Die Harmer KG – EM-Biobetrieb vor den Toren Wiens

Vor genau drei Jahren, in unserer Novemberausgabe (EMJournal 14/ 2005) stellte sich die Harmer KG als einer der größten Biobetriebe Österreichs vor, die erfolgreich mit EM arbeiten. Im Sommer diesen Jahres besuchten wir auf Einladung des Betriebes und des EM e.V. Österreich den Betrieb, um genauer in Erfahrung zu bringen, wie sich diese lange Erfahrung mit dem Einsatz der EM-Technologie auf den Betrieb auswirkt und was andere vielleicht davon lernen können.

Bio seit 18 Jahren

Schon ganz zu Anfang der EM-Verbreitung in Österreich ließ sich Johannes Harmer von den Ideen der EM-Technologie begeistern, die Ulrike Hader von der Fa. Multikraft ihm nahegebracht hatte. Sein Wunsch, den väterlichen Betrieb auf Bio umzustellen, begann 1990 mit 20 ha der schlechtesten Böden, wo er seine Erfahrungen machen sollte. Besonders groß war die Angst vor Unkraut, da auch eine bodenschonende Bearbeitung ohne das übliche Pflügen geplant war. Im gleichen Jahr wurde eine Kompostieranlage aufgebaut, welche die Düngerversorgung sicherstellen sollte. Nach 10 Jahren Erfahrung wurden dann 1999 die ganzen 220 ha des Betriebes konsequent auf Bio umgestellt und gleichzeitig mit dem Einsatz der EM-Technologie begonnen.

Das Wichtigste ist ein guter Boden

Der Aufbau der Böden durch Pflege und Versorgung ist Johannes Harmer und seinem Betriebsleiter Franz Reidinger das Wichtigste. Sie versuchen, dem Idealzustand so nah wie möglich zu kommen. Neben dem völligen Verzicht auf jedwede chemischen Mittel mußte die bodenschonende Bearbeitung den Gegebenheiten angepasst werden. Gepflügt wird gar nicht mehr. Heute wird nach dem Mulchen EMa gesprüht und anschließend das Material mit dem Grubbber eingearbeitet. Neben dem Mulchen spielt die Versorgung mit Bokashi vom eigenen Kompostplatz eine große Rolle. Das gut durchfermentierte, von EM durchsetzte Material wird immer vor den Kulturen ausgebracht, im Durchschnitt 20 t/ha. Pro Jahr und Hektar bringen sie in sechs Gaben etwa 180 l EMa mit der Feldspritze aus. Nach dieser langen Zeit des EM-Einsatzes sind sie überzeugt, dass dadurch die Stresstoleranz viel höher geworden ist. Lange Trockenzeiten oder heftige Regen werden leicht überstanden. Alte Bodenverdichtungen haben sich ohne Zusatzmassnahmen gelöst und auch andere Problemstellen haben sich im Laufe der Zeit der umgebenden guten Bodenqualität angepasst. Das, was die Pflanze braucht, muß im Boden vorhanden sein. Darauf arbeiten sie hin. Am Ende unseres Besuchs deuteten sie auf ein paar kleinere Schläge. „Als ich mit der Umstellung begann, bekam ich nur 20 ha des schlechtesten Bodens. Es sollte gezeigt werden, dass die biologische Landwirtschaft nicht funktioniert. Heute sind das unsere besten Böden!“ erklärt Johannes Harmer mit sichtlicher Genugtuung.

Oasen zwischen den Feldern

Anstatt Stillegungsflächen in Randbereiche zu schieben, wurden sie zwischen die Felder gelegt. Dadurch erhielt man bis zu 12 m breite Naturstreifen zwischen den Feldern, wo das wächst und lebt, was die Natur dorthin bringt. Schon früh wurde begonnen, auf diese Streifen seltene, alte Obstsorten zu pflanzen. Da „züchten wir unsere Nützlinge“, ist Franz Reidinger überzeugt. So versichern sie auf unsere Frage, wie sie z.B. mit dem gefürchteten Maiszünsler umgehen: „Damit haben wir hier keine Probleme.“ Gleich nach der Ernte werden die Maisstoppeln gemulcht. Die EM-Technologie wird überall eingesetzt, wo es im Betriebsablauf sinnvoll ist. So wird alles Wasser, das für die Herstellung von EMa und für die EMa-Wasser Lösungen gebraucht wird, sorgfältig mit EM-Keramik energetisiert. Der Mais wird mit feinstem Gesteinsmehl und EMa ummantelt, und beim Legen der Kartoffeln wird ebenfalls Gesteinsmehl hinzugefügt sowie eine konzentrierte EM-Gabe gesprüht (1:1). Schon in dem Bericht von 2005 wurde von einer guten Pflanzengesundheit und gleichförmigen Ackerfrüchten sowie zufriedenstellenden Erträgen berichtet.

Wo findet man die Erzeugnisse?

Versuche in eine eigene Vermarktung erwiesen sich als zu aufwändig und risikoreich. So liefert die Harmer KG heute in erster Linie an den Großhandel, an Aldi und Lidl. Wenn Sie in diesen Märkten in Deutschland oder Österreich Bio-Kartoffeln oder Bio-Getreideprodukte kaufen, könnten diese aus Spillern kommen. – Schade, dass es noch keine explizite EMVermarktung gibt, aber man darf ja noch in die Zukunft träumen. Wer allerdings in und um Wien lebt, der kann sich seine EM-Kartoffeln vor Ort abholen, wenn man nicht bei einem Stammtisch eine Sammelbestellung aufgibt. Bald kann die ganze Harmer KG schöne Jubiläen feiern: 20 Jahre Biobetrieb und 10 Jahre EM!

Betriebsdaten: Biobetrieb Harmer KG

  • Ort: Spillern, Niederösterreich, 170 m (NN), 220 ha Ackerfläche, Bodenwert Ø 60 (zwischen 40 und 80)
  • Niederschlag/Jahr Ø 500 mm
  • Kulturen: ca. 3/4 Getreide (Weizen und Roggen), Mais (FAO 350), Kartoffeln
  • EM-Einsatz: 180 l EMa/ha/Jahr, 80-100 l EMa beim Legen der Kartoffeln
  • Einsatz von Gesteinsmehl (Bio-Lit) bei Kartoffeln und Mais (ca. 5 kg/ha), nur nach Bedarf bei Getreide
  • Dünger: Ø 20 t/ha Bokashi vom eigenen Kompostplatz (Kartoffel und Zwiebelabfälle, Pferdemist)

Durch konsequent bodenschonende Bearbeitung und durch EM/ Bokashi-Einsatz wurden gute Bedingungen geschaffen, um überdurchschnittlich hohe Bioerträge zu erzielen. Insbesondere wurde hier die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens verbessert! Die besondere geographische Lage (Festlandklima) des Betriebes und die niedrigen Niederschlagsmengen reduzieren
den Fusariendruck in den Beständen. Bedingt durch die hohe Anzahl an Sonnenscheintagen wird hier Mais mit FAO 350 angebaut. Dieser Mais hat ein besonders hohes Ertragspotential, wenn er genügend Wasser vorfindet. Der Körnermais wurde auf dem Betrieb Harmer mit 24-25 % Restfeuchte geerntet. Dieser Mais behält bei schonender Trocknung seine Keimfähigkeit und damit ist er auch für industrielle Verwertung – zum Beispiel in der Speiseölgewinnung geeignet. Üblicherweise wird Körnermais mit 28–36 % Restfeuchte geerntet und dann mit hohen Temperaturen getrocknet. Damit verliert der Mais seine Keimfähigkeit und ist weniger vielseitig einsetzbar. (Körnermais ist dagegen vielseitig einsetzbar! Maisstärke wird u.a. im Nahrungsmittelbereich verwendet: z.B. Gummibärchen, Speiseeis, aber auch in der Bauindustrie, z.B. Klebstoffe)

Pit Mau/Helmut Kokemoor

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.