Regeneration nach Chemieunfall

Am 7. März 2012 entdeckten Spaziergänger an der Alz im Landkreis Altötting eine starke Schaumbildung im Fluss und schlugen Alarm. Es stellte sich heraus, dass beim Löschen eines Brandes im Werk der Fa. Clariant, vormals Höchst (Hersteller von Erzeugnissen für die Waschmitteproduktion), das Rückhalte – becken mit einem Fassungsvermögen von 21.000 m³ durch einfließendes Löschwasser zum überlaufen gebracht worden war. Etwa neun Stunden lang lief das mit der ätzenden Chemikalie „Genantin“ belastet Abwasser in die Alz und vernichtete auf Kilometer alles Leben. 

Ein idyllischer Fluss in seinem natürlichen Bett: die Alz

Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt, diverse „Würdenträger“ und natürlich die Presse waren schnell zur Stelle. Dann am nächsten Tag die Meldungen, die den Unmut in der Bevölkerung wieder beschwichtigen sollten: „Keine Belastung im Grundwasser“ und der berühmte Satz: „Zu keinem Zeitpunkt habe eine Gefahr für die Bevölkerung bestanden.“ Der Fischbestand (6,5 Tonnen Fischkadaver wurden aus der Alz geschöpft) und alle sonstigen in diesem Gewässer vorkommenden Lebewesen verendeten. In wieweit Tiere betroffen waren, die sich aus der Alz ernähren, entzieht sich meiner Kenntnis. Anschließend folgte dann die langwierige Suche nach dem Schuldigen, bzw. wer denn die große Rechnung zahlt. Und das dauert verdammt lange.

Die Alz

Die Alz verlässt bei Seebruck den Chiemsee. Nach ca. 63 km mündet sie in den Inn. Dazwischen gibt es jede Menge wunderschöner, idyllischer Fleckchen, ab Trostberg leider auch jede Menge Chemieindustrie. Außerdem gibt es ab Trostberg mehrere Kanalausleitungen, sodass nur noch ein Bruchteil des Wassers im ursprünglichen Flussbett die Innmündung bei Haiming erreicht. Zum Vergleich: 12,7 m³/sek ist die mittlere Abflussmenge der Alz bei Burgkirchen, im Alz- Kanal liegt diese bei bis zu 75 m³/sek. Er mündet kurz nach Burghausen in die Salzach.

Hilfe mit Dangos

Seit dem Unfall werden die Wasserwerte laufend geprüft, und angeblicht hat sich vor allem die Besiedelung mit Klein- und Kleinstlebewesen wieder sehr gut entwickelt. Nur der Fisch lässt auf sich warten. So der aktuelle Stand nach einem Telefonat mit dem Wasserwirtschaftsamt in Traunstein. Das ist doch eine positive Meldung, wie schnell sich die Besiedelung des Flussbettes mit Kleinstlebewesen zum Guten entwickelt hat. Dazu hat sicher folgende Aktion beigetragen: Anfang April hat eine besorgte Anwohnerin der Alz viele Leute aus ihrer näheren Umgebung eingeladen, um Bokashiknödel, so genannte „Dangos“ herzustellen. Aus Lehm, Urgesteinsmehl, Keramikpulver, fermentierter Weizenkleie und natürlich EMa wurden an diesem Nachmittag von ca. 20 Personen etwa 1.000 dieser Knödel geformt. Am Schluss nahm jeder einen Teil mit, um sie nach einer Trocknungszeit von etwa vier Wochen an unterschiedlichen Stellen in der Alz abzulegen. Die Dangos brauchten je nach Strömung bis zu 3 Wochen, bis sie sich komplett aufgelöst hatten. Ich hoffe, dass sich bald auch wieder ein gesunder Fischbestand in diesem Bereich der Alz wohl fühlt und sich eine gesunde Flora und Fauna – ungestört durch Chemikalien – entwickeln darf. Gerade diese Aktion hat einmal mehr gezeigt, dass ein Miteinander immer wichtiger wird. Die Welle der Hilfsbereitschaft ist meist größer als man zu hoffen wagt. Ein wunderschöner Nebeneffekt ist das Entstehen neuer Freundschaften und die Erkenntnis, dass EM in unserem Landkreis bekannter ist, als ich je vermutet hatte.

Veronika Kunz

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