verwendet und später mit Erde zugedeckt. Dabei entstand eine steile Böschung, dort wächst eine riesige Kolonie des Japanknöterichs.
Neophyten sind Pflanzenarten, die durch menschliches Zutun in Lebensräume außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes eingebracht werden. Einige dieser gebietsfremden Arten verhalten sich invasiv: Sie verursachen durch ihre schnelle Ausbreitung ökologische, wirtschaftliche oder gesundheitliche Schäden. Betroffen sind häufig wenig genutzte Flächen wie Industriebrachen und Ausgleichsflächen. Allerdings werden vermehrt auch Parkanlagen, Spielplätze oder Privatgärten von den Problempflanzen bewachsen.
Den japanischen Knöterich oder einfach Japanknöterich (Reynoutria japonica) brachten Bauern vor rund 200 Jahren nach Europa und verwendeten die ungiftige Pflanze als Viehfutter. So breitete sich der Japanknöterich, der in China, Korea und Japan beheimatet ist, rasch über den gesamten Kontinent aus.
Staudenknöteriche besitzen ein ausdauerndes unterirdisches Rhizomgeflecht, aus dem im Frühjahr zwei bis vier Meter hohe Triebe mit hohlen Stängeln wachsen. Die ovalen Blätter sind je nach Art etwa 20 bis 40 cm lang und nach vorn leicht zugespitzt. Relativ spät im Juli bis August erscheinen weiße Blütenstände.
Die starke Ausbreitung der Pflanze zu verhindern, ist schwierig. Regelmäßiges Ausschneiden oder Ausreißen bringen nichts. Bei allen Bekämpfungsmaßnahmen ist zu beachten, dass der Energievorrat der Pflanze vor allem in den unterirdischen Rhizomen steckt. Verbleiben im Boden kleinste Rhizome von eineinhalb Zentimeter oder Stängelstücke, wachsen diese weiter und begründen einen neuen Bestand – man wird das Gewächs kaum wieder los. Eine Vernichtung oberirdischer Pflanzenteile durch mehrmaliges Mähen kann die Pflanzen zwar langfristig schwächen, aber nicht beseitigen. Schnell wachsen sie wieder zu Strauchhöhe heran. Großflächiges Umgraben mit Maschinen und selbst ein Austausch des Bodens zeigen kaum Wirkung. Zudem ist dies teuer und als Methode für Privatgärten wenig geeignet.
Für die Bekämpfung des Japanknöterichs gibt es in der Schweiz in allen Kantonen Verantwortliche sowie eine Europäische Organisation. Diese waren jedoch weder mit Versuchen auf chemischer Basis noch mit Hitzebehandlungen erfolgreich. Eine Lösung auf biologischer Basis mit EM hätte damit einen hohen Stellenwert.

Oben vor und unten nach der Behandlung
Versuch mit Kübelpflanzen
Siegfried Peier, Gärtnermeister und europäischer Experte zur Bekämpfung invasiver Neophyten, kontaktierte mich 2020. Er hoffte, mit EM den Japanknöterich chemiefrei beseitigen zu können.
Ich überlegte: Einerseits verbessert Bokashi den Boden, aber andererseits kann die Säure von EM – gezielt direkt an den Wurzeln ausgebracht – diese verätzen und damit das Wachstum verhindern oder gar eliminieren.
Wir starteten ein Experiment: Mehrere kleine Japanknöteriche setzten wir in zwei große Töpfe. Die erste Behandlung mit EM erfolgte, nachdem die Pflanzen etwa einen Meter hoch gewachsen waren. Sie bekamen Bokashi und wurden gewässert. Diese Behandlung wurde einen Monat später wiederholt. Einige Wochen später zeigten sich nur noch wenige Austriebe.
Ergebnis dieses Versuchs: Das Bokashi hat im Kübel eine Schädigung bis Tilgung des Japanknöterichs bewirkt.
Feldversuch
Der erfolgreiche Topfversuch verlangte nach einem Feldversuch: Siegfried Peier gewann dafür Roland von Arx, Verantwortlicher für Umwelt der Alpiq Hydro Aare AG. Deren Grundstück war seit Jahren stark vom Japanknöterich überwachsen. Obwohl es regelmäßig gemäht wurde, konnte die Ausbreitung nicht unterbunden werden. Unter dem Blätterdach der mehr als zwei Meter hohen Japanknöteriche verkümmerte die ursprüngliche einheimische Vegetation. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben zwar im Winter ab, aber unterirdische Rhizome überdauern und sprießen im Frühling wieder aus. Sie können bis zu sieben Meter lange und drei Meter tiefe Ausläufer bilden.
Die Gemeinde Obergösgen erteilte die Genehmigung für einen Versuch mit EM und so legten wir neun Versuchsfelder à 4 m2 an, auf denen von Juli bis Dezember 2020 unterschiedliche Dosierungen ausprobiert wurden. Wir nutzten dafür Bokashi und EM-Verdünnung. Auf drei Feldern arbeiteten wir zusätzlich mit Salz, das herbizid wirken kann. Sechs Felder wurden darüber hinaus vor jeder Behandlung beschnitten. Viele Stunden flossen in die freiwillige Arbeit vor Ort. Im September zeigte sich bereits eine deutliche Wirkung und im Oktober hatten die Japanknöteriche auf sämtlichen Versuchsflächen lediglich eine geringe Wachstumshöhe von etwa 20 cm erreicht und keine Blütenbildung. Allerdings war das Ergebnis trotz der Wirkung weder für Siegfried noch für mich bisher ausreichend befriedigend. Daher beschlossen wir, unser Projekt 2021 fortzuführen.
Beginnend im April verkleinerten wir die Versuchsfläche auf nur drei Felder und behandelten diese erneut mit unterschiedlichen Dosierungen in Abständen von drei bis vier Wochen. Im Mai besichtigte ein Journalistenteam das Gelände, da war der Unterschied zwischen den behandelten Flächen und der Umgebung deutlich sichtbar. Die Knöteriche in der Umgebung waren deutlich größer und dichter als auf den EM-Flächen und im EM-Gebiet gab es sogar Bereiche, in denen wieder ursprüngliche Gräser wuchsen. Der veröffentlichte Artikel über die Ergebnisse führte zu zahlreichen positiven Reaktionen.
Wir zogen ein erstes Fazit: Das fermentierte organische Material (Bokashi) dient gewöhnlich der Aktivierung des Bodenlebens. Im Experiment jedoch wurde die Säure des Bokashis und der EM genutzt, um eine Schädigung der Wurzeln des Japanknöterichs zu bewirken und das Wachstum der Pflanzen zu stoppen. Nach vielen Einsatzstunden zeigte sich eine Wirkung, jedoch war die Arbeit sehr zeitaufwendig. Siegfried Peier schloss daraus, dass dieses Verfahren für großflächige Grundstücke weniger geeignet sei. Es käme finanziell einem kompletten Umgraben oder Bodenaustausch gleich. In privaten Gärten und auf kleinen Flächen dagegen empfiehlt er die oben beschriebene und nun erprobte Methode durchaus weiter.

Da der Unterschied zwischen den Flächen deutlich sichtbar war, wurde die Behandlung mit EM vom eingezäunten Bereich auf das gesamte Grundstück ausgeweitet.

Im Versuchsfeld ist Gras gewachsen während auf dem restlichen Grundstück der Knöterich wächst.
Blattbehandlung
Mein Ziel war die Eliminierung des gesamten Japanknöterichs und nicht nur ein reduziertes Wachstum durch die Schädigung der Wurzeln. Daher führte ich das Projekt von Juli bis Dezember fort. Da der Boden durch die früheren EM-Behandlungen bereits locker und krümelig war, entschied ich mich nun lediglich die Blätter des Japanknöterichs mit EM zu besprühen. Das hat den Vorteil, dass die Information von EM bis zu den Wurzeln vordringen kann. Ich besprühte das Blattwerk mit zwei verschiedenen EM-Versionen: einem Fertigprodukt, das mit Japanknöterich fermentiert wurde, und selbst hergestelltes Spezial-EMa. Auch integrierte ich ein homöopathisches Mittel in den Versuch und behandelte die drei Felder erneut unterschiedlich. Zwei Wochen später konnte ich die Pflanzen auf allen Böden mühelos von Hand ausreißen. Allerdings wuchsen überall kleine Knöterich-Pflanzen nach, lediglich im Bereich mit Spezial-EMa waren sie um die Hälfte kleiner.
Abdampfen wirkungslos
Anfang September startete Philipp Meier von der „Natur & Technik AG“ auf der Fläche den Versuch, den Japanknöterich durch Abdampfen zu eliminieren. Anschließend sah die behandelte Fläche so braun aus, als wäre sie mit einem Pestizid behandelt worden. Keine drei Wochen später wuchsen die Knöteriche allerdings wieder kraftvoll.

Informative Broschüre über gesunde Böden
Kennen Sie schon unsere Broschüre zum Thema Bodenverbesserung? Darin erfahren Sie alles Wesentliche darüber, wie Sie die Bedürfnisse Ihres Bodens richtig identifizieren und ihn – auch mithilfe von EM – gesund und ertragreich pflegen.
Weitere Planung
Während einer Sitzung mit den Beteiligten wurde über das weitere Vorgehen entschieden: Das Abdampfen war unwirksam und schädlich für das Bodenleben und so empfahl ich aufgrund der Erkenntnisse, den Boden mit EM zu verbessern. Die Alpiq erteilte mir darauf den Auftrag, das gesamte Grundstück bis zum Aarekanal in den Versuch miteinzubeziehen, da ein großer Unterschied zwischen den behandelten und unbehandelten Flächen ersichtlich war. Philipp Meier, selbst auch Landwirt, erklärte sich bereit, nun die erforderlichen Arbeiten zu übernehmen.
Im Herbst 2021 hat Philipp Meier das gesamte Gebiet gemäht und mit 1.000 l EM besprüht, das durch die EM Schweiz AG mit Knöterich fermentiert wurde. Sämtliches Material blieb über den Winter liegen. Auf Vorschlag der EM Research Organization (EMRO) haben wir unsere Maßnahmen um die Aussaat von Luzerne ergänzt, damit eine stickstoffbildende Pflanze parallel die Wiederansiedlung der lokalen Fauna unterstützt.
Auf meinen drei Versuchsfeldern habe ich Anfang September 2022 letztmalig die Blätter mit meinem EMa besprüht und zwei Wochen später die Pflanzen ausgerissen, was ich leicht von Hand machen konnte. Seit Ende Oktober sind keine Knöterich-Pflanzen mehr sichtbar, das Versuchsfeld ist mit Gras bewachsen. Mitte Februar 2023 war das Feld grün und der gesamte Mulch verschwunden, Anfang März war noch kein Knöterich zu sehen. Die Planung für das weitere Vorgehen werde ich nun mit Herrn von Arx besprechen.
Autorin:
Gabriella Höfler,
EM-Verein Schweiz