Exkursion der IG EM zum Ziegenbetrieb Odermatt: EM-Ziegen

Bei unsererer Anfrage wegen eines Besuches des Schweizer EM-Vereins auf dem Ziegenbetrieb Odermatt bei Muri im Kanton Aargau im Frühjahr sagten Priska und Toni Odermatt sofort bereitwillig zu. Zu der Exkursion erschienen am 14. August 2010 fast 100 Personen, die nach dem „währschaften Willkommensznüni“ gespannt den Ausführungen von Toni und Hermann Odermatt folgten.

Der lange Weg zu EM

Die Familie Odermatt ist bereits seit dem 1. Schweizerischen EM Kongress (2002 in Sempach) aktiv in der EM-Szene engagiert. Darum nehmen wir dies zum Anlass, eine kurze Rückschau auf die Entwicklung der EM-Technologie im Hause Odermatt zu halten. Hermann Odermatt wurde im Jahre 2000 erstmals kontaktiert, um einen Versuch mit einem Produkt aus Japan durchzuführen. Der Grund dafür sei, gegenüber der FAM (Forschungsanstalt Liebefeld) den Nachweis zu erbringen, dass die von Japan in der Schweiz verbreiteten Effektiven Mikroorganismen keinen nachteiligen Einfluss beim Futter und bis zur Käseproduktion haben. Zwar hörte sich Hermann Odermatt die Aussagen an, aber weil ihm in der Vergangenheit schon über viele ähnlichen Sachen berichtet worden war, schienen ihm die blumigen Versprechen über die breiten Anwendungsmöglichkeiten wenig glaubwürdig. Damit war für ihn nach dem Gespräch auch das weitere Interesse an EM vergessen.

Im Frühjahr 2001 erfuhr er, dass mittlerweile zwei Käsereien in der Schweiz EM mit Erfolg in unterschiedlichen Bereichen anwendeten. Als dann noch Namen erwähnt wurden, von denen ihm einer bekannt war, wurde er endgültig neugierig. Er liess sich nochmals genauestens über die EM-Technologie ins Bild setzen und startete unmittelbar danach, zugegebenermaßen mit einer gewissen Skepsis, den ersten Versuch mit der Herstellung von EMa. Die Ergebnisse übertrafen ihre Erwartungen, so dass die Familie Odermatt seit August 2001 überall EM einsetzt. Laut Hermann Odermatt haben sich seither die positiven Dinge vermehrt und die negativen abgenommen. Bis 2003 bewirtschaftete die Familie Odermatt, Dora, Hermann sowie die Söhne Patrick und Toni mit 3-4 weiteren Mitarbeitenden einerseits die Käserei für Ziegenmilchprodukte, andererseits hielten sie 80 Mastschweine und rund 100 Ziegen. Dank des nachhaltigen Erfolges beschlossen der jüngste Sohn, Toni und seine Frau Priska, vollumfänglich auf die Karte der Ziegenhaltung zu setzen. So bewirtschaften sie seit 2004 den Siedlungsbetrieb auf dem Aettenberg bei Muri im Kanton Aargau ganz mit der Milchziegenhaltung.

Der Milchziegenbetrieb

Insgesamt werden auf dem Betrieb 280 Milchziegen und 6 Böcke gehalten plus laufend Jungziegen aus der eigenen Aufzucht. Ziegen sind bekanntlich anspruchsvolle Kostgänger und lieben vor allem Abwechslung. Toni Odermatt, der mit den Finessen der Ziegenhaltung von klein auf vertraut ist, erklärte, dass er seinen Tieren verschiedene Futterkomponenten nacheinander wie ein Siebengangmenü vorlegt. Als verdauungsfördernden Dessert erhalten die Ziegen morgens und abends je eine Handvoll Bokashi aus Mühlennachprodukten und Obsttrester, das mit eigenem EMa direkt auf dem Hof produziert wird. Einmal wöchentlich werden die Tiefstreu-Liegeflächen und der ganze Stall mit verdünntem EMa besprüht. Das gleiche geschieht nach jedem Melken mit den Eutern der Ziegen. Die Herde hat stets Auslauf und ist während der Vegetationsperiode auch regelmäßig auf der Weide, was allerdings mehr der Gesundheit als der Fütterung dient. Wann immer es kranke Tiere gibt, wird versucht, mit homöopathischen Mitteln und EM zu helfen. Erfreulich ist, dass sich seit dem Einsatz der EM-Technologie die schon ohnehin gute Gesundheit der ganzen Herde noch weiter stabilisiert hat. Jedenfalls hob Toni Odermatt hervor, dass ihm die Mikroben auf dem ganzen Betrieb eine grosse Hilfe sind. Sämtliche Tiere machten einen lebhaften und gesunden Eindruck.

Konstant Qualitätsmilch

Weil der Preis pro Liter Milch je nach Gehalt und Jahreszeit um bis zu 50 Rappen je Kilo schwankt, wird auf einen möglichst hohen Milchgehalt während des ganzen Jahres und auf eine hohe Milchproduktion in den Wintermonaten geachtet. Der Gehalt der Milch vom Betrieb Odermatt ist mit 8,4 % Fett und Eiweiß übers Jahr gesehen überdurchschnittlich hoch. Nur eine Handvoll Lieferanten erreichen ebenso gute Werte. Läge der Gehalt an Eiweiß und Fett seiner Ziegenmilch im Bereich von 6 %, wäre Toni Odermatt gezwungen, 60.000 kg mehr Milch zu produzieren, um auf den gleichen Ertrag zu kommen. Bei einer höheren Zahl von Tieren wäre aber die täglich zweimalige Melkzeit entsprechend länger als jetzt, wo die ganze Herde in jeweils rund fünfviertel Stunden gemolken ist. Erforderlich wären zudem größere Ställe und Einrichtungen bis hin zu einem größeren Kühlsystem für die Milchlagerung sowie ein höherer Energieverbrauch beim Käsen.

Dem Käser nützt ein hoher Milchgehalt auch deshalb, weil Ausbeute und Qualität besser sind. Davon zeugt der Medaillensegen, welcher der Käserei vom Testzentrum der DLG (Deutsche Landwirtschaft-Gesellschaft in Frankfurt am Main) zugesprochen wurde. So gewann die Käserei Odermatt in Dallenwil sieben Gold- und eine Silber-Medaille für die hervorragende Qualität ihrer Produkte. Die Beurteilung erfolgte nach Geschmack, Geruch, Farbe, Aussehen und Konsistenz. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an die Familien Priska, Toni, Dora & Hermann Odermatt für die tolle Gastfreundschaft und die vielen Erklärungen. Wir wünschen Euch weiterhin alles Gute und viel Erfolg. Einmal mehr wurde allen bewusst, dass mit dem Einsatz von EM der Kreislauf in der Natur geschlossen und dadurch das Milieu im Boden, in der Ernte, im Tier und in der Milch (usw.) positiv beeinflusst wird. Zur Abrundung der in allen Teilen gelungenen Exkursion gab es nach dem Mittagessen im nahe gelegenen Murimoos einen interessanten Vortrag zum Thema „EM-Technologie in der Fütterung“ mit Ueli Rothenbühler. Viele Teilnehmende nutzten die Gunst der Stunde, um Fragen zu stellen und um eigene Erfahrungen mit der EM-Technologie zum Besten zu geben. Alle Teilnehmenden erhielten als kleines Geschenk ein Säckchen „Futterbokashi“. Vielen Dank an Ueli Rothenbühler für das lebhafte Referat und an die Futterwerk Niederhäuser AG in Rothenburg für das gespendete Bokashi.

Betriebsspiegel:
9,5 ha Eigenland, 4,6 ha Pachtland plus Nutzung weiterer 11 ha.

Angebaute Ackerkulturen:
2,5 ha Luzerne, 1,5 ha Silomais, 1ha Futtergetreide. Tierbesatz rund 280 Ziegen. Basis der Herde: Britische Toggenburger, gemsfarbige Gebirgs- und niederländische Saanenziegen. Die Kreuzung erfolgt mit Anglo-Nubier-Böcken.

Werner Wäfler

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