Vom „wachse oder weiche“ zum naturnahen EM-Betrieb

Der elterliche Hof mit 25 Kühen wurde nach der Übernahme der Nachfolger auf gut 120 Kühe erweitert und alles nach modernen Prinzipien umgestellt, bis Krankheiten und Todesfälle den Betrieb an den Rand des Ruins brachten. Wir berichten, wie der Weg hin zum gesunden Bio-EM-Betrieb gelang.

Es war ein glühend heißer Sommertag, als ich mittags auf das alte Gut Wellingerode zufuhr. Ein Schlepper mit angehängtem Tank kam mir entgegen. Sofort dachte ich, wegen der Hitze wird Wasser gefahren, denn ich hatte alle Fenster offen und es lag nicht der geringste Güllegeruch in der Luft. Aber ich irrte: Es wurde Gülle auf die Weiden um das Gut herum ausgebracht, aber EM-fermentierte, lebendige Gülle, die überhaupt nicht stank!

Überzeugt von den Empfehlungen der Landwirtschaftsberater

Mit seiner Frau Jeannette übernahm Bernd Lange 1994 den kleinen Milchviehbetrieb von den Eltern. Als junge Bauernfamilie ließen sie sich intensiv beraten und folgten dem von allen Landwirtschafts-Fachleuten propagierten Prinzip des „wachse oder weiche“. Sie bauten einen neuen modernen Stall, stockten die Herde auf und kauften im Laufe der Zeit die entsprechenden Milchquoten dazu.

Auf dem alten Hof lebten die 25 Milchkühe ausschließlich vom Futter des eigenen Hofes und gaben durchschnittlich etwa 5.000 l Milch pro Jahr. Dies änderte sich nun. Die Kühe blieben ganzjährig im Stall, damit genügend Grassilage in bis zu sechs Schnitten pro Jahr eingefahren werden konnte. Zusätzlich musste Kraftfutter zugekauft werden, um die Milchleistung zu erhöhen. Konnte in der Vergangenheit Weizen vom eigenen Ackerland verkauft werden, wurde stattdessen nun Mais für die Maissilage angebaut.

1999 hatten sie 120 Milchkühe mit einer Milchleistung von gut 10.000 Litern pro Kuh und einer niedrigen Remontierungsrate (Zukauf von Tieren, wegen Abgängen oder Unfruchtbarkeit). Im Jahr 2000 standen sie schon unter Druck, weil die Kühe mehr Milch gaben als ihre Quoten erlauben, also mussten noch mehr Tiere (mit den Quoten) zugekauft werden.

Im Winter 2000/2001 gab es die ersten überraschenden Todesfälle. Die Ursache: Botulismus. (Botulismus (bei Rindern) ist eine vom Bakterium Clostridium botulinum hervorgerufene Vergiftung , die tödlich verläuft. Das Gift entsteht u.a. bei der Zersetzung von Tierkadavern im Futter und toten Tieren, die vor allem beim Mähen in Bodennähe umkommen.). Die Gesundheit der Herde nahm dermaßen ab, dass die Remontierungsrate bald bei 100 Prozent lag, d.h. alle Kühe mussten im Laufe eines Jahres durch Zukäufe ersetzt werden. Auf der Suche nach den Ursachen stellte sich heraus, dass das eigene Futter so verseucht war, dass es nicht mehr gefüttert werden konnte. Sämtliches Futter musste nun gekauft werden – ein finanzielles Desaster.

v. l.: Jeanette, Tochter Viktoria und Bernd Lange

v. l.: Jeanette, Tochter Viktoria und Bernd Lange

Der Umschwung

Jeannette Lange, von Beruf Tierärztin, besuchte 2003 eine Tagung über Botulismus. Zum ersten Mal lernte sie, die Probleme unter mikrobiologischer Sicht zu sehen. Hier hörte sie auch zum ersten Mal von EM. Bald darauf kaufte sie die deutsche Übersetzung von Prof. Higas erstem Buch Eine Revolution zur Rettung der Erde. Auf der Suche nach Lösungen ihres existentiellen Problems setzten sie auf die EM-Technologie als wesentlichen Baustein.

Der Maßnahmenkatalog für eine Verringerung des Clostridieneintrags umfasste zunächst, das Gras nicht mehr (wie vorher empfohlen) kurz über dem Boden abzuschneiden, sondern so, dass keine Erde mit aufgenommen werden kann. Wildschadenflächen wurden nicht mehr für Futter genutzt. Es wurde mehr Mais angebaut, da er nicht bodennah geerntet wird. Und schließlich wurde EM in den Futtermischwagen gegeben, so dass eigenes wie zugekauftes Futter immer mit EM versetzt war.

Im Laufe der nächsten Jahre veränderten die Langes ihre gesamte Philosophie. Nicht zuletzt durch die Erkenntnisse Prof. Higas setzten sie ganz auf die Bodenfruchtbarkeit. Denn hier liegt die Basis für den Erfolg des Landwirts. Sie begannen die Silage mit EM zu fermentieren. Da sie selbst EMa herstellten, konnten sie es vielfältig einsetzten: Das gelegentliche Vernebeln im Stall verbesserte die Stallhygiene und die Tiergesundheit nachhaltig. Zudem gelangte so zusätzliches EM in die Gülle.

Je regelmäßiger die Spaltenböden mit EM gereinigt wurden, desto besser wurde die Gülle. Gute Erfahrungen haben sie damit gemacht, im Frühjahr zusätzlich zu EMa Melasse in die Gülle zu gießen, um den Mikroben zusätzlich Zucker zur Verfügung zu stellen. Diese Gülle lebt, stinkt überhaupt nicht und hat eine viel bessere Düngewirkung. Den Böden wurde die Lebendigkeit zurückgegeben.

Im Laufe der Zeit kamen weitere Maßnahmen hinzu. Die Wasserzuleitungen wurden mit EM-Keramik bestückt und so die Wasserqualität erheblich verbessert. In die Liegebuchten wurde Gesteinsmehl gestreut. Und die Tiere kommen wieder auf die Weiden.

Natürlich gehören weitere Maßnahmen dazu, z. B. keine schweren Maschinen mehr auf den Acker oder die Wiesen zu bringen, um den kostbaren Boden zu schützen.

Verantwortung für Tiere, Mensch und Umwelt

Als logische Folge dieses Wandels stellte der Betrieb um und wurde 2011 Bioland Partner. Im selben Jahr hielt Jeannette Lange ihren spannenden Vortrag auf der Mitgliederversammlung des EM e.V. in Melsungen.

Heute gibt es neben den 50-60 Kühen und ca. 10 Kälbern noch fünf Pferde, Katzen und einen freundlichen Hütehund. Die Rinder stehen auf gut 30 ha Grünland (Klee-/Luzernegras), auf den 40 ha Ackerland wird Getreide in Mischkultur kultiviert.

Gülle ohne unangehnemem Geruch

Gülle ohne unangehnemem Geruch

Mit den Veränderungen haben sie einen Betrieb geschaffen, der nicht mehr nur einzelne Betriebsteile optimieren will, sondern der das gesamte System betrachtet; es ist ein durch und durch nachhaltig wirtschaftender Betrieb geworden, dem es auf eine besonders bodenschonende, humusfördernde Wirtschaftsweise und ebensolches Weidemanagement ankommt. Zwar melken sie durchschnittlich nur noch ca. 5.000 l Milch – aber Bio-Milch von EM-gepflegten Kühen –, dafür haben sie eine kerngesunde Herde und sehr viel weniger Probleme und Stress.

Darüber hinaus leistet der Betrieb einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Klimaschutz. Denn jeder Humusaufbau bindet CO², ebenso wie das Stallmanagement mit EM CO² bindet.

Selbstbewusst haben sie ihrem Betrieb und ihrer Wirtschaftsweise das Motto „Gesunder Boden – gesunde Pflanzen – gesunder Mensch, gesundes Tier“ gegeben. Viel wäre gewonnen, wenn sich mehr Landwirte diesen Prinzipien anschließen würden.

Pit Mau

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