Neu angelegt: EM-Weinberg im Tessin – Begleitet durch eine Studie

Ein lange gehegter Wunsch

Obwohl wir eigentlich in der deutschsprachigen Schweiz wohnhaft sind, halten wir uns seit vielen Jahren aus familiären Gründen immer wieder im Tessin auf. In der Gemeinde Bioggio bewirtschaften wir auf ca. 30 Aren (1 Are = 100 m2) und teilweise umgeben von Weinbergen verschiedene Pflanzen, Fruchtbäumen und Grasland. Rebstock, Trauben und Wein haben uns schon immer fasziniert. Wegen unseren hauptberuflichen Tätigkeiten kam ein eigener Rebberg lange gar nicht in Frage. Diesbezügliche Veränderungen erlaubten jedoch, uns gleich in zwei Projekten zu engagieren: Erste Erfahrungen konnten wir mit unserem Engagement in der neu gegründeten Rebbaugenossenschaft Reichenbach bei Bern sammeln. Als zweites ermöglichte diese Veränderungen auch auf einem Teil der Fläche im Tessin ein eigenes Rebbau-Projekt zu starten und uns damit einen lange gehegten Wünsch zu erfüllen. Unser Rebberg- und Kellerwissen haben wir uns an der Fachhochschule in Wädenswil (ZH) und am FIBL (Forschungsstelle für biologischen Landbau) erworben und konnten mit der Mitarbeit in der Rebbaugenossenschaft viele praktische Erfahrungen für das Tessin-Projekt sammeln.

Erste Informationen zu der Wirkung von Mikroorganismen und EM erhielten wir vor über zehn Jahren in einem Kurs bei Susanne Schütz (Zollbrück) sowie im Zusammenhang mit Geruchsproblemen in Gebäuden. Anlässlich des Jahresausflugs des EM-Vereins Schweiz 2010 entstanden Kontakte zum ehemaligen Delinat-Institut im Wallis (heute Ithaka-Institut). Sowohl der EM-Verein Schweiz als auch Claudio Niggli vom Delinat-Institut erklärten sich bereit, uns bei der Neuanlage des kleinen Rebbergs im Tessin zu unterstützen. Als Ausgangslage hatten wir einen 30-80%-igen Steilhang, der seit ca. 40 Jahren mit Gras bewachsen war und nur gemulcht wurde. In den vorangehenden Jahren haben wir mit Hinweisen von Regula Pedretti jeweils den Grasschnitt mit 2 % EMa gespritzt.

Voraussetzungen für den Rebberg schaffen

Rebanlagen größer als 400 m2 sowie im Kanton Tessin größer als 200 Stöcke bedürfen einer Bewilligung des Kantons. Da der Hang terrassiert werden sollte, war auch noch eine Baubewilligung bei der Gemeinde einzuholen. Gespräche mit dem Rebbaukommissär des Kantons und wegen der Waldnähe auch mit dem Förster gehörten ebenfalls dazu. Die Bodenanalyse zeigte, dass der ph-Wert sowie der Phosphor- und Magnesiumgehalt noch zu tief waren, jedoch ein sehr erfreulicher Humusgehalt vorhanden war. So konnten wir bereits ein Jahr vor der Pflanzung mit der Korrektur dieser Werte beginnen. Anfang Oktober 2011 konnte die Terrassierung endlich erstellt werden. Wegen der fortgeschrittenen Jahreszeit schlug Claudio Niggli eine Herbsteinsaat vor, die sowohl am Ende der Vegetationsperiode als auch im anschließenden Frühjahr ein ungewohntes Bild bot: wilder Kohl, Getreide und Kleearten. Im anschließenden Frühling haben wir in den Gassen eine Sommersaat „Mitteleuropa“ eingesät. Die Ständer des Drahtbaus konnten während dem Winter eingeschlagen werden. So entstand eine Anlage mit ca. 2 Meter Reihenabstand und ca. 90 cm Stockabstand für 223 Rebstöcke (200 Gamaret und 23 Americana Isabella).

Die Versuchsanordnung: Pflanzung mit Terra Preta Bokashi und EM

In Gesprächen mit Claudio Niggli und Ueli Rothenbühler (EM Schweiz AG) entstand folgendes Vorgehen: Pflanzloch etwas tiefer als üblich, dann ca. 200 g Terra-Preta Bokashi, darüber ein paar Zentimeter Erde (zum Schutz der Wurzeln vor dem sauren Bokashi) und anschließend normales Pflanzen der Rebsetzlinge. Danach angießen mit EM. Mit Unterstützung der Familie haben wir an Ostern 2012 die bei der Kantonalen Landwirtschaftsschule in Mezzana (Tessin) gekauften Rebsetzlinge (auf der Unterlage 3309) gepflanzt und somit das Projekt gestartet. Jeder Stock erhielt eine Nummer zwecks eindeutiger Identifikation. Claudio Niggli bezeichnete dann zur Durchführung einer Studie 40 zufällig ausgewählte Stöcke, die mit Terra Preta Bokashi (mit gelbem Bändel auf den Fotos) sowie 40 Stöcke, die ohne Bokashi als Kontrollgruppe (rot/weisse Bändel) gepflanzt wurden. Die Frage der Studie war, ob es signifikante Unterschiede zwischen den beiden Pflanzarten bei den Gamaret-Stöcken gibt.

Resultate im ersten Jahr (2011)

Die Pflanzenschutzbehandlungen im ersten Jahr erfolgten mit Mycosan (Schwefel), Fenicur (chem. Mittel gegen Mehltau) und EM. Nach dem Blattfall im Herbst 2011 haben wir die Trieblängen ab der Veredelungsstelle gemessen. Dieser doch schon ansehnliche Zahlenberg war schwierig zu interpretieren. Zu Hilfe kamen uns dabei die beiden Grafikerinnen Barbara Hahn und Christine Zimmermann (Hahn + Zimmermann, Bern), die sich unter anderem mit der Visualisierung von Daten beschäftigen. Sie haben die gemessenen Trieblängen grafisch umgesetzt und damit eine interpretierbare Lesbarkeit erzeugt. Fazit der beiden Messungen mit und ohne Terra Preta Bokashi: Es sind keine signifikanten Unterschiede in der Trieblänge im ersten Pflanzjahr feststellbar, auch wenn unter den größten 10 resp. 20 Stöcken deren 8 resp. 12 mit Bokashi gepflanzt wurden.

Resultate im zweiten Jahr (2012)

Im zweiten Pflanzjahr haben wir folgende Anwendungen / Behandlungen vorgenommen (zu berücksichtigen sind dabei die hohen Jahres-Niederschlagsmengen im Tessin 2012 zwischen 1.600 und 2.000 l/m2/a):

– 9 x mit EMa / EM5 / Keramikpulver (gem. Angaben U. Rothenbühler)
– 4 x Mycosan (Schwefel)
– 4 x Kupfer
– 2 x Fenicur (gegen echten Mehltau)
– 3 x teilsynthetische Mittel gegen echten und falschen Mehltau
– Nach jedem Grasmähen Mulch mit EMa ca. 1 %-ig gespritzt

Die EM-Mittel haben wir stets getrennt von synthetischen Mitteln ausgebracht oder nur mit pflanzlichen Extrakten gemischt. Im zweiten Pflanzjahr war die Trieblänge nicht mehr aussagekräftig zu messen. Deshalb haben wir den Stammdurchmesser 20 cm über der Veredlungsstelle erfasst. Resultate der Messungen:

mit Terra Preta: Durchmesser 8 mm und größer: 27 Stück Durchmesser kleiner 8 mm: 13

ohne Terra Preta: Durchmesser 8 mm und grösser: 16 Stück Durchmesser kleiner 8 mm: 24

Hier zeigt sich doch, dass die Beimischung von Terra Preta Bokashi zu einem kräftigeren Wachstum geführt hat.

Fazit im zweiten Jahr:

Alle Setzlinge sind gut angewachsen – kein Ausfall. 3 Rebstöcke weisen ein geringes Wachstum auf (Wuchslänge unter 80 cm). Allgemein stellen wir gutes Triebwachstum und viel Blattwerk fest. Im September und Oktober entstand starker Druck und Befall mit falschem Mehltau. Mögliche Ursache ist die zu späte erste Spritzung im Frühling mit einer ersten Infektion, welche sich durch das warm-feuchte Wetter in den Herbstmonaten weiterentwickeln konnte.

Grafik: Trieblängen der 223 Rebstöcke im 2. Jahr mit und ohne Terra Preta Bokashi

Ergebnisse des dritten Jahres (2013)

Auch im dritten Pflanzjahr mussten wir in Folge schwachen Wachstums nochmals insgesamt 9 Stöcke auf 2 Augen zurückschneiden. Davon waren 8 mit Terra Preta und 1 ohne Terra Preta gepflanzt. 7 Stöcke stehen in der gleichen Reihe, welche allgemein einen schwachen Wuchs aufweist.

Ergebnisse des vierten Jahres (2014)

Generell war es ein schwieriges Jahr mit Trockenheit und Nässe zu unerwünschten Zeitpunkten (Jahresniederschläge von über 2.100 l/m2/a) und damit auch Befall mit echtem und falschem Mehltau. Auch die Kirschessigfliege machte sich im Tessin bemerkbar und reduzierte den ersten Traubenertrag um 30 %. Positiv ausgewirkt hat sich unseres Erachtens,
dass EM als Pflanzenschutzmittel bis zur Ernte angewendet werden kann. Die nach dem Abbeeren und Einmaischen sehr rasch startende Gärung (allerdings mit Trockenhefen) ist vermutlich auf den Einsatz von EM zurückzuführen.

Zusammenfassung und Dank

Die Wirksamkeit von Terra Preta Bokashi zeigt sich nicht unmittelbar nach dem Ausbringen sondern erst in den folgenden Jahren; wie weit sich dies weiter verfolgen lässt, bleibt im Moment noch offen. Wir werden die Behandlungen mit EM weiterführen und auch mögliche Betrachtungen und Messungen vornehmen. Für die materielle und ideelle Unterstützung in diesem Projekt danken wir ganz herzlich dem EM-Verein Schweiz, Ueli Rothenbühler von EM Schweiz AG und dem ehemaligen Delinat Institut mit Claudio Niggli sowie Barbara Hahn und Christine Zimmermann, Bern und nicht zuletzt unseren Pflanz- und Supportteam.

 

Annekäthi Bischoff und Jörg Wilhelm, Bremgarten bei Bern

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