Ackerboden aktivieren – mit regenerativen Maßnahmen und EM

Ackerflächen, Wiesen und Waldböden sind dynamische Systeme, die sich wie ein lebender Organismus verhalten. In nur einem Gramm gutem Ackerboden lassen sich Millionen Bodenorganismen wie Bakterien, Schimmelpilze, Strahlenpilze, Hefen, Amöben oder sogar Algen nachweisen.

Bodengare

Was ist Bodengare?
„Als Bodengare bezeichnet man den für die landwirtschaftliche Nutzung idealen Zustand des Bodens. Wenn die physikalischen, biologischen und chemischen Eigenschaften und die Struktur des Bodens optimale Bedingungen für den Anbau von Pflanzen bieten, dann sagt man, dass der Boden gar ist.

Ein garer Boden ist hinreichend locker, federnd, humusreich, weist eine gute Krümelung auf und hat eine stabile, belastbare Struktur. Er ist gut durchlüftet und kann von Pflanzenwurzeln leicht durchdrungen werden. Die Bodenorganismen finden in ihm sehr gute Bedingungen für ihre Aktivitäten. Gare Böden haben normalerweise eine dunkle Farbe und einen aromatischen Geruch.“
– Universität Hamburg, 03/2023

Die lebende Substanz im Boden ist äußerst wandelbar, schwankt im Jahresverlauf und sogar während eines Tages. Sie passt sich aktiv den vorherrschenden Umweltreizen und Nahrungsangeboten an. Ein fruchtbarer Boden enthält weder eine vorgegebene Anzahl noch ganz bestimmte Arten an Mikroorganismen. Entscheidend ist die Bereitstellung biologisch hochwertiger Verbindungen, die in lebendverbauten Ton-Humus-Komplexen in den Boden überführt werden. Sie stellen die Lebensgrundlage eines aktiven und gesunden Bodens dar.

Für die Einstellung und Leistungssteigerung eines strapazierten landwirtschaftlich genutzten Bodens spielen Effektive Mikroorganismen eine entscheidende Rolle. Ihre Fähigkeiten, Fäulnis zu verdrängen und regenerative Prozesse in der Bodenbiologie zu unterstützen, machen einen schnellen und wirtschaftlichen Bodenaufbau möglich.

Die landläufige Bodenbewirtschaftung ist häufig wenig an die natürliche Funktionsweise
eines Bodens angepasst: mechanische Belastung durch wendende Bearbeitung, physikalische Belastung durch Befahren mit schweren Maschinen, chemische Belastung durch wasserlösliche Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel sowie eine biologische Belastung durch unbewachsene Flächen, Überdüngung und eine geringe Diversität.

Die Folgen dieser Bearbeitung sind weitreichend: verringerte Bodenaktivität, fehlende Wasserspeicherkapazität, Gareschwund, Humusabbau, verstärktes Auftreten von Boden- und Pflanzenkrankheiten, steigende Bewirtschaftungskosten und sinkende Erträge. So wird keine optimale Leistungsfähigkeit des Bodens erreicht.

Eine Bewirtschaftung mit regenerativen Methoden hingegen zielt auf einen artenreichen, gesunden und ganzjährig lockeren Bodenzustand (Bodengare) ab. Auf diesem Boden lassen sich gesunde und ertragsstarke Nutzpflanzen anbauen – ohne eine übermäßige und kostenzehrende mechanische und chemische Ertragssicherung durchführen zu müssen.

Was führt zu einem ganzjährig garen Boden?

Eine ganzjährige Begrünung des Bodens ist das Kernstück. Denn nur ein Boden, der in Interaktion mit Pflanzen steht, kann leben. Die Pflanzen kommunizieren über Wurzelausscheidungen mit den Bodenlebewesen und diese reagieren darauf mit ihren Stoffwechselprodukten. Beispielsweise stirbt in einem Ackerboden etwa 14 Tage nach der Abreife des Weizens bis zu 80 Prozent der Bodenmikrobiologie ab. Ist indes in der Kultur eine Untersaat etabliert, die nach der Abreife und Ernte der Hauptkultur weiterwächst, bleibt das Bodenmikrobiom in voller Stärke erhalten und aktiv. Empfohlen werden Untersaaten oder Zwischenfruchtmischungen mit mindestens 12 Komponenten. Je mehr Artenvielfalt sich auf dem Boden befindet, desto mannigfaltiger ist auch die Bandbreite der Lebewesen im Boden.

Der Boden dient der Pflanze als Verdauungsorgan. Vor der Einsaat der geplanten Hauptkultur werden Zwischenfrüchte und Untersaaten mittels einer mikrobiell gelenkten Flächenrotte eingearbeitet und den Bodenlebewesen als Nahrung zur Verfügung gestellt. Es empfiehlt sich, die Bodenlebewesen ebenso sorgfältig zu versorgen wie das Vieh im Stall. Sie stellen den Pflanzen die benötigten Nährstoffe in einer für sie verwertbaren Form zur Verfügung. Ist das Bodenleben nicht ausreichend aktiv, kann eine Pflanze inmitten von Nährstoffen dennoch verhungern, weil diese nicht pflanzengerecht aufgeschlossen werden.

Neben einem ganzjährigen Bewuchs der Flächen sind weitere Schritte empfehlenswert:

Spatenprobe

Bodenzustand mit Spaten und Bodensonde analysieren.
Die Spatenprobe zeigt einen gesunden und garen Boden durch eine gute Durchwurzelung und eine feinkrümlige Struktur.

Bodenverdichtungen

Bodenverdichtungen beseitigen, damit die Kulturpflanzen den Boden optimal durchwurzeln können.
Mit einem Heckbodenlockerer mit rückseitiger EM-Einspritzung werden Verdichtungshorizonte effizient aufgelockert. EM sichern den Prozess ab, denn sie sorgen dafür, dass es in den tieferen Bodenschichten keine Fäulnis gibt.

Mineralischer Dünger

Angepasst mineralisch düngen. Hier wird mineralischer Dünger gestreut.
Zuvor wird anhand einer Bodenanalyse der Düngebedarf ermittelt und die Düngerart und -menge festgelegt. Das sorgt dafür, dass der pH-Wert im Boden stabil bleibt bzw. sich im Optimum für Mikroorganismen und Bodenlebewesen befindet.

EM-Wirtschaftsdünger

Wirtschaftsdünger ausbringen, die mit EM behandelt wurden.
Dafür eignet sich zum Beispiel Pferdemist-Bokashi
. Nach 8 Wochen Fermentation liefert das fertige Bokashi dem Bodenleben wertvolle Nährstoffe und eine positive Mikrobiologie. Hiermit werden die humusaufbauenden Prozesse gefördert.

Flächenrotte

Bodenmikroben mittels EM-gelenkter Flächenrotte von Untersaaten und Zwischenfrüchten füttern.
Mithilfe einer Ackerfräse wird eine mit EM gelenkte Flächenrotte eingeleitet. Das hochenergetische frische Pflanzenmaterial wird in den obersten 3 bis 5 cm eingefräst. Dort im Oberboden sitzen die Bodenmikroben, die auch große Mengen Frischmasse verstoffwechseln können.

Broschüre Bodenverbesserung

Kennen Sie schon unsere Broschüre zum Thema Bodenverbesserung? Darin erfahren Sie alles Wesentliche darüber, wie Sie die Bedürfnisse Ihres Bodens richtig identifizieren und ihn – auch mithilfe von EM – gesund und ertragreich pflegen.

Fazit

Eine ausreichende Organik im Boden sowie eine ergänzende stabilisierende Mikrobiologie durch EM führen zu einem reichhaltigen Bodenleben. Der Humusaufbau wird beschleunigt und kann bereits im ersten Anwendungsjahr eine deutliche Verbesserung im Vergleich zu nicht behandelten Flächen aufweisen.

Weitere gern gesehene Effekte sind die Reduzierung von bodenbürtigen Krankheiten, die Abnahme des Unkrautdrucks und die Reduzierung von abiotischem Stress durch Hitze, Dürre, Starkregen und Kälte. Gleichzeitig verbessern sich die Rotteprozesse durch Fäulnishemmung, und insgesamt steigt die mikrobielle Vielfalt.

Autorin:
Anne Nettersheim
Bereichsleitung Agrar, EMIKO