EM in Frankreich: EM und zwei Gärten

Im Januar 2011 bekam ich von einem Freund aus Deutschland ein EMJournal, u.a. mit dem Artikel über das Südtiroler „EM-Dorf“ Sand in Taufers. Das faszinierte mich. Seit meiner Gärtnerlehre vor 60 Jahren arbeite ich mit Pflanzen und Kompost, das war also etwas für mich.  

Anfang März setzte ich mein erstes Bokashi an, das Ende April reif war, gerade rechtzeitig, um für die Tomaten in die Erde gebracht zu werden. Dafür reichte die Hälfte aus meinem Eimer. Der Rest wanderte mit in den Kompost, der Ende Juni so schön war, wie ich noch nie Kompost gesehen habe, in so kurzer Zeit! Wohin nun mit dieser herrlichen Erde, mein kleiner Gemüsegarten war voll versorgt. Nun besitze ich seit zwölf Jahren einen zweiten Garten, acht Kilometer von meinem Haus entfernt, einen Wild- (oder Natur-)garten, mit vielen wildwachsenden Orchideen und anderen interessanten Pflanzen. Das Gelände war zunächst völlig verwildert und seit etwa 30 Jahren kaum genutzt, da der Boden arm und steinig ist. Die stärkeren Pflanzen hatten schon weitgehend die schwächeren überwuchert. Ich sah aber, dass sich mit Pflege etwas machen ließe.

Früher wurden solche armen Böden extensiv genutzt. Der Mensch arbeitete mit der Natur (ohne Maschinen und Chemie). Er holte sich, was er brauchte mit Handarbeit: Brennholz, Wacholder zum Räuchern usw., und ab und zu zog der Schäfer mit seiner Herde darüber. Im langsamen Dahintrotten fraßen die Schafe was ihnen gerade behagte, hielten die Pflanzendecke kurz ohne sie kahl zu rupfen. Die Natur passte sich dieser Nutzung an, und es entstand eine artenreiche Flora und Fauna, die heute so viel zitierte Biodiversität. Mit etwas Hilfe und viel Mühe wurde das Ganze auch langsam etwas mehr Garten als wild. Aber bald zeigte sich eine Schwierigkeit: Wohin mit all dem anfallenden Pflanzenabfall? Der Rasenmäher ersetzte die Schafe nur zur Hälfte, indem er die Pflanzendecke kurzhielt. Zunächst haben wir oft Mähgut und andere Pflanzenreste verbrannt, was mir immer leidtat. Aber niemand wollte so etwas holen und nutzen. Warum also nicht EM kompostieren?

Aus problematischem Abfall wird gute Erde

Eine flache Mulde (20 cm x 1,5 x 5 m, nach Bedarf zu verlängern) wurde im Baumschatten ausgehoben. Mit dieser Erde und dem EM-Kompost wurde das Mähgut mit Laub, Küchenabfällen usw. fachmännisch aufgeschichtet und immer wieder mit EMa überbraust, schließlich mit Folie abgedeckt, die ringsherum gut am Boden befestigt wurde. Die Zeit (und die EMs) leisteten beste Arbeit: im Herbst war der Kompost wunderschön mit vielen Regenwürmern, Asseln und Larven vom Rosenkäfer. Dieser hübsche Käfer liebt es, seine Eier in die Schicht zu legen, wo verwesenden Pflanzen an die Erde stoßen. Und nun wieder: Wohin mit der ‚Freud’? Ein Wildgarten hat es nicht nötig, dass wir seinen Boden ‚bereichern’, das würde sein biologisches Gleichgewicht durcheinander bringen. Kein Problem! An der Längsseite meines Gartens stößt ein Acker an mit ebenso armem, steinigem Boden, zeitweise brach liegend mit Margeriten und hunderten von Pyramiden- Orchideen, dann wieder umgepflügt. Armer Boden? Könnte der nicht mit unserem EMKompost angereichert werden? Der junge Bauer, der das Feld übernommen hat, war mit einem Versuch einverstanden. So kam der Kompost auf das Feld, wo kurz darauf Gerste ausgesät wurde. Die steht jetzt im Mai kurz vor der Ernte, schwer zu sagen, wie viel der Kompost getan hat. Seit dem Winter sind jetzt am Rande des Ackers drei weitere Komposthaufen, welche zum Einsatz kommen, sobald das Feld frei ist. Etwas weiter ist jetzt ein Riesenhaufen von geschredderten Ästen, der nach und nach mit dem anfallenden Mähgut und EMa verarbeitet werden soll, immer schön nahe am Acker, um Transport zu ersparen. Dazu kommt wieder die Neugierde, wie wird es laufen? Können wir dem Acker und seinem Besitzer helfen und gleichzeitig die kostbare Biomasse retten? Die Zeit wird’s zeigen! Schön wenn wir so zufrieden sein werden, wie ich es im vorigen Jahr mit meinen EM-Tomaten war!

Ingrid von Ramin

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