Quadratgärtnern mit EM

Inspiriert durch die im EM-Journal 33 geschilderten Erfahrungen von Marko Heckel und begeistert von der Idee des „Gärtnerns auf kleinstem Raum“, wollte ich es genau wissen. Gartenbau im Hinterhof, auf der Terrasse, in der Stadt oder sogar auf dem Dach? Vor dem Eingang unseres EMJA-Bistros in Rheinau-Linx entstanden deshalb im zurückliegenden Jahr drei Quadratmeter Garten. Und um das Ergebnis vorwegzunehmen: Gleich im ersten Jahr brachten diese mit Hilfe der EM-Technologie Erstaunliches hervor:

Tomaten, Gurken, Paprika, Auberginen, Zucchini, Kohlrabi, Kräuter und die unterschiedlichsten Salate, von Ruccola und Schnittsalat im Frühjahr bis zum Endiviensalat und dem fast winterharten Zuckerhut. Und noch jetzt, in diesem milden Winter, sind ein paar Sellerieknollen im Boden geblieben, die derzeit neu austreiben und frisches Grün für einen kleinen Smoothie liefern. Kleinstgärten liegen übrigens voll im Trend: Immer häufiger erscheinen in den Medien Berichte über „die Rückkehr der Gärten in die Stadt“. In der Zwischenzeit wird bereits für die kommenden Jahre in den Städten eine höhere Biodiversität prognostiziert als auf den durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung geschundenen und verarmten Böden auf dem Land. Dazu kommt, dass mit steigender Zahl an Lebensmittelskandalen, viele Menschen mehr und mehr wenigstens während der Sommermonate so ein kleines bisschen Selbstversorger sein möchten. Auch der Nachweis von Glyphosaten (Pestizid-Rückständen) nicht nur im Boden, sondern auch in Mensch und Tier zwingen zum Nachdenken und Handeln.

Auch Gärtnern will gelernt sein

Aber auch was so einfach aussieht, muss erarbeitet werden. So manch ambitionierter Selbstversorger musste schon nach kurzer Zeit kapitulieren: Bei den einen eignen sich die in Neubaugebieten künstlich aufgeschütteten Böden noch nicht für den Gartenbau, bei anderen hat sich über die Jahre zu viel Fäulnis im Boden angesammelt und die Schnecken ersticken jede Bemühung bereits im Keim. Oder es wird im Überschwang des Gartenfiebers im Frühjahr schlichtweg unterschätzt, wie viele Pflanzen und Samen in den Boden müssen, um eine dem eigenen Bedarf angemessene Ernte einzubringen. Und zur Erntezeit ist es dann so weit. Freunde und Nachbarn tummeln sich am Badesee, während die Ernte nicht nur die ganze Freizeit raubt, sondern das Geerntete zur Freude der Vorgenannten auch noch für alle ausreicht. Und was geschieht dann im nächsten Jahr: Die Lust an der Gartenarbeit ist dahin!

Die Lösung

Quadratgärten sind hier die ideale Lösung. Die Fläche ist überschaubar, es sind keine Gartenwege zu harken, der Gießaufwand ist aufgrund der begrenzten Fläche gering und die Pflege geschieht praktisch im „Vorübergehen“. Dank EM gelingt es auch, den Boden immer wieder so zu versorgen, dass das Thema Fruchtfolge in den Hintergrund rücken darf. Mit Bokashi schaffen wir immer wieder einen idealen Wachstumsgrund, unabhängig davon, was wenige Wochen zuvor auf diesem Quadrat gewachsen ist. Im Idealfall entsteht so ein kleiner Mikrokreislauf, bei dem die Küchenabfälle direkt wieder die Nahrung bilden für die nächste „Gemüsegeneration“. Die Gesamtfläche lässt sich variieren, die einzelnen Quadrate sollten jedoch nicht größer als 40 x 40 cm sein. Und warum nicht einen Familienspaß daraus machen? Jeweils ein Quadratgarten mit 9 Feldern für jedes Familienmitglied – so können auch Kinder an ihre eigenen Lebensmittel herangeführt werden und werden mit viel Genuss in das selbst angebaute Radieschen hineinbeißen.

Vorgehensweise

Am einfachsten ist es, sich im Garten schon jetzt die Flächen abzustecken, die in diesem Jahr bepflanzt werden sollen. Ideal sind Grundbeete von etwa 1,2 x 1,2 Metern. Das gibt dann 9 oder 16 Quadrate. Nach meinem Gefühl sind Beete mit 30 x 30 cm etwas klein, wir hatten 40 x 40 cm gewählt und somit 9 Quadrate in unseren Beeten. Da wir vor dem Haus keinen Garten haben, sondern nur eine große gepflasterte Fläche, auf der auch im Sommer Gästetische stehen, haben wir drei Holzkisten aufgestellt. Findige Heimwerker können sich diese mit Bauelementen aus dem Baumarkt leicht zusammenbauen. Das Holz schützt man mit einer umlaufenden Folie, damit das Beet länger hält. Inzwischen gibt es aber auch von der französischen Firma Bacsac Pflanzsäcke aus einem leichten Gewebe, das in Quadrate unterteilt und in unterschiedlichen Höhen und Größen verfügbar ist. Das Material ist ein Geotextil mit einer Innenbeschichtung aus feuchtigkeitsregulierendem Baumwoll-Fleece. Schon Ende Februar Anfang März kann man mit der Vorbereitung des Bodens beginnen. Wer noch vom Vorjahr Rasenbokashi gelagert hat, kann diesen jetzt schon auf der Fläche ausbringen und mit EMa angießen. Sobald die Bodenlebewesen und vor allem der Regenwurm darunter aktiv werden, verarbeiten diese das Bokashi zu einem schönen lockeren Boden, der die Pflanzen später ernährt. Damit ist praktisch die Grundlage für die Erstbepflanzung gelegt. Eine weitere Möglichkeit ist es, das fertig fermentierte Küchenbokashi in den Boden einzuarbeiten und mit einer Schicht Erde abzudecken. Bis zur Pflanzzeit im März/April ist das Bokashi vererdet und der Boden gut vorbereitet.

Wir stellen schon lange unser eigenes Bokashi her aus Weizenkleie, Gesteinsmehl, EM-Keramikpulver und seit zwei Jahren auch mit einem Anteil von 10% fermentierter Pflanzenkohle, um so im Laufe der Zeit einen auf Dauer fruchtbaren Humus aufzubauen. Erfahrene Heimgärtner gehen auch hier schon einen Schritt weiter und geben auf den Flächen, auf denen stark stickstoffzehrende Pflanzen wachsen sollen, Hühnermist oder eine Extraportion Bokashi aus fermentierten Brennesseln dazu. Wer sich eine Kiste auf die Terrasse oder wie wir auf einen gepflasterten Boden stellen möchte, dem sei hier beispielhaft unsere Vorgehensweise empfohlen: Wir haben zunächst eine Drainage aus Kies eingefüllt. Die Menge ist abhängig von der Beethöhe, für die Bepflanzung sollten 30 bis 50 cm Boden aufgefüllt werden. Auf den Kies haben wir eine Schicht Erde gefüllt, darauf eine Schicht Küchenbokashi mit Erde vermischt und darüber noch einmal Pflanzerde, die mit Gesteinsmehl und EM-Keramikpulver angereichert war.

Los geht’s

Sobald keine Fröste mehr zu erwarten sind, kann mit der Bepflanzung der einzelnen Quadrate begonnen werden. Diese hängt natürlich von den eigenen Vorlieben ab. Im Frühjahr sind es Pflücksalate, Radieschen, Kräuter, die den Hunger nach dem ersten Grün stillen. Im zeitigen Frühjahr kann man noch leerstehende Felder auch mit bunten Primeln füllen, um so das Beet schon zeitig zum Erblühen zu bringen. Wichtig ist es, die mikrobielle Dominanz zu erhalten bzw. zu lenken. Dazu empfiehlt es sich, regelmäßig einmal pro Woche oder zumindest alle 14 Tage 20 ml EM (entweder selbst hergestelltes EMa oder als Fertigprodukt auch den Emiko Garten- und Bodenaktivator) auf eine 10-Liter-Wasserkanne beizugeben.

Was tun, wenn ein Quadrat abgeerntet ist?

Wir alle wissen, dass bei der Zugabe von Bokashi eine Wartezeit von mindestens 3 Wochen einzuhalten ist, um Säureschäden an den Pflanzen zu vermeiden. Aber auch das ist kein Problem. Nehmen Sie fertiges Bokashi – sei es das Küchenbokashi, das Rasenbokashi oder das Kleiebokashi und vermischen Sie dieses in einem Betonkübel mit Pflanzerde (die es mittlerweile auch ohne Düngerzusatz gibt). Diese Mischung aus Erde und Bokashi können Sie abgedeckt in jeder Ecke Ihres Gartens oder in der Garage lagern und so fertige nahrhafte Erde holen, wann immer Sie diese benötigen, um ein Quadrat neu anzupflanzen.

Welche Früchte wann und wo?

Dank EM gibt es glücklicherweise keine Wartezeiten oder einzuhaltende Fruchtfolgen. Das einzige, was Sie beachten sollten, ist die Nachbarschaft verschiedener Pflanzen, denn auch im Garten ist es wie im richtigen Leben: die einen mögen sich, die anderen meiden sich! Aktzeptieren wir das und nehmen Rücksicht darauf! Die Informationen hierüber gibt es zuhauf im Internet oder in Gartenbüchern, ein speziell für Quadratgärten erstelltes Gartenbuch kann aber eine Hilfe sein. Pflanzen Sie also nach Ihrer Lust auf Gemüse. Trotzdem möchte ich abschließend einen Tipp geben: Verzichten Sie in ihrem Quadratbeet auf Früchte wie Zucchini oder Kürbisse. Nach unserer Erfahrung sind dies so starke Zehrer und wachsen so groß, dass sie allem anderen die Luft zum Atmen nehmen. Darüber hinaus sind gerade diese Früchte im Sommer auch in Bioqualität so günstig, dass man darauf auf dieser kleinen Fläche verzichten kann. Eine Zucchini wächst auch schön in einer Gartenecke und kann sich alleine dort besser entfalten.

Zusammenfassung

Am Ende des Jahres waren wir alle glücklich. Unsere Gäste konnten während des Sommers zwischen frischen Kräutern und Gemüse Platz nehmen. Das Gemüse war lebendig und gesund, wie wir es von EM-Gemüse gewohnt sind. Die Fotos sprechen für sich. Und selbst als wir im November die letzten Tomaten grün von der Pflanze genommen und im Keller eingelagert haben, hatten wir unsere Freude an unserem ersten Versuchsjahr. Die letzten Tomaten haben wir dann übrigens an Weihnachten gegessen. Quadratgärtnern ist die ideale Methode, mit wenig Aufwand ganz Großes zu erzielen, es ist auch die ideale Methode, Kinder wieder an die Gartenarbeit heranzuführen. Sie mögen das!

Johanna Aßmann

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