EM-Gemüse auf der Insel Reichenau

Die Reichenau ist das südlichste Gemüseanbaugebiet Deutschlands. Ihr ausgeglichenes und mildes Klima bezieht die Insel vom Bodensee, der als größtes Trinkwasser-Reservoir Europas ein riesiger Licht- und Wärmespeicher ist und wie eine natürliche Klimaanlage wirkt.

Gemüseanbau ist auf der Reichenau seit Jahrhunderten verwurzelt. 724 n. Chr. gründete der Wanderbischof Pirmin auf der Bodenseeinsel ein Benediktinerkloster. Einer der berühmtesten Äbte dort war Walahfrid Strabo. Sein klösterliches Kräutergärtlein gilt als Ursprung der Gemüseinsel Reichenau. Heute ist die Insel UNESCO-Weltkulturerbe und das Reichenau-Gemüse ist als „geschützte geografische Angabe“ in der EU eingetragen. Traditionell basiert der Gemüseanbau auf kleinen bis mittleren Familienbetrieben, heute sind es 80 Vollerwerbsbetriebe und 40 Nebenerwerbsbetriebe; eine Massenproduktion ist dabei weder möglich noch gewollt. Die Gärtner-Philosophie der Reichenauer zur Qualitätssicherung steht seit Anbeginn deshalb für „bestes Saatgut, gesunde Böden, gesundes Wachstum, innere und äußere Qualität, frisch zum Kunden“.

Der erste EM-Gärtner der Insel

Bei diesen Vorgaben war es nur eine Frage der Zeit, bis einer der Gemüsebauern auch noch die Effektiven Mikroorganismen entdeckt. Den ersten stellen wir hier in den Mittelpunkt: Peter Blum. Er bewirtschaftet mit seiner Familie den Tomaten-Gewächshausbetrieb Blum/Beck mit insgesamt einem halben Hektar Fläche. Während der Wintermonate wächst dort Feldsalat. Inzwischen ist der Betrieb biozertifiziert und damit einer von 3 Bio-Tomatenbetrieben auf der Reichenau. Insgesamt gibt es 38 Tomatenanbauer auf der Insel. Wie kam Peter Blum zu EM? Ein befreundeter Arzt hat ihn im Jahr 2007 auf EM aufmerksam gemacht. Dieser wiederum hatte über eine Patientin von EM erfahren. Peter Blum wurde sofort neugierig, denn schon immer galt seine ganze Aufmerksamkeit dem Boden, in dem er den Schlüssel zu gesunden, lebendigen Produkten sieht. Sofort machte er sich auf die Suche nach einem kompetenten Berater, den er in Rolf Zimmermann (EM-Technologiezentrum Baden-Württemberg) fand.

Die ersten beiden Jahre waren so erfolgreich, dass Peter Blum am liebsten die ganze Reichenau zur EM-Domäne machen würde; folglich wurde er zum unermüdlichen Werber für EM. Dabei ist es nicht so, dass mit EM nun alles größer, schöner und besser sei. Was Peter Blum von Anfang an begeisterte, sagte er gleich im ersten Jahr in einem persönlichen Gespräch mit der Verfasserin dieses Berichts: „Früher, da musste ich in Schutzkleidung Pflanzenschutz betreiben und am nächsten Tag mit einem unwohlen Gefühl zwischen den Pflanzen hindurchgehen – heute kann ich EM versprühen mit nacktem Oberkörper und tue dabei noch etwas für mich“. Da lohnt schon auch der Mehraufwand zu Beginn. EM-Journal-Leser kennen Peter Blum bereits aus dem Heft Nr. 28. Im Jahr 2009 hat er sich mit seinem Enkelsohn auch schon an dem EM-Hilfsprojekt für Kastanienbäume beteiligt.

Seine Begeisterung hat inzwischen auch Früchte getragen. Immerhin arbeiten heute von den insgesamt 120 Betrieben 12 Gärtner mit EM. Die Startvoraussetzungen im Betrieb Blum/ Beck waren gut. Schon vor Beginn der EM-Anwendung enthielt der Boden der Gewächshäuser 6-7 % organische Substanz, die perfekte Grundlage also für die Ansiedlung der EMs. Das war auch schon im ersten Jahr sichtbar. Insgesamt waren die Pflanzen stabiler, es traten kaum Krankheiten auf und alles in allem haben sich die Früchte innen wie außen schön und kräftig eingefärbt. Noch deutlicher sah man dies an den festen und dichten Wurzelballen. Als Konsequenz ging Peter Blum deshalb auch gleich die Biozertifzierung an. 2010 war das dritte Jahr der EM-Anwendung. In enger Zusammenarbeit mit Rolf Zimmermann wurde in den zurückliegenden Jahren jeweils die Strategie erarbeitet. Wichtig ist das vor allem am Beginn, wenn es gilt, Erfahrungen zu sammeln.

Gärtnerpraxis im Detail – das Jahr 2010

Auf einen Quadratmeter wurden in den ersten Märztagen zwei bis drei Jungpflanzen ausgepflanzt. Zuvor war der Boden entsprechend vorbereitet worden. Pro Quadratmeter wurden 300 g Gesteinsmehl, 500 g Kleie-Bokashi, 5 g Keramikpulver und 150 g Agrobiosol (ein Biodünger für den ökologischen Anbau) ausgebracht. Mit einem flachen Grubber wurde der Boden bearbeitet, anschließend ca. 10 Zentimeter tief gefräst.

Die Nachttemperatur im Glashaus ist auf 16°C eingestellt. Beheizt wird mit einer Nieder- Rohrheizung mit Ölkessel. Gegossen wird über die Tropfanlage, wobei jede Pflanze bei schönem Wetter im Sommer, wenn der Stock zehn Trauben hat, 2,5 bis 3 l Wasser pro Tag erhält. Bei trübem Wetter wird nur die Hälfte gegossen, und bei Regen überhaupt nicht. Nach 15 Uhr erhalten die Pflanzen überhaupt kein Wasser mehr, weil jetzt die Sonne das Wasser nicht mehr ausreichend abtrocknen kann und damit ein Pilzmilieu begünstigen würde. Dies ist übrigens auch ein wertvoller Tipp für Hobbygärtner. Denn oft geschieht das Gießen doch am Abend.

Bei der ersten Wassergabe nach der Pflanzung hat Peter Blum 125 l EMa (umgerechnet 250 l/ Hektar) ausgebracht und dies nach ein paar Tagen nochmals wiederholt. Danach wurden, um die mikrobielle Dominanz zu erhalten, jede Woche 25 l EMa (= 50 l/Hektar) ausgebracht. Einige seiner Kollegen, so Peter Blum, haben sich für einen 14-tägigen Rhythmus entschieden und geben dann jeweils 100 l EMa auf den Hektar. Ab Ende Mai bis Mitte August erhalten die Mikroben über das Tropfwasser noch Unterstützung in Form des Flüssigdüngers Vinasse, ein Produkt aus der Zuckerrübenverarbeitung. 7,2 kg pro Ar und Woche wurden ausgebracht, das ist nicht viel gegenüber dem konventionellen Anbau. Die üblichen 10 bis 15 kg Horndünger wurden überhaupt nicht gebraucht. Mitte Mai sind die Pflanzen drei Meter hoch, jetzt geht die Arbeit erst richtig los. Jede Pflanze ist oben an einer langen Schnur festgebunden, sie wächst jetzt 3 Zentimeter pro Tag, 2x pro Woche wird geerntet. Alle 10 Tage wird die Pflanze 30 Zentimeter nach unten abgelassen und ausgegeizt, und gegen Ende der Ernteperiode im September ist die Tomatenpflanze nicht mehr hoch, sondern mit einer Länge von bis zu 7,5 Metern legt sich durch das Herablassen an der Schnur eine Pflanze über die andere. Die Blüte wird jeweils auf sechs gekürzt und die Pflanze befestigt. Eine Tomatentraube darf nicht mehr als sechs Früchte enthalten, das garantiert die gleichmäßige Größe der Früchte – weil der Markt es so will … Für die Befruchtung in den Gewächshäusern sorgen übrigens Hummeln. Dass die Insel Reichenau ein ganz besonderes Gemüseanbaugebiet ist, wurde schon in der Eingangsbeschreibung deutlich. Eine gute Nützlings-Beratung sorgt dafür, dass auf der ganzen Insel der Pflanzenschutz vor tierischen Schädlingen biologisch erfolgt, so dass auch im konventionellen Anbau im Normalfall keine Probleme auftreten.

EM auch in konventionellen Gärtnereien

Nicht alle EM-Anwendungsbetriebe sind Biobetriebe. Auch konventionell arbeitende Gemüsebauern nutzen inzwischen ergänzend die Energie der Mikroben, so etwa Robert Blum in seinem konventionellen Gewächshausbetrieb, der im Sommer Gurken, im Winter Salate anbaut. Die Gurkenjungpflanzen zieht er selbst heran und veredelt sie auch selbst, so dass die Pflanzen dann etwa Mitte Mai pflanzfertig sind. Zu den 25 kg Agrobiosol je Ar und die Düngung der Gurken mit Nährsalz werden seine Gurken nach dem Pflanzen mit EMa eingeregnet und wöchentlich 5 l EMa pro 10 Ar über die Tropfbewässerung beigegeben. Die Pflanzen sind nach eigenem Bekunden dadurch lebendiger, stabiler, die Früchte wohlschmeckend und knackig. Der Betrieb von Bernd Wagner ist biozertifiziert. Er schätzt besonders die Wirkung von EM in seinem Kleiebokashi, von dem er 3,5 Tonnen im letzten Jahr hergestellt hat. Unter 1,8 Hektar Gewächshaus und 20 Hektar Freiland werden in seinem Betrieb Gurken, Feldsalat, Radicchio und Fenchel erzeugt. Auch im Betrieb von Erwin Ockle wurden im vergangenen Jahr 5 Tonnen Bokashi erfolgreich verarbeitet. Peter Blum und die anderen genannten Gemüsebauern stehen stellvertretend für die weiteren EM-Anwender auf der Insel Reichenau. Es bleibt zu hoffen, dass der Funke in den nächsten Jahren auf weiteren Gemüsebauern überspringt.

Die äußeren Bedingungen sprechen im Grunde dafür. Zum einen ist es die inzwischen doch verbreitete Diskussion über den gezielten Humusaufbau mit Biokohle und EM, zum anderen sind es die sich häufenden Lebensmittelskandale und das dadurch steigende Bewusstsein der Verbraucher für gesunde Lebensmittel. Und irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft werden wir die Lebensmittelqualität anders definieren – aus Nahrungsmitteln werden „ Lebensvermittler“ im wahrsten Wortsinne. Nicht allein die chemischen Bestandteile, sondern die bereits heute im Redoxpotenzial oder durch Biophotonenmessung messbare Lebendigkeit eines Lebensmittels wird entscheiden. Glücklich wird dann vor allem auch Peter Blum sein, der die Kraft seiner Erzeugnisse am liebsten aus der lebendigen Erde schöpfen möchte. EM-Anwender verstehen das!

Johanna Assmann

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