Im Krankenhaus wird geheilt, manchmal aber auch erst infiziert

Im Krankenhaus genutzte konventionelle Reinigungsmittel basieren in der Regel auf einer chemischen Basis mit hoher Umweltbelastung

Eine aktuelle Studie hat gezeigt, dass mit Hilfe probiotischer Reinigungsmittel eine Ausbreitung von pathogenen Keimen in Krankenhäusern signifikant verringert werden kann. In der Untersuchung der Universität Ferrara (Italien) wurde in einigen Krankenhäusern das herkömmliche chlorhaltige Reinigungsmittel durch Probiotika ersetzt.

In Italien wurde 2016/2017 in ausgewählten Krankenhäusern eine Studie über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Anzahl neu auftretender Infektionen im Krankenhaus (HAI) und einem – neu eingeführten – probiotischen Reinigungssystem (PCHS) durchgeführt.

HAI: Healthcare-associated Infections/Infektionen im Zusammenhang mit dem Gesundheitswesen

PCHS: Probiotic Cleaning Hygiene System / Probiotisches Reinigungs-/Hygiene-System

Mit dem Gesundheitswesen verbundene Infektionen sind ein globales Problem, das im Zusammenhang mit der zunehmenden Arzneimittel-Resistenz von Krankheitserregern steht. Auch eine anhaltende Kontamination der Oberflächen im Krankenhaus mit klinisch relevanten Krankheitserregern kann zu unerwünschten Übertragungen beitragen und wird durch herkömmliche Reinigung nicht immer genügend eingedämmt. Die Oberflächen in den untersuchten Krankenhäusern wurden bisher mit konventionellen Hygiene-Produkten auf chemischer Basis gereinigt, die eine Rekontamination nicht komplett verhinderten, zur Resistenzbildung beitragen konnten und eine hohe Umweltbelastung aufwiesen.

In italienischen Krankenhäusern – so haben bisherige Studien gezeigt – infizieren sich circa fünf bis zehn Prozent der Patienten mit Krankenhauskeimen. Deren Sterblichkeitsrate wiederum beträgt zwanzig bis dreißig Prozent. Zu den Infektionen gehören zum Beispiel Harnwegsinfektionen, Blutkreislaufinfektionen, gastrointestinale Infektionen, Haut- und Weichteilinfektionen, Lungenentzündungen, Infektionen der Operationsstelle sowie weitere Infektionen, die erst im Laufe des Krankenhaus-Aufenthaltes aufgetreten sind.

Die Studie der Universität Ferrera (Italien)

Ziel der Studie war zum einen, herauszufinden, ob die Anwendung von probiotischen Reinigungsmitteln (PCHS) die Infektionsrate der Patienten mit pathogenen Keimen im Krankenhaus beeinflussen kann. Zum anderen sollte geklärt werden, ob ein ökologisch nachhaltiges Reinigungssystem auf Probiotika-Basis, Pathogene (etwa Staphylococcus spp., Enterobacteriaceae spp.) auf den Oberflächen im Krankenhaus stabil abbauen kann, ohne antibiotika-resistente Arten zu begünstigen.

Eine Vorher-Nachher-Betrachtung von sechs italienischen öffentlichen Krankenhäusern wurde im Zeitraum von 18 Monaten in den Abteilungen für Innere Medizin durchgeführt (01/2016 – 06/2017). Im Laufe der Studie wurde die konventionelle Hygiene durch ein Reinigungssystem auf Probiotika-Basis ersetzt – bei ansonsten gleichen Rahmenbedingungen. So gab es zum Vergleich eine erste Phase mit dem bisherigen Reinigungssystem, aus der Messdaten gewonnen wurden, und eine zweite Phase, in der mit dem probiotischen Reinigungssystem PCHS gearbeitet wurde.

Probiotisch gereinigt wurden die Patientenzimmer und die Flure sowie exponierte Oberflächen wie z.B. die Bretter an den Fußenden der Betten – keine weiteren medizinischen Bereiche. Zusätzlich zur HAI-Quote der Neuinfektionen wurden auch die Oberflächenkeime und Resistenzen kontinuierlich gemessen und dokumentiert. Eines der Krankenhäuser diente als „Kontroll-Krankenhaus“, in dem konventionell weiter gereinigt wurde.

In den Patientenzimmern wurden Proben von Boden, Bettfußbrett und Waschbecken genommen

Ergebnis

Es zeigte sich, dass die Zahl der Infektionen (HAI) während des Einsatzes von probiotischen Reinigungsmitteln signifikant von 4,8 auf 2,3 % abnahm. Die HAI-Inzidenzrate pro 1.000 Patien-tentagen verringerte sich in den fünf Krankenhäusern von 5,4 auf 2,4 Tage. Im Vergleich dazu lag diese Rate im weiterhin chemisch-gereinigten Kontrollkrankenhaus bei 9,4 Tagen. Ähnlich deutlich verringerte sich auch die Gesamtzahl der HAI-assoziierten Bakterien, die bei den HAI-Patienten gefunden wurden (E.coli, E.faecalis, S.aureus, P.mirabilis und weitere), von durch-schnittlich 332 in der Vor-Phase auf 137 während der Phase der probiotischen Reinigung.

Inzidenz: Anzahl neu auftretender Erkrankungen innerhalb einer bestimmten Personengruppe während eines bestimmten Zeitraums

Die Menge der Oberflächen-Pathogene nahm im Vergleich zum Zeitraum mit konventioneller Hygiene im Schnitt um 83 % ab. Die Zahl der probiotischen Mikroben auf den Oberflächen stieg währenddessen von 0 auf 69,8 % der gesamten Oberflächenmikroben. Dies deutet darauf hin, dass die probiotischen Mikroben bereits vorhandene Krankheitserreger verdrängen und ersetzen sowie die Ausbreitung neuer potenziell pathogener und arzneimittel-resistenter Keime begrenzen. Auch die mikrobielle Resistenz der Krankenhauskeime gegen Desinfektionsmittel und Antibiotika wurde im Untersuchungszeitraum geringer. Dabei liegt das Risiko, dass durch die probiotischen Mikroben des PCHS-Systems Infektionen entstehen könnten, bei 0 %.

Damit zeigt die Studie die positive Wirkung eines probiotischen Hygieneverfahrens in den Krankenhäusern zur Senkung der HAI-Infektionsrate. Zum Wohle der Patienten konnte  das Risiko, sich während eines Krankenhausaufenthaltes mit pathogenen Keimen zu infizieren, reduziert werden.

Die gesammelten Erkenntnisse können dazu anregen, die Rolle des Reinigungswesens im  Gesundheitsbereich zu überdenken. Der gezielte Einsatz von probiotischen Reinigungsmitteln kann ein wirksames Instrument im Rahmen der Infektionsprävention sein und wäre – ohne eine nennenswerte Erhöhung der Kosten – darüber hinaus ökologisch sinnvoll. Und das nicht nur im Krankenhaus, sondern in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Im Rahmen der Studie wurde das probiotische Reinigungssystem PCHS genutzt, ein Service der Firma Copma Scrl (Ferrara, Italien).

Andrea de Moll

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