Aufforsten… in den bolivianischen Anden – ein sozial-ökologisches Projekt

Mit dem ökologischen Jugendzentrum im bolivianischen Anden-Hochtal von Cajamarca wird ein beispielhafter Beitrag zur Biodiversität, zum Klimaausgleich und zur Umweltpädagogik geleistet. Dort haben 1990 auf Erosionsland in 3200 m Höhe Dozenten der Pädagogischen Universität Sucre das Centro Ecológico Juvenil (CEJ) gegründet. Sie wollten bei ihren Studenten Umweltbewusstsein durch praktischen Unterricht in der Natur und mit der örtlichen Bevölkerung schaffen. Dank privater Unterstützung aus Deutschland und Bolivien hat sich seither daraus ein komplexer Betrieb entwickelt, der Aufforstung mit integraler Waldwirtschaft, Wasserspeicherung und regionaler Entwicklung verbindet. Teilnehmer und Gäste aus Städten und Dörfern Boliviens besuchen Seminare und Werkstätten und kooperieren bei Information, Animation und Arbeitseinsätzen zur Sanierung der Umwelt. Inzwischen sind in dem bergigen Gebiet schon 400 Hektar gepflanzter Wald entstanden, mit Kiefern, Eukalyptus, Pappeln, Zedern, Zypressen, Tarcos, Kewiñas, Jarcas, durchsetzt mit Ginster und vielen anderen einheimischen Büschen.

Das Zentrum unterstützt auch die indigenen (einheimischen) Landbewohner bei der Aufforstung ihrer landwirtschaftlich nicht nutzbaren Bergabhänge. So verändert sich das Erosionsland mit ehemals kahlem Steinboden und magerem Grasland neben Felsen und tiefen Bergeinschnitten stetig in eine grüne Zone von Wald, Wiesen, Gärten, Obstbäumen und Blumen. Wildtiere siedeln sich an und viele Haushalte ziehen nun Hühner, Gänse, Enten, Kaninchen, Hunde, Esel und Pferde, zusätzlich zu den Schafen und Ziegen, die hier schon immer die Hänge abweideten.

Erfolge durch kontinuierliche Arbeit

Seit über 100 Jahren versorgt das Hochtal die 30 Kilometer entfernte Hauptstadt Sucre mit Trinkwasser über einen Kanal, der über neun Kilometer die Quellen aus den Bergabhängen sammelt. Die Nachhaltigkeit dieser Wasserversorgung wird nun durch das neue Waldbiotop abgesichert. Das Klima ist ausgeglichener geworden, die Speicherqualität des Bodens nimmt kontinuierlich zu. Schon werden Humusschichten bis zu 50 cm gemessen. Die Biodiversität hat sichtbar zugenommen. Für die nahe Stadt mit ihrem hohen CO2-Ausstoß wurde ein Absorbsionsfilter geschaffen und für ihre Bewohner gibt es einen Anlass mehr, globale Umweltprobleme bewusster zu erkennen.

Der Wald rund um das Ökologische Zentrum wird dichter. Manche Bäume haben nach 20 Jahren einen Durchmesser von 30 cm erreicht und sind schon bis zu 35 m hoch gewachsen. Dieses schnelle Wachstum bei den Kiefern ist durch die besonders intensive Sonne von täglich 12-16 Stunden zu erklären. Immer noch bedarf dieses Projekt weiterer Unterstützung, damit ergänzende Anpflanzungen, Werkzeug, Übernachtungsplätze und Personalkosten finanziert werden können. Fachlicher Rat von Forstleuten und wissenschaftliche Begleitung sind gefragt. Die Vermarktung des schlagreifen Holzes bedarf einer Infrastruktur, damit in Sucre künftig das aus dem Tiefland importierte Tropenholz durch die nachwachsenden Nutzhölzer aus Cajamarca ersetzt werden kann.

Der Verein „Centro Ecológico Juvenil“ (CEJ) in Sucre benötigt Unterstützung zur jeweils nächsten Aufforstungskampagne, die jedes Jahr in den Regenmonaten von Dezember bis März durchgeführt wird. In dieser Zeit müssen die Setzlinge anwachsen, um die lange Trockenzeit zu überstehen. Die Bauernfamilien der Region haben gelernt, eigene kleine Baumgärten zu unterhalten. Den Spendeneingängen entsprechend kaufen wir jedes Jahr Pflanzen von diesen Nachbarn ein, um die natürlichen Lücken in den Wäldern (abgestorbenen Bäume und Windbruch) zu schließen, auch mit den Pflänzchen der eigenen Baumschule wird die Neuaufforstung von Erosionsflächen im Hochtal weiter gebracht. Dabei arbeiten die Studenten der Universität in Sucre unentgeltlich an Wochenenden mit. So wurden z.B. 2013 viertausend Bäume gepflanzt.

EM

Von EM haben wir schon um 2003 erfahren und haben bald darauf begonnen, es auch in Cajamarca einzusetzen. Wegen der anfänglichen Schwierigkeiten, EM kostengünstig zu bekommen, entwickelte sich die Nutzung der EM-Technologie nur langsam. EM-Produkte nutzen wir schon mehrere Jahre in verschiedenen Bereichen. In erster Linie natürlich EMa, das wir selbst vermehren und für unser eigenes Gemüse und den Kompost einsetzen, natürlich auch für Reinigung in den Gebäuden und in unserem Gemüsegarten. Auch versuchen wir, den Bauern die EM-Technologie nahe zu bringen, was aber nicht ganz leicht ist, da heißt es: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“

Unsere jüngsten Projekte sind Humus- und Terra Preta-Herstellung mit Regenwürmern, Bienenvölker anzusiedeln und ein Erdbeeranbau mit Tropfbewässerung. Der CEJ unterstützt die örtlichen Familien beim Landkauf und der Aufforstung unter Übereignung der Parzellen an junge Mädchen in den Familien. Der Eintrag im Katasteramt läuft jeweils unter dem Namen eines Kindes mit der Auflage einer 20-jährigen Waldpflege. Diese Methode hat sich bewährt. Schon nimmt die Nachfrage nach Kiefernholz bei den Handwerkern in der Stadt zu. Im Zentrum selbst wird das reichlich anfallende Kiefernholz als Baumaterial für Hausbau, Möbelbau, Kleinkunst und Spiel- und Sportplatz verwendet.

Wozu nützt der Cajamarca-Wald?

Wir haben in den bolivianischen Bergen in den vergangenen 23 Jahren hunderttausende von Bäumen gepflanzt. Die Kleinbauern des Hochtals von Cajamarca sind zu Waldbauern geworden. Früher wuchs auf dem trockenen Boden nur schütteres Gras, das die Schafe und Ziegen bald abgeweidet hatten. Nun steht da ein großer, weiter Wald. Man braucht Stunden, um ihn zu durchwandern. Der Boden fühlt sich an wie ein feuchter Teppich, es sprießen Speisepilze zu Hunderten, Moos und Kraut bedeckt den frischen Humusboden. Da und dort sprudelt eine Quelle aus einer Felsspalte. Mehr Schafe finden jetzt mehr frisches Gras, Insekten vieler Arten nisten sich ein und bieten den zugeflogenen Vögeln neue Nahrung. Das Klima ist milder geworden, sagen die Bauern, im Winter gibt es kaum noch Frost, im Sommer mehr Regen und ein wärmeres Wetter.

Zwischen den neuen Forsten liegt die kleine Siedlung: Das Ökologische Jugendzentrum (CEJ), mit Werkstätten, Übernachtungshäusern und Küchenanlage. Immer wieder kommen Jugend- und Kirchengruppen, Pfadfinder und Einzelwanderer für kürzere oder längere Aufenthalte herauf, um den eindrucksvollen Wandel dieses Biotops zu beobachten. Die reine Luft, die zahlreichen Wandermöglichkeiten und vielfältige Freizeitangebote lassen solche Besuche für die Städter und Dorfbewohner zu attraktiven Erlebnissen werden. Die Campesinos in der Nachbarschaft finden jetzt fruchtbaren Humusboden für ihre Kartoffeln, den Mais und das Gemüse und fangen an, die Bewirtschaftung des Baumholzes zu bedenken, die ihnen in einigen Jahren zusätzliche Einkünfte bescheren wird.

Nun muss es weitergehen: Auslichten, Aufbereiten des geschlagenen Holzes, Brettersägen, damit die Veredelung in der Hand der Erzeuger bleibt, neues Aufforsten in der Breite und in der Höhe, Ausbilden von Holztechnikern. Dafür suchen wir Patenschaften von Freunden, Schulpatenschaften mit hohem Lerngewinn, vielleicht einen pensionierten Förster mit Reiselust. Man kann uns auch einfach besuchen.

Annelie Dehmel

Kontakt:
www.jbh-bolivien.de und
www.cajamarca-bolivien.de

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