EM im Ackerbau auf dem Hof Kokemoor

Im Sommer 2002 habe ich das erste Mal von EM erfahren. Nach dem Motto „Was soll schon passieren? Probieren wir es doch einfach mal aus!“ haben wir EM in unserer Schweinehaltung eingesetzt. Nach deutlichen Verbesserungen habe ich dann alle Bücher über die EM-Technologie gelesen und erst dadurch die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten erkannt. Damit war für mich klar, dass ich EM auch im Ackerbau einsetzen möchte.

Meine Frau Gisela gab im Herbst 2002 EMa auf ein Blumenbeet am Wohnhaus. Im folgenden Frühjahr rief sie mich zu diesem Beet: Es war das einzige Beet wo der Boden locker war, und unsere Boxerhündin zeigte auch gleich, dass der Boden hier wärmer war: Sie bevorzugte als Liegeplatz genau dieses EM-Beet. So motiviert haben wir dann unseren ersten Großfermenter gebaut und waren damit in der Lage 4000 Liter EMa pro Woche herzustellen. Dieser Fermenter ist auch heute noch im Einsatz. Er besteht aus 4 x 1000 l Container, die mit ca. 20 m Verbundrohr (16 mm) zum Beheizen ausgerüstet wurden. Beheizt wird dieses Kreislaufsystem über die Gasheizung. Mit einem Thermostatventil wird in jedem Tank einzeln die Temperatur geregelt. Entsprechend der damaligen Empfehlungen sollten ca. 160 l EMa (3 %ig) je ha möglichst frisch ausgebracht werden. Daher wurde bei der Frühjahrsgüllegabe über einen Bypass das EMa jeder Güllefassfüllung direkt zudosiert.

Der Sommer 2003 war ein außerordentlich trockener Sommer. – Schlechte Aussichten für EM, denn ohne Wasser geht es nicht. Die Ackerfrüchte litten stark unter der Trockenheit. Das Getreide hatte Trockenschäden und auch der Mais zeigte schnell, dass auch er ohne Regen nicht kann. Erstaunlicherweise fiel uns auf, dass unsere Maisflächen die Trockenheit zunächst besser überstanden. Sie waren 14 Tage länger grün als die Nachbarflächen ohne EM. (Im EMJournal Nr. 5, 8/2003 sind Bilder von diesen Flächen zu sehen.) Die Wirkung hat zwar nicht ausgereicht, um die Sommertrockenheit zu überbrücken, aber 14 Tage länger Grünmasse aufzubauen war signifikant und wir haben uns Gedanken gemacht, was wir in den kommenden Jahren besser machen können. Gemeinsam mit Ernst Hammes haben wir alle Ackerbaumaßnahmen auf unserem Betrieb neu überdacht:

Viele Mikroben können im Acker nur in dem Horizont arbeiten wo Sauerstoff ist. Dieser Horizont liegt, je nach Bodenart bedingt zwischen 8 und 18 cm. Durch die die jährliche Pflugfurche wird jedes Mal ein Teil der Mikroben tief – zu tief – begraben. Eine bodenschonende Bearbeitung mit der Scheibenegge ersetzte im folgenden Jahr 2004 den Pflug. Erst zu spät erkannte ich, dass diese Bearbeitung 2004 nicht ausreichend war – es gab noch Verdichtungen in den Bodenschichten.

Mit diesen Erfahrungen haben wir in den folgenden Jahren zusätzlich einmal jährlich einen Tiefengrubber genutzt der mit 7 schmalen Zinken (keine Flügelschare!) auf drei Meter Arbeitsbreite den Boden in einer Tiefe von 25-30 cm bearbeitet. Eine Pflugfurche wurde bisher eingesetzt, um ein sauberes Saatbeet zu erhalten und um die Folgefrucht vor Fusarien belasteten Ernterückständen zu schützen. Dies stimmt so aber nicht! Die Fusarien* werden unten im Boden konserviert und bleiben somit erhalten. Sie werden mit jeder Pflugfurche wieder an die Oberfläche gebracht. Nur in dem Horizont, wo eine aktive Bodenmikrobiologie wirkt, werden Fusarien von den Mikroben verstoffwechselt. (Unsere Fruchtfolge: Raps – W. Gerste / Triticale / Weizen – Zwischenfrucht (Phazelia) – Mais (CCM))

Bodenbearbeitung 2007 auf dem Hof Kokemoor

Mais (CCM): Mit den Zwischenfrüchten wird Gülle eingearbeitet. Tiefengrubber / Scheibenegge / Maisdrille. Nach der Maisernte werden die Maisstoppeln mit einem Mulchgerät geschlegelt, um die Maisstängel zu zerschlagen. Dies ist wichtig, weil die Mikroben sonst keine Möglichkeit haben, die Maistängel zu zersetzen! Außerdem ist dies eine biologische Schädlingsmaßnahme gegen den Maiszünsler.

Getreide: Tiefengrubber – Aussaat mit einer Kombination bestehend aus einer Kreiselegge und einer Drillmaschine mit Scheibenscharen. Nach der Ernte flache Stoppelbearbeitung mit Flügelschargrubber – ggfls. wird zu diesem Zeitpunkt auch EM-Gülle eingearbeitet. Wenn in der Fruchtfolge nach Getreide Mais kommt, dann werden im Herbst zur Bodenbedeckung Zwischenfrüchte angebaut.

Raps: Zu Raps kommt eine flache Pflugfurche (ca. 20 cm), denn hier wird ein sauberes Saatbeet benötigt. Nach der Ernte flache Bodenbearbeitung mit dem Flügelschargrubber. Diese Form der Bodenbearbeitung unterstützt die Mikroorganismen und damit das ganze Bodenleben.

EM-Gülle

Gülle ist im Zusammenhang mit EM ein faszinierender Bodendünger! Durch die Ausbringung von Gülle wird der Nährstoffentzug der Ernte ausgeglichen. Sie gehört in die Kreislaufwirtschaft eines Veredelungsbetriebes. (Hinweis für EM-Berater: Nach gesetzl. Cross Complient Vorgaben muss der Landwirt min. 1% organische Masse auf seinen Flächen nachweisen. Für den EM-Einsatz benötigen wir wenigstens 1,5 % org. Masse. Veredlungsbetriebe haben auf Grund der Kreislaufwirtschaft Bodenwerte, die zwischen 2,0 und 5,4 % org. Masse liegen und somit hervorragend für den EM-Einsatz geeignet sind.)

Auch hier haben wir uns weiterentwickelt. Haben wir früher 3%iges EMa eingesetzt und im Frühjahr auf Temperatur und Feuchtigkeit gewartet, so wissen wir heute, dass es einfacher und besser geht. Nach Laboruntersuchungen des LVL Labors in Emsteck wissen wir heute, dass ein 1%iges EMa (1% EM1 + 5% Zuckerrohmelasse) beim Einsatz in der Gülle und im Ackerbau vollkommen ausreicht! Allerdings ist wichtig: EMa 1%ig ist zum Silieren von Futtermitteln ungeeignet! Die Laboruntersuchungen ergaben darüber hinaus, dass EM1 oder EMa in purer Form nicht frostresistent ist. In Verbindung mit Gülle verlieren wir bei Frost aber lediglich eine Potenz an Mikroben. Dies ist in der Natur nicht viel! Vielmehr ist es so, dass eine zeitig ausgebrachte EM-Gülle deutlich besser auf dem Acker wirkt, weil die Mikroben sich auch dort vermehren. Gülle ist somit ein hervorragender Trägerstoff für EM. Sie schützt die Mikroorganismen vor schädlicher UV-Strahlung, bietet die notwendige Feuchtigkeit und ist darüber hinaus mit vorhandenem technischem Gerät einfach auszubringen.

Inzwischen gehen wir noch einen Schritt weiter: Wir haben festgestellt, dass sich eine ideale und hochwertige EMa-Gülle für den Ackerbau sehr einfach und kostengünstig produzieren lässt. Wenn die Gülle ausgebracht ist, beschicken wir die leeren Güllelager (Silo und Kanäle) mit EMa. Damit haben wir eine „Startbeimpfung“, die, sobald wieder „frische“ Gülle in die Kanäle und ins Silo kommen, einen weiteren Vermehrungsprozess der Mikroben in Gang setzt. Die Güllelagerstätten werden somit als „erweiterte“ Fermenter genutzt. Zusätzlich geben wir noch billige Zuckerrübenmelasse hinzu. Diese Melasse ist zwar zur Herstellung von EMa ungeeignet, jedoch in Verbindung mit Gülle bietet sie ausreichend Potential, eine zusätzliche, kontinuierliche Fermentation stattfinden zu lassen. Im Ackerbau kommen wir so auf 400 l EMa (1 % ig) jährlich. In ein Güllelager von 500 m3 gebe ich 1000 l Zuckerrübenmelasse.

Seitdem wir in unserem Betrieb so verfahren, wurde auf Kalkdüngung verzichtet, Phosphor nur als Unterfußdüngung im Mais eingesetzt, Kalidüngung findet gar nicht mehr statt und die Stickstoffdüngung konnten wir langsam reduzieren. Je ha und Jahr werden ca. 25 m3 Schweinegülle ausgebracht. Aktuelle Bodenuntersuchungen ergeben für unsere Flächen einen neutralen pHWert. Auf Parzellen, die früher überhöhte Phosphorwerte hatten, baut sich dieser Wert langsam ab. Unerklärlich sind für uns allerdings noch die steigenden Kaliwerte. (Bisher hatte Kali die höchste Auswaschungsrate.)

Fazit

EM ist mehr als nur ein einfach nur ein „Mittel“. Die Möglichkeiten der EM-Technologie können sich erst vollständig entfalten, wenn Arbeitsweise und Rahmenbedingungen das mikrobielle Leben im Boden begünstigen. Auf unserem Hof können wir heute mit bodenschonender Bewirtschaftung und reduzierter Düngung unsere Erträge preiswert stabilisieren.

*Fusarien sind Pilze, die das Getreide befallen. Zum einen führt ein Befall am Stängel dazu, dass der befallene Trieb abstirbt. Dann kann sich natürlich kein Korn bilden. Befallen die Pilze das Korn auf der Ähre, wird der Pilz mitgeerntet. Solches Getreide eignet sich nicht mehr für die Verfütterung oder für die menschliche Ernährung. Die Landwirte setzen ihre gesamten Fachkenntnisse ein, damit ein solcher Befall nicht entsteht. Ein guter Boden, das Verdauungssystem der Pflanzen, ist wichtig, weil so die Pflanze eigene Abwehrmechanismen gegen die Pilze entwickeln kann. Fusarien überwintern auf Stroh, das vom Boden nicht verdaut wird. Eine Gabe Gülle oder Mist, wenn das nicht möglich ist, etwas mineralischer Stickstoff, helfen den Bodenmikroben, die großen Mengen Kohlenstoffe aus dem Stroh zu verdauen. Den Stickstoff aus mineralischem oder organischem Dünger brauchen die Mikroben, um ihr körpereigenes Eiweiß zu bilden.

Helmut Kokemoor

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