Wirtschaftsdünger mit EM beleben und so den Kreislauf schließen

Nur wenn die Nährstoffe in den Boden zurückgeführt werden, die ihm durch die Ernte der Pflanzen entzogen wurden, lässt sich seine Fruchtbarkeit und das landwirtschaftliche Ertragspotenzial langfristig sichern. Neben ausreichend Wasser benötigen Pflanzen Nährstoffe und Spurenelemente für ihr Wachstum, die sie über ihr Wurzelgeflecht aus dem Boden aufnehmen.

Nährstoffkreislauf

Der Nährstoffkreislauf ist das Kernelement eines landwirtschaftlichen Betriebs. Nur auf einem gesunden Boden können gesunde Pflanzen wachsen und gesunde Lebens- und Futtermittel produziert werden.

Kann Wirtschaftsdünger das Bodenleben schädigen?

Wie kann die Nährstoffzufuhr für Nutzpflanzen so gestaltet werden, dass ein Mehrwert für den Boden – der Basis jeder gesunden Pflanze – entsteht? Durch den Einsatz organischer Dünger kann der Nährstoffkreislauf geschlossen werden. Zu den organischen Düngern gehören tierische Ausscheidungen wie Gülle, Stallmist oder Jauche (Wirtschaftsdünger). Beim Düngen kommt es auf das richtige Maß an: Eine an den Pflanzenbedarf angepasste Dosierung ist entscheidend. Nur so können negative Auswirkungen auf Böden, Gewässer, Klima und Biodiversität vermieden werden.

Unter den Wirtschaftsdüngern sorgt die Gülle für Diskussion. Sie ist ein Abfallprodukt aus der Tierhaltung und zugleich wertvoller hofeigener Dünger – in Maßen. Und die Qualität muss stimmen: Ein stinkender, beißender Geruch ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass hier mikrobiell etwas schiefgelaufen ist. Der abbauende Teil der Mikrobiologie bestimmt das Milieu und lässt Fäulnisprozesse entstehen. Die Mikroben haben mit einem degenerativen Abbau der Nährstoffe in der Gülle begonnen. Wird diese auf das Feld gefahren, setzen sie diesen Prozess dort fort. Das ist nicht nur unangenehm für menschliche Nasen, sondern auch für die Umwelt und insbesondere für die Bodenbiologie.

Wirtschaftsdünger mit EM beleben

Sind die organischen Verbindungen in der Gülle oder dem Mist verstoffwechselt, geht es an die bodeneigenen Verbindungen. Aus diesem Grund können unbehandelte Wirtschaftsdünger gar zu einem Humusabbau führen. Degenerative und Fäulnis verursachende Mikroorganismen vermehren sich überproportional und Bodenlebewesen wie Regenwürmer ziehen sich zurück. Der Boden als Nährstofflieferant der Pflanze kann in seiner Funktion empfindlich gestört werden.

Das „Beleben“ der auf einem Betrieb anfallenden Wirtschaftsdünger mit EM hat weitreichende Vorteile für die Steigerung der Düngewirkung und die Förderung des Bodenlebens. Die organischen Verbindungen in Gülle und Mist werden mithilfe der EM in kleinere pflanzenverfügbare Bestandteile verstoffwechselt. Stickstoffhaltige Verbindungen werden durch die Mikroben in Form von Bakterieneiweiß und wasserlöslichen Stickstoff-Formen gebunden. Das erhöht die Düngewirkung und gleichzeitig verhindert eine frühzeitige Verstoffwechslung, dass die stickstoffhaltigen Verbindungen in Form von Ammoniak ausgasen. Das wirkt positiv auf das (Stall-)Klima und das Wohlbefinden der Tiere und der dort tätigen Menschen.

Acker

Das Betriebsbokashi wurde ausgebracht. Es ist beim Ausbringen in kleine krümelige Strukturen zerfallen, die innerhalb kurzer Zeit vom Bodenleben verstoffwechselt wurden.

Streuwerk

Der Mist wird über ein Streuwerk abgeladen
und dabei mit EM besprüht und acht Wochen luftdicht unter einer Plane fermentiert.

Zusätzlich hinterlassen die leistungsstarken Mikroben ihre eigenen Stoffwechselprodukte in der Gülle oder in dem Mist. So wird der Wirtschaftsdünger mit wichtigen Spurenelementen, Aminosäuren, Enzymen, Vitaminen und Antioxidantien angereichert. Das ist durchaus eigennützig, denn die Mikroben profitieren von dem Wirtschaftsdünger als Trägerstoff. Er bietet ihnen Schutz vor UV-Strahlung, ausreichend Nahrung und Feuchtigkeit für eine schnelle Vermehrung.

Im Stall sind die Vorteile offensichtlich: Durch die regenerative Verstoffwechslung der organischen Verbindungen wird den Fliegenlarven die Nahrungsgrundlage entzogen. Somit ist der Entwicklungszyklus der Fliege unterbrochen – eine Wohltat für Mensch und Tier.

Ebenfalls entscheidend ist der finanzielle Aspekt: Eine effizientere Ausnutzung der Wirtschaftsdünger für die Pflanzenernährung sowie die positive Wirkung auf die Bodenmikrobiologie lassen den Landwirt auch wirtschaftlich profitieren.

Broschüre Bodenverbesserung

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EM-behandelte Wirtschaftsdünger an die Pflanzen

Eine EM-behandelte Gülle kann direkt in den lebenden (grünen) Pflanzenbestand gefahren werden. Die unverdünnt und bei trockenem Wetter ausgebrachte fermentierte Gülle verursacht keinerlei Verbrennungsschäden an den Pflanzenteilen.

Gleichzeitig werden Verdichtungserscheinungen im Boden reduziert, da der durchwurzelte Boden deutlich widerstandsfähiger ist als ein unbewachsener Boden.

Mit EM behandelte Wirtschaftsdünger werden schneller vom Boden verstoffwechselt als herkömmliche unbehandelte Wirtschaftsdünger. Daher können Gülle oder Festmist zwischen den Schnitten auf dem Grünland ausgebracht werden.

Gülle

Nach der Erstbehandlung mit EM blubbert diese Gülle, die Mikroben sind hochaktiv.

Gras

Das Ergebnis ist zum Beispiel ein besonders kraftvoll wachsendes Grünland.

Landmaschine

Heutzutage wird Gülle nicht mehr in hohem Bogen auf den Feldern verteilt, sondern bodennah ausgebracht.

Belebung in der Praxis

Die einfachste Art der Belebung ist, EM bereits im Stall auszubringen. Entweder wird es mit einem Sprühgerät im Stall vernebelt, manuell auf die Einstreu und alle Bauteile des Stalls gesprüht oder direkt in den Güllekanal eingegossen. Auch eine Behandlung im Güllebehälter oder auf der Mistplatte ist eine häufig genutzte Option, insbesondere wenn die Effekte durch die Zugabe eines Urgesteinsmehls und/oder aktivierter Pflanzenkohle noch verbessert werden sollen.

Für Betriebe, die keine eigene Tierhaltung haben oder die Mistmengen nicht ausreichen, eignet sich „Betriebsbokashi“. Hier wird eine Mischung aus Wirtschaftsdüngern (wenn vorhanden), organischen Betriebsabfällen, Laub und Grasschnitt und EM unter Luftausschluss fermentiert. Dieser Prozess benötigt je nach Außentemperatur etwa 8 bis 10 Wochen. Denn der Schlüssel für eine umweltverträgliche Landwirtschaft liegt in einem gesunden Boden mit einer großen mikrobiellen Biodiversität.

Milieu-Verbesserung

  • reduzierter Geruch in Gülle, Festmist und Stall
  • weniger bis keine Sink- und Schwimmschichten in der Gülle
  • homogenere, fließfähigere Gülle
  • weniger Anhaftung an Stallboden und Wänden für eine leichtere Reinigung
  • weniger Ausgasung von Schadgasen
  • Unterdrückung von pathogenen Keimen wie Clostridium botulinum

Mehr Bodengesundheit

  • krümeligere Bodenstruktur
  • bessere Durchwurzelung
  • weniger Stickstoffverluste
  • höherer Humusanteil
  • Stärkung des Bodenlebens (Regenwürmer, Mikroben, Pilze, etc.)
  • Reduzierung von Beikräutern
  • aktiver Grundwasserschutz, da weniger Auswaschung (z.B. Nitrat)

Autorin:
Anne Nettersheim
Bereichsleitung Agrar, EMIKO