EM in der Baubiologie – Teil 1

Baubiologie ist ein Sammelbegriff für die umfassende Lehre der Beziehung zwischen dem Menschen  und seiner gebauten Umwelt, aber auch die umweltfreundliche und schadstofffreie Ausführung der  Bauwerke durch den Einsatz geeig­neter Erkenntnisse und Techniken (Wikipedia). Für den Begriff ,,Bau­biologie“ gibt es bei uns allerdings mehr Erklärungen und Theorien als Institute, Berufsverbände und Baubiologen. Deshalb möchte ich meine Sicht- und Vorgehens­weisen anhand einiger von mir  betreuter Bauvorhaben erklären.  Beginnen möchte ich mit unserem Abenteuer in der Bretagne…

Bestandsaufnahme

Meistens wird der Sachverständige oder Baubiologe erst hinzugezogen, wenn Be­denken auftauchen; nur im Idealfall wird vor dem Kauf um eine Bewertung und Kostenschätzung gebeten. In diesem Fall hatten sich mein Freund und seine Frau in die wunderschöne Gegend und das Haus ver­liebt. Heiko gehört zu den Menschen, die in der Lage sind, das Potenzial eines Objekts zu erkennen. Als er mich um Hilfe bat, hatte er bereits seine Vorstellungen und Pläne genau definiert und zu Papier gebracht. Er lud mich und meine Frau deshalb zu einem ,,Arbeitsurlaub“ in die Bretagne ein.

Als wir das Häuschen zum ersten Mal sahen, waren wir doch über den Mut unserer Freun­de überrascht. Unter den Schmutz- und Mist­schichten blitzte nur für das Auge des Geüb­ten hie und da das Perlmutt der verborgenen Perle auf. Aber die Lage war sehr schön. Nah beim sagenhaften Wald von Brocéliande (La Forêt de Brocéliande) zwischen zwei traumhaften mittelalterlichen Städtchen, aber trotzdem weit genug vom Touristenrummel entfernt und nicht zu weit vom Atlantik gelegen, lädt es zum Verweilen ein.

Das Haus ist winzig, hat gerade einmal die Außenmaße: 6,85 m x 5,5 m. Mit fast ein Meter dicken, bretonischen Granitmauern blickt es auf ein paar hundert Jahre Ver­gangenheit zurück, von der wir nur wenig wissen. Die bekannte Geschichte beginnt im zweiten Weltkrieg, als sich hier ein geflohener Knecht mit seiner Kuh einquar­tierte. Auf der Seite mit dem Kamin wohn­te der Knecht; auf der gegenüberliegenden die Kuh, und das bis zu dem Ableben des Mannes. Danach benutzte der Besitzer das Häuschen die letzten 20-30 Jahre als Hühnerstall.

Die Bewertung (stark vereinfacht):

Lage: Sehr schön (+++)
Größe: Klein aber machbar (+)
Mauerwerk: Sehr dauerhaft, mehrere Risse, machbar (++)
Kontaminationen: Kuhmist, Urin und Hühnermist (————-)
Dach: Hälfte Schiefer, Hälfte eingeblecht (-++)
Preis: Für Grundstück und Gegend sehr gut (+++)

Danach erfolgte die Untersuchung auf geo­mantische Störfaktoren, aber alles war im grü­nen Bereich: keine Wasseradern unterm Haus, keine Globalgitternetze an ungünstigen Stellen und die Funkbelastung kann bei 90 cm Granit­wänden vernachlässigt werden. Das Dach wird später mit einer infrarotreflektierenden Folie gedämmt werden, die gleichzeitig vor hoch­frequenten Belastungen schützt.

Nun denn, Nitrat-belastete Wände, keine Horizontalsperre, genügend Nitratnachschub im Boden. Das würde den Abriss und Neubau schon fast rechtfertigen – wenn es da kein EM gäbe.

Nitratbelastete Wände mit EM sanieren:

Mit ausreichend Zeit und genug EMa kann man es schon mal unkonventionell versu­chen. Den ganzen alten Putz entfernen, die Mauer gut reinigen und viel EMa aufbrin­gen. Dann war die Zeit für dieses Jahr leider vorbei. Und das war optimal so, denn jetzt konnten die EMs fast ein ganzes Jahr unge­stört arbeiten.

Ein Jahr später:

Erster Akt wie immer, erst mal ein schöner Ausflug ans Meer. Beim ersten Betreten des Häuschens ist Heiko erstaunt über den guten Geruch, es ist keinerlei Hühnermist- oder Modergeruch mehr vorhanden. Die EMs haben sich scheinbar wohlgefühlt und über die vergange­nen 8 Monate fleißig gearbeitet. Zum Arbeits­beginn haben wir das ganze Haus und unser Plumpsklo mit viel frischem EMa ausgesprüht.

Ein weiterer Minuspunkt: die zu geringe Raum­höhe. Den Boden tiefer zu legen, erwies sich als harte Arbeit. Es war uns vor Ort leider nicht möglich, geeignetes Werkzeug auszuleihen. So mussten wir alles von Hand herausbrechen. Am Beton war nicht mit Zement gespart wor­den und der alte Boden darunter bestand aus Granitsteinen, Granitkies Schieferplatten und Erdreich, alles über lange Zeit von den Bewoh­nern verdichtet. Nachdem wir den Boden tief genug ausgeschachtet hatten, konnten wir endlich mit dem Aufbau beginnen.

Der Bodenaufbau:

1. tief genug ausschachten  2. an der Mauersohle entlang eine Sumpfkalk­putzmischung: 1 Teil Sumpfkalk, 3 Teile Zeolith­schrot 0-5 mm Siebung, etwas Trassmehl und eine Prise EM-Keramikpulver (Super Cera C) mit destilliertem Wasser anrühren. Diese Mischung verfestigt die Mauersohle und kann sehr viele Phosphate und andere Salze binden.  3. Die gesamte Fläche mit etwas EM aktivierter Pflanzenkohle und Zeolithschrotmischung aus­streuen und mit EMa pur reichlich besprühen.  4. Darauf kommt die Sauberkeitsschicht. Wird Schaumglasschotter verwendet, hat man eine hochdämmende und kapillarbrechende Schicht.  5. Wer keine Baufolie oder sonstigen Kunst­stoff zum Abdichten verwenden möchte, kann die nachfolgende Betonschicht mit der Zugabe von ausreichend Trassmehl hydrophobieren (Eindringen von Wasser verhindern).

Dies waren die Arbeiten, die im Zeitraum Früh­ling 2015 bis Frühling 2016 erledigt wurden. Im zweiten Teil geht es dann um die Wände und Ausbauarbeiten.

Übrigens: Zum Abschluss unserer Aufenthalte geben wir das übriggebliebene EMa immer mit einer Schicht Pflanzenkohle in unser Plumpsklo. Jedes Mal, wenn wir zurückkommen, ist unsere Grube fast leer und die Regenwürmer und an­grenzenden Pflanzen etwas dicker und größer.

Jürgen und Ute Feistauer mit Heiko und Susanne Roggenhofer

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