Miscanthus und EM – zwei die zusammenpassen

Der lateinische Name Miscanthus x gigantheus, deutet auf die Wuchshöhe einer Pflanze hin, die auch als Elefantengras oder Riesen-Chinaschilf bekannt ist und auch in unseren Breiten erfolgreich angebaut werden kann. Ähnlich „gigantisch“ wie die Wuchshöhe, die bis zur Ernte vier Meter erreichen kann, sind auch ihre Einsatzmöglichkeiten.

Häckselgut aus Miscanthus lässt sich sogar zu Baustoff verarbeiten und ist z.B. als baubiologisch unbedenklicher Dämmstoff vielseitig einsetzbar. Das Material verfügt über sehr gute Wärme- und Schallisolierungseigenschaften. Auch als Verpackungsmaterial in der Zellstoffindustrie oder als Torfersatz im Garten hat sich Miscanthus bereits bewährt. Die Zahl neuer Anwendungen, bei denen Miscanthus eine ökologische und im besten Sinne des Wortes „nachhaltige“ Alternative bietet, wächst noch und zeigt, dass die Potenziale des neuen Rohstoffs noch nicht ausgeschöpft sind. Eine wesentliche Eigenschaft bei der Photosynthese von Miscanthus ist der so genannte C4-Metabolismus. Er führt zu einer deutlich besseren Umsetzung von CO2 in Biomasse im Vergleich zu Pflanzen mit C3-Metabolismus. Eine weitere Eigenschaft von C4-Gräsern ist ihre besonders effiziente und sparsame Nutzung von Wasser und Nährstoffen im Verhältnis zum Biomasse-Ertrag. Die Nutzung von Licht ist ebenfalls optimal: Die oberen Blätter stehen steil und senkrecht zur Sonne, die unteren erhalten dadurch mehr Licht und wachsen parallel zum Boden. Blätter von C4-Pflanzen sind die besten natürlichen Sonnenkollektoren. Sie verteilen das einfallende Licht gleichmäßig auf die verschiedenen Blatthorizonte und maximieren die Ausbeute des Photosynthese-Prozesses. Der entscheidende Vorteil für den überraschenden Erfolg von C4-Pflanzen ist ihre Tag- und Nachtarbeit bei gleichzeitig reduziertem Wasserverbrauch.

Miscanthus ist eine immergrüne Pflanze und bietet heute die „ehrliche“ und überlegene Alternative zum problematischen Anbau einjähriger Pflanzen wie Energie-Mais und Energie- Weizen. Das enorme Wurzelwachstum bei perennierenden (mehrjährigen) C4-Pflanzen bewirkt eine hohe Kohlenstoffeinlagerung in die Böden bis zur Grundwasserebene und ist damit in der Lage, erodierte Böden zu sanieren. Dies steht im krassen Gegensatz zu einjährigen C4-Pflanzen mit hohen Erträgen, insbesondere zu Mais. Mais und Weizen dienen als Grundnahrungsmittel für die Ernährung der Weltbevölkerung. Ein massenhafter Anbau zur Biospritgewinnung ist angesichts der schlechten Nahrungsmittelsituation in vielen Ländern ethisch nur schwer zu vertreten. Die langfristig risikoreichen Auswirkungen durch gentechnische Manipulation bei Mais- und Weizenpflanzen sowie die rasant zunehmende Bodenerosion und Belastung von Grundwasser und Flüssen durch Pestizide und Überdüngung sind weitere Probleme.

Die Anfänge mit EM

Hannelore Gallin-Ast ist Mitbegründerin des Internationalen Miscanthusvereins und Leiterin des Miscanthus-Zentrums Bayern. Sie verfügt über praktische Kenntnisse und detaillierte Erfahrungen aus über zwanzig Jahren Forschung mit Miscanthus. Bereits Ende der 1990er Jahre machte sie gute Erfahrung im Rahmen von Testversuchen mit Miscanthus als Tiereinstreu. Über EM erfuhr sie nicht auf ihren vielen Reisen, sondern in der Heimat: „Durch einen Kontakt zu Simon Wankner, Landschaftsarchitekt hier in unserem Landkreis, wurde ich umfassend über EM informiert. Er hat sich damals sehr für den Anbau von Miscanthus eingesetzt, so dass wir unmittelbar einen Landwirt mit sieben Hektar und den Bürgermeister von Eching überzeugen konnten, Miscanthus anzupflanzen. Neu wurde ich wieder durch einen Partner in Österreich darauf hingewiesen, der ebenfalls bei seiner Miscanthus-Anpflanzung mit EM experimentierte – mit großem Erfolg.“ Also machte auch sie erste eigene praktische Versuche mit EM und beobachtete die Entwicklung von Miscanthus-Rhizomen mit und ohne EMa-Behandlung. Ihre ersten Erfahrungen waren ebenfalls positiv: Die mit EM behandelten Rhizome trieben deutlich besser aus und blieben insgesamt stabiler – ein großer Vorteil beim Transport der Rhizome und bei der Anpflanzung.

Ein Segen für die Stalltierhaltung

Als nächstes setzte sie EM bei der Einstreu in Ställen für Großtiere, insbesondere Pferde ein. Ihre inzwischen langjährigen Erfahrungen mit EM in der gesamten Pferdehaltung sind durchweg positiv, besonders hinsichtlich der Tiergesundheit und des Stallklimas. So trat z.B. bei einem Tier mit einer Sonnenallergie durch Behandlung mit EM und Emiko-Horsecare als Ergänzungsfutter eine deutliche Besserung der Symptome ein. Üblich in der Stalltierhaltung ist der Einsatz von Sägespänen oder Stroh als Einstreu. Die Entsorgung von Stallmist mit Sägespänen bereitet vielen Pferdehaltern und Züchtern Probleme – auch in finanzieller Hinsicht. Stroh wird von vielen Pferdebesitzern als Einstreumaterial akzeptiert, es führt aber häufig zu einer übermäßigen Futteraufnahme und als Folge zu Störungen der Darmflora. Die Aufnahme von großen Mengen von Stroh stört den Wasserhaushalt im Dickdarm und führt zu Bluteindickungen und Muskelkater. Die Darmmikroben sind auf Zelluloseverdauung spezialisiert. Eine Störung belastet den gesamten Stoffwechsel.

Hannelore Gallin-Ast begann 1997 mit ersten Versuchen zur Verarbeitung von Miscanthus zu Pferdeeinstreu. Die Eigenschaften wurden in protokollierten Testreihen untersucht und immer weiter perfektioniert. Mittlerweile ist Einstreu aus Miscanthus vorwiegend als Pelletmaterial eingeführt und anerkannt. Miscanthushäcksel sind dagegen vorzugsweise energetisch verwertbar. Das Schüttgewicht ist verglichen mit Holz sehr niedrig (ca. 125 kg pro 1 cbm). Dadurch erhöhen sich die spezifischen Transport- und Energiekosten. »Aufgrund gewisser Reizstoffe, u.a. Feinstäuben, sollte Miscanthus nur als gepresstes Produkt als Tiereinstreu eingesetzt werden. Langjährige protokollierte Testreihen haben derartige Erkenntnisse substantiiert. Nun kam EM hinzu. Nach der Behandlung der Einstreu mit EM zeigte sich das Stallklima deutlich verbessert, der Geruch ist minimiert und die Tiere fühlen sich wohler. »Wenn man konsequent EM in der Stallhaltung und Fellpflege anwendet, ergeben sich ein gesundes Stallklima und schöne, glänzende Felle bei den Tieren«, erklärt Hannelore Gallin-Ast. Aufgrund ihrer Beobachtungen und Erfahrungen bei dieser Einstreu ist sie der Meinung, dass sich durch Verbindung mit EM-Bokashi ein hervorragender Dünger erzeugen ließe, der wiederum für landwirtschaftliche Flächen oder Gärten sehr gut einsetzbar wäre – eine völlig neue, ökologisch und ökonomisch sinnvolle Vorgehensweise bei der Mistentsorgung. Wieder einmal wird klar, dass sich EM ideal in natürliche Kreisläufe einfügt und sie optimiert.

Auch Hilfe für Japan!

Schon in den 90er Jahren hat Hannelore Gallin-Ast für die radioaktiv kontaminierten Böden um den Reaktor von Tschernobyl ein interessantes Konzept vorgeschlagen, das vielleicht jetzt eine Hilfe bei ähnlichen Problemen in Nordjapan darstellen kann. Hannelore Gallin-Ast schlägt zur Regeneration von kontaminierten Böden den Einsatz des patentierten so genannten „Electro-Farming“-Verfahrens vor. EM spielt hier eine Schlüsselrolle, denn mit EM können die vorgesehenen immergrünen C4-Pflanzen besser mit Nährstoffen versorgt werden, gesünder und kräftiger wachsen. Außerdem wissen wir, dass die Mikroorganismen in EM dem Boden 10-15% radioaktive Strahlung entziehen können. Das ausgedehnte Wurzelwerk dieser Pflanzen wächst bis zur Grundwasserebene. Aufgrund ihrer Dichte und ihrer großen Oberflächen können die weit verzweigten Wurzeln schädliche Mineralstoffe aus dem Erdreich aufnehmen und das Grundwasser schützen. Dazu zählen die gefährlichen radioaktiven Isotope von Cäsium und Strontium, die durch den Unfall freigesetzt werden. Diese Schadstoffe werden durch die Pflanze in die oberirdischen Stände transportiert und in der Biomasse eingelagert.

Kontaminierte Biomasse kann dann mit dem Electro-Farming-Prozess sicher entsorgt und zur Erzeugung von Strom genutzt werden. Radioaktive Schadstoffe aus dem Erdreich werden dabei in der anfallenden Asche konzentriert und lassen sich anschließend sicher deponieren, beispielsweise durch die Verglasung der Asche. Diese Art der dezentralen erneuerbaren Stromerzeugung ist verlässlich und kontinuierlich wie bei Großkraftwerken für Kohle oder Uran und würde keinen Fernleitungsausbau oder aufwendige Speicherkapazitäten erfordern. Der Electro-Farming Prozess ist effizient. Im Prinzip könnten die nuklearen Kapazitäten damit vollständig ersetzt werden. Die Erfahrungen mit Miscanthus und EM zeigen, dass es für nahezu jedes Problem eine Lösung gibt, sofern natürliche Kreisläufe berücksichtigt werden; die Frage ist nur, inwieweit sich diese Lösungen angesichts der vielen unterschiedlichen Interessenlagen durchsetzen lassen. Damit das geschieht, ist die unermüdliche Verbreitung dieses Wissens notwendig.

Beate Wiemers

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