Fukushima – 5 Jahre nach der Katastrophe – Teil 2

Prof. Higa mit Dr. Okumoto, Heidelbeerfarm in Iitate

Prof. Higa mit Dr. Okumoto, Heidelbeerfarm in Iitate

Ein Besuch in der Region

Roland Brändle, Präsident des Schweizer EM-Vereins, lebte und arbeitete viele Jahre in Japan. Anfang dieses Jahres reiste er zum wiederholten Mal in die Region Fukushima, um sich ein genaues Bild von der gegenwärtigen Situation zu machen. Diese Erfahrungen hat er in einem ausführlichen Bericht für das EMJournal zusammengefasst, dessen ersten Teil wir in der vorigen Ausgabe vorgestellt haben. Darin berichtete er über verschiedene Betriebe, die mit der Anwendung der Effektiven Mikroorganismen die Radioaktivität unter die Grenzwerte gebracht haben. Im zweiten Teil stellt er Laboruntersuchungen aus Japan und Weißrussland vor, wo Prof. Higa schon in den 1980er Jahren gezeigt hatte, dass der Einsatz von EM Radioaktivität verringert.

Laboruntersuchungen und Studien in Tschernobyl und Fukushima

Die vier im EMJournal 56 vorgestellten Beispiele der Reduktion von Radioaktivität widersprechen der gegenwärtigen Theorie, da ein Abbau entlang den Halbwertszeiten keine derartigen Reduktionen zulässt. http://fukushima-5-jahre-nach-der-katastrophe-teil-1 Man fragte sich deshalb, ob diese Reduktionen nur Messfehler darstellten. Zudem stand die Frage im Raum, ob die gemessene Radioaktivität, welche zu über 70% aus den obersten 4cm Erde stammt, durch das EMa mit einem pH zwischen 3 und 3.5 nur ausgewaschen wurde und in tiefere Schichte migrierte, so dass es der Oberfläche nur noch reduziert wahrgenommen werden konnte.

Deshalb entschloss sich die EMRO, vertiefte Studien unter Laborbedingungen zu machen, um Faktoren des Wetters oder der Auswaschung neutralisieren zu können. Zwei Studien wurden in Angriff genommen, die erste durch die Kooperation mit dem Institut der Radiobiologie der Nationalen Wissenschaftsakademie von Weißrussland (Dr. Aleksander Nikitin), welches nach dem Tschernobyl-Unfall gegründet wurde und mit dem die EMRO eine langjährige Partnerschaft pflegt. Die zweite Studie wurde von Dr. Shuichi Okumoto, dem EMRO Research Manager, erstellt.

Dr. Nikitin verwendete Erde aus Feldern bei Tschernobyl, dessen Radioaktivität bereits seit Jahrzehnten im Boden weilte und deshalb schon stark gebunden war. Der erste Versuch fand 2014 statt und wurde 2015 mit mehr Einheiten und leicht geänderten Versuchsreihen wiederholt. In offenen Kolonnen wurden im Labor je 66gr Erde eingefüllt und im Versuch 5-mal alle 7-10 Tage mit 100ml Flüssigkeit getränkt. Verwendet wurden dabei Wasser, EM·1 (mit 10-, 100- und 1.000-facher Verdünnung), sowie Essigsäure mit pH 2.0. Letztere wurde gewählt, um den Faktor Säure abzuklären, da eine höhere Auswaschungsrate durch saure Flüssigkeiten erwartet wurde, wie auch für schwach verdünnte Varianten von EM·1.

Laborversuch von Dr. Nikitin

Laborversuch von Dr. Nikitin

Die Auswaschungen der verschiedenen Versuchsreihen während den ca. sechs Wochen wurden gemessen, wobei wie erwartet die Essigsäure den stärksten Auswaschungseffekt zeigte, gefolgt vom 10%-igen EM·1. Vom Anfangswert der Radioaktivität wurde nun diese Auswaschung subtrahiert, gleich wie die erwartete, minimale Reduktion infolge der Halbwertszeit.

Eine große Überraschung bildeten schließlich die finalen Messdaten der Radioaktivität, bei denen die Kontrolle mit Wasser und die Essigvariante gemäß der Erwartungen abschnitten, während alle EM·1-Varianten eine unerwartete hohe Abnahme aufwiesen. Diese unerwarteten Abnahmen von ca. 70 Bq/kg entsprachen ca. 5% für weniger als 2 Monate, während die Halbwertszeit für 12 Monate nur ca. 2,3% betragen hätte.

Zur Sicherheit wurde dieser Versuch 2015 mit einer Kontrolle wiederholt, welche keine Flüssigkeit erhielt, die EM·1 Varianten wurden auf 10- und 100-fache Verdünnungen beschränkt, die Flüssigkeiten wurden 6-mal alle 10-15 Tage abgegeben und von allen Versuchen wurden 3 Repetitionen gemacht. Wieder waren die aktuellen Daten tiefer und besser als erwartet, wobei die EM-Varianten wieder signifikant höhere Reduktionen der Radioaktivität von ca. 20% innert 3 Monaten aufwiesen, welche mit heutigen Theorien nicht erklärt werden können.

Auswaschung von Cs137 der Proben durch Wasser, EM1 und Essigsäure

Auswaschung von Cs137 der Proben durch Wasser, EM1 und Essigsäure

Zweiter Laborversuch

Ein zweiter Laborversuch durch Dr. Okumoto erstreckte sich über fast 2 Jahre (690 Tage) und verwendete exakt 80 g getrocknete, gesiebte und gut gemischte Erde in 100ml Gefäßen, welche für die Messung der Radioaktivität geeignet waren. Auch hier wurden von allen Varianten 3 Versuchsreihen ausgeführt. Die Proben (außer der Kontrolle ohne Zugabe) wurden 6-mal behandelt mit Wasser oder mit EMa mit Konzentrationen von 25, 50, 75 und 100%, denen immer etwa 1.4% Molasse zur Aktivierung der Mikroben beigefügt wurde.

Vor jeder Behandlung wurden die verschlossenen Proben geöffnet und mittels Standardverfahren getrocknet. Die Radioaktivität wurde mit einem Präzisionsinstrument gemessen, einem NaI(TI)Szintillations Spektrometer, je separat für 137Cs und 134Cs. Die Halbwertszeit für 137Cs für 690 Tage würde eine Reduktion der Radioaktivität von 4.3% erwarten lassen. Die EMa-Varianten zeigten jedoch alle eine signifikant höhere Reduktion, nämlich 9-15%, wobei die Reduktionsrate mit zunehmender Konzentration der EM anstieg.

EMRO Laborversuch mit Cs137 Reduktionen nach 690 Tagen

EMRO Laborversuch mit Cs137 Reduktionen nach 690 Tagen

Diese Studien von Dr. Nikitin und Dr. Okumoto zeigen in kontrollierten Laborexperimenten, dass in EM-behandelter Erde die Radioaktivität von Caesium signifikant schneller abgebaut wird als bei Kontroll-Varianten ohne EM. Zudem zeigt die Studie von Dr. Okumoto einen erhöhten Abbau der Radioaktivität in Relation zur Konzentration von EM. Aus diesen Studien wie auch den anfangs erwähnten Feldversuchen zeigt sich, dass Radioaktivität mit EM schneller abgebaut wird, als mit heutigen Theorien erklärt wird – neue Erklärungen müssen gesucht werden, neue Hypothesen müssen formuliert und geprüft werden!

Dies sollte jedoch nicht nur eine theoretische Frage bleiben, denn in der Zwischenzeit verpassen wir die Chance, wenigsten einen kleinen Teil der Hinterlassenschaft des Reaktorunfalls besser zu beheben und wenigstens das Leid an den Rändern der kontaminierten Gebiete zu lindern. Wie das Beispiel der Cozmo-Farm zeigt, wäre die EM-Behandlung der behördlichen Entfernung der obersten Erdschicht (mit ungelöster Lagerung!) hoch überlegen und würde auch Lösungen für die Behandlung der Waldfläche anbieten.

Die japanische Regierung, die in Sachen Reaktorunfall jegliche Glaubwürdigkeit verspielt hat, bleibt strikt auf dem Pfad der akzeptierten wissenschaftlichen Beurteilungen. Dies zeigt uns wieder, wie wichtig die Entwicklung der wissenschaftlichen Erklärung der Wirkung von EM wäre, damit bei großen Katastrophen der EM-Einsatz mit offizieller Unterstützung umfassender zur Schadenminderung beitragen könnte – wie dies z. B. in Thailand gut funktioniert.

Großes Engagement in der Praxis

Die besuchten Bauern machten alle einen hervorragenden Eindruck bezüglich ihres Engage-ments für die Qualität ihrer Produkte und ihre Suche nach immer besseren Lösungen. Ich gewann den Eindruck, dass in diesem speziell schwierigen Umfeld nach der Naturkatastrophe und der nachfolgenden radioaktiven Kontamination die Leute sich wieder frisch motivieren konnten, weil ihnen EM ein effektives Instrument in die Hand gab, ihre Situation selbständig – und mit Unterstützung von EMRO – verbessern zu können.

Sehr beeindruckt war ich von den Herren Imaizumi und Yonekura der Cozmo-Farm, die EM seit über 20 Jahren verwenden, ursprünglich weil sie Katzen und Hunde züchten. In einer gut isolierten Halle können sie bis zu 40 t EMa pro Woche herstellen, wobei sie dem EMa bis zu 3% Salz beifügen und die Fermenter mit Lichtröhren mit Tageslichtqualität beleuchten. (Damit kann die Aktivität der Photosythesebakterien erhöht werden, die maßgeblich beim Abbau von Radioaktivität beteiligt sind.)

In der Zwischenzeit setzen sie EM derart vielfältig ein, dass sie zu einem Vorzeigebetrieb mit vielen interessanten Anwendungsbeispielen wurden. Einige wenige seien hier erwähnt: a) Große Holzscheite werden mit EMa begossen, worauf diese innert einem Monat zunder-trocken sind, wie sonst erst nach zwei Jahren; im Ofen brennen sie ohne Teer-Ablagerung an der Schutzscheibe ab. b) Die Katzenklos für die 18 Katzen im Haus sind mit Bokashi gefüllt, geben keinerlei Geruch ab, und das Bokashi eignet sich nachher als hervorragender Dünger für die Rosen. c) Die EM-Keramik Pipes zusammen mit etwas Pflanzenkohle halten das Aquarium sauber, produzieren ein üppiges Grün mit doppelt so breitem Blattwerk wie vorher. d) Seit sie auf dem Ofen ein täglich frisches Becken mit 33%-igem EMa haben, ist für ein gutes Raumklima gesorgt und der große Ventilator an der Decke tickt nicht mehr, sondern dreht lautlos seine Runden.

Der Qualitätsreis von Herrn Suzuki

Sehr interessant war es auch bei Herrn Suzuki, der EM bereits seit 23 Jahren einsetzt und über den auch schon in einem früheren EMJournal berichtet wurde. Seine Felder wurden durch den Tsunami mit Meerwasser überflutet und mit einer Schicht von 10 cm Unrat bedeckt, waren jedoch nicht von der radioaktiven Kontamination betroffen. Herr Suzuki produziert vier Reissorten von speziell hoher Qualität und verkauft seine gesamte Ernte von ca. 25 t im Direktverkauf an Köche renommierter Restaurants und an Privatleute. Dies ist in Japan sehr speziell, da die meisten Reisbauern ihre Ernte einfach den lokalen Genossenschaften übergeben.

Herr Suzuki wollte nach dem Tsunami aber unbedingt seine Kundschaft erhalten. Nach Konsultationen mit Prof. Higa entschloss er sich gleich nach dem Tsunami seine Felder nur mit EMa zu behandeln, ohne die Dreck-Schicht zu entfernen. Er war weit und breit der einzige, der im gleichen Jahr wieder Reis pflanzte, und sich prompt gegen Anfeindungen wehren musste. Eine Stele erinnert daran, wie er mit Hilfe der EMRO eine Grundwasserpumpe erstellen konnte, um sauberes Wasser zur Verfügung zu haben.

Alle waren erstaunt, dass er gleich im ersten Jahre eine sehr gute Ernte von gleichbleibend hoher Qualität ernten und seine Kundschaft behalten konnte. Offensichtlich vermochten die Effektiven Mikroorganismen den Unrat direkt als Nahrung zu nutzen, ohne dass eine Qualitätseinbuße in Kauf genommen werden musste. Herr Suzuki düngt ausschließlich mit seinem reichhaltigen Bokashi (1 t/ha) und hat kontinuierlich Ernten von über 5 t/ha, was ca. 10% höher liegt als der Ertrag seiner konventionell arbeitenden Nachbarn. Ganz speziell beeindruckt hat mich auch seine Qualitätskontrolle, mit der er alle Veränderungen in seinen Betriebsabläufen testet. Wenn neue Mittel oder Prozesse zur Anwendungen kommen, testet er diese immer zuerst auf einer kleineren Parzelle. Mit dem geernteten Reis füllt er eine Flasche zu einem Drittel, gibt ein weiteres Drittel Wasser dazu und lässt die Flasche bei Zimmertemperatur ein halbes Jahr stehen. Wenn er den Reis von konventionellen Herstellern kontrolliert, so füllt der Gestank den ganzen Raum. Wenn sein eigener Reis eine weißliche Flüssigkeit entwickelt, die wie Reiswein schmeckt, dann ist Herr Suzuki zufrieden und verwendet die Methoden auch auf weiteren Feldern. Seine einfache Methode sei den anderen Bauern schon bekannt, meinte er, sie würden sie jedoch nicht anwenden!

2-m-Abstand zwischen Dangos

2-m-Abstand zwischen Dangos

Die (praktische) Forschung  geht weiter

Alle besuchten Betriebe sind dauernd auf der Suche nach weiteren Verbesserungen. Die jüngste Verbesserung scheint die Nutzung von Pflanzenkohle-Dangos zu sein, die in allen diesen Betrieben als Versuch zur weiteren Reduktion der Radioaktivität eingesetzt werden. Einige Betriebe setzen diese Dangos (50% Pflanzenkohle, Bokashi, EMa, Keramikpulver) alle zwei Meter in 30-50cm Tiefe aus, während Herr Takizawa eher größere Einzeldepots entlang von Kraftlinien anlegen wird.

Danken möchte ich für die Unterstützung durch die EMRO (EM Research Organization) und die Herren Nakamine und Dr. Okumoto, die mir zwei Tage liebe und aufgestellte Führer waren und mir den eher schwierigen, lokalen Dialekt ins einfache Japanisch übersetzt haben.

Roland Brändle

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