Vitale Pflanzen und ein reicher Ertrag – aber bitte ohne künstlichen Dünger, sondern ausschließlich organisch versorgt. Mit Bokashi aus Trester und aktivierter Pflanzenkohle ist das möglich. Zu Gast im Weingut Bremer im Zellertal konnten wir erfahren, wie das Ausbringen der EM-Pflanzenkohle auf dem Weinberg funktioniert.

Der Weinberg des Weingut Bremer im Zellertal liegt auf dem Donnersberg (687 m). Die Winzer Rebecca Bremer und Michael Acker bewirtschaften den Weinberg und betreiben auf ihrem Hofgut ein Restaurant, eine Weinbar und Eventgastronomie.
Die Kohlekumpels aus Bayern tragen wesentlich dazu bei, dass das Weingut Bremer seinen Wein fortan als „klimapositiv“ bezeichnen darf. Sie beliefern ihre Kunden mit unterschiedlichen Pflanzenkohlesubstraten.
Dieses Substrat dient dem Humusaufbau und trägt dazu bei, dass sich nach dem Ausbringen weniger CO2 im Ökosystem befindet als zuvor. Daher können sich entsprechende Pflanzenerträge und Lebensmittel im Anschluss an die Produktion über das „klimapositiv“-Label der Kohlekumpels
freuen.
Wie das genau funktioniert und wie der CO2-Gehalt im Boden gemessen wird, hat uns Daniel von den Kohlekumpels im Interview erzählt.
EMJournal: Wie kam es zu der Idee, die Kohlekumpels zu gründen?
Daniel, Kohlekumpels: Ich wollte einfach etwas gegen die Klimakrise unternehmen. Die Technologie der Pflanzenkohle, und damit auch einer Terra Preta, kannte ich vorher nicht – so wie sie auch heute noch Vielen unbekannt ist. Diese Technologie hat den Vorteil, sofort verfügbar zu sein. Durch das Einbringen eines Pflanzenkohlesubstrats kann CO2 im Boden gebunden werden. Da die Zeit drängt und wir jetzt etwas unternehmen müssen, war es spannend, uns damit näher zu beschäftigen. Mithilfe der Lebensmittelproduktion konnten wir daraus eine Idee, eine Vision und ein Geschäftsmodell machen. Und so habe ich mit Freunden und Bekannten die Kohlekumpels gegründet.
Dank euch ist der Weinberg des Weingut Bremer nun „klimapositiv“ – wieso?
Der hier angebaute Wein bekommt das klimapositiv-Label der Kohlekumpels. Es garantiert, dass zwanzig Prozent mehr CO2 im Boden gebunden wird als die komplette Produktion und der Transport des Weins verursachen. Dafür rechnen wir zunächst aus, wie viel CO2 die Weinproduktion emittiert und schlagen pauschal weitere zwanzig Prozent drauf. Diese CO2-Menge wird dann durch Pflanzenkohle oder durch Humusaufbau in dem Boden, auf dem der Wein angebaut wird, gebunden. Das Charmante dabei ist, dass die CO2-Speicherung beziehungsweise die CO2-Senke genau dort passiert, wo auch das Produkt entsteht – eben nicht durch irgendeine Aufforstung am anderen Ende der Welt, sondern direkt mit dem Wein zusammen im Boden.

Daniel von den Kohlekumpels
Ihr gebt eine Garantie – wie wird das bestätigt?
Die eingesetzte Pflanzenkohle ist zertifiziert und mit einem EBC-C-Senken-Zertifikat* ausgezeichnet. Es wird lückenlos nachgewiesen, wie diese Kohle entsteht: aus welchen Prozessen sie entsteht, welche Ausgangsstoffe eingesetzt werden und welchen Senkenwert jede Tonne Pflanzenkohle hat. Das Einbringen in den Boden durch den Landwirt wird von einer unabhängigen Stelle dokumentiert und bestätigt und ist öffentlich einsehbar. Doppelzählungen werden so verhindert und für eine starke Glaubwürdigkeit dieser Kohlenstoffsenke gesorgt, die auf mindestens 100 Jahre garantiert wird.
*EBC (European Biochar Certificate)-C-Sink: Das weltweit erste Zertifikat für Kohlenstoff-Senken auf Basis von Pflanzenkohle wurde 2020 vom Schweizer Ithaka Institut initiiert. Das Ithaka Institut ist ein internationales Netzwerk für Kohlenstoff-Strategien und Klimafarming.
Wie wird aus eurer Pflanzenkohle dann Terra Preta?
Pflanzenkohle ist erstmal nur eine Hülle, die „aktiviert“ werden muss. Dafür muss sie mit Nährstoffen kombiniert werden und auch mit Mikroorganismen, die sich in der Pflanzenkohle besonders wohlfühlen. Durch die große, innere Oberfläche der Kohle ist sie wie ein schönes Wohnzimmer für Mikroorganismen. Damit haben alle, die Pflanzenkohle einsetzen, auch mit Mikroben zu tun, die üblicherweise mit einem organischen Trägerstoff wie Mist, Bokashi, Trester, Most oder Gülle und Pflanzenkohle fermentiert werden. Man packt also alles zusammen, so dass die Zutaten Pflanzenkohle, Mikroorganismen/EM und Wirtschaftsdünger mit Stickstoff gemeinsam eine Terra Preta ergeben können. Manche mischen noch Gesteinsmehl hinzu, sodass – je nachdem für welchen Einsatz und welche Bodenart es gebraucht wird – ein geeignetes Substrat entsteht.

Das Pflanzenkohle-Substrat wird ausgebracht und im Anschluss in den Boden eingearbeitet.

Die aktivierte Pflanzenkohle wurde zwischen den Weinstöcken verteilt und eingearbeitet. Dort wurde bereits Bokashi eingesetzt, das aus organischen Abfällen der Traubenlese hergestellt wurde. Dafür wurden die Beerenhäute mit 10 Prozent Pflanzenkohle und EM fermentiert.
Podcast-Folge über Pflanzenkohle & EM
Kennen Sie schon unseren Podcast “Die EM-Perspekte”? In einer spannenden Folge spricht Tobias Epp von EM Süd über die Vorteile von Pflanzenkohle, wie sie zum Humusaufbau verwendet werden kann und warum die Kombination mit EM besonders viel Sinn macht.
Die Mitglieder des EM e.V. haben in unserem digitalen Mitgliederbereich Zugang zu all unseren Podcastfolgen. Einzelne Episoden wie diese veröffentlichen wir auch öffentlich zugänglich auf Spotify.
Worauf sollte der Hobbygärtner bei der Verwendung von Pflanzenkohle im eigenen Garten achten?
Dem Heimanwender bietet der Einsatz von Pflanzenkohle verschiedene Vorteile: Er kann einerseits seinen Boden generell verbessern, mehr Bodendurchlüftung gewährleisten und die Wasserspeicherfähigkeit erhöhen. Dafür nutzt man einfach ein aktiviertes Pflanzenkohlesubstrat wie Terra Preta, das legt die Basis. Es gibt auch Dünger, der Pflanzenkohle enthält. Dort sind Nährstoffe wie Stickstoff, Phosphor und Kalium enthalten. Die Dosierung des Pflanzenkohledüngers richtet sich nach folgenden Fragen: Habe ich Starkzehrer, Schwachzehrer oder Mittelzehrer? Was baue ich an? Welche Erde habe ich? Es gibt vielfältige Pflanzenkohlepräparate in den unterschiedlichsten Mischverhältnissen, um das Mittel der Wahl genau auf seine eigenen Bedürfnisse abstimmen zu können.
Daniel, vielen Dank für das Gespräch und wir freuen uns auf weitere klimapositive Angebote aus eurer Ideenschmiede.
Die aktivierte Pflanzenkohle wurde im August 2022 in den Boden des nun „klimapositiven Weinbergs“ eingearbeitet. Da dort bereits seit Jahren EM und Bokashi eingearbeitet werden, verfügt der Boden über reichlich organisches Material und zahlreiche Mikroorganismen für einen sinnvollen Einsatz der Pflanzenkohle. Wir sind gespannt, wie sich die weitere Entwicklung gestalten wird. Wird man es den Weinstöcken ansehen? Werden die Erträge steigen? Wird die Trockenheit dem Weinberg weniger zusetzen?
Autorin:
Maja Hartmann, EM e.V.
