Die weißen Rinder der Toscana – eine 2000 Jahre alte Züchtung

Chianina Rinder auf dem Hof Due Torri in der ital. Provinz Umbrien

Chianina Rinder auf dem Hof Due Torri in der ital. Provinz Umbrien

Eine der Betriebsbesichtigungen der Vertreter der europäischen Vereine Anfang Mai führten zu einem interessanten Demeter-Betrieb in der Nähe der mittelitalienischen Stadt Spello, den eine Woche später auch eine Reisegruppe des Schweizer Vereins besuchte.

Die älteste Rinderrasse

Beim Besuch auf dem Betrieb von Fabio Ciri, der Azienda Le due Torri (Gut der zwei Türme) in Spello in der mittelitalienischen Provinz Umbrien fallen einem sofort die beeindruckenden Chianina-Rinder auf. In edlem Weiss mit schwarzen Augen, schwarzem Maul und Klauen beeindrucken sie zudem mit ihrer Grösse und Masse. Typisches Kennzeichen des Chianina Rinds ist das rosa-braune Fell bei der Geburt, das beim ausgewachsenen Tier eine porzellanweiße Färbung annimmt.

Bei der Geburt rosarot entwickeln die Kälber bald ihr perlweißes Fell

Bei der Geburt rosarot entwickeln die Kälber bald ihr perlweißes Fell

Das Chianina-Rind mit einem Stockmaß von bis zu 1,80 Meter und einem Gewicht von bis zu 1.500 Kilogramm gehört weltweit zur größten Rinderasse und auch zur ältesten. Sie ist schon auf Darstellungen der Etrusker zu sehen, und Plinius der Ältere hat sie in seiner «Naturgeschichte» am Anfang unserer Zeitrechnung erwähnt. Dass sich die Chianina so lange gehalten hat, hat viele Gründe, heute spielt aber die herausragende Fleischqualität die größte Rolle. Immerhin zahlt man für ein echtes «Bistecca fiorentina» gern eineinhalb bis doppelt so viel wie für ein normales Beefsteak. Fabio Ciri züchtet diese alte, ursprünglich aus der Toscana stammende Rasse hier seit vielen Jahren.

Junger, kraftvoller aber entspannter Chianina-Bulle

Junger, kraftvoller aber entspannter Chianina-Bulle

Der Betrieb Due Torri

Angefangen hat Fabio Ciri mit der übernahme des Hofes seiner Mutter 1992. Es war ein konventionell geführter Betrieb, den er aber umgehend auf Bio umstellte. Für ihn war nach langer Suche und intensiver Recherche die anthroposophisch orientierte Demeter-Landwirtschaft am überzeugendsten. Er wollte optimal produzieren, ganz gleich ob es sich um die Rinder handelt oder um die Ackerfrüchte, die er auf 200 ha anbaut. Seine Suche nach den besten Methoden für seinen Betreib führte ihn auch zu einem Vortrag von Vanni Ficcola, sehr aktiver EM-Berater und Präsident des italienischen EM-Vereins, wo er vom Einsatz der Effektiven Mikroorganismen überzeugt wurde, und 2015/16 begann, sie vorsichtig auf seinem Betrieb einzusetzen. Neben der Rinderzucht baut er Getreide, Mais und Leguminosen an, vorwiegend für die Fütterung seiner Tiere.

Das drängendste Problem, das er bewältigen musste, war die hohe Sterblichkeitsrate bei den Rindern. Die Hoffnung, diese Situation zu verbessern, war ein wesentlicher Grund für seine Entscheidung, EM auf seinem Betrieb einzuführen. Fabio begann als erstes, EM im Trinkwasser der Tiere einzusetzen, weil ihm das am einfachsten erschien. Später mischte er zusätzlich EM in den Futtermischwagen. Der nächste logische Schritt war dann das Silieren mit EM.

Ein gutes Stück südlich von Spello besitzt sein Vater einen Hof, der aber konventionell geführt wird. Von dort bekommt er den Mais, den er inzwischen auch mit EM auf seinem Betrieb siliert. Leider ist es ihm bisher noch nicht gelungen, seinen Vater und die Leute auf diesem Betrieb von dem Einsatz der Effektiven Mikroorganismen zu überzeugen – oder gar auf biologische Landwirtschaft umzustellen.

Zur Maissilage wird Heu (Gras und Luzerne) als Grundfutter gegeben. Es wird während der Vegetationsperiode mit EM behandelt, nicht nach dem Mähen.

Bei seiner Herde handelt es sich ja nicht um Milchkühe; das hat den erfreulichen Effekt, dass die Kälbchen bei der Mutter bleiben können. Das ist sicher auch ein Grund dafür, dass nicht nur die einzelnen Tiere, sondern die gesamte Herde sehr ruhig und entspannt wirkt. Auch ist es selbstverständlich, dass ein biodynamischer Betrieb den Tieren nicht die Hörner absägt. So sehen die prächtigen Tiere nicht nur sehr viel schöner aus, sie fühlen sich auch in der Herde wohler. Verletzungen, sagt Fabio, kommen durch die Hörner nicht vor.

Es gibt ein einziges Manko auf dem Betrieb: die Tiere können nicht auf Weiden grasen, wie es eigentlich ihre natürliche Bestimmung ist. Der Grund ist erstaunlich: Nachdem ihm bei Nacht und Nebel acht Tiere von der Weide gestohlen worden sind, hat sich Fabio entschlossen, sie nur noch auf dem Hof zu halten, wo sie in den schattigen Hallen herumlaufen oder sich ausruhen können, oder aber in verschiedene Richtungen Auslauf haben.

EM auf allen Feldern

Für Fabio passen EM und die Nutzung der Präparate nach Rudolf Steiner sehr gut zusammen. EM ist für ihn das „Tüpfelchen auf dem i“. Nach seiner Erfahrung ist es sinnvoll, zunächst die verrührten Präparate, die zur biodynamischen Landwirtschaft gehören, auszubringen und anschließend mit einem Abstand von ca. zwei Wochen EM zu nutzen. Auf seinen Feldern setzt er durchschnittlich 100 l EM (Emiko Fertigprodukte) pro Hektar ein. Er ist sehr zufrieden, denn er hat zum einen eine Steigerung der Bodenfruchtbarkeit beobachtet und dementsprechend auch einen gesteigerten Ertrag erwirtschaftet. Auch die Qualitäten sind überzeugend und – gerade für einen Demeter-Betrieb – von größter Bedeutung.

Weiter auf der Suche nach der Optimierung Dennoch gibt es eine Reihe von Stellschrauben, an denen er noch drehen wird, um seinen Betrieb zu optimieren. Das Gute daran ist, dass er immer offen ist für Vorschläge, andere Meinungen und Einschätzungen geradezu sucht, ohne seinen eigenen Weg zu vergessen oder zu verleugnen.

Fabio Ciri ist weiterhin brennend interessiert an den Erkenntnissen, die ihm die EM-Technologie bieten. Er ist so geblieben wie er von Anfang an war: neugierig und versessen darauf, für die ihm anvertrauten Tiere und Ländereien die bestmöglichen Wirtschaftsweisen zu finden und umzusetzen.

Fabio Ciri auf einem seiner Felder

Fabio Ciri auf einem seiner Felder

Martina Schwegler/Pit Mau

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