Hengelo: Herbstblätter mit EM fermentieren – eine Stadt geht neue Wege

Aus EM Magazine 16 des belgischen EM-Vereins

Aus EM Magazine 16 des belgischen EM-Vereins

Die niederländische Gemeinde Hengelo hat im November 2015 einen Versuch gestartet, statt das in großen Mengen angefallene Herbstlaub auf einen auswärtigen Kompostplatz abzufahren, dieses mit EM zu fermentieren, um im Frühjahr guten Dünger für städtische Grünanlagen zur Verfügung zu haben. Der Versuch wurde von dem Produzenten von EM·1 in den Niederlanden, der Fa. Agriton, angeleitet und die Ergebnisse in einem unabhängigen Labor ausgewertet.

Das Ausgangsmaterial für den Versuch bestand aus gesammeltem Laub aus der Gemeinde, zu maximal einem Drittel aus Eichenlaub. Zu den geschredderten Blättern wurden Tonmineralien und Seemuschelkalk sowie Microferm hinzugefügt – die professionelle Variante von EMa, vergleichbar mit dem Emiko Garten- und Bodenaktivator. Mit einer Silagemaschine der Firma Eurobagging wurden 400 Tonnen Material in drei Plastikschläuche gepresst und anaerob, also unter Luftabschluss, gelagert. Die Schläuche von ca. 85,95 und 121 m Länge hatten einen Durchmesser von ca. 2,5 m und blieben gut drei Monate liegen. Am 18. März 2016 wurden sie geöffnet, und das Ergebnis war besser als erwartet.

In einem Labor wurden die Ergebnisse ausgewertet. Es zeigte sich, dass bei der Fermentation durch die Effektiven Mikroorganismen die Temperatur niedrig bleibt, es entsteht anders als bei der Kompostierung keine Hitze. In diesem Prozess tritt auch kein CO² aus. Daher bleiben der Kohlenstoff und andere leicht verfügbare Nährstoffe sowie die gesamte Energie erhalten. Durch die Fermentation sinkt der pH-Wert, aber durch die Zugabe des Seemuschel-kalks wird der pH-Wert soweit kontrolliert, dass er stabil auf einem fast neutralen Wert von ca. 6 bleibt.

Das Ausbringen des Materials

Das fertige Laub-Bokashi wurde auf einem Maisacker (1/2 ha) ausgebracht, wo es untergefräst wurde, außerdem in den Gärten einer Hilfsorganisation (wie die Tafeln in Deutschland) sowie in Garten- und Rasenanlagen der Gemeinde. Während das Material auf Flächen in den Boden eingearbeitet wurde, brachten Gärtner in den Anlagen der Gemeinde das Bokashi unter Sträucher und Büsche aus oder mulchten damit auf den Beeten. Mit einem pH-Wert von 6 gibt es keinen oder nur einen minimalen Unkrautdruck. Daher eignet es sich nicht nur als Bodenverbesserer, sondern auch sehr gut als Mulchmaterial. Fachleute aus anderen Gemeinden in den Niederlanden waren zu diesem Tag angereist, um sich anzuschauen, ob diese Technik auch für sie in Frage kommt.

Seemuschelkalk, Tonmineralien und EM kommen ins Laub

Seemuschelkalk, Tonmineralien und EM kommen ins Laub

Ergebnisse

Die Gemeinde war mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Das Ziel, in diesem Bereich die Ab-fallströme zu kontrollieren und einen ökologischen Kreislauf zu ermöglichen, ist gelungen. Dieser organische Abfall wird nicht mehr aus der Gemeinde entfernt, sondern verbleibt als aufgewertetes Abfallmaterial auf den Grünflächen in der Stadt. Da auch der finanzielle Vergleich durchaus zugunsten der Fermentation ausfällt, gibt es kaum mehr Gegenargumente. Das Abfahren des Laubs kostet pro Tonne 30,- Euro, die Kosten für die Herstellung von Bokashi kosteten in dem kleineren Versuch 32,- Euro. Die Gemeinde hat ausgerechnet, dass die Fermentation des Laubs bei der Behandlung einer größeren Menge günstiger als die Entsorgung ist, also unter 30,- Euro pro Tonne kostet.

2016 wurden 75% des Laubs zu Bokashi fermentiert

2016 wurden 75% des Laubs zu Bokashi fermentiert

Der neue Weg hat sich durchgesetzt

Während im professionellen Ackerbau das Fermentieren von organischem Material schon länger praktisch angewendet wird, ist die Gemeinde Hengelo die erste, die auf diese Weise in größerem Stil Laub-Bokashi herstellt und lokal als Bodenhilfsstoff bzw. Dünger nutzt. Es ist wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft: Abfälle werden als Rohstoff begriffen und einem neuen Gebrauch zugeführt. Das organische Material bleibt nicht nur in der Gemeinde, sondern wird durch die Aktivität der Mikroorganismen zu einem höherwertigen Gut, das die Grünflächen der Gemeinde langfristig und nachhaltig verbessert. Aufgrund der guten Erfahrungen und Werte des Versuchs im vergangenen Jahr hat die Gemeinde Hengelo im Herbst 2016 ihr anfallendes Laub wieder auf diese Weise zu Laub-Bokashi verarbeitet. Während im Versuch 400 t verarbeitet wurden, hat man im November 2016 mehr als das Doppelte verarbeitet: 900 Tonnen von den jährlich anfallenden ca. 1.200 t.

Nach diesen ausgezeichneten Erfahrungen sollten andere Gemeinden in Europa, die dieselben Probleme zu bewältigen haben, diesem Vorbild nacheifern. EM funktioniert am besten von unten: Wir sollten unsere Politiker und Verwaltungen darauf aufmerksam machen.

Agriton Niederlande / Übersetzung: Pit Mau

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