Ist das Licht am Horizont schwarz?

Internationaler Kongress für Biokohle und Humuswirtschaft in Lautenbach

Seit unserer Mitgliederversammlung im Mai 2009 in Bremen ist kein einziges EMJournal erschienen, in dem wir nicht über Terra Preta und die Möglichkeiten, gezielt und schnell Humus aufzubauen und damit unsere Böden nachhaltig fruchtbarer zu machen, berichtet haben. Inzwischen hat dieses Thema Teile der Landwirtschaft erfasst, an vielen Orten und in vielen Ländern wird geforscht und nach Möglichkeiten gesucht, die sich aus den neuesten Erkenntnissen ergebenden Chancen zu nutzen. Ist Biokohle das Licht am Horizont – für eine nachhaltige Landnutzung, für einen effektiven Klimaschutz, für ein kosten-effizientes System in der Ver- und Entsorgungstechnik oder handelt es sich dabei lediglich um eine messianische Heilsbotschaft von selbst ernannten „Weltverbesserern“?

Rolf Zimmermann vom EM-Technologiezentrum in Baden-Württemberg, EM-Mann der ersten Stunde in Deutschland, war im Juli Gastgeber des internationalen Kongress für Biokohle und Humuswirtschaft in Lautenbach im Schwarzwald. Wer Rolf Zimmermann kennt, weiß, dass er einer solchen Frage mit allen wissenschaftlich zur Verfügung stehenden Mitteln nachgeht. Entsprechend hochkarätig war das Podium. Ohne dem Ergebnis und den sicher noch erforderlichen Forschungen vorgreifen zu wollen, scheint eines sicher: Mit der Umwandlung überschüssiger Biomasse zu Biokohle und deren anschließende Verlebendigung mit Mikroorganismen ist ein maßgebliches Puzzleteil gefunden, das uns einen riesigen Schritt näher an unser aller Ziel bringt. Das Schöne ist: Effektive Mikroorganismen spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Hochkarätiges Podium, hochinteressante Vorträge

Moderiert wurde die hochkarätig besetzte Veranstaltung vom Bildungsreferenten des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes (BLHV) Matthias Werner, der in diesem Forschungsgebiet eine echte Chance für die Landwirtschaft sieht. Seitdem man das Geheimnis der humusreichen und nachhaltig fruchtbaren Böden aus Amazonien, die als Indianerschwarzerden oder Terra Preta do Indio bezeichnet werden, erkannt hat, wird weltweit zu diesem Thema geforscht. „Wir sollten in Deutschland nicht den Anschluss verlieren,“ so Dr. Haiko Pieplow vom Bundesumweltministerium, der seit vielen Jahren das Terra-Preta-Phänomen erforscht und sich leidenschaftlich für die Optimierung von Stoffkreisläufen durch regionales Management einsetzt. Auch wenn es noch Forschungs- und Entwicklungsbedarf insbesondere in der Qualitätssicherung und der wirtschaftlichen Anwendung der Terra Preta Substrate gebe, sieht er durch den Humusaufbau mit der Terra Preta-Technologie wichtige Impulse für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Wichtig sei es, den Boden nicht als Dreck zu begreifen, sondern als lebendiges System, das sich nicht auf NPK reduzieren lässt. Denn: „Wenn Mutter Erde zu Dreck wird, verliert unsere Zivilisation den Boden unter den Füßen.“

Die sich ergebenden Chancen bestätigte auch die manchen Mitgliedern bekannte Frau Prof. Dr. Monika Krüger von der veterinärmedizinischen Fakultät an der Universität Leipzig in ihrem Referat über die „Natürliche Dekontamination von Fäkalabfällen mit Hilfe der Terra Preta Technologie“. Die Ergebnisse ihrer umfangreichen Untersuchungen waren ebenso beeindruckend wie ihr Fazit: „Die Terra Preta-Technologie ist die Methode, Abfälle und Abwasser als wichtige Wertstoffe wieder in den Wertstoffkreislauf zu integrieren. Insbesondere Klärschlämme aus Kleinkläranlagen eigneten sich. Während der Fermentierung der Fäkalien mit organischen Materialien, Gesteinsmehl und Holzkohle werden pathogene Bakterien abgetötet und unter der Fermentierung komme es zu einem Wechsel der Bakterienpopulationen. Es entsteht so ein zukunftsfähiges, kosteneffizientes System, das einen Beitrag zur Flexibilisierung der Ver- und Entsorgungstechnik leistet.“ Ein erster Schritt zur Herstellung von Biokohle ist die Karbonisierung von Biomasse, die ausreichend vorhanden ist, wie die Pflanzenwissenschaftlerin Dr. Carola Holweg aus Freiburg in ihrem Vortrag zum „Zukunftsmarkt Naturkohle“ ausführte. Sie stellte die unterschiedlichen Carbonisierungsverfahren vor, die hydro thermale Carbonisierung (HTC) und die Pyrolyse als Alternativen zur klimaschädlichen offenen Verrottung oder offenen Verbrennung. Bereits existierende mobile Kleinanlagen können beispielsweise dezentral Restbiomasse zu Biokohle umwandeln, klimaschädliche Rebfeuer oder Baumschnittfeuer könnten so bald der Vergangenheit angehören und stattdessen könnte diese Biomasse wertvolle Rohstoffe für den gezielten Bodenaufbau liefern. Eine großtechnische Anlage stellte Hans-Peter Schmidt vom Delinat-Institut in der Schweiz vor, selbst Mitbetreiber einer Pyrolyseanlage in Lausanne, ergänzt durch erste Erfahrungen im Humusaufbau durch Biokohledüngung im Weinbau.

Rolf Zimmermann schließlich, der Initiator und Gastgeber der Konferenz, zeigte in seinem Vortrag den zweiten praktischen Schritt zur Terra Preta Herstellung auf, die Verlebendigung der Biokohle durch Mikroorganismen. Sie besiedeln die enorm große innere Oberfläche der Holzkohle, die es pro Gramm immerhin auf eine Fläche von 300 bis 400 Quadratmetern bringt, und aktivieren dort das Bodenleben. Durch diese extrem hohe innere Oberfläche hat die Holzkohle auch ein hohes Aufnahmevermögen und Pufferkapazität für Feuchtigkeit, so dass eine gute Holzkohle nicht nur ein Nährstoff-, sondern auch ein Feuchtigkeitsspeicher ist. Dürrekatastrophen könnten, so Rolf Zimmermann, mit dieser Technologie der Vergangenheit angehören und er zeigte dies eindrucksvoll durch einen durchgeführten Tränkeversuch auf. Er erläutert die großflächige Umsetzung in der Landwirtschaft sowie den einhergehenden Kostenaufwand. Noch beeindruckender sind aber die weiteren Vorteile, die durch den zusätzlichen wirtschaftlichen Einsatz von Holzkohle zu erwarten sind:

  • Gesunde, dauerfruchtbare Kulturböden
  • Einsparung der Wasserressourcen (Bewässerung überflüssig)
  • Bessere Filtration des Grundwassers (Aktivkohlefilter-Effekt)
  • Einsparung von Pflanzenschutzmitteln, Insektiziden, Fungiziden, Herbiziden
  • Kleinere Anbauflächen, da wesentlich größere Effektivität/Ertrag
  • Weniger Monokultur durch frei werdende Flächen (Biodiversität)
  • Bessere Lebensmittelqualität
  • Geringerer Energieverbrauch bei der Bodenbearbeitung
  • Hoch signifikante Klimaverbesserung weltweit
  • Keine Dürrekatastrophen mehr – keine Hochwasserkatastrophen mehr
  • CO2 Einsparungsbonus usw. – viel Freude beim Anbau der Kulturen!

Am Ende des Tages war klar, dass es zwar noch Forschungsbedarf gibt, dass aber bereits weltweit an diesem Thema geforscht wird. Die vorliegenden Ergebnisse machten deutlich: Es handelt sich bei dieser Technologie nicht um eine „messianische Heilsbotschaft“, sondern um das Wiedererlernen natürlicher Zusammenhänge und um eine echte Chance nicht nur für die Landwirtschaft, sondern für die ganze Erde. Im übrigen kann jeder Hobbygärtner die Vorteile dieser Technologie im eigenen Hausgarten selbst experimentell erfahren. Denn, und auch das gibt Dr. Pieplow den interessierten Zuhörern auf die Frage nach öffentlicher Förderung angesichts leerer Kassen mit auf den Weg: „Es ist fatal zu warten bis was von oben kommt, wir müssen selbst was tun.“

Johanna Aßmann

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