Recycling im Kloster: Den Kreislauf des Lebens schließen

„Der geschwisterliche Umgang mit der Schöpfung, ihre Erhaltung und Bewahrung ist den Waldbreitbacher Franziskanerinnen ein ganz wichtiges Anliegen,“ so die Oberin bei der Verleihung des 1. Umweltpreises der St. Franziskus Stiftung im September 2010. Deshalb ist es nur konsequent, dass sich das Kloster der Franziskanerinnen in Waldbreitbach im rheinland-pfälzischen Westerwald vor allem in der eigenen Praxis ökologisch bewusst verhält. Gärtnermeister Bernhard Rieth, der für die Gärten und Anlagen des Klosters verantwortlich ist, erhielt den Sonderpreis der Umweltstiftung für sein Bokashi-Projekt.

Bernhard Rieth kam erstmalig 2008 in Kontakt mit EM, als ihm eine Kundin davon berichtete und ihn so neugierig machte, dass er mit ihr zu einem nahe liegenden EM-Stammtisch ging, um mehr über diese neue Technologie zu erfahren. Das Thema ließ ihn nicht mehr los. Er besuchte die EMIKO im nicht allzu weit entfernten Heimerzheim und fuhr zu einem EM-Einführungsvortrag, von wo er auch diverse EMJournale mitnahm. Dort las er über die Herstellung von Küchenbokashi und entwickelte bald Ideen, wie er dies auf seiner Arbeitsstelle einsetzen könnte.

Die Gärtnerei des Klosters, die er seit 7 Jahren leitet, hat eine Wirtschaftsfläche von 6 ha mit Gewächshäusern, Anbauflächen und Streuobstwiesen. Sie wird schon lange als zertifizierter Biobetrieb geführt. Dies entspricht den Gedanken und dem Vorbild des Ordensgründers, Franz von Assisi, dessen Leitsatz „Die Schöpfung schützen und bewahren“ sich alle in diesem Bereich Tätigen verpflichtet fühlen. Ein solcher Leitsatz lässt sich in verschiedene Richtungen interpretieren und mit Leben füllen. So war beispielsweise 2003 der Naturerlebnispfad (Schöpfungspfad) auf dem Klosterberg von einigen Schwestern angelegt worden. Hier können sich die Besucher und Gäste durch ein Stück „Paradies“ bewegen und zu einer – im Sinne des heiligen Franziskus – schöpferischen und geschwisterlichen Begegnung mit der Natur finden.

Bernhard Rieth dachte in eine andere Richtung. Ihn faszinierte der Gedanke, mit Hilfe von EM die vielen organischen Abfälle, die in den verschiedenen Einrichtungen des Klosters, vornehmlich im Restaurant, tagtäglich anfielen, dem Boden als hochwertiger Dünger wieder zurückzugeben und so den Kreislauf der Lebensmittel, von denen ja viele schon auf dem Klostergelände gewachsen sind, zu schließen. Gedacht, getan: Schon bald präparierte er große, 200 l Tonnen so, dass im unteren Bereich die Flüssigkeit des Biomülls aufgefangen und mit den eingesetzten Hähnen abgezogen werden konnte. Damit waren die Bokashi-Eimer fertig, in denen der ausgezeichnete Dünger heranreifen konnte. Er vereinbarte mit den Kollegen aus der Küche, dass sie alle Abfälle sammeln und jedes Mal mit dem bereitstehenden EMa einsprühten. Dadurch konnte keine Fäulnis entstehen und auch die lästigen Gerüche wurden zur Freude der Mitarbeiter unterbunden. Nach der empfohlenen Reifezeit brachte er diesen süß-sauer duftenden EM-Kompost überall, wo gedüngt werden muss, in die Erde. Küchenbokashi ist stickstoffreich und gerade dieser Stoff ist auf Biohöfen oder -gärtnereien gesucht. Gleichzeitig begann er, EMa ins Gießwasser sowie als Spritzmittel in seine Arbeitsabläufe zu integrieren.

Das beste, meint er, ist aber der Bokashi-Saft, den er als erstklassigen und leicht handhabbaren Flüssigdünger nutzt. Selbst wenn er ihn hochkonzentriert vergießt, hat es noch keine negativen Auswirkungen gegeben. Im Gegenteil: Schon bald stellte Bernhard Rieth fest, dass die Regenwurmtätigkeit immer stärker wurde. Ganz offensichtlich wurden die Würmer vom Bokashi angezogen und entwickelten sich großartig. Aber auch die Pflanzen, die in diesem Boden wuchsen, machten richtig Freude: sie leuchten geradezu vor Kraft und Gesundheit, und selbst schwierige Kulturen, z.B. Petersilie, wuchsen außerordentlich kräftig und reichlich. Bernhard Rieth hat das Wesen und die Möglichkeiten von EM in seiner ganzen Breite verstanden, deshalb nutzt er es auch beim Reinigen der Glasflächen der Gewächshäuser – die nun nicht mehr so schnell verschmutzen – und beim Entrosten der teilweise schon 80 Jahre alten Eisenkonstruktionen. EM-Keramikpulver nimmt er, um die Lagerung von Obst und Gemüse zu verbessern und auch in seinem privaten Umfeld hat er genug Möglichkeiten für einen Gewinn bringenden EM-Einsatz gefunden.

Lohn einer guten Idee und weiterer Ansporn

Als er 2009 davon hörte, dass die von den Waldbreitenbacher Franziskanerinnen gegründete Umweltstiftung zum ersten Mal einen Umweltpreis auslobte, bewarb er sich mit seinem Bokashi-Projekt. Man kann sich seine Freude leicht vorstellen, als er überraschend den Sonderpreis für sein Projekt zur Verarbeitung von Küchenabfällen bekam. Die festliche Verleihung Ende September fand beim 1. Waldbreitbacher Umwelttag statt. Festredner war kein Geringerer als der ehemalige Umweltminister und Exekutivdirektor des Umweltprogramms der Vereinten Nationen, Klaus Töpfer. In seiner viel beachteten Rede machte er u.a. deutlich, dass „wir uns eine Wegwerfgesellschaft“ nicht mehr leisten können. Für die Praxis solchen Denkens kann die Arbeit von Bernhard Rieth als Beispiel gelten.

Auch ein Wermutstropfen

Kaum war das Bokashi-Projekt mit großem Erfolg und zur völligen Zufriedenheit aller Beteiligten angelaufen, gab es den ersten Dämpfer: Egal wie gut die Werte und Ergebnisse sind, es ist nicht erlaubt, alle Abfälle aus Küche und Restaurant zu kompostieren, nur die Grünabfälle. Es ist zwar ärgerlich, nicht nur weil der Garten die zusätzlichen Nährstoffe gut gebrauchen könnte, sondern auch, weil nun noch einmal getrennt werden muss. Dem Gesamtprojekt und der Begeisterung daran konnte dies jedoch keinen Abbruch tun. Das gesamte Gelände ist groß und viele Bereiche konnten noch gar nicht mit EM versorgt werden. Wir können sicher sein: Bernhard Rieth bleibt dran! „Diese ausgezeichneten Projekte“, erklärte Dietmar Kurz, der Vorsitzende der St. Franziskus Umweltstiftung bei der Preisverleihung, „sollen beispielgebend für andere Einrichtungen sein.“ Die Nachahmung ist ausdrücklich erwünscht. Wer weiß, was Franz von Assisi, der im 13. Jahrhundert natürlich noch nichts von der Existenz der Mikroorganismen wissen konnte, über die liebevolle Integration dieser kleinsten Geschöpfe in den Klostergärten gedacht hätte; von dem Gedanken, alles zum Nutzen der Natur wiederzuverwerten, wäre er aber ganz sicherlich begeistert gewesen.

Albert Nüchel/Pit Mau

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