Ein Besuch in Mythopia

Mythopia – ein magisches Wort. Es faszinierte mich schon, als ich es vor Jahren zum ersten Mal las. Ein Wortspiel aus Mythos und Utopie? Oder aus Mythos (Wort), das nicht nur gesprochen, sondern am Ort (Topos) auch gelebt wird? Beides ist richtig, wie man bei www.mythopia.ch/de nachlesen kann. Den Namen haben Romaine und Hans-Peter Schmidt dem Weinberg gegeben, den sie, umgeben von den Walliser Viertausendern, konsequent ökologisch betreiben.

Hans-Peter Schmidt (Mitte) und der australische Wissenschaftler Paul Taylor (links) diskutieren die Optimierung eines kleinen Holzkohle-Meilers, begleitet von einem nachdenklichen Besucher.

Ich las mich fest in den Artikeln, die über diesen Weinberg seit Jahren veröffentlicht werden, denn es ist ein besonderer Weinberg. Da herrscht eine große Artenvielfalt an Pflanzen, Insekten und Schmetterlinge in großer Zahl schwirren umher, Forscher zählen die Artenvielfalt, der Boden enthält Pflanzenkohle und auch EM. Es ist der erste Terra-Preta-Weinberg der Welt und gleichzeitig das „Forschungslabor“ des Ithaka-Instituts, früher Delinat-Institut mit Hans-Peter Schmidt als Forschungsleiter. Fast allen, die sich mit dem Thema Terra Preta beschäftigen, ist Hans-Peter Schmidt auch als Vordenker des Einsatzes von Pflanzenkohle bekannt. Ihm liegt die Praxis am Herzen, wie wir schon in den vorigen EMJournalen 53 und 54 über die einfache eigene Herstellung von Pflanzenkohle erfuhren. Im Laufe der Zeit wuchs mein Wunsch, dieses Mythopia einmal mit eigenen Augen zu sehen – und Hans-Peter Schmidt zu treffen. Da ich in diesem Sommer mit meinem Mann einige Tage in Sion, der Hauptstadt des Wallis, verbringen wollte, machte ich mit ihm einen Termin vor Ort aus. Den Weinberg fanden wir dann inmitten der imposanten Berge, genau wie beschrieben. Wir fotografierten die Trauben und die Weinreben, die sich mit Kräutern, Wildblumen, Pfirsichbäumen und Sanddornsträuchern abwechselten. Schmetterlinge kamen uns vor die Kamera, nicht alle ließen sich im Bild festhalten. Inmitten dieser Vielfalt von Pflanzen und Tieren sind Messgeräte ebenso zu sehen wie z. B. ein Insektenhotel.

Als wir Hans-Peter trafen, war er gerade dabei, zusammen mit dem australischem Physiker Paul Taylor, Versuche zur Optimierung eines kleineren Terra-Preta Meilers zu unternehmen. Wir konnten den beiden ein wenig zur Hand zu gehen. Dabei erfuhren wir, dass Pflanzenkohle auch in Nepal von den Bauern in gemeinsamen Projekten hergestellt wird, und wie ihnen nach dem Erdbeben beim Wiederaufbau ihrer Häuser geholfen wird. Über Weinbau redeten wir dort gar nicht – erst als es am Ende unseres Besuches um die Sorten ging, die wir kauften wollten.

Zurück in Thüringen

Bei unserem EM-Anwendertreffen mit dem Mediziner Dr. Lutz Riedel stellte ich Mythopia in Wort und Bild vor und erzählte auch von der Nepalhilfe des Ithaka-Instituts. Wir baten alle Anwesenden um eine Spende für dieses Projekt; die Summe erhöhten mein Mann und ich auf noch das Doppelte, und so gingen 100,- Euro Spende an das Ithaka-Institut für die Erdbebengeschädigten in Nepal.

Stephanie Niebel

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