Bokashi aus Pferdemist

Ob an den Rosen im Garten, auf der Pferdeweide oder dem Acker – Pferdeäpfel oder Pferdemist sind eine gute Möglichkeit, den Boden, die Bodenlebewesen und damit auch die Pflanzen mit Nährstoffen zu versorgen.

Pferdemist

Viele Pferdehalter müssen die Pferdeäpfel ihrer Pferde kostspielig entsorgen. Den Pferdemist für die Bokashi-Herstellung zu nutzen, reduziert nicht nur die Kosten, sondern schließt effizient den Kreislauf.

Urs Temperli aus der Schweiz hatte Ausbildungen als Landschaftsgärtner und Landwirt absolviert, bevor er den „Waldhof“ seines Vaters übernommen hat.

Sein Ziel war, den Bauernberuf unabhängig von Subventionen ausüben zu können. Er betrieb Ackerbau mit Mais sowie Weizen und Heuproduktion und stellte bald von Kuh- auf Pferdehaltung um.

Entsprechend seiner Ausbildung war die konventionelle Bewirtschaftung die übliche Methode. Darüber hinaus war er offen für andere Verfahren: So setzte er die Gülle einer nahegelegenen Biogasanlage ein und freute sich an dem Mais, der schnell sattgrün wuchs.

Erste Zweifel an der gängigen Methode

Bedenken kamen ihm, als er all die toten Würmer bemerkte und der Boden stank. Auch konnte sein 80 PS-Traktor den Grubber nicht mehr durch den Boden ziehen wie früher. Daher machte sich Urs auf die Suche nach neuen Lösungen. Gemeinsam mit einem Kollegen besuchte er eine Informationsveranstaltung beim „Strickhof“. Beide entschlossen sich, an dem Bodenkurs der „Grünen Brücke“ teilzunehmen. Erst dort fiel im auf, dass im Rahmen seiner Ausbildungen etwas Wesentliches nicht gelehrt wurde: wie ein gesunder Boden auszuschauen und zu riechen hat – von einer Spatenprobe ganz zu schweigen.

Seit dem Bodenkurs wird nun auf dem Waldhof nicht mehr gepflügt, sondern mit Fräse und Bodenlockerer gearbeitet, und die Veränderung des Bodens regelmäßig mit einer Spatenprobe überprüft.

Auf dem Pferdehof mit 24 Pferden fallen pro Jahr etwa 500 m3 Mist an. Eine Zeitlang wurde dieser einfach auf den Feldern untergepflügt. Da der Mist dort allerdings als Stickstoffzehrer wirkt (s. C/N-Verhältnis, im EMJournal 81 beschrieben), waren die Resultate unbefriedigend. Im Sinne der Kreislaufwirtschaft sollte der Mist dennoch auf dem Hof bleiben und so war der Hinweis auf eine mögliche Bokashierung willkommen.

Pferdemist

Der täglich anfallende Mist wird zunächst vor den hohen Misthaufen geschoben, mit Nährstoffen und EM begossen und dann wöchentlich aufgeschichtet.

Plane über Bokashi

Das mit einer Plane abgedeckte Bokashi fermentiert für mindestens sechs Wochen in einem Fahrsilo, das von drei Seiten umbaut und dicht ist.

Vom Pferdemist zu Bokashi

Die Bokashi-Herstellung geschieht in zwei Stufen: Während einer Dauer von 6 bis 8 Wochen wird der täglich anfallende Mist vor den Misthaufen geschoben, mit je einem Kübel Steinmehl und Kohle, etwas Huminstoffen und Mikronährstoffen bestreut und dann mit einem Gemisch aus verdünntem ½ l EMa und Melasse übergossen. Ist der Mist zu trocken, hält ihn eine verdünnte Mischung des gesammelten Mistabwassers schön feucht. Jede Woche wird der Mist erneut zusammengeschoben und bis auf drei Meter aufgeschichtet. Sind etwa 80 m3 zusammengekommen, wird der gesamte Stock in einen Fahrsilo umgeladen.

Anschließend wird er mit einer Plane und einem beschwerenden Fliess abgedeckt, damit die anaerobe Fermentation arbeiten kann. Diese Fermentation sollte mindestens sechs Wochen dauern.

Broschüre

Kennen Sie schon unsere Broschüre zum Thema Bokashi? Darin bekommen Sie insbesondere praktische Anleitungen für die Herstellung verschiedener Bokashi-Arten mit unterschiedlichem Ausgangsmaterial.

Als Mitglied im EM e.V. haben Sie außerdem Zugang zu einem exklusiven digitalen Mitgliederbereich. Darin finden Sie u.a. weitere hilfreiche Dokumente und Videos zum Thema Bokashi sowie zum Selbstbauen eines Bokashi-Eimers.

Das Bokashi wird in dieser Zeit weich, faserig und riecht angenehm. Dann wird es auf einer Fläche von 20 Hektar ausgebracht. Dort, wo Mais und Weizen angebaut werden, wird es mit der Gründüngung eingefräst. Das auf der Weide oberflächig ausgebrachte Bokashi wird innerhalb von 2 bis 3 Wochen vollständig vom Boden aufgenommen, kein Strohhalm ist mehr sichtbar. So kann später auch Heu geschnitten werden. Einmal wurde unter Zeitdruck das Bokashi bereits nach 4-wöchiger Fermentation ausgebracht, doch da war das Stroh noch „gummig“ und das Bokashi wurde nicht wie üblich vom Boden aufgenommen. Seither wird eine minimale Fermentationszeit von sechs Wochen eingehalten.

Urs Temperli achtet darauf, Bokashi nur am Ende der Weidephase auf den Weideflächen auszubringen und danach eine gewisse Ruhephase einzuhalten – nur für den Fall, dass die Fermentationsphase eventuelle Wurmprobleme nicht gelöst hätte. Zusätzlich hat jedes Pferd seine eigene Weidefläche. Dem Futter für die eigenen Pferde plant er zusätzlich etwas Terra Preta Bokashi beizufügen, um Wurmprobleme von vornherein möglichst auszuschließen.

Urs Temperli

Urs Temperli bei der Spatenprobe auf dem Feld, das bei der Begehung so schön federt.

Boden

Mit einer Spatenprobe lässt sich der Ist-Zustand des Bodens mit geringem Aufwand beurteilen. Sie gibt Auskunft über die sichtbaren Bodeneigenschaften: Bodenoberfläche,
Bodengefüge, Bodenleben, Farbe und Geruch.

Deutliche Bodenverbesserungen

Durch die Umstellung der Bodenbearbeitung ergaben sich offensichtliche Veränderungen. Auf einem Feld, auf dem früher aufgrund der Nähe häufig herkömmliche Gülle ausgetragen wurde, ist noch immer eine Schicht kompakter, kantiger Erde sichtbar. Jedoch in den oberen 10 cm sowie unterhalb von 20 cm sieht man runde Erdkrümel, und die Erde riecht nach gutem Waldboden. Jede Spatenprobe bringt zahlreiche dicke Regenwürmer zutage. Auf den etwas entfernteren Feldern, die früher weniger mit konventioneller Gülle in Kontakt gekommen sind, ist die Spatenprobe bereits schön krümelig und wohlriechend, auch federt der Boden bei der Begehung.

Heute ist der Bauer stolz auf seinen Boden und die Verbesserungen, die er erreicht hat. Als bemerkenswerte Veränderung bei der Umstellung vom Pflügen auf Fräsen berichtet er: „Beim ersten Fräsen haben die Steine so gescheppert, dass ich fast wieder damit aufgehört hätte. Heute sind die Steine offensichtlich viel besser in die Erde eingebettet und werden weniger von der Fräse erfasst.“

Drohne

Mit dieser Drohne werden zehn Liter wasserverdünnte Huminstoffe und Spurenelemente gesprüht. Die Drohne ermittelt selbstständig die Eckpunkte des Maisfeldes und besprüht danach ohne Steuerung das Feld aus circa 3 m Höhe.

Um die Düngewirkung des Bokashi abzuschätzen, hat Urs Temperlin eine Analyse machen lassen. Wiegt ein Kubikmeter Bokashi etwa 300 kg, so produziert der Betrieb im Jahr etwa 150 t Bokashi, das entspricht 44 t Trockensubstanz. Gemäß des Prüfberichts umgerechnet, bedeutet dies 17 t
Kohlenstoff, 840 kg gebundenen Stickstoff, je 1,3 t Kalium und Kalzium und je 120 bis 150 kg Phosphor, Magnesium und Schwefel.

Mit diesem Kreislauf lässt sich der Hof annähernd autark bewirtschaften. Lediglich Stroh, etwas Kohle und Spurenelemente wie Mangan, Bor, Huminstoffe und Kiserit (sulfatischer Magnesium- und Schwefeldünger in wasserlöslicher, pflanzenverfügbarer Form) werden zugekauft.

In den Maisfeldern wird das Bokashi mit dem Mistzetter/-streuer ausgebracht. Gleich anschließend wird die Gründüngung zusammen mit einem EM-Rottelenker und Huminstoffen zweimal gefräst. Nach dem ersten Wachstum – wenn das Feld nicht mehr befahren werden kann – werden Spurenelemente und Komposttee verdünnt mit Wasser mittels einer Drohne ausgebracht. Nicht nur der Ertrag von 10 Tonnen Mais pro Hektar erfreut den Bauern, sondern auch die sattgrüne Farbe der Pflanzen bis zur Ernte. Die Kreislaufwirtschaft funktioniert hier bestens.

Erste Resultate mit Soja sind ebenfalls ermutigend, und dies will Urs Temperli jetzt auch mit Raps probieren. Raps benötigt viel Stickstoff und kann daher praktisch nicht biologisch angebaut werden. Urs ist dennoch überzeugt, dass er mit seinem nährstoffreichen Bokashi und der Pflege des Kreislauf-Konzeptes auch diese Hürde meistern kann.

Autor:

Roland Brändle,
EM-Verein Schweiz