Länderübergreifendes Modellprojekt: EM-Gewässersanierung in Litauen und Sachsen-Anhalt

Im EMJournal 41 (Aug. 2012) berichteten wir über den Beginn der Gewässersanierung auf dem Gut Zichtau in der Altmark. Das Besondere an diesem von der DBU (Deutschen Bundesstiftung Umwelt) geförderten Projekt war die länderübergreifende Zusammenarbeit. In diesem Teil schildern wir nun Planung und Durchführung auf dem Gut Astroji Kirsna in Südwest-Litauen.

Der Titel des Projektes lautet: „Sanierung der Gewässer in den historischen Parkanlagen Gut Zichtau, Sachsen-Anhalt (D) und Gut Astroji Kirsna (Litauen) unter modellhafter Anwendung der EM (Effektive Mikroorganismen)-Technologie“. Federführend war die Initiatorin, Christa Ringkamp, Landschaftsgärtnerin aus Berlin und umtriebige Gartenaktivistin, die die Möglichkeiten der EM-Technologie kannte und auf diese Weise breiter bekannt machen wollte. Der EM e.V. Deutschland wurde 2011 als Kooperationspartner eingeladen. Neben der antragstellenden Gartenakademie Sachsen-Anhalt mit Sitz in Zichtau waren miteinbezogen: die Schlösser- und Güterassoziation Litauens, die Technische Universität Magdeburg-Stendal und die Technischen Universität Vilnius in Litauen, das Gut Zichtau und der Förderverein Waldbad Zichtau. Assoziierte Partner sind das Gartennetz Deutschland e.V., Gartenträume – Historische Parks in Sachsen-Anhalt e.V., das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt und die Hansestadt Gardelegen.

Geschichte des Guts Astroji Kirsna

Der Name des Guts ist schon für das 16. Jahrhundert belegt. Besitzer, die immer wieder wechselten, sind seit dem frühen 19. Jhd. namentlich bekannt. Die historischen Bauten, das Gutshaus und Nebengebäude, Stallungen, Scheunen, Mühle und Brauerei stammen aus dem 18. und frühen 19.Jhd. In der Zeit zwischen den Weltkriegen wurden die Gebäude von der litauischen Regierung genutzt, u.a. für eine Landwirtschaftsschule. Schon bald nach dem Ende der Sowjetunion wurde die seit 1986 denkmalgeschützte Anlage von den Brüdern Nerijus and Naglis Narauskas gekauft und in einen Milchviehbetrieb und eine Reitsportanlage umgewandelt. Abgesehen von dem repräsentativen Haupthaus in klassizistischen Stil bestehen die alten Bauten aus Feldsteinen und z. T. kunstvoll verbauten Ziegeln. Der Landschaftspark mit elf miteinander verbundenen größeren und kleineren Teichen, deren Brücken und das Wegesystem von den heutigen Besitzern sorgfältig restauriert werden, ist ein einzigartiges, zu Recht geschütztes Ensemble.

Die Probleme

Auch wenn das Gebiet um das Gut nicht gerade hüglig ist, haben diejenigen, die den Park anlegten, die leichte Neigung des Geländes geschickt ausgenutzt und elf Teiche so angelegt, dass sie harmonisch ineinander fließen. Wohl in erster Linie wegen der landwirtschaftlichen Nutzung der Felder rund herum waren die Teiche aber nicht so sauber wie sich das die Besitzer wünschten. Schließlich hatten sie vor, über mehrere Jahre den gesamten Park in seiner alten Schönheit wiederherzustellen. Deshalb boten sie ihren Betrieb für dieses Modellprojekt auch gerne an. Denn wenn die EM-Technologie diese Gewässer in Ordnung bringen kann, würde sich ein großes Feld dafür auftun. In Litauen werden historische Parks und alte Gutshäuser – die in der Zeit der russischen Besatzung stark vernachlässigt worden waren – sehr gepflegt, aber fast alle haben auch Probleme mit ihren Gewässern.

Der EM-Einsatz

Dass aber auch problematische Entscheidungen getroffen werden können, wenn man mit EM nicht vertraut ist, zeigte sich in der Vorbereitung. Zu dem Zeitpunkt, als der EM e.V. in das Projekt einbezogen wurde, war schon eine Vorentscheidung für den Einsatz von EM getroffen. Da die Mittel nicht ausreichten, um alle elf Teiche zu behandeln, entschloss man sich, nur die fünf mittleren zu nehmen. Als der EM e.V. dann im November 2011 zum ersten Mal das Gelände in Augenschein nehmen konnte, wurde der Plan jedoch modifiziert: Da die Teiche ja ständig durchflossen werden, könnte sich der größte Teil der Mikroorganismen nicht im Sediment etablieren und würde schlicht wegfließen. Deshalb entschloss man sich, nur in einen der beiden oberen Teiche EM zu geben und parallel sowohl das Futter als auch den Stall der Milchkühe zu behandeln. Als Ursache für die Belastung der Teiche wurde überhöhter Nährstoffeintrag über die umliegenden Felder ausgemacht. Proben ergaben erhöhte Nitrat- und Phosphorwerte. Bei einer zukünftigen Düngung mit EM-fermentierter Gülle würde sich der Schadstoffeintrag erheblich reduzieren, da diese Gülle weniger Schadstoffe enthält und vom Boden viel besser aufgenommen wird. Gleichzeitig kann mit Hilfe der Mikroorganismen Humus aufgebaut werden, der wiederum als Wasser- und Nährstoffspeicher dient. Günstig war hier die Tatsache, dass zwei gleich große Ställe und Güllekammern existierten, so dass ein Stall mit ca. 200 Tieren mit auf dem Hof hergestelltem EMa versorgt werden konnte, und dementsprechend auch ein Gülletank mit EM-Gülle gesammelt wird. Der andere Stall wäre dann die Vergleichskontrolle. Auf diese Weise hätte der Bauer einen guten Vergleich.

Anwendung der EM-Technologie

Darius Ozeneckas, vom EM-Vertrieb in Litauen, brachte im Sommer 2012 eintausend Liter EMa in den exemplarisch ausgewählten Teich ein. Zusätzlich wurden 60 Stück EM-Keramik-Pipes 35 mm in mehrere Teichüberläufe installiert. Während der Sommermonate sollte dem Tierfutter 50 ml EMa/Kuh beigemischt werden, im Winter entsprechend Futterbokashi. Ausserdem war geplant, die Ställe regelmäßig auszusprühen, damit genügend EM in die Gülletanks gelangt. Die Kooperation der Partner vor Ort ist immer von größter Bedeutung. Zwar scheint von der zuständigen Veterinärin ordentliches EMa produziert worden zu sein, sie hat aber aus Unkenntnis und Bequemlichkeit die Menge pro Tier halbiert, damit nicht nur ein Stall, sondern alle Tiere mit EM versorgt wurden. Nicht nur war dadurch der Vergleich hinfällig, die Ergebnisse waren auch wenig aussagekräftig, weil ja jedes Tier nur die Hälfte der vorgesehenen Menge erhielt. Es bleibt zu hoffen, dass der zweite Schritt, nämlich die Behandlung der Silage mit EM tatsächlich durchgeführt wird, um den Kreislauf zu schließen, wie es von Anfang an geplant war.

Resumee

Der Winter in Litauen ist länger und härter als bei uns. Deshalb haben die Mikroorganismen nur wenige warme Monate Zeit, ihre Wirkung zu entfalten. In den Mägen der Kühe ist es allerdings das ganze Jahr über warm genug. Es ist noch nicht entschieden, in welchem Umfang das Projekt hier fortgeführt wird. Nur eine konsequente Anwendung und genaue Beobachtung kann zum Erfolg führen. Die Gegebenheiten dafür sind sehr gut, die Entscheidung liegt aber bei den Besitzern des Guts. Bleibt nur zu hoffen, dass sie sich mit den EM-Partnern in Litauen verständigen und die begonnene Arbeit fortführten. Wir können dem schönen Landschaftspark jetzt nur Glück, eine geschickte Hand für die Zukunft und unseren Rat anbieten.

Pit Mau

Lesetipp: Teil 1 dieses Artikels über das Gut Zichtau in der Altmark erschien im EM Journal 41/August 2012

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